Mittwoch, 5. März 2025

MM 2024 Radicofani-Matassino Reggello

In der Nacht hatte es ordentlich geregnet. Als wir losfuhren, war es aber schon trocken. Es war noch nicht ganz hell. In der langen Abfahrt konnten wir Nebel in den Niederungen sehen- Tom hatte uns gut beraten, oben auf dem Berg zu nächtigen- auch, wenn es etwas frisch war bergab.

So eine gemeinsam verbrachte Nacht schweißt ja irgendwie zusammen und ich kam gar nicht auf die Idee alleine fahren zu wollen.

An der Tankstelle, die dann irgendwann auftaucht, frühstücken wir erstmal ausgiebig. Ah, das tat gut. Der nächste Stop ist dann die gar nicht so geheime Kontrollstelle in der Pizzeria.


Bald kommen wir in die Nähe der Tuffsteinstädte Sorano und Pitigliano. So schön, dass mir immer der Atem weg bleibt!

Sorano, bekannt durch unsere Pausen beim Tuscany Trail und der MM2021 zusammen mit Klaus. Dieses Mal pausieren wir nicht, wollen wir doch bald zum Lago di Bolsena- zur nächsten Kontrollstelle.


 


Hinter Pitigliano geht es lange bergauf und ich merke bald, dass das Tempo nicht zusammen passt. Ich fahre vor- würde in Bolsena warten. Da es aber auch noch bergab geht und dann lange geradeaus, kommen wir doch gemeinsam an.

In der Sporthalle will ich nicht bleiben- hier ist es ungemütlich und ich fahre gleich weiter bis zu einer Bar in der Stadt. Ein schöner belebter Platz. Ich bestelle Spremuta d' arancia - das Rad stelle ich gegenüber an den Straßenrand, damit die anderen mich finden könnten. Ein langer Stau bildet sich und ich kann mein Rad nicht immer sehen.....Dann kommt die Gruppe und möchte auch Spremuta und so wird es eine längere Pause. Das ist ok, denn nun folgt ein langer Anstieg und eine schöne lange Abfahrt nach Orvieto. Kleine Pause an einer Tankstelle und weiter in den nächsten Anstieg auf den Monte Peglia. Der lange Anstieg hat die Gruppe geprengt- Nur mit Klaus zusammen fahre ich über den Pass, der ungewöhnlich belebt ist- hier hatte ein Festival stattgefunden. Wo war die Hitze von 2021- doch in der Ebene, die lange Gerade bis zum Lago Trasimeno, da war sie wieder. Hier gab es nun nur noch wenige Einkehr- oder Erfrischungsmöglichkeiten.

Eine Bar, etwas abseits des Tracks- dort hatten sich viele Randonneure in den Schatten geflüchtet. In einer Bar in Pasignano sul Trasimeno sollte die zweite Geheimkontrolle sein, so viel war bekannt. Hier war die Gruppe wieder zusammen, doch beim Weiterfahren gab es Unstimmigkeiten und da wurde es mir zu viel und ich versuchte einen Angriff nach vorne raus. Das gelang auch ganz gut, so lange wir bergan fuhren. Später dann im Flachen überholte mich die Gruppe zügig- ich hatte sie offensichtlich wach gerüttelt. Doch ich war fest entschlossen, jetzt nicht mehr Gruppe fahren zu wollen und überholte an der nächsten Kontrollstelle, wo ich nur stempelte und gleich weiter fuhr. Den Vorsprung halten, bis Castiglion Fiorentino war nicht schwer und dann ging es in den nächsten Anstieg, den mir gut bekannten Hausberg von Arezzo. Dort wollte ich dann pausieren. Hinter Arezzo, die Tankstelle von 2021 hatte zu. Ich sah einen anderen Randonneur suchend nach einer Verpflegungsstation (I 'm verry (h)ungrry!!) Es war Agis aus Malaysia und wir fanden wenig später in Quarata ein Restaurant- es war noch früh am Abend und wir die einzigen Gäste. Ich versuchte den Wirt und die Speisekarte für Agis zu übersetzen- am Ende wusste ich nicht recht was wir bestellt hatten. Es sollte etwas vegetarisches sein. Die Nudeln mit Butter und Salbei waren sehr schmackhaft und es hatte sich gelohnt hier etwas mehr Zeit zu investieren. Ich freute mich endlich der Gruppe entflohen zu sein- denn nur so lernt man neue Leute, Randonneure, anderer Länder kennen. Und Menschen aus Malaysia war ich noch nie begegnet. Bald sollten es noch mehr werden, denn Agis sah, zwei Freunde entlang fahren und winkte sie heran. Nun musste ich wieder übersetzen- der Wirt schaute immer fragend zu mir. Da nun die Beiden erst bestellten, nachdem wir schon gegessen hatten, wurde es eine längere Pause. Die Drei lachten sehr viel und das war sehr ansteckend.

Ich dachte nun müssten meine Bekannten auch bald kommen und da waren sie auch schon. Wieder musste ich übersetzen-doch das wurde dann Tom und Jörn zu lang und sie fuhren weiter. Klaus, Agis und ich folgten bald.

Kurz hinter Quarata überquerten wir wieder einmal den Arno über die mittelalterliche Bogenbrücke , Ponte Buriano. 

Klaus war in seinem Element- ein welliges Terrain, wie er es von der Ostseeküste her kennt und in seinem bekannten Stil, bergan stehend zu fahren, machte er ordentlich Tempo. Ich war gestärkt durch die Pasta spürte aber langsam wieder die Müdigkeit. Agis war so müde, dass er automatisch, fast wie an einem Gummiband hinter uns herfuhr. Wäre er alleine gewesen, hätte er wahrscheinlich  angehalten und wäre am Straßenrand eingeschlafen. Klaus fuhr irgendwann vorne raus und irgendwie schafften wir am Ende diese gut 40 km bis Regello.

Die Kontrollstelle war bekannt aus 2021- nur hieß sie hier anders!?  Figline Valdarno. Der Blick auf die Karte verrät- es ist die Stadt auf der anderen Arnoseite.

2021 bin ich von hier aus  gleich weiter in den langen Anstieg und weiter bis Scaperia gefahren. Heute machte es hier keinen Sinn weiter zu fahren- zum einen , weil es schon deutlich später war und die Strecke insofern dieses Mal anders war, dass der nächste Kontrollpunkt in Dicomano keine Schlafmöglichkeiten bot.

Möglichst schnell in die Waagerechte kommen- so machen ich es immer. Also, nicht lange aufhalten, duschen, Platz für die Matratze suchen und hinlegen.

Die Duschen, die wir hier bezahlen sollten, waren schon sehr gebraucht und der Schlafsaal wohl auch- so entschloss ich mich, nach einem Becher Wein, mir draußen  ein ruhiges Plätzchen, etwas abseits des Trubels zu suchen.

Wie immer, schlief ich sofort ein und wachte ausgeschlafen am nächsten Morgen auf. Endspurt!? Nun, anders als 2021 und mit dieser Erfahrung, hatte ich geplant, in Pieve di Coriano am PO zu übernachten. Ich wusste, dass diese Kontrollstelle alles bot, was ein Randonneur nach 4 Tagen auf dem Rad braucht.

Geduld war also weiterhin gefragt, denn von den 5 Tagen waren ja erst 3 verstrichen.

Als ich beim Frühstück saß, jetzt mit Kaffee, kamen Carsten und Jochen zur Kontrollstelle. Während Jochen den Brevet wegen Sitzproblemen abbrechen musste, wollte Carsten gleich weiter. das passte zu meinen Plänen und so beschlossen wir, nachdem sich Carsten etwas gestärkt hatte, erst einmal zusammen zu bleiben.

 Auf 18 Kilometern sind nun etwa 900 Höhenmeter zu überwinden.

 

Dienstag, 4. März 2025

MM 2024 Matassino Reggello - Pieve di Coriano Borgo Mantovano

Dieser Tag würde zunächst die zwei höchsten Anstiege der diesjährigen Mille Miglia zu bieten haben, ca. 2250 Höhenmeter auf gut 100 Kilometern. Beide Anstiege führten auf knapp über 1000m- anschließend lägen die Berge hinter uns und weitere flache 500 km trennten uns dann noch vom Ziel. Fast 1/3 der Gesamtstrecke und ich wusste, dass man dieses flache Drittel in der Poebene nicht unterschätzen durfte. 

Zunächst 18 Kilometern mit etwa 900 Höhenmeter bis hinauf zum Kloster und Naturpark Valombrosa waren nach dem Frühstück zu überwinden.

Ich fühlte mich gut und lustvoll fahre ich in den langen Anstieg- dieses mal im Hellen. Da Carsten nicht geschlafen hat, auch Probleme mit den Füßen hat und so keinen Druck machen kann, passt das Tempo nicht zusammen. Dennoch fahren wir zusammen bis wir oben in Saltino sind, wo ich an der ersten Bar anhalte. Carsten will langsam weiter.

Da ich keine Ahnung habe, wo die anderen, mit denen ich den letzten Tag mal mehr- mal weniger zusammen verbracht hatte, waren, genoss ich jetzt das Alleinsein. 

"Manch Mensch mag denken, so einen Brevet wird mit den Beinen gefahren!? Mitnichten- die Konzentration auf das Selbst darf nicht verachtet werden!!"

(Klaus meint, ich soll blumiger schreiben ;-))

Endlich nach drei Tagen konnte ich mich auf mich selbst konzentrieren- was für mich zunächst eine ausgedehnte Frühstückspause bedeutete. Dies würde mein Tag werden, wo ich nur mein Tempo fahren würde mit dem Wissen, dass ich gute Beine hatte und dass ich sicher heute Nacht in Pieve di Coriano schlafen würde und dann auch sicher am folgenden Tag ins Ziel fahren würde.

Eine lange Abfahrt und schon erreiche ich Dicomano, ein Kontrollort, den wir schon bei früheren Austragungen angefahren sind. Carsten sehe ich kurz- er will hier schlafen. Sicher eine gute Idee. Nach kurzem Stopp, fahre ich weiter. Will ruhig und gleichmäßig fahren mit nur kurzen Stopps- so mein Plan.

Nach einem kurzen Flachstück entlang eines Flüsschens bis Borgo San Lorenzo geht es in den finalen Anstieg. Zunächst über den Passo Calla- eine kleine Abfahrt und dann der berühmte Passo Sambuca. Im Anstieg fahre ich auf Nina auf, die in London lebt. Lange unterhalten wir uns und merken nicht wie die Höhenmeter unter unseren Rädern dahin schmelzen. An einer Weggabelung ist eine mit Randonneuren gut gefüllte Bar- Nina stoppt- ich aber will weiter den letzten Pass bezwingen.

Leider wird es immer nebliger und dadurch auch feuchter. Später in der Abfahrt kann ich das Rad deshalb nicht so laufen lassen, wie ich möchte- schade.

Der Nebel lichtet sich weiter unten und gibt die Sicht auf dicke Regenwolken frei.

Es beginnt zu schütten, wie ich es in Italien selten erlebt habe. In Sekunden ist alles überschwemmt und da die Straßen ja hier nicht eben sind fahre ich durch tiefe Pfützen- das Wasser spritzt zur Seite und bremst die rasante Abfahrt.

Ebenso schnell ist der Regen wieder vorbei. Für mich war es eine willkommene Abkühlung und im Gegenanstieg bin ich schnell wieder warm.

Schon folgt die nächste Kontrollstelle- ein Radladen am Straßenrand. Gegenüber eine Eisdiele - dort treffe ich Tom und Klaus. Das Eis ist sehr lecker und ich überlege, ob ich noch ein weiteres esse.


 Ich fahre alleine weiter- die Beiden wollen noch pausieren.

Noch bin ich nicht unten in der Poebene angekommen:

"Una dolce e lunga discesa percorre interamente la valle Senio costeggiando il fiume"

"Ein sanfter, langer Abstieg führt über die gesamte Länge des Seniotals entlang des Flusses", heißt es in der Beschreibung des Veranstalters.

Lugo ist schnell erreicht. Auch hier halte ich mich nicht lange auf- erst in Massa Finalese wollte ich länger pausieren und essen. 

Doch diese Etappe ist lang und es ist heiß, so dass ich doch einmal am Straßenrand an einem Obststand halte; hier gibt es frisch gepresste Säfte, Tomaten und Aprikosen. Ich stelle mich neben den Stand und esse alles und komme ein wenig mit der Verkäuferin ins Gespräch. Am Ende darf ich nicht bezahlen!

Der zweite Stopp ist an dem mir schon bekannten Lidl- Supermarkt. Ich hatte die Schuhe ausgezogen, um mir etwas Kühlung zu verschaffen, was die Verkäuferin an der Kasse gar nicht lustig fand. Ich verstehe nicht so ganz, warum Schuhsohlen hygienischer sein sollen, bin aber ganz kleinlaut, denn ich soll an der Schlange vorbei - gleich abkassiert werden , um so möglichst schnell den Laden zu verlassen.

So kann man das auch machen, wenn man im Rennen ist, denke ich.

Vor dem Kontrollort werde ich von einer größeren Gruppe eingeholt und hänge mich da rein- ich lerne zwei Engländer kennen, einer unterhält sich mit mir angeregt- der andere mit gesenktem Kopf weniger. Er hat einen Shermer's Neck und fragt sich, wie er das Ziel noch erreichen kann. Armer Kerl!

Auf dieser verkehrsreichen Straße sind die Autofahrer wenig fahrradfreundlich- schade- es wird viel gehupt und eng überholt.

In die gleiche Richtung zurück führt der Track nachher auf einem Radweg, der eher an einen Cross erinnert. Dies Streckenführung habe ich schon 2021 nicht verstanden.

Das Essen am Kontroll- und Verpflegungsort war sehr lecker. Piadina und so, konnte ich Tom, der jetzt kam, empfehlen. Ich wollte weiter- da kamen auch Klaus und Jörn. Kurzer Schnack und dann weiter.

Ich war müde geworden- wollte aber auf jeden Fall noch die Strecke entlang des Pos fahren und zum Kontrollort.  Pieve di Coriano. Knapp 70 Kilometer trennten mich noch von der Waagerechten- ich sehnte die Schlafpause herbei.

Leider schleppten sich deshalb die Kilometer so dahin- der Zug war raus. Es wurde nun auch bald dunkel. Nach 30 Kilometern überquerte ich den Po.In diesem Jahr fuhren auf der Nordseite entlang des großen Flusses. Hier war absolut nichts los. Die einzige Abwechslung boten kleine Käuze oder Eulen, die auf der Straße standen und erst kurzfristig aufflogen. Die waren lustig! Ansonsten empfand ich diese Strecke eher eintönig und ich hatte Mühe mich wach zu halten.

Als meine Augen zu fallen wollten, hielt ich an und wartete auf zwei Fahrer, die ich kurz zuvor überholt hatte. Lieber etwas langsamer aber mit mehr Sicherheit falls etwas passiert, wollte ich fahren. Doch ich merkte bald, dass das keine gute Idee war- ständig verfuhren sie sich, hielten an und diskutierten.....

Also weiter und irgendwann erreichte ich den Kontrollort, den ich auch noch von Alpi4000 in guter Erinnerung hatte. 

Kurz duschen und dann schnell hinlegen. Der Blick in den Schlafsaal verrät, es gibt Klappliegen- was für ein Luxus. Bevor ich mich hinlege,  treffe ich zum ersten Mal seit dem Start die drei Hannoveraner, Evelyn, Henning und ?. Wir begrüßen uns nur kurz.

Endlich der ersehnte Schlaf auf einer Liege......!!!

 

 

 

 

Montag, 3. März 2025

MM2024- Das Finale

Das Finale beginnt mit einem ausgiebigen Frühstück und gutem Kaffee und freundlichen Helfern in einem Wohnwagen. Freundlich und gut gelaunt, nachdem sie wahrscheinlich die ganze Nacht hindurch gearbeitet haben.

Diese gute Laune ist ansteckend. Außerdem habe ich auf diesen Klappliegen wunderbar geschlafen. Als ich aufstand, kam gerade Der Dirk aus Schleswig-Holstein- ich bot ihm meine Liege an.

Mit zwei Hamburger Randonneuren hatte ich beim Frühstück geschnackt- fuhr aber alleine weiter.

85 Kilometer immer entlang des großen Flusses. Dieses Jahr im Hellen und es gibt immer wieder tolle Blicke auf den Po. Die in der Nacht eher eintönige Strecke macht nun Sinn und ist jetzt so kurzweilig, dass ich bald schon an der ersten Kontrollstelle ankomme. 

Ein reichhaltiges Büfett mit viel Obst und Pasta wartet auf die hungrigen Fahrer und nebenan ein Raum zum schlafen- perfekt. natürlich nicht für mich.

Fürs Schlafen zu spät- für Pasta zu früh.

Ich nehme Obst und Kaffee- treffe Nina und Karl, den Schweden hier wieder- fahre aber alleine weiter, denn die Beiden wollen hier kurz schlafen und währenddessen die Akkus von Navi und Handy laden.

Bald fahre ich auf eine kleine Gruppe auf- Rätsel um die Strecke. Ja, die führt tatsächlich über den Hof und auf einem unbefestigten Feldweg entlang.

Ich fühle mich wohl auf diesem Abschnitt. Dicke Wasserrohre der Bewässerung müssen überquert werden- ich versuche zu springen und lande fast im Matsch. Zumindest hat die Bremse davon viel aufgenommen und bremst nun die weiterfahrt.

Ich muss anhalten und mit einem Stock den Dreck weg kratzen. Erinnerungen an eine B- Road in Iowa werden wach. Schön. Der Abschnitt ist nicht so lang- wieder auf dem Asphalt versuche ich während der Fahrt auch den Dreck vom Reifen abzustreifen.

Bald überholen mich Ben und Michael. Ben kenne ich noch von seinen Brevets in Münster. Sie geben Zeichen ich solle mitfahren und gemeinsam machen wir ein gutes Tempo. Alleine wäre ich jetzt nicht so schnell vorangekommen- kann aber gut mithalten und habe etwas Unterhaltung. Kurz vor Fombio, der nächsten Kontroll- und Verpflegungsstelle, wollen die Beiden aber Cola kaufen. Eine größere Gruppe überholt mich- da ist auch Der Dirk mit dabei. Das Tempo kann ich aber nicht fahren. Kurze Zeit später stehen sie an einer Ecke- es hat wohl einen Unfall gegeben, wie ich von Der Dirk erfahre, der nun mit mir die letzten Kilometer bis zur Kontrollstelle fährt.

Diese ist wieder im Innenhof des Castellos. Auch hier wird alles geboten, was Randonneure jetzt nach fast 1500 Kilometern brauchen- ich will aber bald weiter- treffe Jörn zusammen mit Johann (Yuan), die bald aufbrechen wollen.

Ich fülle nur meine Flaschen und lasse mir eine Banane geben.

Im rasanten Tempo geht es nun weiter. 

Und nun beginnt wirklich das Finale- fast mit einem Endspurt. 

Diese letzte Tappa (124km) kann man in drei Abschnitte aufteilen:

Zunächst schnurgerade auf breiten Hauptstraßen bis Pavia- dann auf ruhigen schönen, gut asphaltierten Straßen entlang des Ticino bis Zerbolo. Hier wäre eine weitere Geheimkontrolle. Der letzte Abschnitt führt dann über die Pontonbrücke und weiter Richtung Norden, entlang der Bewässerungskanäle hoch bis Parabiago ins Ziel.

Yuan kommt aus Malaysia, spricht kaum englisch- so versuchen wir ihm ein paar Wörter deutsch beizubringen. "Geradeaus" und was er daraus macht, wird zum Motto, denn es geht wirklich ca. 40 km schnurgerade gegen den nun deutlich spürbaren Westwind. Huan nennt mich "Papa"- ich könnte wahrscheinlich auch sein Opa sein. Das findet er lustig- überhaupt, auch Yuan lacht viel, so wie ich es schon bei Ajis und Azly kennen gelernt habe.

Im Nu, das wäre etwas übertrieben, bewältigen wir diese etwas öde, breite Autostraße, indem wir regelmäßig durchwechseln. Gegenwind und geradeaus, das mag ich ja. Macht sogar Spaß, wenn alle mitziehen. In Pavia wollen wir mal wieder etwas essen und am Ortseingang bietet sich ein Supermarkt dazu an. Wir setzten uns davor in den Schatten und verzehren viel Obst und Getränke.

 Wir überqueren den Ticino über die Ponte Coperto. Ich beneide die Badenden am Ufer etwas. Wenig später beginnt die schöne Straße auf dem Deich entlang des Flusses. Einmal bei einer scharfen Linkskurve, wäre ich beinahe geradeaus und den Deich hinunter gefahren- ein Schreck, der mich aufwachen lässt.

In Zerbolo in der einzigen Bar des kleinen Ortes gibt es eine "Geheim"-kontrolle.

Endlich Eis. 


 Yuan telefoniert und plötzlich hat er es eilig ins Ziel zu kommen. Er drängt etwas zum Aufbruch und nun dürfen wir nicht mehr vorne fahren.

Es folgt die Pontonbrücke, die Veranstalter hatten empfohlen an der Seite auf dem hölzernen Gehweg zu fahren- nicht für mich- ich bin doch ein Crosser.

Ich hole Schwung und komme gerade einmal 2 m weit und der Hinterreifen hat keine Luft mehr.




 Der Mantel hat einen ca. 1 cm langen Schnitt abbekommen. Der Schaden ist gemeinsam schnell behoben. Jörn hat ein Tape aus dem Baumarkt- das sollte den Schnitt im Mantel abdichten und Yuan hat einen Minikompressor dabei.

Mit 4,5 Bar fahre ich weiter.

Der letzte Streckenabschnitt bietet ein schönes Finale- entlang der Bewässerungskanäle. Yuan filmt und chattet live mit seiner Familie und lässt sie an unserem Finale teilhaben- alles bei gleichbleibendem hohen Tempo !

Nach dem Chatt hat er es noch eiliger ins Ziel zu kommen und fragt uns, ob es ok wäre, wenn er nun vor fährt. 

Ein Ibis am Straßenrand

Zu zweit fahren Jörn und ich nun in Parabiago ein. Die Sonne ist gerade unter gegangen. Auf den letzten Metern ist bei mir der Stecker raus- da hilft auch kein "anfeuerndes" Hupen aus den Autos.

Im Ziel treffen wir Klaus und Tom und Yuan und später weitere Fahrer.



 

 

 

 

 

 

Sonntag, 2. März 2025

MM2024

Eine lange Geschichte- "Viel erlebt haben wir wieder einmal mehr!", schrieb ich am 20.August 24, kurz nachdem ich wieder zu Hause war.

 Und dass ich  noch weit entfernt davon war, einen Bericht zu schreiben.


 7 Monate hat es dieses Mal gedauert, bis ich soweit war. Und das ist gut so- es ist (fast) alles wieder da beim Schreiben und wieder befinde ich mich auf der Strecke, Bilder kommen, Namen muss ich teilweise recherchieren- zum Beispiel anhand der Finisher- Liste.

Dort fällt auf, dass Yuan nicht kurz vorher ins Ziel kam- es gibt einen Yuan, der 1h 20` später zusammen mit Ajis und Azly und auch mit Der Dirk ins Ziel kam. 

 Und kommt er womöglich aus Indonesien? 

 
Würde mich schon interessieren, was er in der Zeit noch gemacht hat. Hatte  er zum Beispiel seine Kollegen aus Indonesien und Malaysia noch vor dem Ziel erreicht- sind sie dann noch irgendwo angehalten oder hatten sie sich verfahren....
 
Vielleicht kann Stephan, wenn er LEL fährt, mit ihnen reden- denn dort wollen Sie fahren dieses Jahr.
Uns zieht es wieder nach Italien:
Nur noch gut 2 Monate bis wir dort bei der 999tuscany starten- dann wird es neue Geschichten geben......
 

 

 Und noch ein paar Fotos vom Finale:








 

Donnerstag, 27. Februar 2025

Rund um Berlin 2025

In diesem Jahr geht es zweimal rum, einmal rechts, einmal links.

Also zwei Brevets in diesem Jahr, zum Einrollen vor den ersten offiziellen Brevets in SH und HH.

Das Wetter hätte besser nicht sein können, denn pünktlich kündigte sich der Frühling an mit zweistelligen Gradzahlen nach einer längeren Frostperiode.

Widriges Wetter hatten wir oft genug aber ein Halt an einer Eisdiele vor Zypressen noch nicht. Fast Toscanische Verhältnisse- passend  zur 999, die ich in diesem Jahr fahren möchte.

   
Mein G. Motta ist noch rechtzeitig fertig geworden- Vor norddeutschen Zypressen  

Zu Zehnt sind wir langsam vorgefahren- Jochen und Carsten waren noch in Malente, haben uns aber bald eingeholt. Ludger kam schon aus NMS und Morten hat auf dem Markt den Kuchen vom Weber- Cafe probiert und für gut befunden.

In Hartenholm gab es die runden Berliner- doch den Bäcker fanden wir an anderer Stelle mit neuen Öfnungszeiten

 

Carsten und Jochen hatten dann also innerhalb von 30 Kilometern ca. 20 Minuten auf uns herausgefahren- und waren offensichtlich ganz froh, dass sie sich bei unserem ruhigen Tempo etwas ausruhen konnten. So blieben wir tatsächlich bis Hartenholm alle zusammen, was mir sehr entgegen kam. Sollte es gelingen die Runde wirklich einmal ruhig zu Ende zu fahren?? 

Sogar die Windrichtung war heute günstig- denn nachdem wir die ersten 30 km Gegendwind hinter uns hatten, kam er gefühlt nur noch von hinten. So flogen wir nach der Pause, Kellinghusen auf breiten verkehrsarmen Landstraßen entgegen- so lieb icks! Eine Baustelle mit längerer Sandpassage und das Kopfsteinpflaster bei Wulfsmoor und langsam wurde das Peloton kleiner. Hinter Kellinghusen teilten wir uns in zwei Gruppen- Carsten und Jochen hatten zu alter Form zurück gefunden.

Nächster Halt Bordesholm- da entdeckten wir eine Eisdiele, die schon offen ist!!

Am Ende wurden die Beine etwas müder- das dürfen sie auch beim ersten 200er der gerade eröffneten Saison.

Britta und Stephan waren zum ersten Mal dabei und Stephan hat einen kleinen Bericht geschrieben:

 

Dem Randonneur ist nichts zu schwör – ein Ausflug in die wunderbare Welt des Langstrecken-Radsports


Nach vielen Jahren im Banne des main stream - Radsports, unterwegs auf Carbonrahmen mit Hochprofil-Laufrädern und elektronischen Schaltungen, starteten meine Frau und ich Anfang dieses Jahres zu einer Reise in ein uns unbekanntes Territorium des Radsports: Wir folgten der geheimnisvollen Aufforderung zu einem morgendlichen Treffen vor dem Tor des Eutiner Schlosses, um dann in geselliger Runde von erprobten Randonneuren auf einem 200km Rundkurs durch Schleswig-Holstein, die Schönheiten des Radfahrens zu zelebrieren. Angesichts der umfangreichen Ausstattung vieler Mitfahrer (Kleidung, Nahrung, Ersatzteile) versicherten wir uns, dass keine Etappenfahrt geplant war. Wir erfuhren, dass die Regeln für Brevet-Fahrer weitgehende Autonomie bei der Bewältigung der Strecke fordern. Voller Erwartung, ob wir den Regeln gerecht werden könnten, starteten wir in den Vormittag, um schnell feststellen zu können, das aufmunternde Gespräch zwischen den Mitfahrern wurde hier intensiv genutzt, als eine moralische Unterstützung in langen Stunden auf dem Rennsattel; man könnte es auch als eine Form des Psychodopings bezeichnen, das glücklicherweise nicht auf der Verbotsliste steht und weitgehend nebenwirkungsfrei ist. Berichte über seltene Fälle von spontaner Taubheit lassen sich nicht verifizieren.

Kurzum, der minderschwere Verstoß gegen das Autarkie-Gebot durch kommunikatives Coaching klappte auch bei mir vorzüglich. Ebenso die praktische Unterstützung konnte ich ohne schlechtes Gewissen akzeptieren, als meinem Hinterrad noch vor mir, die Luft ausging. Chapeau den Radsportlern, die wissen, dass auch und gerade, der Radsportler ein soziales Wesen ist, das sich nicht von starren Regeln bestimmen lässt.

Am Ziel angekommen beschlossen meine Frau und ich, bei Weißbier und Würstchen in der Tankstelle, die Welt des Randonneurs in unser natürliches Radler-Habitat aufzunehmen. Dank an die Randonneure des 22.2.25.

Stephan H.

 

Den obligatorischen Tankstellen- Stopp hatte ich auch schon vermisst- ganz so unerfahren ward ihr wohl doch nicht ;-))




 

 

Mittwoch, 28. August 2024

5D 01h 43 M

 Meine Finisherzeit bei dieser 5. Teilnahme:


Viel erlebt haben wir wieder einmal mehr!

Noch schwieren Bilder, Geschichten durch den Kopf und ich bin noch weit entfernt davon, einen Bericht zu schreiben.....

Es wird wohl meine letzte Mille Miglia gewesen sein; das sagte ich auch zu Fermo, der mich daraufhin gleich einlud, 2028 als Crew- Mitglied dabei zu sein.

Da hab ich mich gefreut.....

Die 999 im nächsten Jahr- die wollte ich ja nicht noch einmal fahren.

Da kommt A.R.I. mit dieser Nachricht:



Die 999 als neue Veranstaltung in der Toscana, inclusive Monte Amiata!!!!



Montag, 12. August 2024

04 D 06 H 21 M bis zum Start

 Prüfungsaufsicht !

Da habe ich Muße mich ein wenig mit der Strecke zu beschäftigen.............


Das 'Bel Paese' entdecken

Und so sieht voraussichtlich meine erste Tagesetappe aus:

Von Parabiago (Milano) bis Pontedera (Toscana)

490 km mit knapp 6000 Hm

Tappa 1
Parabiago > Castellania
Difficoltà: ★★
Distanza totale 112 Km
Dislivello 494 mt 

Die Ausgabe 2024 und ihre 1001 Exzellenzen werden im städtischen Sportzentrum Venegoni-Marazzini" in Parabiago in der Via Carso starten. Parabiago ist eine industriell geprägte Stadt, die als "Stadt der Schuhe" und für ihre drei Radweltmeister (Libero Ferrario - Giuseppe Saronni - Martina Alzini) bekannt ist. Sie liegt 3 km von Nerviano entfernt, dem historischen Startort der vorherigen Ausgaben von 1001 Miglia Italia. Die Etappe ist Fausto Coppi "il Campionissimo" gewidmet, der in den 1940er bis 1960er Jahren eine große Anzahl von Siegen errungen hat. Man trifft auf die Zisterzienserabtei von Morimondo, überquert die Brücke Barche di Bereguardo über den Fluss Ticino und fährt durch die berühmten Reisfelder von Lomellina. Im letzten Teil geht es auf den mit Weinreben bewachsenen Ausläufern der Trainingsstrecken des großen Meisters Fausto Coppi bergauf, auf einer Strecke, der bekannten "SFR di Fausto", deren Zeitfahren Fausto Coppi einen Hinweis auf seinen Formstand gab, und man erreicht das Dorf Castellania vor dem Mausoleum, in dem er kontrolliert wurde, begrüßt vom Zirpen der Zikaden und Grillen.

Übersetzt mit DeepL.com (kostenlose Version)


 

 


Tappa 2


Castellania Coppi > Casella Ligure
Difficoltà: ★
Distanza totale 53,42 Km
Dislivello 601 mt


Die flache Etappe beginnt bergab, überquert breite Straßen, auf denen man mit dem Rad fahren kann, und führt dann die Straße entlang des Flusses Scrivia hinauf. Das Ziel der Etappe ist Casella Ligure, wo sich eine Schmalspurbahn (im Volksmund "die kleine Bahn von Casella" genannt) befindet, die die Berge des Hinterlandes von Genua erklimmt und den Apennin überquert, um den Touristen ein schönes Panorama zu bieten.


Tappa 3


Casella Ligure > Deiva Marina
Difficoltà: ★★★
Distanza totale 92 Km
Dislivello 1204 mt

Die anspruchsvolle Etappe zum Scoffera-Pass beginnt mit Steigungen zwischen 6 und 8 % inmitten einer üppigen Vegetation und auf verkehrsfreien Straßen. Ist der Gipfel erreicht, beginnen lange Abschnitte mit Falsopiano und eine sanfte Abfahrt bis nach Chiavari.
Wir fahren ein Stück an der Küste des Ligurischen Meeres entlang und beginnen dann den Bracco-Pass zu erklimmen, von dessen Spitze aus wir einen atemberaubenden Blick auf die Cinque Terre haben. Am Ende der Etappe geht es durch Pinienwälder bergab bis zum Ort Deiva Marina, wo sich der Kontrollpunkt befindet. Der goldene Strand am Meer bietet auch die Möglichkeit, ein kurzes Bad zu nehmen, um sich abzukühlen und die Erinnerung an die Cinque Terre zu bewahren.


Tappa 4


Deiva Marina > Gorfigliano
Difficoltà: ★★★★
Distanza totale 116,37 Km
Dislivello 2517 mt


Eine sehr anspruchsvolle Etappe. Die Straße ist eine ununterbrochene Abfolge von Kurven, Bodenwellen, kleinen Rissen und plötzlichen Abfahrten, die eine beträchtliche körperliche Anstrengung und ständige geistige Wachsamkeit erfordern, bis man die Wallfahrtskirche von Soviore erreicht. Die Meeresbrise des nahen ligurischen Meeres, die durch die dichten Wälder der Berge oberhalb der Cinque Terre weht, wird Sie begleiten und den anstrengenden Aufstieg erleichtern. Es ist eine Strecke, die man genießen muss, und die Anstrengung wird durch den Anblick einer Landschaft belohnt, die sich hinter jeder Kurve verändert. Sie fahren entlang der gesamten Strecke des Parks der Cinque Terre, der von seinem Balkon aus die Dörfer Monterosso - Vernazza - Corniglia - Manarola - Rio Maggiore und die berühmte Via dell'Amore überblickt, um in die Landschaft des Golfs der Dichter von La Spezia einzutauchen. Wir verlassen die Landschaft des Golfs von La Spezia und fahren in Richtung der Apuanischen Alpen, vorbei an kleinen, alten Dörfern, die in den grünen Wäldern verstreut liegen, und treffen auf die Pieve di San Lorenzo mit ihrer berühmten romanischen Kirche und dem sechseckigen Turm aus dem Jahr 1000/1100. Der letzte Teil der Strecke führt nach Gorfigliano, einem kleinen Dorf mit Blick auf den Gramolazzo-See, in dem sich der Monte Pisanino spiegelt, die Heimat der weißen Marmorbrüche, in denen Michelangelo die Meisterwerke schuf, um die uns die ganze Welt beneidet. Der Kontrollpunkt wird von der proloco mit den Alpini (Alpenverein) betrieben, die lokale gastronomische Köstlichkeiten verteilen und anbieten werden.

Tappa 5



Gorfigliano > Pontedera
Difficoltà: ★★★
Distanza totale 115,99 Km
Dislivello 1166 mt


Mittelschwere Etappe, mit wenig befahrenen Straßen. Von dem ruhigen Dorf Gorfigliano, das sich oberhalb des Gramolazzo-Sees, einer kleinen Oase hinter den Apuanischen Alpen, befindet, geht es hinunter in das schöne und charmante Städtchen Castelnuovo Garfagnana. Entlang des Flusses Garfagnana überquert man die berühmte Ponte del Diavolo (Teufelsbrücke), eine Perle der Ingenieurskunst, die durch ihren sehr hohen Bogen den Weg nach Bagni di Lucca ermöglicht. Hier beginnt der Aufstieg nach Trebbio, von dessen Gipfel aus der Abstieg in das Tal der Papiermühlen beginnt, in dem die Dörfer und die alten Traditionen der Papierherstellung noch intakt sind. Weiter geht es durch Collodi, die Stadt des Pinocchio und der Märchen, und Galeno, das auf einem Teilstück des ursprünglichen Pflasters der Via Francigena verläuft. Am Ende durchqueren wir den zauberhaften und ruhigen Naturpark Cerbaie, um in Pontedera zu enden, wo sich die Produktionsstätten der berühmten Marke Piaggio-Vespa befinden.
 


Die zweite Tagesetappe wird mich von Pontedera bis Bolsena durch die Toscana führen, vorbei an den mittelalterlichen Städte Sorano und Pitigliano, wo Klaus und ich beim letzten Mal einen Italienischen Abend bei Pizza und Wein erlebten.
 
290 km- 4200 Hm
 
 

Tappa 6


Pontedera > Castelnuovo Berardenga
Difficoltà: ★★★★
Distanza totale 124,43 Km
Dislivello 1988 mt

Eine sehr anspruchsvolle Etappe. Kurze Anstiege und anspruchsvolle Abfahrten in einer gewundenen Abfolge von Kurven sind ständig zu bewältigen. Trotz der Müdigkeit ist es die Etappe, die den Randonneur am meisten erfreut, da sie ihm die Möglichkeit gibt, ein umfangreiches kulturelles und architektonisches Erbe zu bewundern, das mit der Via Francigena verbunden ist: Unterwegs trifft er auf die Burg von Castelfalfi, die Kapellen von San Vivaldo, das mittelalterliche Dorf San Gimignano, das sich durch seine 15 majestätischen Türme auszeichnet, und Monteriggioni, eine kleine Perle, von deren Balkon aus man die Montagnola sehen kann, ein Ort, der den Sienesen und Dante Alighieri sehr teuer war. Nach der Stadt Siena führt das Finale über die Straßen der Eroica, über einige Abschnitte weißer Straßen, durch Wälder und über Hügel, auf denen die Trauben wachsen, aus denen der berühmte und köstliche Chianti-Wein hergestellt wird. Bis man das ruhige Dorf Castelnuovo Berardenga erreicht, das Ende der Etappe und Ort der Kontrolle.


Tappa 7


Castelnuovo Berardenga > San Quirico D'Orcia
Difficoltà: ★★★
Distanza totale 60,16 Km
Dislivello 1004 mt
 
Mittelschwere Etappe. Sie werden landschaftliche Schönheiten bewundern, die von der ganzen Welt besucht werden: die "Crete Senesi", deren Landschaft sich durch eine graublaue Farbe auszeichnet und deren Aussehen oft als mondähnlich beschrieben wird, die reichen Weinberge, in denen die Chianti-Trauben angebaut werden, die "strade Bianche" der Eroica, die uns nach Pienza begleiten, einem historischen Zentrum, das auf das Mittelalter zurückgeht und somit reich an Zeugnissen der Vergangenheit ist. Dann geht es weiter in Richtung San Quirico Orcia, dem Endpunkt der Etappe, entlang eines Bergrückens, der wie ein Balkon vor der Kulisse des Monte Amiata und des Radicofani-Passes wirkt.
Ein Ratschlag: Treten Sie langsamer in die Pedale und fahren Sie durch die Straßen dieser von der UNESCO zum Weltkulturerbe erklärten Dörfer, um ihre Atmosphäre einzuatmen, in der kein Geräusch gedämpft wird und das Rollen der Räder viel lauter ertönt; hier ist alles einfach, aber gleichzeitig auch streng.


Tappa 8


San Quirico D'Orcia > Bolsena
Difficoltà: ★★★★
Distanza totale 107,43 Km
Dislivello 1514 mt
 
Eine sehr anspruchsvolle Etappe. Sofort geht es hinauf nach Bagno Vignoni, einem beeindruckenden alten Thermalort, von dem aus man einen herrlichen Blick auf die ländliche Schönheit des Val d'Orcia hat. Wir fahren auf der Via Cassia, die den Radicofani-Pass auf der rechten Seite flankiert, dessen Haarnadelkurven viele Jahre lang Schauplatz epischer Kämpfe beim Autorennen "1000MIGLIA" waren. Über völlig menschenleere Straßen, mitten in der Natur und begleitet vom Zirpen der Zikaden, fährt man an den Hügeln vorbei, die vom Monte Amiata überragt werden, und trifft auf Burgen, die auf Ausläufern thronen. Von hier aus gelangt man in das Land der Etrusker, vorbei an Sorano, das für seine Thermalbäder berühmt ist, die an der Straße liegen. Dann kommt man nach Pitigliano, das als Klein-Jerusalem bekannt ist und zum UNESCO-Kulturerbe gehört, ein wunderschönes, geschichtsträchtiges Dorf, das die Besonderheit aufweist, auf einem Tuffsteinkamm zu liegen. Weiter geht es bergauf nach Gradoli, wo wir für die Anstrengung mit dem bezaubernden Anblick des Bolsena-Sees belohnt werden, dem größten See vulkanischen Ursprungs in Europa, den wir auf dem Weg zum Kontrollpunkt ein Stück weit umrunden.

 
So weit so gut- ab dem dritten Tag werden Planungen weniger vorhersehbar.
Vor allem die zu erwartende große Hitze wird ein Rolle dabei spielen.
 
Wie die Tappas weitergehen findet ihr auf der offiziellen Website der Mille Miglia- green reverse:
Mein Plan sieht noch weitere drei Tage und zwei Nächte vorraus.
Die dritte, also fünfte Nacht verbringe ich hoffentlich schon bei der Finisher Party.

Mittwoch, 17. Juli 2024

The green reverse

 

Und dies ist das Profil der Mille Miglia !


460 Starter sind gemeldet- darunter 107 Italiener.


Una randonnèe che unisce
tutto il mondo
 

 

 
Bei diesem Motto ist der Randonneur Ostholstein gerne dabei.


Mittwoch, 10. Juli 2024

SiciliaNoStop

 

No Stop!?

Gemeint ist natürlich die Zeit, die Uhr, die niemals anhält. Der Fahrer stoppt, so oft, wie es für ihn sinnvoll erscheint. Brevet- Modus nennen wir das auch. Ein schöner Name für eine Tour mit dem Rad rund um Sizilien gegen den Uhrzeigersinn und auch gegen die Uhr. Es gibt Zeitlimits, die eingehalten werden müssen, wenn man als Finisher gewertet werden will und man sollte die Zeit schon im Auge behalten- ich habe zum Beispiel auf meinem Garmin den Brutto - (Gesamt-) Schnitt auf der ersten Seite.

Foto-Stopps versuche ich möglichst gering zu halten aber manchmal muss auch das sein, zum Beispiel, wenn ich eine alte Ziegelei sehe.....

 

(Erinnerung an 2011)

Die Strecke ist flach, bis auf den Anstieg zum Ätna- zumindest sagen das die Veranstalter und auch das Profil, wenn man es im Gesamten ansieht:


"Flach" ist eben relativ......

Und nun zu meinem Erlebnis "SiciliaNo Stop":

Ich hatte, wie immer, meine Teilnahme im Bekanntenkreis angekündigt; Stephan und Jochen wollten auch starten- Klaus dieses Mal nicht.

Schnell stand auch fest, wir wollten unseren Italien- Urlaub auf Sizilien verbringen. Angela fand dann auch ein Rennen für uns- Giro della Sicilia- in 5 Etappen und der Start wäre 3 Tage nach dem Brevet und der Startort ist in Brolo. Schnell stand dann auch fest, unsere Ferienwohnung in Capo d'Orlando zu suchen- strategisch günstig, denn dieser Ort liegt auf dem Track des Brevets bei km 340. Um die erste Übernachtung musste ich mir also keine Gedanken mehr machen.

Start in Siracusa an der Ostküste morgens um 6 Uhr. Stephan hatte eine FEWO organisiert, nahe dem Startort. Der Bahnhof war auch nur 5 Minuten entfernt.

Wir trafen uns noch mit Jochen und Moni in einer Pizzeria und wir kamen nicht so pünktlich ins Bett, wie geplant. 

Stephans Frühstück


Start in der Kaserne in Siracusa- schnell weg hier!


Der scharfe Start erfolgte erst, nachdem wir uns am Piazza Duoma in das Kontrollsystem  eingeloggt hatten. Dazu mussten wir unseren Standort und den QR- Code an whatsapp schicken.


Und so sah das dann auf dem Handy meiner sportlichen Leitung aus:


Bevor es richtig los gehen sollte, fuhren wir also noch eine Runde über die Altstadt- Insel Ortigia. Ein schöner Start im krassen Gegensatz zu den Industrieanlagen und Raffinerien etc., die zum Landschaftsbild zwischen Siracus und Catania gehören. Zügig kamen wir auf diesem ersten Abschnitt voran. Es war auch überwiegend flach. Catania war schnell durchfahren, es folgten einige kleine Anstiege bis zum New Bellavista in Acireale, dem ersten Punto di Controllo. Am Start hatte wir ein kleines Heftchen bekommen mit Verzehrgutscheinen- hier sollte es Cornetto e Caffe'  geben- zusätzlich an jeder Kontrollstelle gab es Wasser von einem Sponsor.

Ich nahm das Cornetto con Pistacchio auf Stephans Empfehlung und das war richtig lecker. Außerdem aßen wir unsere Arancini con Spinaci, die wir am Vorabend noch besorgt hatten. 

Diese traditionelle Reisgericht ist die perfekte Ernährung für den Randonneur! 


Nun folgte der ersehnte Anstieg zum Refugio Sapienza- 39 km und 1900 Höhenmeter bergauf. 

Es ist der wohl bekannteste Anstieg, die Südanfahrt von Nicolosi, die auch bei quäldich.de beschrieben wird. Ich muss sagen, dass ich den Pass, aufgrund der Beschreibung dort und von dem was Salvatore Giordano (Toto) schrieb, deutlich unterschätzt habe. Aber es war ein schöner Anstieg mit einer einzigartigen Landschaft. Unterwegs treffe ich Renato und wir stellen fest, dass wir zusammen die Grand Tours der italienischen Brevet- Serie (Mille Miglia, 999, Alpi4000 und Trans Alp Rando)  gefahren sind- uns aber bisher nicht kennengelernt haben.

13:13- also ca. nach 3 h komme ich endlich am Refugio an. Es ist inzwischen sehr heiß geworden und ich suche einen Schattenplatz. Der Platz gleicht einem Rummelplatz ähnlich , wie man es oben am Stelvio Pass kennt.

Stephan kommt etwas später- ihm hat die Hitze wohl ordentlich zugesetzt. Wir trinken gemeinsam eine sizilianische Cola, bevor ich mich als Erster in die Abfahrt stürzen will. Doch diese ist leider aufgrund der sehr schlechten Beschaffenheit eine Enttäuschung. Dennoch genieße ich natürlich das Hinunterfahren obwohl ich oft bremsen muss. Ich überhole noch einige Autos und einen Bus, das macht auch Spass.


In Giarre unten angekommen, führt die Strecke wieder auf der Küstenstraße Richtung Messina. Das Profil ist nun wellig- alte Lavaströme müssen überquert werden.

Wir haben nun ordentlich Rückenwind. Vorbei an dem wohl bekanntesten Küstenort Taormina führt die Strecke immer gen Norden entlang der Küste. Ich bin alleine unterwegs, stoppe nur einmal, um etwas zu essen in einer Pasticcheria am Straßenrand, bis ich, schon kurz vor Messina, auf eine kleine Gruppe stoße.

Gemeinsam crossen wir durch den Feierabendverkehr. Wo sich eine Lücke auftut, da fahren wir durch, in den Gegenverkehr, dann wieder rüber auf rechts und manchmal passt der Lenker gerade mal zwischen zwei Außenspiegel.

Niemand regt sich auf oder hupt- normal ist das hier. Ich folge der Linie eines Sizilianers. Er beherrscht das Stadt- Crossen besonders gut- und ich kann folgen. Manchmal jedoch geht hinter ihm die Lücke zu und ich muss mir eine andere suchen. 

Vom Refugio bis zur Pasticcheria Messina sind es 105 Kilometer, die vergehen quasi wie im Flug.  

Es ist nun schon früher Abend- ich will eigentlich nicht lange stehen- auch keine Pasta. Ich esse ein großes Eis und als ich schon weiter will, kommt Stephan an.

Es sind jetzt noch gut 100 Kilometer bis zur FEWO; Stephan will auch dort übernachten und so fahren wir nach Stephans Portion Pasta- ich esse ein zweites Eis- gemeinsam weiter.

Nach weiteren 10 Kilometern Rückenwind ist die Spitze der Ostküste, bzw. der Straße von Messina erreicht; von nun an folgen wir der nördlichen Küstenstraße ca. 350 km gen Westen bis Trapani. Die Windvorhersage hatte kräftigen Westwind für den morgigen Tag angekündigt- doch zunächst kam dieser noch kräftig aus Süden, das heißt er stürmte die Täler hinunter zum Meer. Da wir diese Täler queren mussten, hieß es zunächst gegen den Wind talaufwärts, wobei wir fast zum Stehen kamen- auf der Brücke mussten wir den Lenker gut festhalten, um nicht von dieser herunter gefegt zu werden. Talabwärts dann Sturm im Rücken, vorbei wir schnell auf über 40 km/h kamen.


Und so ging es von Tal zu Tal. Manches Mal hatte ich ein mulmigen Gefühl- vor allem, wenn große abgebrochene Äste auf der Straße lagen. Später öffnete sich die Landschaft und der Sturm legte sich.

Wir halten nach ca. 50 Kilometern kurz hinter Barcellona an einem Grill- Restaurant. Dafür wollen wir in Patti Marina, dem 4. Kotrollpunkt, nicht lange stehen und bis Capo d'Orlando durchfahren. In Patti gibt es Schlafmöglichkeiten und den 1. Bagdrop und vorher muss noch ein ordentlicher Anstieg bewältigt werden.

Ca. 00:30 sind wir an der Ferienwohnung- Ankunft um Mitternacht, wie angekündigt, war nicht zu schaffen- zu viele Anstiege hatte diese flache Küstenstraße. 

In der Ferienwohnung fanden wir den Tisch, wie durch ein Wunder, gedeckt.


340 Kilometer, also ein Drittel der Strecke war geschafft. Duschen, essen und nach Bett und möglichst viel schlafen.

Kurz vor Sonnenaufgang saßen wir wieder auf dem Rad, als eben eine kleine Gruppe vorbei fährt. Wir hängen uns da erst einmal rein.

Nur 45 Kilometer später, in St. Stefano in der Bar da Franco, bekommen wir dann unser zweites Frühstück - Cornetto e Caffe' . Ein schöner Platz hier- wir nehmen uns die Zeit diese Pause zu genießen. St. Stefano ist eine Töpferstadt.

Bis hierher hatten wir nicht das gleiche Tempo- ich fuhr alleine - Stephan fand eine Gruppe und kam nur wenige Minuten später an.

So war es auch auf den nächsten 70 Kilometern- in Termini Imerese wollten wir uns wieder treffen. Doch zunächst ging es von der Küstenstraße auf der Serpentina Paolo Balsamo steil bergan. 

(80 Hm auf 1 km) Und das in der Mittagshitze. Da kam das schattige Cafe auf dem Piazza Duomo gerade recht. Auch hier kam Stephan nur wenige Minuten später, so dass wir gemeinsam Kaffee und kühlende Getränke bestellten.


Noch 48 Kilometer bis Palermo. Ich bin gespannt. Kurz vor der großen Stadt fahren wir auf eine kleine Gruppe auf. Wir fahren zunächst immer direkt an der Küste entlang- links und rechts kleinere Häüser, wahrscheinlich Fischerhäuser- es riecht nach Fisch, Müll, Abgasen.....Wenn ich zunächst wieder auf einen Stadt- Cross ala Messina gehofft hatte, wurde ich enttäuscht. Großstadtdschungel. Die Gruppe verlieren wir dann schnell wieder und als die Straße ansteigt auf immerhin 75 m bin ich wieder alleine, jedoch der nächste Kontrollpunkt ist nicht mehr weit- fast schon außerhalb Palermos an einer Ausfallstraße. 

Route 11 ist ein Cafe/ Restaurant an einer Tankstelle. Draußen heiß- drinnen voll, wir lassen uns Zeit, regenerieren etwas bei einem Nudelgericht aus der Aluschale und hinterher ein Eis.

Es ist ca. 14 Uhr und wir haben die Hälfte des Brevets geschafft. Angela ist von Capo nach St. Stefano gefahren und macht in der Bar da Franco Mittagspause- sie schickt mir ein Foto von ihrem Nudelgericht und es ist leicht rechteckig angerichtet und gleicht doch sehr unserem- nur auf einem Teller. 

Den ganzen Tag hatten wir kräftigen Gegenwind- Angela freut sich auf die Rückfahrt- wir jedoch haben noch ca. 100 km bis Trapani an der Westküste.

Diesen Punkt, wo der Wind hoffentlich etwas günstiger für uns sein würde, sehnte ich nun langsam herbei. Und das Profil bis dorthin glich einem Klassiker- Profil, ein ständiges Auf und Ab zunächst an der Küste entlang (mit schönen Ausblicken- das Blau des Meeres ändert ständig seine Farbe...) und dann verlassen wir die Küste, schneiden etwas ab, weil es im Norden keine durchgängige Straße gibt. Das bedeutet 3x auf über 200 m bis Buseto Palizolo und noch einmal auf 270 m bevor wir nach Trapani also an die Küste kommen. 

Die Bar Macao liegt an der Straße mitten im Nichts und hat leckere Erdbeer- Törtchen, wie auf den Google- Fotos zu sehen. Ich esse mehrere davon.

In Trapani macht der Track eine kleine Stadtrundfahrt. Es riecht stark nach Ruß, bzw. Abgasen und als wir dem Hafen näher kommen, sehen wir auch warum: Mehrere Traumschiffe liegen hier- offensichtlich mit laufenden Motoren. Ein Traum!

250  Kilometer Gegenwind- unser Tagewerk. Nun im Dunkeln fährt es sich  deutlich leichter- die Straßen flach und gerade- der ständige Druck auf die Pedale ist jetzt weg und wir merken, was wir geleistet haben. In Marsala halten wir spontan an einer Pizzeria mit Holzofen. Wir setzen uns auf eine Bank davor, warten während der Pizzabäcker seine Arbeit tut und unterhalten uns mit dem Chef. Ich möchte einen Wein dazu trinken- doch den gibt es leider nicht.

In Mazzara, 22 km weiter, hat Stephan mich plötzlich verloren. Der Grund- ich hatte spontan vor einer Vinaria angehalten und trank nun Wein aus einem Plastikbecher, den mir der Weinhändler aus einer Plastikflasche eingeschenkt hatte. Sein Kumpel versuchte mir einen alten NSU auf seinem Handy zu zeigen- beide hatten offensichtlich schon länger dort gestanden und den Wein probiert. Große Holzfässer waren in seinem Laden zu sehen. Natürlich musste ich auch einen zweiten Becher probieren von dem Wein, den ich sehr lecker fand.

Noch 39 km bis Selinunte, wo wir schlafen wollten. Leider fuhren wir wieder von der Küste weg und es wurde wellig. Müde und etwas kraftlos sehnten wir unserem Schlafplatz nun entgegen.

Den QR- Code zum einloggen müssen wir suchen !? ein Scherz des Veranstalters, wie uns ein Mitfahrer sagt, den ich jetzt gerade gar nicht lustig finde. Der Eingang, die Lobby des Hotels, überall liegen Randonneure und das finden Touristen, die hier um 1 Uhr nachts aus dem Bus geworfen werden und mit ihren großen Koffern  ankommen, auch nicht lustig. Ich schon. Wir finden den QR- Code auf dem Dach des Hotels. Dazu fahren wir mit dem Aufzug in den 4 Stock und klettern eine kleine Treppe hoch.

Anschließend können wir uns endlich für die Nacht fertig machen. Es gibt keinen organisierten Schlafplatz für uns hier- ich finde direkt neben dem Eingang eine große, bequeme Coach, auf der Stephan und ich beide, der Länge nach, drauf passen. Viel Zeit bleibt nicht bis Sonnenaufgang- ich schlafe  wahrscheinlich sofort ein.

Kurz vor Sonnenaufgang werde ich wach. Habe gut geschlafen. Überall liegen jetzt hier in der Lobby Randonneure oder sind im Kommen oder Gehen. Nur ein paar Schritte bis zur Bar. Erstmal einen Dopio für Stephan und mich.

Packen, Zähne putzen und aufs Rad- noch vor Sonnenaufgang. Letzte Tagesetappe heute, ca. 280 km Richtung Süd-Westen, also hoffentlich mit dem Wind, denn der sollte sich erst gegen Ende des Tages auf Süd drehen. Lustvoll starte ich in den Tag.

Die Strecke bis Sciacca ist dann auch richtig schön- wellig führt diese auf kleinen Nebenwegen durch ländliches Gebiet. Fruchtbar scheint es hier zu sein- sehr grün hier zu dieser Jahreszeit. Freilaufende Hunde gibt es einige und einer begleitet uns einen ganzen Anstieg lang....Ich behalte ihn gut im Auge- er bleibt friedlich, bellt nicht einmal.

In Sciacca (km35) halten wir an der ersten Bar. Hier frühstücken wir ausgiebig- Cornetti, Caffe, Cornetti- Caffe....

Die Bar liegt auf Meereshöhe und, um auf die SS115 zu gelangen, müssen wir durch den Ort auf engen Straßen 50 Hm steil bergauf. Einbahnstraße und Baustelle können mich dabei nicht aufhalten. Wieder ein netter Stadt- Cross, bevor wir nun die SS115 bis hinter Gela, also für 160 km nicht mehr verlassen. 

Diesen Streckenabschnitt hatte ich mir anders, schöner vorgestellt.

Und das sieht dann so aus:

 


Breite Straße, viel Landschaft links und rechts, Plantagen und kaum Ausblicke aufs Meer. 

Der Brevet bekommt jetzt einen ganz anderen Charakter. Passend dazu ein

Tankstellenstopp irgendwo entlang der Strecke.....

Bis zur Agora Bar bei Agrigento sind es knapp 100 Tageskilometer.

Hier lösen wir nicht unseren Gutschein ein, sondern suchen ein Restaurant. 

 

Es ist noch nicht ganz Mezzogiorno und das Restaurant hat gerade geöffnet. Wir bestellen eine Pizza "per tre", eine Familienpizza und , weil die Zubereitung dauert, bestelle ich vorab einen riesigen Burger als Vorspeise.

 

Die Familienpizza ist dann tatsächlich so groß, dass wir einen Teil davon einpacken für später.

Als wir aufbrechen ist es inzwischen sehr heiß geworden und Stephan will etwas an Tempo rausnehmen. Nun ist es für mich so, dass ich mich nicht trennen will, wenn wir 2/3 eines Brevets zusammen gefahren sind. Wir verabreden also, dass jeder sein Tempo fährt und einen Treffpunkt für die Pausen. Der nächste Stopp soll bei Gela sein und ich finde eine Tankstelle an der Strecke- Wieder eine Tankstelle bei diesem Brevet- wie schön!

Und so machen wir das dann bis Portopalo der letzten Kontrollstelle vor dem Ziel: mal fährt Stephan vor, mal ich und immer verabreden wir den nächsten Treffpunkt.

Und die Abstände bis zu den Pausen werden kürzer....

In Scoglitti: Caffe und Gelato. Stephan fährt schon einmal vor und ich suche noch vergeblich einen Geldautomaten- macht nichts, der Chef winkt ab und die Rechnung bekomme ich geschenkt. Eine halbe Stunde hat Stephan nun Vorsprung und ich den Ehrgeiz ihn bis zum Ortsschild einzuholen. Die Körperspannung ist wieder da. Ein Wasser muss noch durchwatet werden direkt am Strand- dann geht es im Renntempo durch eine interessante Dünenlandschaft. Auch einige freilaufende Hunde können mich nicht aufhalten.

In Marina di Ragusa kommen wir gleichzeitig an- hier machen wir direkt am Hafen eine längere Pause. Es ist schön hier und wir genießen auf einer Bank die aufkommende Abendstimmung. Wir essen die restliche Pizza aus Agrigento und ich hole mir dazu ein Glas Wein aus der Bar gegenüber.

Hinter Pozzallo führt die Strecke zunächst ca. 20 km direkt an der Küste. Wir fliegen mit kräftigem Rückenwind dahin. Obacht müssen wir geben auf die Sandverwehungen.  

Portopalo di Capo Passero, dem südlichsten Punkt der Insel, erreichen wir gegen 22:30. Knapp 60 km sind es noch bis ins Ziel- wir würden also noch rechtzeitig dort ankommen, bevor die Augen zufallen und nehmen uns Zeit für eine weitere ausgiebige Pause. Die Bar und Pasticcheria hat wieder einmal herrliche Törtchen im Angebot und ich esse mich durch das komplette Angebot, weil ich mich nicht entscheiden kann. Dazu noch einen roten Wein- es ist, als ob die Finisher- Party schon begonnen hat.

Weiter Richtung Norden haben wir wieder einen günstigen Wind. Auf halber Strecke wollen dann doch meine Augen zufallen und in Lido di Noto lege ich mich kurz auf eine Bank- kann aber nicht einschlafen. Stephan möchte runter zum Strand- kommt aber sehr schnell zurück- um diese Zeit gehört der Strand den wilden Hunden. 

Bis Syracus ins Ziel zieht es sich jetzt am Ende.

Gegen 2 Uhr erreichen wir die Kaserne- der Empfang ist leider etwas bescheiden.

Da hätte ich Stephan für seinen ersten Super- Brevet etwas mehr gegönnt.

Für die Duschen sollen wir 6 Euro bezahlen- so muss es auch ohne gehen.

Es gibt Waschbecken und gemütliche Sofas- morgens geht mein Zug zurück nach Capo. Stephan kann etwas länger schlafen und holt Ana später vom Flughafen ab.

Jochen ist natürlich längst im Ziel und ist mit 51h 4. Finisher.

Wir haben in knapp 68 h viel erlebt und im Nachhinein betrachtet, sind es die Stopps, die diesen Brevet geprägt haben.

No-Stopp gilt eben nur für die Uhr. Die Maximalzeit lag im Übrigen bei 75 h und  wir im Mittelfeld.

Nach nur drei Tagen Regeneration sind Angela und ich dann bei Girodellsicilia gestartet- aber das ist eine ganz andere Geschichte.