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Montag, 9. Februar 2026

Florenz- Roma- Florenz

Ist es dieser Brevet, den ich in diesem Jahr fahren werde? 

Noch unentschlossen- denn einiges ist anders in diesem Jahr: 

 Da ist zum einen die 999 Tuscany, die ich im letzten Jahr nicht beenden konnte. 

Natürlich habe ich hinterher viel analysiert und ich war sicher die 999 in diesem Jahr für mich alleine noch einmal zu fahren. Nur den Start würde ich am Morgen machen und nicht wie im letzten Jahr ab 17 Uhr in die Nacht hinein fahren. Dies war einer der Gründe, warum ich am Nachmittag des Folgetages erkannte, dass es keinen Sinn mehr machen würde weiter zu fahren als Ponte d`Arbia. Mein Fahrschnitt war aufgrund der schweren Strecke so weit heruntergefallen, dass nur eine weitere Nacht ohne Schlaf, mich im Zeitlimit halten würde. Und dies kam für mich nicht in Frage. 

San Rossore-Ponte d'Arbia 406 km mit 7000 Hm 

Ein anderer Grund war vielleicht, dass ich die 999 Tuscany, nachdem ich 2024 die Mille Miglia zum fünften mal gefahren war, nicht ernst genug genommen habe. Auf jeden Fall ein Fehler einen Super- Brevet zu unterschätzen..... 

Nun, beides passiert mir sicher nicht noch einmal. Nie wieder Brevet mit Nachtstart!! 

Und siehe da, in Florenz würden wir morgens von 5-7 Uhr starten. 

Die 999 Tuscany fahre ich nun doch nicht in diesem Jahr. Dieser Herausforderung möchte ich mich noch nicht stellen, da nach der Cross- WM Ende November mein Herz aus dem Takt geraten ist. 

Achtung! Natürlich jetzt hier nicht den Fehler machen FRF zu unterschätzen, denn dieses Brevet hat auch 13000 Hm im Profil. 

Der Start wäre allerdings gut 2 Monate später und ich hoffe bis dahin meinen Gesundheitszustand besser einschätzen zu können. Und noch ist der erste 200er nicht gefahren. Rund um Berlin am 21. Februar wird neue Erkenntnisse bringen. 

 

Was für einen Start bei FRF spricht:

1. Früher Start zwischen 5 und 7 Uhr

2. Ungefähr alle 300 km gibt es eine Kontrollstelle mit Schlafgelegenheit und Bagdrop

3. Eine vielversprechende Strecke auf zum Teil mir unbekannten Straßen

4. Voranmeldung bis Ende März und Bezahlung bis Ende Mai

5. Kleine überschaubare Veranstaltung  

 

Freitag, 7. März 2025

Mille Miglia 2024- Chinque Volta

Prolog:

Manchmal träume ich von einem Super- Brevet. Ich befinde mich des Nachts an einer Kontrollstelle und komme nicht weiter. Fast, wie in einem surrealistischen Film- ich will fahren, aber irgendwas hält mich davon ab.

Es ist meistens nichts Konkretes- doch heute Nacht war es die Gruppe, mit der ich zusammen weiter fahren wollte.

Passend zu meinem Bericht, den ich heute früh anfangen will??


 

Bevor wir starteten am 16. August '24 lief nicht alles so entspannt, wie es sonst oft war. Zunächst sollte ich keinen Urlaub bekommen, weil Prüfungen verschoben wurden. Zum zweiten Mal in meiner beruflichen Laufbahn musste mit Kündigung drohen. Gut, die erste Hürde war damit überwunden. Der Kompromiss- ich musste bis zum 15. 08 noch arbeiten und musste somit nach Milano fliegen. Klaus und Tom würden mein Rad mitnehmen.

Ungerne gebe ich mein Rad aus der Hand vor einem Brevet und ich versicherte mich mehrfach, ob denn der Schnellspanner beim Transport heil geblieben war.

Der Flug an sich war in Ordnung- hatte allerdings ca. 1h Verspätung. Mein Plan war es, mit dem Zug noch bis Legnano zu fahren- dort hatte ich ein Hotel gebucht.

Jochen und Carsten waren auch mit im Flieger- Jochen hatte ein Leihauto gebucht.

Mein Zug fuhr stündlich- den sollte ich locker erreichen. Leider machte ich nun den Fehler mich überreden zu lassen, ins Leihauto zu steigen. Als sich herausstellte, dass dieses am Flughafen Linate stand, hatte ich noch knapp 10 Minuten bevor der Zug abfuhr. Vor dem Ticket- Automaten lange Schlangen mit Touristen, die nicht wussten, wie und wo und was.....

Als ich endlich ein Ticket in der Hand hatte, rannte ich zum Bahnsteig hinunter und suchte nach dem Entwerter. Was ich nicht wusste, es gab hier inzwischen neue Automaten, die das Ticket digital entwerten. Ein freundlicher Mensch klärte mich auf. Da fuhr auch schon der Zug ein. Zweite Hürde geschafft- mein Puls war allerdings recht hoch- ich setzte mich erst einmal. Da fiel mir ein, ich müsste bald umsteigen- wusste aber nicht wo, denn ich hatte mich bei dem Stress nicht schlau gemacht. Nebenbei versuchte mich der Hotelier mehrfach anzurufen- bis ich auf die Idee kam, wer es sein könnte, hatte ich den Anruf mehrfach weggedrückt.

Drei Inder saßen bei mir und halfen. Auf einer Web-Seite fanden sie die Info, dass ich an der zweiten Haltestelle den Zug wechseln müsste....ok.

Ein Schaffner kam und kassierte die Touristen ab, die ohne Ticket fuhren.

Unfreundlich meinte er zu mir, ich sollte an der nächsten (ersten) Haltestelle wechseln und ich glaubte ihm nicht sondern den freundlichen Indern.

Nach dem ersten Halt kam er wieder zu mir, war noch unfreundlicher und kassierte auch bei mir ein erhöhtes Fahrgeld, weil ich ja nun über Milano Centrale fahren müsste. Ich zahlte, wollte keinen weiteren Stress und stieg an der zweiten Haltestelle aus, um mir dort ein Taxi zu suchen. Von Saronno waren es nur 11 km.

Leider fand ich dort kein Taxi- nur einige betrunkene Menschen, die nicht helfen konnten. Milano- Vorstadt- Bahnhof! Kein besonders gemütlicher Ort. Es gab einige Telefonnummern, doch ohne Erfolg. In der Nähe eine Bar (Irish Pub). Auch hier wurde viel getrunken- ich fragte an der Theke nach einem Taxi. Neben mir stand Ibrahim, der mir gleich anbot mich nach Legnano zum Hotel zu fahren. Sein frisch gezapftes Bier ließ er sich in einen Plastikbecher umfüllen und ging mit mir zu seinem Auto. Was blieb mir anderes übrig- ich musste dort weg und Ibrahim machte einen vertrauenerweckenden Eindruck.

Schicksalsergebend setzte ich mich in seinen kleinen Renault. Wir kommunizierte mittels der Sprachfunktion seines Handys. Das war lustig. Als wir mit 130 über die Autobahn bretterten, übersetzte sein Handy, ich hätte Glück- ein Taxifahrer würde sich an die Geschwindigkeitsbegrenzung halten- so wäre ich viel früher am Hotel.

Auf die Frage, ob ich etwas Spritgeld geben dürfte, antwortete Siri: "Das dürfen Sie gerne" 

Am Hotel wurde ich freundlich empfangen und erfuhr auch den Grund für die vielen Anrufe: das Hotel war überbucht und voll mit Radfahrern aber sie hätten ein anderes Hotel für mich angefragt. Gleich fuhren wir weiter zu einem Motel an der Autobahn. Es glich eher einer Parkpalette aber die Zimmer waren ok. In der Minibar fand ich zwei Mini- Whisky.

Dritte Hürde geschafft.

Nach dem Frühstück am Morgen setzte ich mich  zu zwei Radfahrern, einem Italiener, einem Indonesier. In der Bahn traf ich einen Radfahrer aus Malaysia und bei den Gesprächen, kam langsam Brevet- Stimmung auf. Nur noch wenige Stunden bis zum Start. Bis auf den Schaffner hatte ich nur freundliche Menschen getroffen- darunter kaum Italiener. Das Internationale gefiel mir.

Am Startort traf ich Klaus und Tom- beide wirkten sehr entspannt- hatten allerdings schon Stress mit der Müllabfuhr gehabt. Nachdem wir die Startunterlagen abgeholt hatten, mieden wir die Menschenmengen und entspannten im Schwimmbad nebenan auf Sonnenliegen.

 

Ich hatte alkfreies Bier organisiert und machte noch beim Öffnen den Biniam Girmay beim Giro 2022- nicht das Auge, die Oberlippe nahm Schaden.


 









 

 

 

 





Mille Miglia 2024- Parabiago- Pontedera

Der Start am Rugby- Stadion von Parabiago war bekannt aus 2021- es wurde in Kleingruppen gestartet, für die wir uns vorher registriert hatten. Die Zeit wurde dann irgendwie vorverlegt, weil alle Startgruppen, die eigentlich hinter uns sein sollten, schon längst auf der Strecke waren- es kam etwas Hektik auf- ich fuhr dann einfach langsam los und bald hatten wir Fahrer aus Norddeutschland uns gefunden und fuhren zügig die breiten Straßen, die uns aus dem Einzugsgebiet Milanos herausführten. Die Pontonbrücke über den Ticino sorgte mal wieder für etwas Durcheinander und , als mir später jemand sagte, einer aus unserer Gruppe hätte einen Platten, war ich schon einen Kilometer weiter.

Ich stoppte kurz, sah niemanden mehr und fuhr alleine weiter. War sowieso mein Plan- spätestens wenn die Berge begännen, wäre ich doch alleine.

Beim Mausoleum Fausto Coppi wartete ich dann doch- es war inzwischen dunkel geworden. Ich war etwas verwirrt darüber, dass ich normalerweise, alleine hinten bin- nun war ich alleine vorne.

Die Kollegen kamen dann vereinzelt- gemeinsam fuhren wir aber weiter  durch die erste Nacht. Ich merkte bald, dass ich gut die Berge hoch kam und dachte, es könnte nicht schaden, etwas ruhiger in diesen Brevet zu starten. Es gab einen schönen nächtlichen Stopp an einer Bar am Straßenrand, wo wir noch einmal die Speicher auffüllten. 

Wir waren 2-3 Stunden später als 2021 gestartet- es machte also keinen Sinn wieder in Deiva Marina zu schlafen, denn da wäre es längst hell. Ich hatte ein Nickerchen in Sestrie Levante an der Promenade in Erwägung gezogen aber ich kam erstaunlich gut, ohne schwere Augenlider, durch die Nacht.

Hier angekommen war es dann sowieso schon hell und am Ende des Ortes, bevor es in den langen Anstieg zum Passo Bracco geht, gönnten wir uns eine ausgiebige Frühstückspause.

In Deiva hielten wir uns nicht lange auf, denn es zogen dunkle Wolken auf- Regen war angesagt. Doch oben angekommen endete unsere Sammelaktion in einer weiteren Pause mit Kaffee und Cola. 

Ab Levanto gab es eine Streckenänderung- in diesem Jahr sollten wir bis La Spezia auf der Küstenstraße (SP51) der Cinque Terre bleiben. Ein ständiges Auf und Ab mit langen teilweise steilen Anstiegen und Ausblicken auf die 5 berühmten Küstenstädte, Monterosso, Vernazza, Corniglia, Manarola und Riomaggiore.

Ein schweres Gewitter war vom Meer her im Anzug und dies sorgte dafür, dass wir nicht in Levanto ein zweites Frühstück einnahmen und auch sonst eher zügig unterwegs waren. Und so entwischten wir dem Gewitter- nur ein paar dicke Tropfen bekam ich ab. Einmal mussten wir doch einen Fotostopp einlegen- über dem Meer war eine Windhose zu sehen.

In La Spezia war es Zeit für Mezzogiorno- der Wirt eines Restaurant lud uns ein zum Mittagstisch. Sehr lecker und erholsam nach diesem schweren Streckenabschnitt mit 2160 Höhenmetern auf 80 km.

In Aulla hätte ich ein Eis essen wollen, schade. Dafür stoppten wir später dort, wo Klaus und Tom schon einmal schliefen.  Die Füße im Brunnen kühlen tat gut- war jedoch nicht gern gesehen.

War ich bislang mal mehr, mal weniger mit Klaus und Tom zusammen gefahren, so kam irgendwann, ich denke es war bei der Kontrollstelle Gorfigliano, Jörn aus Bernau, den wir von Bernds 333 kannten, zu uns. 

Eine Pause haben wir, glaube ich, nicht mehr gemacht- gehalten aber öfter mal.

 Die 116 km gingen bis auf den Anstieg zum Passo del Trebbio nur bergab.

Jedoch benötigten wir für den Anstieg gefühlt eine Ewigkeit. Klar waren wir alle müde, jetzt wo wir in die zweite Nacht hineinfuhren. Ein einsamer Randonneur mit Platten wusste nicht mehr weiter und ließ sich von Klaus den Reifen reparieren.

In der Abfahrt dann hatte Klaus selber einen Platten- kam zum Glück nicht zu Fall.

Die Decke war aufgeschlitzt. Aber auch das ließ sich reparieren- dennoch Pontedera, wo ich schlafen wollte, rückte einfach nicht näher.

Dort legte ich mich gleich schlafen unter dem Dach des großen Zeltes- es hatte geregnet- einen Schlafplatz im Innern gab es auch dieses Jahr nicht. Als ich aufwachte regnete es.

Langsam machte ich mich bereit weiter zu fahren.

Es wurde gesammelt- wir waren jetzt eine größere Gruppe Fahrer.

Jetzt kamen Jochen und Carsten an in Pontedera. Das wunderte mich etwas, hatte ich doch damit gerechnet, sie würden uns irgendwann ein- und überholen oder hätten es getan ohne, dass ich es gemerkt hatte.


 

 

Donnerstag, 6. März 2025

MM 2024- Pontedera- Radicofani

Geplant war eigentlich in Bolsena zu schlafen- eine gute Tagesetappe- doch dazu später mehr.....

Ich war ausgeschlafen, bereit für eine lange, bergige und schöne Fahrt durch die Toscana. Schon gestern hatte ich gemerkt, dass ich gut drauf war und das Warten manchmal etwas an den Nerven zerrte. Heute wollte ich mein Tempo fahren- doch erst einmal zusammen losfahren. Ich drängelte etwas- ohne Erfolg. Es war ja auch schon "lange" hell, wie man auf dem Bild sehen kann. Die Gruppe war jetzt etwas größer geworden und als wir endlich losrollten und ich mich nach der Ponte über den Arno umdrehte war ich alleine. Ich wartete, Jörn vermisste seinen Helm und fuhr zurück. Ich fuhr langsam weiter und wollte an der nächsten Bar warten- so das Warten sinnvoll nutzen.

Zu Zweit, war es Tom?, bestellten wir dort Kaffee und Cornetto. Die Räder standen auf der gegenüberliegenden Seite, damit die Gruppe uns sehen könnte....

Doch was geschah- nichts. Irgendwann fuhr ich dann alleine weiter. Puh, eine Last fiel von mir ab. So befreit fuhr ich nun lustvoll in die ersten Anstiege des Tages. Es lief gut. Viele andere Randonneure waren auf der Strecke, die ich überholte oder mit denen ich ein kleines Stück gemeinsam fuhr.

An einer längeren Steigung schloss Tom zu mir auf- ließ sich aber bald wieder zurückfallen- die Gruppe musste kurz hinter mir sein.

Es gab ein längeres Gravelstück- keine weiße Straße- eher rötlich-braun-ocker farbend mit teilweise dicken Steinen. Ich genoss dieses Stück- auch dafür hatte ich die Vittoria Corsa Conrol in 30 mm Breite aufgezogen.

Bis Castelnuova Beradegna (124km) fuhr ich wohl ohne Pause. Hinter Siena schloss Klaus zu mir auf und machte ordentlich Tempo- ich hatte Mühe, vor allem in den Abfahrten dran zu bleiben- wollte aber gerne mit ihm zusammen im Kontrollpunkt ankommen.

Hier hatte es 2012 diesen leckeren Brotsalat gegeben. Weiß gar nicht, wo Klaus dann blieb- ich muss ihn gleich mal fragen, wenn wir uns zu "Bund um Berlin" treffen.

Auf jeden Fall fuhr ich alleine weiter bis San Quirico d'Orcia.

Immer wieder mal ein Blick auf den Monte Amiata
 

An der Kontrollstelle setzte ich mich zu zwei weiteren deutschen Fahrern- lange mussten wir auf das Essen warten- schon wieder warten. Es war jetzt sicher schon 19 Uhr und das Thema Schlafen kam ins Gespräch. Ich erklärte Bolsena zu meinem Tagesziel, hatte aber schon den Eindruck, es könnte knapp werden, dort noch zu einer vernünftigen Zeit anzukommen. Die 2-3 Stunden, die wir am 16. später, als 2021 gestartet waren, zogen sich bislang durch den ganzen Brevet. das Tempo war offensichtlich nicht viel anders. Ich wollte dennoch an meinem Plan festhalten. Ich telefonierte noch mit meiner sportlichen Leitung und wollte schon aufbrechen, als die Gruppe mit Tom, Klaus und Jörn auftauchten. Sie machten einen sehr müden Eindruck auf mich und für sie stand fest, sie würden nicht bis Bolsena durchfahren und sich irgendwo ein "gemütliches" Plätzchen suchen, so wie Tom das 2001 mit Evelyn erlebt hatten.

Irgendwie fand ich das dann verlockend und ich beschloss mit der Gruppe weiter zu fahren- nur ein Eis wollten wir in San Quirico noch essen und dazu fuhren wir ein Stück auf dem Track zurück. Die Bar hatte Eis am Stil und viel Zeit.

Schon in der langen Abfahrt ins Tal der Orcia merkte man deutlich, wie müde manche waren. Schon bald sollte ein Schlafplatz gefunden werden. So bald!?

Gut, ich hatte mich jetzt entschlossen und irgendwie ist es auch ein gutes Gefühl, nicht alleine in die Nacht zu fahren. Tom hatte die gute Idee, auf einem Berg oben zu nächtigen, denn da würde es trockener sein. Es war viel Feuchtigkeit in der Luft- ein Gewitter war angezeigt. Da bot sich Radicofani an- nur den Pass müssten wir noch hoch und im mittelalterlichen Ort würde wir nach einer Pizza einen Schlafplatz suchen.

Klaus und ich kannten diesen schönen Ort vom Tuscany Trail 2016 und auch damals zog vom Monte Amiata her ein schweres Gewitter auf.

Der Anstieg dauerte gefühlt ewig und als wir endlich in Radicofani ankamen, waren fast alle Restaurants und Bars schon dabei abzuschließen.

Wir konnten allerdings noch Flaschenbier besorgen und in einer Bar gab es große Panini mit Käse und Schinken.

Wir verzehrten alles auf einem Platz aber es wurde Zeit einen trockenen Schlafplatz zu suchen, denn das Gewitter rückte immer näher. Beim Einfahren in den Ort hatten wir eine Baustelle gesehen, ein Haus mit einem großen Unterstand.

Dort angekommen machten wir es uns gleich bequem auf unseren Luftmatrazen.

Die Räder legten wir so hin, dass wir von der Straße aus nicht gesehen werden könnten. Der erste Stock der Baustelle war offensichtlich bewohnt- wir verhielten uns leise und es störte offenbar niemanden.


 

 

Dienstag, 4. März 2025

MM 2024 Matassino Reggello - Pieve di Coriano Borgo Mantovano

Dieser Tag würde zunächst die zwei höchsten Anstiege der diesjährigen Mille Miglia zu bieten haben, ca. 2250 Höhenmeter auf gut 100 Kilometern. Beide Anstiege führten auf knapp über 1000m- anschließend lägen die Berge hinter uns und weitere flache 500 km trennten uns dann noch vom Ziel. Fast 1/3 der Gesamtstrecke und ich wusste, dass man dieses flache Drittel in der Poebene nicht unterschätzen durfte. 

Zunächst 18 Kilometern mit etwa 900 Höhenmeter bis hinauf zum Kloster und Naturpark Valombrosa waren nach dem Frühstück zu überwinden.

Ich fühlte mich gut und lustvoll fahre ich in den langen Anstieg- dieses mal im Hellen. Da Carsten nicht geschlafen hat, auch Probleme mit den Füßen hat und so keinen Druck machen kann, passt das Tempo nicht zusammen. Dennoch fahren wir zusammen bis wir oben in Saltino sind, wo ich an der ersten Bar anhalte. Carsten will langsam weiter.

Da ich keine Ahnung habe, wo die anderen, mit denen ich den letzten Tag mal mehr- mal weniger zusammen verbracht hatte, waren, genoss ich jetzt das Alleinsein. 

"Manch Mensch mag denken, so einen Brevet wird mit den Beinen gefahren!? Mitnichten- die Konzentration auf das Selbst darf nicht verachtet werden!!"

(Klaus meint, ich soll blumiger schreiben ;-))

Endlich nach drei Tagen konnte ich mich auf mich selbst konzentrieren- was für mich zunächst eine ausgedehnte Frühstückspause bedeutete. Dies würde mein Tag werden, wo ich nur mein Tempo fahren würde mit dem Wissen, dass ich gute Beine hatte und dass ich sicher heute Nacht in Pieve di Coriano schlafen würde und dann auch sicher am folgenden Tag ins Ziel fahren würde.

Eine lange Abfahrt und schon erreiche ich Dicomano, ein Kontrollort, den wir schon bei früheren Austragungen angefahren sind. Carsten sehe ich kurz- er will hier schlafen. Sicher eine gute Idee. Nach kurzem Stopp, fahre ich weiter. Will ruhig und gleichmäßig fahren mit nur kurzen Stopps- so mein Plan.

Nach einem kurzen Flachstück entlang eines Flüsschens bis Borgo San Lorenzo geht es in den finalen Anstieg. Zunächst über den Passo Calla- eine kleine Abfahrt und dann der berühmte Passo Sambuca. Im Anstieg fahre ich auf Nina auf, die in London lebt. Lange unterhalten wir uns und merken nicht wie die Höhenmeter unter unseren Rädern dahin schmelzen. An einer Weggabelung ist eine mit Randonneuren gut gefüllte Bar- Nina stoppt- ich aber will weiter den letzten Pass bezwingen.

Leider wird es immer nebliger und dadurch auch feuchter. Später in der Abfahrt kann ich das Rad deshalb nicht so laufen lassen, wie ich möchte- schade.

Der Nebel lichtet sich weiter unten und gibt die Sicht auf dicke Regenwolken frei.

Es beginnt zu schütten, wie ich es in Italien selten erlebt habe. In Sekunden ist alles überschwemmt und da die Straßen ja hier nicht eben sind fahre ich durch tiefe Pfützen- das Wasser spritzt zur Seite und bremst die rasante Abfahrt.

Ebenso schnell ist der Regen wieder vorbei. Für mich war es eine willkommene Abkühlung und im Gegenanstieg bin ich schnell wieder warm.

Schon folgt die nächste Kontrollstelle- ein Radladen am Straßenrand. Gegenüber eine Eisdiele - dort treffe ich Tom und Klaus. Das Eis ist sehr lecker und ich überlege, ob ich noch ein weiteres esse.


 Ich fahre alleine weiter- die Beiden wollen noch pausieren.

Noch bin ich nicht unten in der Poebene angekommen:

"Una dolce e lunga discesa percorre interamente la valle Senio costeggiando il fiume"

"Ein sanfter, langer Abstieg führt über die gesamte Länge des Seniotals entlang des Flusses", heißt es in der Beschreibung des Veranstalters.

Lugo ist schnell erreicht. Auch hier halte ich mich nicht lange auf- erst in Massa Finalese wollte ich länger pausieren und essen. 

Doch diese Etappe ist lang und es ist heiß, so dass ich doch einmal am Straßenrand an einem Obststand halte; hier gibt es frisch gepresste Säfte, Tomaten und Aprikosen. Ich stelle mich neben den Stand und esse alles und komme ein wenig mit der Verkäuferin ins Gespräch. Am Ende darf ich nicht bezahlen!

Der zweite Stopp ist an dem mir schon bekannten Lidl- Supermarkt. Ich hatte die Schuhe ausgezogen, um mir etwas Kühlung zu verschaffen, was die Verkäuferin an der Kasse gar nicht lustig fand. Ich verstehe nicht so ganz, warum Schuhsohlen hygienischer sein sollen, bin aber ganz kleinlaut, denn ich soll an der Schlange vorbei - gleich abkassiert werden , um so möglichst schnell den Laden zu verlassen.

So kann man das auch machen, wenn man im Rennen ist, denke ich.

Vor dem Kontrollort werde ich von einer größeren Gruppe eingeholt und hänge mich da rein- ich lerne zwei Engländer kennen, einer unterhält sich mit mir angeregt- der andere mit gesenktem Kopf weniger. Er hat einen Shermer's Neck und fragt sich, wie er das Ziel noch erreichen kann. Armer Kerl!

Auf dieser verkehrsreichen Straße sind die Autofahrer wenig fahrradfreundlich- schade- es wird viel gehupt und eng überholt.

In die gleiche Richtung zurück führt der Track nachher auf einem Radweg, der eher an einen Cross erinnert. Dies Streckenführung habe ich schon 2021 nicht verstanden.

Das Essen am Kontroll- und Verpflegungsort war sehr lecker. Piadina und so, konnte ich Tom, der jetzt kam, empfehlen. Ich wollte weiter- da kamen auch Klaus und Jörn. Kurzer Schnack und dann weiter.

Ich war müde geworden- wollte aber auf jeden Fall noch die Strecke entlang des Pos fahren und zum Kontrollort.  Pieve di Coriano. Knapp 70 Kilometer trennten mich noch von der Waagerechten- ich sehnte die Schlafpause herbei.

Leider schleppten sich deshalb die Kilometer so dahin- der Zug war raus. Es wurde nun auch bald dunkel. Nach 30 Kilometern überquerte ich den Po.In diesem Jahr fuhren auf der Nordseite entlang des großen Flusses. Hier war absolut nichts los. Die einzige Abwechslung boten kleine Käuze oder Eulen, die auf der Straße standen und erst kurzfristig aufflogen. Die waren lustig! Ansonsten empfand ich diese Strecke eher eintönig und ich hatte Mühe mich wach zu halten.

Als meine Augen zu fallen wollten, hielt ich an und wartete auf zwei Fahrer, die ich kurz zuvor überholt hatte. Lieber etwas langsamer aber mit mehr Sicherheit falls etwas passiert, wollte ich fahren. Doch ich merkte bald, dass das keine gute Idee war- ständig verfuhren sie sich, hielten an und diskutierten.....

Also weiter und irgendwann erreichte ich den Kontrollort, den ich auch noch von Alpi4000 in guter Erinnerung hatte. 

Kurz duschen und dann schnell hinlegen. Der Blick in den Schlafsaal verrät, es gibt Klappliegen- was für ein Luxus. Bevor ich mich hinlege,  treffe ich zum ersten Mal seit dem Start die drei Hannoveraner, Evelyn, Henning und ?. Wir begrüßen uns nur kurz.

Endlich der ersehnte Schlaf auf einer Liege......!!!

 

 

 

 

Sonntag, 2. März 2025

MM2024

Eine lange Geschichte- "Viel erlebt haben wir wieder einmal mehr!", schrieb ich am 20.August 24, kurz nachdem ich wieder zu Hause war.

 Und dass ich  noch weit entfernt davon war, einen Bericht zu schreiben.


 7 Monate hat es dieses Mal gedauert, bis ich soweit war. Und das ist gut so- es ist (fast) alles wieder da beim Schreiben und wieder befinde ich mich auf der Strecke, Bilder kommen, Namen muss ich teilweise recherchieren- zum Beispiel anhand der Finisher- Liste.

Dort fällt auf, dass Yuan nicht kurz vorher ins Ziel kam- es gibt einen Yuan, der 1h 20` später zusammen mit Ajis und Azly und auch mit Der Dirk ins Ziel kam. 

 Und kommt er womöglich aus Indonesien? 

 
Würde mich schon interessieren, was er in der Zeit noch gemacht hat. Hatte  er zum Beispiel seine Kollegen aus Indonesien und Malaysia noch vor dem Ziel erreicht- sind sie dann noch irgendwo angehalten oder hatten sie sich verfahren....
 
Vielleicht kann Stephan, wenn er LEL fährt, mit ihnen reden- denn dort wollen Sie fahren dieses Jahr.
Uns zieht es wieder nach Italien:
Nur noch gut 2 Monate bis wir dort bei der 999tuscany starten- dann wird es neue Geschichten geben......
 

 

 Und noch ein paar Fotos vom Finale:








 

Mittwoch, 28. August 2024

5D 01h 43 M

 Meine Finisherzeit bei dieser 5. Teilnahme:


Viel erlebt haben wir wieder einmal mehr!

Noch schwieren Bilder, Geschichten durch den Kopf und ich bin noch weit entfernt davon, einen Bericht zu schreiben.....

Es wird wohl meine letzte Mille Miglia gewesen sein; das sagte ich auch zu Fermo, der mich daraufhin gleich einlud, 2028 als Crew- Mitglied dabei zu sein.

Da hab ich mich gefreut.....

Die 999 im nächsten Jahr- die wollte ich ja nicht noch einmal fahren.

Da kommt A.R.I. mit dieser Nachricht:



Die 999 als neue Veranstaltung in der Toscana, inclusive Monte Amiata!!!!



Donnerstag, 2. September 2010

1001 Mille Miglia 2010

 1001 Meile Italien 2010

Prolog:

Rüdiger wollte beim Super- Brevet seines Clubs helfen und so machte ich mich dieses Mal alleine auf den Weg nach Italien.
Für einen Super- Brevet vor der Haustüre, der auch durch meine alte Heimat NRW führt, fehlt mir die besondere Motivation, die man braucht, um so eine Tour zu bestehen. So freute ich mich auf das gute Wetter und die Schönheit der Städte und Landschaften in Italien.
Es gab wieder die Möglichkeit am Startort zu zelten , doch blieb es dort erstaunlich ruhig; lediglich ein Holländer, ein Franzose, Volker aus dem Kölner Raum und ich nutzten diese Möglichkeit 50m vom Startort entfernt zu übernachten- vielleicht lag es an den vielen Mosquitos.
An der Anmeldung in der Innenstadt lernte ich einige deutsche Teilnehmer kennen.
Gemeinsam mit Volker fuhr ich dann noch ca. 10 km aus Nerviano hinaus- ein bisschen warm fahren und die Ausfahrt kennen lernen, damit es nicht gleich wieder nach dem Start Orientierungsprobleme gäbe.
2 h vor dem Start treffe ich noch einmal die Berliner und wir beschließen einen weiteren Kaffee in ihrem Hotel zu trinken. Das Rad davor abschließen oder nicht??
Dann doch- ich habe ein kleines Kofferschloss dabei- es hält zumindest einen ersten Zugriff stand. Als wir aus dem Hotel herauskommen, verstehe ich zuerst gar nicht mein Rad liegt auf der Straße, ein Italiener steht dabei und beteuert, er wäre es nicht gewesen. Jetzt begreife ich langsam und sehe auch gleich das Malheur- das Drahtseil des Schlosses hat sich mehrmals um die Nabe des Hinterrades direkt zwischen Kassette und Speichen gewickelt. Es gelingt uns, dieses vorsichtig zu entfernen- es bleibt ein Schlag im Hinterrad und 4 angeknackste Speichen.
Kurz vor dem Start habe ich das Rad wieder zentriert- es läuft gut- doch ein mulmiges Gefühl bleibt. Bei der Startaufstellung treffe ich dann endlich auch Jens- wir wollen zusammen relativ weit vorne starten.

meine erste Tagesetappe:
Nerviano- Chiuso della Verna
560km / 4200 Hm (davon 2000 hm auf den letzten 74 km) in ca. 30 h

21:10 Uhr: der Start erfolgt recht flott und schnell sind wir auch aus Nerviano heraus. Ich kann es kaum glauben, was für ein Tempo hier gleich zu Beginn gefahren wird- die 4 ist immer vorne- das Tempo liegt zwischen 43 und 48 km/h!!
Einmal ist gar die 5 vorne. Dies ist nicht das Tempo, welches ich fahren will, doch möchte ich versuchen vielleicht bis zur ersten Kontrollstelle dran zu bleiben- muss ja nicht führen. Jens hört schlimme Geräusche an seinem Hinterrad, die offensichtlich von seinem Freilauf kommen.
Wir stoppen kurz und fahren dann zu zweit weiter. Gut so- das Tempo der Gruppe war auf Dauer doch zu schnell für mich. Aber auch Jens fährt mir noch etwas zu schnell. Zügig fahren wir durch die Nacht und bald ist schon die 2. Kontrollstelle in Colorno erreicht. Diese Mal müssen wir nicht lange suchen- es gibt eine offizielle Verpflegungsstelle. Jens drängt zum Aufbruch- was hat er vor? Um meine üblichen Tiefpunkt in der Nacht zu überwinden, hatte ich mich mit einem konzentrierten Energiegetränk versorgt. Doch wenig später, nachdem wir aus Colorno herausgefahren waren, passierte es wieder: die Augen wollten einfach nicht offen bleiben!! Ich sah mich nach einem geeigneten Platz um und es war wieder die gleiche Stadt, die gleichen Bänke, wie 2008, die mich zum Schlafen einluden!?
Eine h Schlaf reichte aus, um wach weiter zu fahren. Die Beine meldeten- das Tempo (ca. 31km/h) war bisher viel zu hoch gewesen und so fuhr ich ruhig mein Tempo weiter. Ich wusste, es würde noch eine Weile dauern, bis das erste Cafe auftaucht. Die Strecke führt jetzt lange Zeit direkt auf einem Deich des Pos entlang. Freue mich schon auf den Kaffee und da ist es endlich- dasselbe Cafe, in dem ich 2008 auch mit Rüdiger gefrühstückt hatte.
Inzwischen war es auch hell geworden und gut gelaunt startete ich in den Tag. Es rollte gut- oft fuhr ich stundenlang im Unterlenker für mich alleine geradeaus.
Parma und Bologna lasse ich links oder rechts liegen. Es wird wärmer und irgendwann möchte ich ein Eis essen. Zwei Deutsche sitzen schon vor dem Cafe und an einem anderen Tisch eine Gruppe Italiener. Weil es so lecker ist, esse ich gleich noch ein zweites Eis. Ein Gast erzählt, er kenne Lübeck und Travemünde, er habe dort Musik in Cafes gemacht macht entsprechende Handbewegungen.
Dies ist auch ein Grund dafür, dass ich im Ausland gerne unser Vereinstrikot trage- ich bin dann gleich der "Hamburgo" und diese Stadt kennen fast alle.
Die Gruppe der Italiener fährt los und ich will dies nutzen, um schnell nach Faenza zu kommen. Ich kann es kaum erwarten endlich in den Bergen zu fahren. Die Gruppe zieht mich tatsächlich mit über 30 km/h voran, auch wenn ich meistens vorne bin. Alleine würde ich mindestens 5 km/h langsamer fahren. In Faenza, der Keramikstadt, gibt es Nudeln auf Plastiktellern. Hier habe ich vor Jahren mal an einem Keramikwettbewerb teilgenommen und die Keramiken eigens dazu hierher gefahren.
Nachdem ich mit Toon aus Belgien "gemütlich" zu Mittag gegessen habe, verlasse ich Faenza wieder gemeinsam mit den Italienern. An einer Stelle weicht der Track wohl von der beschriebenen Route ab- ich folge den Italienern, die sich auskennen bis mir eine Wespe ins offene Trikot fliegt und gleich 3 mal zu sticht, bis ich sie endlich totschlagen kann- iiih! Nachdem dies überstanden ist, stehe ich alleine da und weiß gerade nicht wie es weiter geht. Ich sehe also zu, dass ich wieder auf den Track komme. Es folgt der erste lange Anstieg. Von Faenza bis zur Passhöhe sind es ca. 70 km. Höhenmeter, die erklommen werden, werden meistens schnell wieder durch eine Abfahrt zunichte gemacht. Ein endlos scheinendes Auf und Ab- war ich derjenige, der gerade noch die Berge herbeigesehnt hatte!? Doch irgendwann ist es doch geschafft und in dem Restaurant auf der Passhöhe gönne ich mir eine Cola und ein Stück Kuchen. Dort hängt das berühmte Bild von Coppi und Bartali, wo sie Hand in Hand über die Ziellinie fahren und ich erinnere mich in der Routenbeschreibung gelesen zu haben, dass diese Szene sich hier auf dem Pass abgespielt hat. Nach der Abfahrt treffe ich Bernd in der nächsten Kontrollstelle. Hier gibt es Brote, die nach Wahl, mit Schinken, Salami, Käse, belegt werden. Wenig später treffen auch Stefan und Ralf ein. Bernd und ich wollen zusammen noch bis Chiuso della Verna fahren- dies sollte das Ziel der ersten Tagesetappe sein. Ervin aus Kroatien schließt sich uns an. Der nächste Anstieg sollte von diesen dreien der Schwerste sein, doch dies empfinde ich gar nicht so- denn, obwohl der Anstieg sehr steil ist, behalten wir hier jeden Höhenmeter, da es stetig und relativ gleichmäßig bergan geht. Kurz vor dem Gipfel höre ich ein lautes eindeutiges "Ping", ich weiß gleich, es ist eine Speiche gebrochen. Es ist auf der Zahnkranzseite und ich habe weder Werkzeug, um die Kassette zu entferne, noch eine Ersatzspeiche dabei. Doch Bernd hat und ein Liegeradfahrer aus Bayern spendiert die passende Speiche dazu. Nach ca. einer h Arbeit kann die Fahrt weiter gehen. Bald danach sind wir auch schon im dritten und letzten Anstieg des Tages. Der Anstieg zum Kloster ist nicht nur sehr steil sondern scheint auch endlos zu sein. Stunden, so kommt es mir vor, klettern wir Meter für Meter, dabei helfen die Schilder am Straßenrand, die alle 100m stehen, wenig. im Gegenteil. Nach dem der Ort Chiuso erreicht ist, geht es noch einmal steil bergan zum Kloster Eremo della Verna, dort sollen die Schlafplätze sein. Endlich um 3. 19 Uhr erreichen Ervin und ich das Ziel- Bernd schien einige 100m zurück. Wir stempeln und essen erst einmal und lassen uns die Schlafplätze zeigen. Doch wo bleibt Bernd?? Inzwischen waren 20 min vergangen und kein Bernd im Ziel. Er hatte wohl kurz unterhalb des Klosters einen Platten und war dann zu Fuß weiter und verfehlte dann auch noch das Ziel.

2. Tagesetappe
Chiuso della Verna- Bolsena
220 km / 2800 Hm in ca. 15 h

Das Bett im Schlafsaal des Klosters war sehr komfortabel- ich schlafe ca. 2-3 h und starte wieder kurz nach 7 Uhr. Die Panne und die unerwartete Härte der letzten Etappe hatten mich ca. 2 h gegenüber meinem Plan gekostet. Ich empfand die gestrige Tagesetappe, als die schwerste, die ich in meinem Leben gefahren bin.
Als ich losrollen will, kommen Ingo und Klaus aus Berlin, die vor dem letzten Anstieg in einem Hotel geschlafen hatten. Wir wollen erst einmal zusammen fahren und dieser Vorsatz hält sich bis zum Ende des Tages. Wenn alles gut laufen würde, wollte ich bis Montalcino durchfahren- ich wußte, dass würde nicht einfach werden hatte es aber für machbar gehalten. Montalcino war Bergankunft beim diesjährigen Giro, Vinokurov fuhr hier ins rosa Trikot- ich selbst war auch schon zweimal bei der l eroica dort oben- vielleicht hatte ich mir dieses Ziel deshalb in den Kopf gesetzt!?
Doch die Schwere des letzten Tages steckte im Körper und forderte zu wiederholten Pausen auf. In einer Stadt versorgten wir uns mit einem Berg Obst und Käse, den wir komplett verspeisten. Auf der Passhöhe vor Passignano muss man einfach stoppen.
Ein Eis mit Ausblick über den lago di Trasimeno ! Dann die rasante Abfahrt- Huui! In Passignano gibt"s Dusche und frische Klamotten aus der eigenen Tasche, die hierher transportiert wurde. Ich drücke etwas aufs Tempo- h Pause ist angesagt- die beiden sind einverstanden. Ich denke, es wird langsam knapp, wenn ich bis Montalcino fahren will. Kurz vor Todi treffen wir auf Bernd, der wohl Probleme hat!? Er kommt uns entgegen? In Todi will ich eigentlich gleich weiter aber als ich erst einmal sitze und sehe, wie die anderen Pizza bestellen, werde ich schwach. Mein Körper braucht jetzt auch etwas, was ich ihm eigentlich nicht gönnen wollte. Beim zweiten Stück Pizza, die Füße liegen hoch, wird mir auch langsam bewusst, dass mein Ziel für heute viel zu hoch gesteckt ist und ich passe es meinen Mitstreitern an. Pomonte heißt jetzt das Ziel. Nachdem wir wieder eine Weile gefahren sind, wir uns mit Licht und Leuchtweste für die Nacht gerüstet haben, spüre ich doch eine Enttäuschung darüber, dass ich Montalcino aufstecken musste. Dies demotiviert mich sogar dermaßen, dass ich über einen möglichen Schlafstopp "schon" in Bolsena nachdenke, also 150 km vor der " Bergankunft". Ich habe auch die Worte des Holländers, der jetzt mit uns fährt, im Ohr, " wenn wir heute bis Pomonte fahren, können wir morgen abend vielleicht in Montecatini sein. Plötzlich ändere ich meine Pläne komplett: Ich fahre "nur" bis Bolsena, schlafe dort 6 h und hole morgen dann ausgeschlafen alles wieder rein- mindestens bis Montecatini oder vielleicht sogar die ganze Nacht durch wollte ich dann fahren. Es ist beschlossen. Ingo will auch in Bolsena schlafen, Klaus fährt mit dem Holländer noch bis Pomonte. Die Kontrollstelle ist in einem Restaurant direkt am lago di Bolsena ist wunderschön gelegen. Es gibt gutes Essen und dazu ein Glas roten Wein. Wir schlafen in einem Zelt, das zu diesem Zeitpunkt noch fast leer ist. Die Schlafstätte ist einfach und ich bin froh, dass ich meine selbstaufblasende Matte und den Schlafsack dabei habe.

3. Tagesetappe
Bolsena- Montecatini
370 km / 5300 Hm in ca.- 22 h

Als ich aufwache ist das Zelt komplett voll und Ingo schon weg. Ich trinke einen Kaffee und rolle gemeinsam mit Ervin los. Noch im Dunkel erreichen wir Pittigliano, wo ich die Kontrollstelle an der gleichen Stelle wie 2008 suche.... ich glaube ich brauche einen Kaffee- die nächste Kontrolle ist doch erst in Pomonte!? Bis dahin ist ein Berg zu überwinden- ich gönne mir allerdings zwei, dem Track und nicht den Pfeilen folgend, und eine Abfahrt mit über 20% auf Betonplatten!! Aua!
Einige Kilometer vor Pomonte komme ich wieder auf den rechten Weg und dort erwartet mich das beste Frühstück meines Lebens und natürlich auch Kaffee.
Die Engländer am Tisch sind sich noch nicht sicher, ob Tee nicht besser wäre und ob sie die Schotterstrecke der l eroica fahren werden. Für mich steht fest, dass ich wegen der angeknacksten Speichen die Ausweichstrecke fahren werde.
Irgendwann nach zahlreichen kleinen aber durchaus heftigen Anstiegen und einer kleinen teilweise geschotterten Straße durch ein Flussbett wartet der lang ersehnte Anstieg nach Montalcino. Zuvor erfrische ich mich noch in einem Restaurant mit Cola und kaltem Wasser. Der Anstieg ist lang und steil- doch ich fahre munter bergan- MONTALCINO. Etwas nerven die Motorradfahrer die hier mit einem Affentempo durch die Kurven rasen. Oben angekommen rätsele ich zusammen mit anderen Fahrern, wo denn nun die Kontrolle wäre. Wir suchen den piazza del poppulo und lernen dabei einen wunderschönen Ort kennen, der auf diesem Einzelberg gelegen einen einzigartigen Ausblick auf die toscanische Landschaft bietet. Auf dem piazza del poppulo warten zwei Uniformierte mit Stempel und Wasser auf uns. Im Schatten der Arkaden ist es kühl, doch ich halte mich hier nicht lange auf und schlängele mich durch die Touristenströme hinaus und hinab die rauschende Abfahrt. Die Etappe bis Castelnuovo Beradenga ist relativ kurz und auch die Höhenmeter sind kaum erwähnenswert. Nach der Abfahrt noch ein kurzes Stück und es gibt die Wahlmöglichkeit auf ein 15 km langes Teilstück der l eroica zu fahren. Es wäre für mich nun zum vierten Mal gewesen- doch in erster Linie halten mich die Speichen des Hinterrades davon ab. Es ist heiß geworden und ich etwas müde und hungrig.
Doch weit ist es nicht mehr bis Castelnuovo B. Vor mir ein Japaner, den ich gerne noch vorher einholen möchte. Ich trete also an einer kleinen Steigung einen etwas zu großen Gang im Stehen und es macht zum zweiten Mal "Ping". Gleichzeitig bemerke ich, dass auch die Luft aus dem Hinterrad entweicht. Kein Schatten!- ich schaue mir den Schaden an und bin, ehrlich gesagt, ziemlich bedient. Doch schon bald naht Rettung in Form eines Seattle Randonneurs. "Everything ok?"- "No!" Er hält und gibt mir eine kleine Dose mit einer Ersatzspeiche mit dem Worten: "read the instruction -read the instruction" und ist schon wieder weiter. Klasse. Ich freue mich über so viel Hilfsbereitschaft- er selbst könnte doch auch einen Speichenbruch bekommen.
Doch ohne Werkzeug, um die Kassette zu entfernen, komme ich noch nicht weiter. Ich versuche mit Messer und einem Stein den Rest Speiche zu brechen und zu entfernen. Es gelingt mir nicht bis zwei Engländer vorbeifahren: "Are you allright?"- "No!" ..und da sind sie auch schon vorbei gerauscht. Doch der Engländer kommt zurück und hilft mir so lange, bis wir gemeinsam das Problem gelöst haben.
Da er auch kein passendes Werkzeug dabei hatte, half seine Kreativität.
Bis zur Kontrollstelle waren es tatsächlich nur noch 6 km. Dort gab es ein reichhaltiges Büfett mit Obst, Gemüse, Schinken, Salami, Brot, Nudeln und so weiter.
Auch die l eroica stoppt hier zum letzten Mal vor Gaiole und auch hier gab es Festtagsmenü für Radfahrer, so dass ich mich hier jedes Mal schwer trennen konnte.
Hier gab es auch zum zweiten Mal die Tasche; das heisst Dusche und frisches Trikot. Ganz so lange hielt ich mich dieses Mal nicht in diesem gastlichen Ort auf, denn ich wollte noch im Hellen den Anstieg nach Castellina meistern. Gemeinsam mit den beiden Engländern rollten wir los und ich überlegte, ob ich ihnen, die sich, wenn es dunkel würde, ein Hotel suchen wollten, in Castellina für die großzügige Hilfe einen Kaffee ausgeben sollte. Doch am Anstieg hab ich sie dann irgendwo verloren.
Den Anstieg hatte ich von 2008 viel schwerer in Erinnerung- vielleicht war es aber auch die nun leicht aufkommende Euphorie, die mich den Anstieg "hochfliegen" ließ.
(oder der Energydrink, den ich in meiner Tasche gefunden hatte)
Es wurde auch kühler und vielleicht war es auch die Vorfreude auf die Nacht, die ich durchfahren wollte, dass ich gar nicht wie geplant in Castellina anhielt zum Kaffeetrinken. Es folgt eine lange steile Abfahrt, die ich leider nicht hinunterbrettern konnte, denn die Behelfsspeiche aus einem Kevlartau ließ sich nicht so stark spannen, dass das Rad völlig rund lief. Ich fuhr also mit offener Hinterradbremse und traute mich nicht mehr als 40 km/h. Das bedeutete aber auch häufiges und kräftiges Bremsen vorne. Es lief. Also weiter. Später könnte ich einen Radladen aufsuchen und das Hinterrad reparieren lassen. Ein oder zwei Orte weiter hielt ich dann doch noch für ein Eis und einen Kaffee. Viele Menschen standen hier vorwiegend vor dem Cafe und auf der Straße- redeten viel und laut und kümmerten sich nicht um den Radfahrer mit Licht am Helm. Noch schnell eine SMS in die Heimat- quasi als Urlaubsgruß. Dann wurde es richtig Nacht und ich genoss diese in vollen Zügen.
Ganz allein fuhr ich stundenlang nur begleitet von den Grillen mit immer wieder neuen Geräuschen. Dann auch mal ein Nachtvogel, der sein Lied anstimmte.
Ein letzter Anstieg vor Montaione, der letzte auch bis Montecatini.
Normalerweise fahre ich nicht so gerne in der Nacht- doch hier ist die Nacht lauwarm, der Mond scheint helle .
Die Kontrollstelle in Montaione, zu der ich um Mitternacht ankomme, ist eher einfach, die Gastgeber schon sehr übermüdet. Ich halte mich also nicht lange auf und fahre auf jeden Fall noch bis Montecatini. Dieses Teilstück ist eher flach. Es gibt Hauptstraßen, die natürlich um diese Zeit völlig leer sind. Es zieht sich noch eine ganze Weile bis ich dort ankomme. Hier ist eine große Turnhalle, hier ließe es sich gut schlafen. Als ich meine Matte ausgerollt hatte, sehe ich Stefan, der wohl auch noch nicht so lange dort ist. Ingo und Klaus, meint er, haben sich vorher ein Zimmer genommen. Ich habe also mein Tagesziel erreicht. Bevor ich mich schlafen lege sehe ich noch Volker und den Holländer (Ruud?) vom Zeltplatz, die gerade aufbrechen wollen.

4. Tagesetappe
Montecatini- Casella Ligure
286 km / ( ) Hm in ca. 22 h

So um 7 Uhr herum, wollten Stefan, Ralf und ich aufbrechen. Ich hatte für heute keinen festen Plan- wusste nur, dass diese Tagesetappe, laut Höhenprofil, versprach schwer zu werden. Die Strecke bis Aulla war bekannt- eine lange Talfahrt hinauf nach Castelnuovo Gerafagna- dort durch den Ort, durch die Menschenmengen kämpfen und dann begann der Anstieg zum Pass. Aber zunächst mussten wir Montecatini hinter uns lassen. Drei Fahrer und drei verschiedene Tracks sollten uns zunächst trennen, doch es gab nur einen Weg durchs Tal, auf dem wir uns dann schnell wiederfanden. Ganz leicht bergan führte die Strecke- genau das richtige für Norddeutsche Rolleure. Der Bergfahrer aus Berlin fällt zurück und Stefan kauft noch etwas in einer Apotheke. Ich wollte zügig durchfahren bis zu dem bekannten Fahrradladen. 9 Uhr stand auf dem Schild, würde dieser öffnen. Ich wartete 20 min und beschloss dann weiter zu fahren. Die Speichen würden hoffentlich halten.
Wir trafen uns wieder in Castelnuovo G. im Cafe- dort saßen auch schon einige Dänen um Peter Aerts. Gegenüber gab es einen Supermarkt und günstige Bananen, Getränke. Den Radladen am Ende des Ortes hab ich nicht gefunden und schon bald waren Ralf und ich im Anstieg zum Pass. Ein paar Regenschauer und Schokoladenstücke, die als Belohnung nicht bis oben hielten, später, dann die lange Abfahrt nach Aulla. Ein Selbstbedienungsstempel lag am Eingang zur Tankstelle. Meine Frage nach einem Radladen wurde nicht verstanden und ich wollte auch hier keine Zeit mit Umwegen und Warten verlieren. Wenn das Hinterrad bis hierher gehalten hatte, sollte es, hoffentlich, auch bis zum Schluss halten. Ich habe mir dann auch keine Gedanken mehr über eine Reparatur gemacht. Lediglich das langsame Abfahren ärgerte mich ein wenig, da ich schnelle Abfahrten liebe.

Da Ralf pausieren wollte, machte ich mich also alleine auf den Weg, der über einen Pass zum Mittelmeer führen sollte. Herrlicher Ausblick, als dieser endlich erreicht ist und eine lange Abfahrt hinunter. Zwischendurch stoppe ich vor einer Kurve, um meiner linken Hand, die vom Bremsen schon müde wird, eine Pause zu gönnen. Die Felge ist auch schon ziemlich heiß und ich will nichts riskieren.
Unten im Küstenort angekommen, esse ich mal wieder ein MOTTA-Eis vor einem Cafe- hier sitzen auch andere Randonneure. Kaum einer redet- alle wollen anscheinend nur ausruhen. Darauf folgt ein langer Anstieg, etwa 500Hm, wieder hinauf, damit wir anschließend nach Deiva Marina fahren- der Ort liegt dann wieder am Meer. Leicht und euphorisch fahre ich bergauf. Ich denke es liegt daran, dass man hier ständig neue, großartige Ausblicke auf das Meer genießen kann. Auf etwa halber Höhe, biege ich einem Straßenschild folgend links ab- ich wundere mich nur ein bisschen, dass dies schon die 500Hm gewesen sein sollen. Erst als die Abfahrt, viel tiefer hinab geht, als es das Höhenprofil zeigt, merke ich, dass ich verkehrt bin.
Unten, auf Meereshöhe angekommen, drehe ich einfach um. Was sollte ich sonst auch machen- meiner Euphorie fügte es keinen Schaden zu. Im Gegenteil- ich legte noch etwas an Tempo zu. Als ich endlich wieder auf dem Track bin, dem ich einfach nur hätte folgen müssen (!?), geht es dann noch einmal etwa 200-300 Hm nach oben.
Stefan überhole ich an einer Quelle- er war kurz vorm "Verdursten". Ich will mich jetzt nicht mehr überholen lassen und lege noch etwas an Tempo zu.
Endlich bin ich dann in Deiva Marina. Schön, dass die Mille Miglia jetzt nur noch zwei weitere schwere Pässe hat. Das Abendessen wird am Tisch serviert. Stefan und Ralf kommen und gemeinsam wollen wir nach einer etwas längeren Pause in oder durch die Nacht fahren. Der nächste Anstieg hinauf zur Passhöhe ist nicht so schwer- dafür lang. Oben angekommen fallen mir die Augen zu, da hilft auch nicht der Kaffee, den wir noch gemeinsam oben trinken- war es das mit der Nachtfahrt? Gemeinsam mit einem Franzosen, der beim Anstieg schon Schlangenlinie fuhr, legte ich mich auf eine Wiese. Als ich um Mitternacht aufwache, ist der Franzose schon weg und der Wind kräftig und frisch. Ich beschließe also auch weiter zu fahren. Ich habe keine Ahnung, was mich streckenmäßig nun erwartet und bin ziemlich überrascht, dass es wieder mal zur Küste hinunter geht nach Sestri Levante, einem großen Badeort.
Ich verlasse den Track, um direkt an der Küstenpromenade entlang zu fahren.
Es muss so zwischen 1 und 2 Uhr gewesen sein- nur noch wenige Menschen treffe ich unterwegs und ich genieße diese Nachtfahrt- der Mond scheint helle auf ein Haus am Meer, .
Irgendwann führt die Strecke wieder vom Meer weg- ein letzter Pass ist zu überwinden. Lange geht es nur leicht bergan durch Orte, in denen kaum noch Menschen unterwegs sind. Die Häuser werden weniger, dafür wird das Tal langsam enger, die Straße langsam steiler. Irgendwann halte ich einfach mitten in der Natur an. Dadurch wird der Anstieg nicht kürzer- war wohl auch keine bewusste Entscheidung (!?) zu stoppen. Ich lehne mich gegen einen Kilometerstein und versuche die Augen zu schließen- doch Insekten halten mich davon ab. Also weiter- und irgendwann ist auch dieser Pass erreicht. Ich durchfahre noch einen langen, zum Glück beleuchteten Tunnel und dann folgt eine längere Abfahrt bis Casella ligure. Hier ist die vorletzte Kontrollstelle bis zum Ziel. Diese will sich nicht gleich zeigen- ich denke es ist die Müdigkeit. Dort angekommen beschließe ich zu schlafen.
Bis Nerviano ist die Strecke, bis auf den kleinen Berg, auf dem sich das Mausoleo Fausto Coppi befindet, flach. Diese würde ich einfach in einem Stück, ausgeschlafen abradeln und, wenn nichts dazwischen käme, meine Zeit von 2008 leicht unterbieten.

meine 5. und letzte Etappe
Casella- Nerviano

Als ich diese etwas merkwürdige Schlafstätte verlasse und wieder zum Frühstücken zur Kontrollstelle gehe, treffe ich Stefan wieder einmal, der gerade ankommt.
Er und Ralf hatten sich in Sestri Levante in den Vorraum einer Bank (EC-Hotel), wie manche Randonneure es hierzulande manchmal, wegen Kälte und Nässe machen, zum Schlafen gelegt.
In einem Supermarkt kaufe ich Cola und einen Energydrink für den letzten "Ritt".
Auf dem Weg zum Mausoleo Fausto Coppi verfahre ich mich leider noch einmal- doch was sind bei so einer Strecke schon 15 km?
Kurz, etwa 120 flache Kilometer, vor dem Ziel kann ich auch dieses Mal, diese ehrwürdige Stätte nicht genießen und will einfach nur schnell weiter.
Ich treffe Klaus und Ingo hier und einen Italiener der das HBKH- Finishertrikot trägt.
Instinktiv begrüße ich ihn mit einem "Moin". Viel mehr Worte finde ich auch nicht mehr. Ich will jetzt endlich ins Ziel. Erstaunlich, wie viel von dieser letzten Strecke bis Nerviano, von 2008 noch in Erinnerung geblieben ist. Mir gefällt es jetzt im völlig flachen Terrain durch die fruchtbare Poebene zu fahren: Zwiebel- und Knoblauchfelder, die mit Kopfsteinen bestückte Brücke über den Po und später auch die Pontonbrücke, die wir überfahren. Ungefähr in der Mitte halte ich kurz um ein Eis zu essen. Es ist recht heiß geworden und ich genieße ein wenig die Sonne, vor dem Cafe sitzend.

Kurz nach 16 Uhr erreiche ich dann nach 115h 12 min den Sportplatz in Nerviano.
Geschafft.

Ich treffe meinen Neffen Peter, und wir verabreden uns, um im Hotel der Berliner später am Pool ein Bier zu trinken.
Erlebte Abenteuer werden noch ausgetauscht, bevor sich Müdigkeit breit macht.

Ein schöner Abschluss.



Frage an den aufmerksamen Leser: Wie viele Eis habe ich unterwegs gegessen?

Gerald "Motta" Heiß

Mittwoch, 20. August 2008

1001 Miglia 2008

 1001 Miglia Italia

17.- 23. 08. 2008

Prolog


Bis kurz vorm Start alles sehr relaxt. 

Über die Unterkunft am Start wollte ich mir keinen Kopf machen und so packte ich am Freitag mein `sich selbst aufbauendes´ Zelt, meine `sich selbst aufblasende´ Matte, einen Schlafsack und ein Kopfkissen ins Auto, um am Samstagmorgen 6:00 Uhr pünktlich mit Rüdiger in Neumünster zu starten.

Rüdiger hatte sich um die Strecke und Vignetten gekümmert und die Fahrt verging wie im Flug. Wir hatten uns viel zu erzählen. 

19:00 Uhr waren wir dann im Startbereich, die Veranstalter bauten gerade die Anmeldung ab. Wir verständigten uns mehr schlecht als recht darauf, dass am nächsten morgen um neun die Anmeldung auf irgendeinem Platz in der Innenstadt wieder geöffnet sein würde. Nun war noch die Übernachtungsfrage zu klären.

Fermo führte uns auf einen Schulhof, keine 200 m entfernt vom Start, auf dem schon Mannis Wohnmobil und drei Zelte standen. Er zeigte uns noch die Duschen und eine Turnhalle, in der wir auch auf Matten übernachten könnten. Alles ganz einfach und relaxt hier einen Tag vor dem großen Ereignis. Wir begrüßten schon mal die auftauchenden Zelt- und Wohnmobilbewohner und fingen an unser Nachtlager zu bereiten. Ein bißchen mußte ich dem Zelt doch auf die Heringe helfen aber insgesamt bin ich doch sehr zufrieden mit dem neuen Zelt. 

Später kamen auch Michael und Andrea, die sich schnell überreden ließen, das geplante Hotelzimmer mit der weichen Hochsprungmatte in der Halle zu tauschen. Gemeinsam gingen wir ein paar hundert Meter zum nächsten Restaurant. 

Sonntag früh, wir wollten gerade mit den Rädern zur Anmeldung, kamen auch die anderen Schleswig- Holsteiner. Sie hatten in einer Herberge in Milano übernachtet. Tagsüber ließen wir es ruhig angehen: kleine Stadtbesichtigung ( Prolog ) durch den Ort, Sachen packen und immer wieder mal ein bißchen hinlegen.

Unser Start sollte um 22:00 Uhr sein. Also noch Zeit genug, um noch mal zu viert Essen zu gehen. Anschließend wollte Michael seinen Rucksack packen. Da ich schon fertig war, wollte ich mir den Start der `Unter-100 h-Fahrer´ ansehen- da war es kurz vor neun.

Bis dahin war alles ganz relaxt.

Hätte nicht gedacht, dass so viele Fahrer sich zutrauen unter 100 zu fahren!

Bis ich begriff, es gibt gar keine anderen Startgruppen und wir sollten auch darunter stehen, verging einige Zeit. Schnell zurück und den anderen Bescheid geben.

Der Start war einfach vorgezogen worden und nun wurde es hektisch.

Aber wir schafften es noch rechtzeitig gemeinsam mit den anderen SH-lern zu starten.

 
Die erste Nacht; der erste Tag.

( nicht so locker, wie gedacht ) 


Nach 200 m ging die Strecke nach rechts- der Track auf meinem GPS zeigte nach links. Das fängt ja gut an. Ein paar Kilometer später, Track und Pfeile waren sich nicht immer einig, ging die Gruppe schon auseinander. Bloß nicht jetzt schon anhalten und grübeln. Einfach intuitiv weiter fahren, wie ich es auch sonst mache.

Bald darauf sind wir nur noch eine kleine Gruppe aber als wir aus den Wirren der Vorstädte um Milano raus sind kommt von hinten eine riesige Gruppe, die bald zu uns aufschließt. Wegen der Unfallgefahr versuche ich ganz vorne zu fahren, genauso machen es meine Kollegen aus SH. Den anderen scheint es zu gefallen. Wie wird man nun so eine riesige Gruppe los, damit wir in Ruhe unsern Schnitt fahren können? Bis Fombio, der ersten Kontrolle, die einfach irgendwo am Streckenrand aufgebaut ist, schaffen wir das nicht. Danach allerdings kommt endlich Ruhe und Rhythmus ins Feld, das jetzt glaube ich nur noch aus uns Fünfen besteht.

Im Vorfeld haben wir uns oft gefragt, ob wir es schaffen, die ersten 400 flachen Kilometer zusammen zu bleiben. Michael hat sich schon nach vorne abgesetzt- ihm war das Tempo um 1 km/h zu langsam.

Manchmal rätseln wir etwas um den richtigen Weg- ich vertraue da jetzt ganz dem GPS- Gerät. Stefan ist davon noch nicht ganz überzeugt- hält an manchen Kreuzungen an, um sicher zu gehen. Nachdem wir den Po überquert haben, steht der Mond, laut Bernd, plötzlich nicht mehr da, wo er stehen sollte. Unsicherheit macht sich breit und auch ich rätsele kurz, ob wir den Track gerade nicht wieder zurück fahren. Zum Glück hat das Gerät ja auch einen Kompass und dieser zeigt genau Süd- Ost an. Also muß der Mond verkehrt sein. Naja- die Müdigkeit scheint auch nicht unschuldig.

In Colorno hat die Bar geschlossen. Also machen wir uns im Ort auf die Suche nach einem alternativen Stempel. Ich halte mich da raus und nutze die Pause an der Brücke um etwas zu essen. Keine Chance im Ort irgendeinen Stempel auf zu treiben. Wir beschließen bei der nächsten Gelegenheit dies nach zu holen.

Wir rollen also weiter bis plötzlich meine Augen zu fallen wollen. Nützt alles nichts- ich muß anhalten und einen Kurzschlaf  halten. Rüdiger geht es genau so- die anderen fahren weiter.

Am Wegesrand gibt es Holzbänke. Ich öffne das Ventil meiner `sich selbst aufblasenden´ Matte und für eine ½ Stunde machen wir es uns auf der Holzbank so gemütlich wie es geht.

5:50 Uhr. Das Handy weckt – ich bin ausgeschlafen. Jetzt noch einen Kaffee, das wäre perfekt. Wir fahren aber noch fast eine ganze Stunde, bis wir endlich eine Bar sehen. Hier bekommen wir nicht nur den ersehnten Kaffee mit Gebäck sondern auch den fehlenden Stempel. Eine kleine Gruppe Dänen pausiert auch hier- diese werde ich bis ins Ziel immer wieder mal treffen.

Erfrischt und gestärkt machen wir uns ans Tagewerk. Ca. 300 km liegen noch vor uns, bis wir in Apecchio sind, wo ich meine erste richtige Schlafpause geplant habe.

 

Massa Finalese, km 261, erreichen wir um 9 Uhr 10.

Dort ist ein riesiges Zelt aufgebaut. Es gibt Getränke, Schinkenbrote und leckeren, sehr süßen Kuchen. Ein großer Schluck von dem rötlichem Saft- urrgs- das ist ja Wein! Den Rest lasse ich lieber stehen und hoffe, dass mir der Schluck nicht schaden wird. Manni sehe ich hier zum ersten Mal wieder. Er will gerade weiter als wir ankommen. Er hat das gleiche Tagesziel- will nicht bummeln. Peter sitzt uns beim Essen schlafend gegenüber.

Die nächsten 160 km sind noch flach. Rüdiger und ich wechseln uns regelmäßig ab, wie beim Paarzeitfahren. Das klappt reibungslos auch ohne Worte- wir fahren jetzt ruhiger. Die Tageshitze setzt uns doch mehr zu als gedacht und als wir in Savignano ankommen, können wir die 420 km doch spüren. Bis hier her habe ich, genau wie geplant, einen 21 er Schnitt. Nur es war doch nicht so locker, wie gedacht.

Lange halten wir uns nicht auf, denn von nun an geht es nur noch Bergauf und ab.

Gleich der erste Anstieg nach San Leo versprach laut Profil fast 1000 Hm. ich sage noch zu Rüdiger: „ Mensch, bis jetzt kann man das ja gut fahren“, als wir links abbiegen und der Anstieg richtig steil wird. Und so steil bleibt es auch bis oben; endlos scheinen die Serpentinen den Weg bis zur Passhöhe hoch zu schrauben. Inzwischen wird es auch Dunkel. Meine neue B&M IQ Dynamolampe hatte sich in der ersten Nacht gleich verabschiedet aber die Kombination aus Batterie- LED- Lampe ( Trelock ) für Fernsicht und die Stirnlampe ( Lucido ) für den Nahbereich waren völlig ausreichend. Wenn ich jetzt noch an mein anderes Laufrad in Andreas Auto kommen könnte, würde ich diesen Anstieg ein paar Gramm leichter hochfahren, so dachte ich. Aber Michael, und damit auch seine Begleitung, waren schon weit voran und ich sollte sie auch erst im Ziel wieder sehen.

Es gibt immer wieder grandiose Ausblicke auf San Marino mit seinen Tausend Lichtern. Endlich oben angekommen, hatte ein ortsansässiger Verein eine Zusatzkontrolle eingerichtet. Es gab Pasta und Getränke. Eigentlich hatte ich keinen Hunger aber man muß ja.... Nach dem Essen gucken Rüdiger und ich uns nur kurz an und ich rolle schon wieder meine Matte aus. 1,5 h Schlaf wollen wir uns gönnen. Die 50 km bis Apecchio würden wir dann ausgeschlafen in Angriff nehmen.

Es ist recht frisch hier oben aber ich schlafe sofort ein. Als das Handy uns weckt ist die Zusatzverpflegung abgebaut- keiner außer uns beiden ist noch da. War das Wirklichkeit oder..... . Wir schütteln uns einmal setzen uns aufs Rad und nun folgt eine rasante Abfahrt. Einmal stocke ich kurz: der Track will mich auf einem kleinen Schotterweg über einen Bergrücken nach Norden führen. Die Straße geht weiter geradeaus und vor Allem Bergab. Später macht die Straße eine Wendung- wir fahren durch einen kleinen Ort und von rechts oben stößt ein kleiner Schotterweg zu. Ich hätte also, dem Track folgend eine Abkürzung fahren können. Das wäre ein Abenteuer geworden! Abenteuerlich werden allerdings dann zwei Auf- und Abstiege kurz vor Apecchio. Richtig steil bergauf im Slalom, nicht weil die Übersetzung ( 39/30 ) nicht ausgereicht hätte, sondern weil man hier um die vielen Löcher, teilweise mit Sand gefüllt herum fahren muß. Bergab nicht besser, eigentlich eher schlimmer, weil man das Rad nicht laufen lassen kann. Die Hände ermüden vom Bremsen.

Die schlechteste Wegstrecke, die ich je gefahren bin.

 

Apecchio, km 511, Dienstag, 03:05 Uhr

Die Erwartungen bezüglich der Schlafmöglichkeiten in Apecchio erfüllten sich nicht. Die Kontrollstelle eine Tankstelle mit entsprechendem Bodenbelag. Der Fußboden des kleinen Cafés, das zur Tanke gehört, war natürlich schon belegt. Ich war wohl so müde, dass ich nicht lange überlegt habe- weiß auch gar nicht wo Rüdiger verblieb.

Als um 5:00 Uhr planmäßig das Handy weckte war ich froh, dass ich auf meiner weichen Matte ( 700 gr. ) in meinem Schlafsack ( 200 gr. ) aufwache. Rüdiger finde ich schlafend an einem der kleinen Tische sitzend. Ich wecke ihn nicht- esse erst einmal ein Croissant- der Kaffee `dopio con Latte´ macht mich gleich hellwach. Unter meinem Tisch liegt jemand in einem Aluminium beschichteten Beutel! Hoffentlich erstickt sie nicht. Bald wachen aber alle umliegenden auf und es herrscht Aufbruchstimmung.

 Der zweite Tag     ( 39/30 reichte gerade )


Auch treffe ich Manni wieder- er will gerade aufbrechen. Wir tauschen uns kurz über unsere Tagesziele aus und stellen fest, dass diese identisch sind. Die einzig logische Einteilung, findet er; das finde ich auch. Was die Veranstalter sich bei der Auswahl der Kontrollstellen mit Schlafgelegenheit, Dusche und Taschentransport gedacht haben, weiß ich nicht. Mir war aber gleich nach Veröffentlichung der Infos über die Kontrollstellen klar, dass ich mich nicht davon beirren lassen wollte, meine Pläne umzuschmeißen. Zur Not wäre ich eben auf mich allein gestellt.

Passignano war der nächste Kontrollort, 80 km mit 2 Anstiegen, trennten mich also noch von meiner ersten Tasche, also der Aussicht auf eine Dusche und frische Klamotten.

Einige weitere, köstlich schmeckende, Café dopio con latte und Rüdiger und ich rollten frisch und guten Mutes von der Tanke. 10 km bergauf und dann gabs eine richtig lange Abfahrt. 35 km relativ flach und dann der lange Anstieg, der uns noch vom Lago Trasimeno trennte. Oben auf der Passhöhe, ca. 600 m ü NN, bot sich uns ein atemberaubender Anblick weit über den See und darüber hinaus. Ein Gasthaus mit Terasse kam da genau richtig. Hier muß man einfach anhalten und verweilen; den Ausblick genießen. Hinunter zum See gings in rasender Abfahrt. Passignano ist ein richtiger Urlaubsort. Man muß sich richtig durch Verkehr quälen. Dann die Turnhalle mit unserer Tasche. Duschen, kalt duschen. Richtig frisch bin ich jetzt- auch mit frischen Klamotten, Das fühlt sich doch gleich ganz anders an. Im Gepäck habe ich auch zwei Flaschen Energiedrink.

Die eine leere ich in einem Zug. Ich mag das ja überhaupt nicht aber ich habe die Erfahrung gemacht, dass es bei mir wirkt- zumindest für ein paar Stunden. Von der anderen Flasche biete ich Rüdiger an; er wirkt zum ersten Mal etwas müde. Ich fühle mich jetzt voller Energie und dränge auch etwas zum weiterfahren. Gleichzeitig versucht ein Italiener lautstark eine Gruppe zu formieren und ich denke, warum nicht: die 65 bis Todi sind relativ flach, nur am Ende wartet ein Anstieg zum Kontrollort, und vielleicht können wir vom Fahren in der Gruppe profitieren. Die Gruppe läuft überhaupt nicht. Ich merke gleich, dass wir besser alleine fahren können, andere denken wohl auch so. Nur der laute Italiener redet und redet und geht mir richtig auf den Nerv.

Jetzt weiß ich auch warum er die Gruppe gesucht hat. Am Ende des Sees gehts auch erstmal wieder länger bergauf- doch nicht so flach die Etappe, wie ich gedacht hatte, und der Italiener fällt zurück. Er ruft noch „the girl, the girl“ und tut so als ob er wartet. Zwei Tage später, irgendwo an einem Anstieg, meine Flaschen sind fast leer und sollten gefüllt werden, höre ich ein Rufen: „Aqua, Water“. Ich erkenne die Stimme sofort, fahre schnell vorbei und gebe Zeichen, dass meine Flaschen noch voll wären.

Ich glaube es war in Marciano, als wir beschließen eine Pause einzulegen. Wir sehen ein kleines Selbstbedienungs- Restaurant. Sieht so aus als ob hier überwiegend Arbeiter ihre Mittagspause verbringen. Ich stelle mir einen großen Salat und Vorspeisenteller zusammen, eine große Flasche Mineralwasser und eine Cola. Sehr lecker dieses Essen- hab ich in bester Erinnerung behalten. Ich bin immer noch voller

Energie und merke kaum, als Rüdiger mitten im Satz die Augen zu fallen. Ich biete ihm den Rest meines Energiedrinks an, hoffe, dass dieser bei ihm genauso wirkt wie bei mir, dränge abermals ein wenig zum Aufbruch. Die Kontrollzeit an meinem Etappenzielort Pitigliano rückt mir jetzt immer mehr ins Bewußtsein. Noch ca. 200 km sind es bis dort und die sind gespickt mit ständigem Auf und Ab. Ich wußte, dass diese Etappe mit ihren 320 km und ca. 2800 Hm die Härteste des Rennens werden würde.

Bis jetzt lief alles, gut auch wenn wir etwas hinter meiner Planzeit lagen. Eine längere Pause oder gar schlafen würden wir uns aber nicht leisten können. Kontrollschluß in Pitigliano war 5:45 Uhr am Mittwoch morgen- ich wollte um 1:00  Uhr dort sein, um wenigstens 4 h zu schlafen. Der Anstieg nach Todi war steil aber nicht endlos. Ich wollte gleich weiter. Eine kurze Schußfahrt und gleich wieder in den Gegenanstieg. und was für einer!! Mit deutlich über 10% Steigung ging es stumpf geradeaus den Berg hinauf. Meine 39/30 reichte gerade- lieber hätte ich 30/39 gehabt.

Am Ende dieser Steigung gab es ein kurzes Verschnaufen damit wir danach noch mal so steil und lang bergauf fahren konnten. Irgendwann mitten in der Steigung mußte Rüdiger absteigen um sich hinzulegen. Die Müdigkeit hatte ihn übermannt. Da ich zu diesem Zeitpunkt noch fit war, trennten sich hier leider unsere Wege.

Doch diese Fitness hielt auch nicht mehr ganz lange an. Ein Italiener, den ich traf, freute sich schon auf einen Schlafplatz in Corchiano. Ich erzählte ihm von der Schließungszeit in Pitigliano und dass er nicht lange würde schlafen können. Seine Enttäuschung muß wohl erstmal groß gewesen sein, doch insgesamt war er froh, dass ich ihn darüber aufgeklärt hatte und bedankte sich mehrmals bei mir dafür. Er hätte sonst sicher unwissentlich die Schließungszeit verschlafen.

Auch als ich ihn zwei Tage später wieder treffe, bedankt er sich noch einmal. Gut, dass wir darüber geredet haben. Ich denke so wie so an nichts anderes mehr, als dass ich um 1:00 Uhr in Pitigliano sein will, denn ich brauche Schlaf: sonst würde ich den nächsten Tag nicht überstehen.

Vor Corchiano gibt es ein längeres Flachstück. Ich kaufe in einem Geschäft Cola und andere Getränke und zum ersten Mal eine kleine Salami. Dies ist jetzt der beste Energieriegel nach all dem süßen Zeug. Als ich in Corchiano an der Kontrolle bin wird es dunkel. Ich esse Honigmelone mit Schinken, mache mich aber bald wieder auf den Weg.

Ich traue dem Weg aber nicht recht. War ich richtig aus der Kontrollstelle herausgefahren?- fahre ich wieder zurück?- nein, dass kann ja nicht sein- dann müßte es ja bergab gehen. Ein Blick auf den Kompass zeigt, dass ich nach Norden fahre- das kann ja nicht ganz verkehrt sein. Als ich mal kurz am Straßenrand anhalte, hält auch ein Wohnmobil, das Begleitfahrzeug zweier Slovenen. Sie erkundigen sich, ob alles in Ordnung sei und ich bin jetzt sicher noch auf der Strecke zu sein.

Mit den Slovenen und ihrem Begleitfahrzeug teile ich mir die Nacht. Der Anstieg nach Canepina scheint endlos und ist hammerhart. Als ich zur Passhöhe komme, steht das Wohnmobil schon da und dieses Mal halte ich auch an und rede ein wenig mit den Fahrern. Sie bieten mir Cola aus einer Riesenflasche an. Dann fahre ich auch stundenlang alleine durch die Vollmondnacht, die ich trotz aller Anstrengung noch genießen kann. Teilweise ist nur das Grillen der Zirkaden zu hören- manchmal sogar so laut und nah, dass ich denke einen Defekt am Rad zu haben. Manchmal scheint mich eine Grille ein Stück zu begleiten. Die Ortschaften, die ich durchfahre, scheinen wunderschön zu sein und sind auch sehr belebt in dieser Nacht.

Manchmal fahre ich auch ein Stück mit den Slovenen zusammen, doch unser Rhythmus ist nicht der gleiche. Irgendwann werde ich sehr müde und ich denke ich müßte eine ½ h Schlafpause einlegen. Auf einer Brücke, an eine Leitplanke gelehnt, finde ich keinen Schlaf wegen vorbei fahrender Autos. Später an einer Bushaltestelle kommen laufend laute Jugendliche vorbei und ich habe Angst mein Rad könnte geklaut werden. Als die beiden Slowenen wieder mal vorbei fahren, schwinge ich mich schnell aufs Rad und fahre hinterher. Irgendwann bin ich wieder alleine. Ich weiß, dass ich rechtzeitig in Pitigliano vor Kontrollschluss sein werde- ich weiß aber auch, dass ich nicht viel Schlaf bekommen würde.

Um 3:15 komme ich nach dieser schweren Etappe ins Ziel. Ein mittelalterlicher Ort- schön- aber wo kann ich schlafen? Dem Kontrolleur mit seinem Stempel muß man fast die Hand führen- so verschlafen ist er. Der Kontrollposten ist ein ca. 6 qm großer Raum- Fußboden schon belegt. ( Einer der Schlafenden muß wohl Manni sein ) Hinter der Tür finde ich noch einen kleinen Spalt, wo sich meine Matte selbst aufblasen kann. Bevor ich mich hinlege, treffe ich noch Jens und Bernd im Kommen oder Gehen; ich glaube das wissen die beiden selbst nicht so genau. Später berichtet Jens, sie hätten in einem Hauseingang gelegen!? 2 ¼ h schlafe ich tief und fest hinter der Tür auf meiner Matte den Schlafsack über den Kopf gezogen.

  Der dritte Tag     (Im Hinterzimmer der Pizzeria ist es kühl)

Das Handy weckt um 5:30 Uhr: wieder das gleiche Prozedur: Ventil der Matte öffnen und zusammenrollen, das muß ich ihr noch beibringen, dann alles am Rad verstauen, aufsitzen und weiter. 400 m weiter Cafe´dopio con latte mit Gebäck- alles läuft ganz automatisch ab. An diesem Morgen bin ich nicht wirklich fit und ausgeschlafen. Bald darauf bin ich wieder auf der Landstraße.

Dieser dritte Tag sollte, laut Plan, mein Ruhetag werden: nur 240 km mit etwa 4000 HM. ( einmal Supercup in Bimbach ) Es gab auch noch einen Plan B, aber daran war nach dem gestrigen Tage so wie so nicht mehr zu denken. Kontrollschluß in S Quirico D´Orcia war 10:50 Uhr, hier konnte es noch einmal eng werden- Danach würden sich die Zeitfenster öffnen, wußte ich, und die Kontrollzeiten würden kein Thema mehr sein. Jedoch die Etappe hatte nur 66 km und 1100 Hm.

Mit einem 17er Schnitt etwa kam ich um 9: 25 Uhr dort an. An diese Etappe kann ich mich nicht erinnern, wie gesagt, alles lief ganz automatisch, fast als hätte ich diese Etappe verschlafen, ab. Kurz vor der Tanke, an der wir stempeln sollten, wollte ich mich nicht mehr überholen lassen, denn ich dachte diese wichtige Kontrolle müßte eine Checktime- Kontrollstelle sein. Lutz hatte mir am Tag zuvor schon die Platzierungen per SMS durchgegeben.

Also lege ich einen Endspurt hin und... die Kontrollstelle ist zu- es gibt gar keine Kontrolle in diesem Ort, meinen die anderen Fahrer, die jetzt auch ankommen.

Ich wollte aber unbedingt einen Stempel. Also fuhr in den Ort um ein Café zu suchen. Der Wirt war interessanter Weise sehr gut über unsere Tour informiert.

Auch er wußte, dass ich hier keinen Stempel in mein Roadbook bekäme: 15 km weiter, sagte er, gäbe es eine Geheimkontrolle. Des Öfteren fiel mir auf, wie gut die Einheimischen informiert waren über die Mille Miglia- in Deutschland würde es doch niemanden interessieren, wenn 200 Verrückte auf Ihren bepackten Rennrädern durchs Land fahren. Ich ließ mir trotzdem den, für mich so wichtigen, Kassenbon mit Ortsangabe und Uhrzeit geben und fuhr weiter.

Hinter dem Ort eine Schußfahrt- Huii- und genau so steil wieder rauf. Nach 5 km müßte der Abzweig zur Schotterpiste kommen. Diese Schotterpiste, hier „strade bianche“( weiße Straße ) genannt,  gehört zur Strecke der legendären Eroica, einem Rennen, das auf historischen Rädern mit entsprechender Kleidung auf entsprechendem Straßenbelag gefahren wird. (Bei der 205 km Strecke sind es 110 km auf unbefestigten Wegen: www.eroica.it )

Es gibt auch eine Alternative auf Asphalt aber natürlich will ich Eroica fahren. Diese 10 km waren dann eine willkommene Abwechslung, die mich auch wieder wachgerüttelt haben. Auf dieser Strecke taucht man ganz in die toskanische Landschaft mit ihren Zypressenalleen und Landhäusern, meist auf Hügeln gelegen, ein. Eigentlich müßte man anhalten, um zu genießen, denn die Strecke erfordert volle Konzentration und Kraft. Es gibt hier einige sehr steile, wenn auch kurze, Rampen, bei denen das Hinterrad durchdreht, wenn man versucht im Stehen zu fahren, und genau so steile, einmal bis15% steile Abfahrten. Dann, bevor man wieder auf Asphalt stößt,- ich bin am Ende doch froh den Schotter hinter mir zu lassen, die angekündigte Geheimkontrolle.

Weiter geht es in Richtung Gaiole in Chianti. Das sind noch gut 50 km. Dort bekomme ich meine zweite Tasche; das heißt Dusche, frisches Trikot und die Möglichkeit etwas Schlaf nach zu holen. Unterwegs ruft mich Rüdiger an und wir verabreden vage, dass ich in Gaiole auf ihn warte. Ich fahre nun durch die Mittagshitze; warum nicht jetzt schon pausieren, wenn ich in Gaiole so wie so warten würde. Bevor ich, ich glaube es war in Rapolano, eine Pizzaria finde, fahre ich ein Stück mit Manni zusammen. Im Hinterzimmer der Pizzaria ist es kühl. Ich esse, trinke etwas und schlafe etwa eine ½ h im Sitzen.

Als ich in Gaiole ankomme sehe ich Jens und Bernd. Sie wollen weiter und machen auf mich einen frischen Eindruck. Gleich möchte ich mich ihnen anschließen in der Hoffnung, dass der Frischeeindruck auf mich abfärbt und Plan B kam mir wieder in den Sinn. Rüdiger versichert mir am Telefon, das es in Ordnung ist und Bernd meint, warum ich nicht schon unter der Dusche wäre. Sie warten also und ich beeile mich mit Duschen und Klamottentausch. Ich nehme mir aber noch Zeit den Sattel zu tauschen. Meinen eigentlichen Langstreckensattel, der weichste Terry den ich habe, sollte mir die restlichen 600 km angenehmer machen. Auch eine weitere Flasche Energy-Drink ist im Gepäck. Die ganze Pause hat höchstens eine ¼ h gedauert.

Als wir um ca. 16: 00 Uhr los rollen fühle ich mich sehr erfrischt.

3 km fahren wir auf der gleichen Strecke zurück, auf der wir gekommen sind. Jens wird etwas mißtrauisch. Nach weiteren 6 km geht es endlich wieder bergauf in Richtung Castellina und ich merke gleich, dass wir nicht das gleiche Tempo haben.

Bernd wird immer langsamer, bis er verkündigt anzuhalten und sich schlafen zu legen. Bei Jens sind es eher die Abfahrten, die er sehr vorsichtig und langsam fährt; einmal scheint er kurz vorm Einschlafen. Da Jens meint, das käme davon, weil er lange nichts gegessen hätte, halten wir im nächsten Ort an einem Lebensmittelladen. Anschließend läuft es wieder, wie ich es von unseren vielen gemeinsamen Trainingsfahrten gewohnt bin. Das Profil vor Augen kommt mir plötzlich eine Idee; die Abfahrt vom zweiten Berg dieser Etappe könnte ich ja auch morgen früh hinunter rollen und oben auf der Passhöhe ein Hotelzimmer nehmen.

Kaum zu Ende gedacht, merke ich die ganze Müdigkeit der letzten Tage und die Idee wird mir sehr sympathisch. Bloß, wie erkläre ich das Jens! Ich kann es nun kaum mehr abwarten, bis wir die Passhöhe, ich glaube es war in Castelfafi, erreichen. Inzwischen ist es längst dunkel geworden. Rechts der Straße liegt ein Restaurant in dem schon zwei Randonneure sitzen. Jens wird mit ihnen weiterfahren, während ich dem Wirt zu einem Apartment in der Altstadt folge. Bevor ich mich in das breite, weiche Bett lege, lasse ich noch heißes Wasser in die Badewanne.

 Der vierte Tag     (ein lautes Hin und Her und Feierstimmung)

Aah! Tat das gut. Der Ort schläft noch, als ich mich aus dem Hotel und hinaus auf die Landstraße schleiche; vorbei an dem Restaurant, auch hier alles dunkel, in Richtung Forcoli, meinem gestrigen Etappenziel. Ich fühle mich wie neu und rausche nur so die Abfahrt hinunter, während es langsam hell wird. In der Bar Pasticceria Antica Piazza stempele ich um 6:00 Uhr, genau 1 h hinter der Planzeit. Hier frühstücke ich kurz, bevor ich die vierte Etappe starte. Das Profil verspricht ca. 5500 Hm auf 250 km bis zum Etappenziel, dem Passo Pianazze- und dabei sind die ersten 85 km noch flach- bzw. bis Castelnuova leicht ansteigend.

Da die Zeitfenster der Kontrollen aber jetzt keine Rolle mehr spielen würden, sehe ich den Bergen der Abruzzen gelassen entgegen. Also rolle ich mich langsam ein- dies ist ja mein eigentliches Terrain- und ich komme gut voran. In Altopascio trinke ich noch eine Kaffee und beantworte die eingegangenen SMS- fast wie Postkarten schreiben im Urlaub. Die Straßen hier in der Nähe von Lucca sind recht groß und viel befahren. Irgendwo an der Strecke sehe ich einen Radsportladen, wo ich den Reifendruck wieder auf 8,5 bar bringe.

Das Profil in meinem Roadbook zeigt vor Castelnuova einen kräftigen Anstieg- ich wußte aber durch eine SMS von Michael, dass hier der GPS- Track nicht mit den Pfeilen und dem Roadbook übereinstimmt. Gerne folgte ich hier den gelben Pfeilen, die mir diesen Anstieg ersparten. So blieb diese Etappe eine reine Flachetappe. Viele Gruppen von Radsportlern kamen mir entgegen- einige grüßten und einige nicht. Da die letzteren meist schneller unterwegs waren, nahm ich an, dass diese wohl Profis sein müßten. Vor Castenuova gab es einen Stau- im Ort war Markt.

Die Kontrollstelle war eine kleine Bar gleich am Anfang der „Fußgängerzone“. Einige Randonneure standen draußen an Tischen- es herrschte so etwas wie Volksfeststimmung. Stempeln konnte man am Tresen, an dem schon fleißig Wein ausgeschenkt wurde. Eine wunderschöne Bar- hier hätte ich gerne länger verweilt. Vielleicht besuche ich diese Bar eines Tages wieder, denke ich. Nun will ich aber bald weiter, denn der erste lange und harte Anstieg steht bevor. Vorher muß ich mich noch zu Fuß über den Markt schlängeln. Eine Alternative sehe ich nicht, denn der ganze Ort scheint mit Marktbuden voll gestopft.

Bevor ich mich allerdings richtig im Anstieg befinde, pausiere ich kurz, um den Rest meines Energieriegels in Form einer Salami zu essen. So gestärkt, kann er kommen, der Passo Carpinelli. Der Anstieg ist nicht gleichmäßig, man kommt nicht in einen Rhythmus. Es gibt sogar zwischendurch wieder Abfahrten, bei denen man die eben erklommene Höhe wieder zunichte macht. Doch irgendwann komme ich doch oben an- hier werde ich sogar begrüßt und heran gewunken.

Zwei Italiener sitzen auf einer Bank, essen genüsslich ein Brathähnchen und trinken dazu Wein. Sie fordern mich auf, auch den Wein zu trinken- dieser wäre aus der Region, besonders gut und ich müsse ihn probieren. Ich möchte eigentlich nicht, lasse mich allerdings dann doch überreden, einen Schluck zu probieren. Zum Glück blieb dieser ohne Folgen.

Er versucht mir dabei etwas von „ Stefan, Stefan“ zu erzählen und es dauert eine Weile bis ich begreife, er meint „Stefan“. Das lag nicht am Wein- ich rechnete einfach in dem Moment nicht damit. Stefan hätte einen Defekt am Rad- die Hinterradnabe sei gebrochen und er würde versuchen in Aulla Ersatz zu bekommen. Nun hatte ich ein Zwischenziel. Gerne hätte ich Stefan dort getroffen und, wer weiß, vielleicht hätte ich ihm auch helfen können. Es gab erst einmal eine rasante Abfahrt und auf dem längeren Flachstück bis Aulla traf ich einen italienischen Cyclo- Tourist, der in der gleichnamigen Zeitschrift von der Mille Miglia gelesen hatte und nun hier auf der Strecke fuhr, in der Hoffnung Randonneure zu treffen. Wir tauschten uns kurz aus und fuhren dann ein Paarzeitfahren bis wir in Aulla eintrafen. Er steuerte sogleich einen Wasserspender am Straßenrand an, wo wir uns erfrischten. Von Stefan leider keine Spur. Ich gönnte mir einen Kaffee und ein Eis in einer Bar im Schatten, bevor ich wieder weiter rollte. Der Italiener fuhr wieder zurück, um den nächsten Randonneur ein Stück zu begleiten.

Bis Brugnato, der nächsten Kontrollstelle waren es noch ca. 30 km, die sich entlang eines Tales relativ flach dahin schlängelten. Die Kontrollstelle lag vor dem Ort, auf einer Verkehrsinsel strategisch günstig gelegen. Eine Tourist- Info gab es dort auch- doch dort war man scheinbar nicht informiert über die vielen Radfahrer, die hier hielten!? Vor einer Landkarte stehend, fragte ich nach dem weiteren Weg und er erzählte mir etwas von Sehenswürdigkeiten der Region und wie man dort mit dem Rad am besten hinkäme- ein anderes Mal gerne- heute mache ich keine Abstecher von der Route. Ich fahre also auch nicht hinein in den historischen Ort um Verpflegung zu kaufen, sondern gleich links wieder auf die Hauptstraße.

Hinter einem Tunnel halte ich an, um den Rest der Salami zu essen, der allein mich sicher nicht über den Passo Cento Croci bringen würde. Ca. 25 km steigt die Straße langsam an, um dann auf weiteren 15 km 700 Hm unter sich zu lassen. Bevor es richtig steil wird, kommt, wie gerufen, auf der rechten Seite eine Tankstelle mit angeschlossenem kleinem Café. Es gibt einen Kühlautomaten voller Getränke, auch Energy- Drinks und Cola. Dazu bestelle ich zwei große Sandwiches. Die Wirtin lehnt sich über die Theke und redet etwas- ich bin mitten in einem Road- movie.

Bevor ich weiter fahre, entrümpele ich meine Gepäckträger- Tasche und entledige mich jeglichem überflüssigen Gewicht. Ich kann nicht gerade sagen, dass ich den Berg hoch fliege. In meiner Erinnerung bleibt dieser Anstieg als der härteste der ganzen Tour. Passo Cento Croci ist der erste der vier Spitzen über 700 m, die auf der Etappe von Brugnato bis zum Passo Pianazze zu erklimmen sind.

Ich glaube es ist der zweite Anstieg, der gerade frisch geteert wurde. Der Asphalt ist noch weich und hat eine enorme Haftfähigkeit. Jedes Steinchen bleibt natürlich am Reifen kleben. Zum Glück bekomme ich keinen Platten. Auch fährt ein offizielles Begleitfahrzeug jetzt jeden Pass mit, wartet oben, verteilt Wasserflaschen an die Fahrer. Von denen sind jetzt einige auf der Strecke, das gibt ein gutes Gemeinschaftsgefühl.

Auch auf dem zweiten Pass mache ich eine kurze Verschnaufpause – hier sehe ich, glaube ich, Peter zum ersten Mal wieder. Während ich später von der dritten Spitze hinunter rolle, wird es langsam Dunkel. Im Tal unten ist es sogar richtig kühl und in der Pizzaria, in der ich anhalte, um einen weiteren Café Dopio zu trinken, dagegen angenehm warm. Auch hierher würde ich dann später einmal wiederkehren und eine Pizza aus dem Steinbackofen essen.

Nur noch der letzter Anstieg zum Passo Pianazze trennte mich von meinem Tagesziel. Ich hatte den Eindruck, dass jetzt immer mehr Randonneure vor oder hinter mir im Anstieg waren. Kurz vor 22 Uhr konnte ich mein Roadbook abstempeln lassen- eine Stunde vor meiner Planzeit. Ich hatte also an diesem Tag gut 2 h aufgeholt- gute Idee, die letzte Nacht im Hotel verbracht zu haben. Oben auf dem Pass sah es aus wie auf einer Alm. Es gab ein Restaurant, in das ich mich alsbald begab, nachdem ich mich an der Kontrolle nach Jens, Stefan und Michael erkundigt hatte. Leider konnte man mich nicht verstehen.

Im Lokal war es brechend voll- ein lautes Hin und Her und Feierstimmung. Ich verkrümelte mich in die hinterste Ecke, wo wieder einmal mehr die bekannten Dänen saßen. Manni tauchte auch irgendwann auf und ich bat ihn an meinen Tisch. Ich hatte Pizza bestellt, die ich bis auf den dunklen Rand aufaß. Manni aber zitierte eine Randonneurs- Regel, §§soundso, den ich noch nicht kannte, nach dem man alles auf zu essen habe. Da ich mich weigerte, aß Manni die dunklen Krusten.

Vorher hatte er schon mit dem Wirt verhandelt. Freundlicherweise überließ er uns für diese Nacht seine Moped- Garage und legt sie auch noch mit Decken aus.

„Also, warum sitzen wir hier noch?“ Als wir gerade zur Garage herüber gehen wollen kommt Jens zur Kontrolle- er will aber bald weiter fahren. Auch Peter und Ernesto (?) kommen an und zusammen mit den beiden machen wir es uns in der Garage gemütlich- sogar unsere Räder können wir mit hinein nehmen. Die Handy- Wecker werden auf 5 Uhr gestellt. Ich bin wieder einmal froh meine Matte und den Schlafsack dabei zu haben. Die anderen Drei liegen unbedeckt auf dem harten Boden.

Letzter Tag-Grande Finale     (am Grab des Nationalhelden)

4:15 Uhr weckt ein Handy- meines ist es nicht und auch die anderen wollen es nicht gewesen sein!? Ich nutze die Gelegenheit, etwas früher als geplant, auf dem Rad zu sitzen, denn ich fühle mich ausgeschlafen. Die anderen wollen liegen bleiben. Im Restaurant gibt es schon Kaffee- es ist deutlich ruhiger geworden, als in der Nacht zuvor. Ich bestelle einen Caffe dopio mit Gebäck und setzte mich noch kurz an den Tisch. Einige Randonneure kommen gerade an, holen sich jetzt den Stempel im Restaurant. Einer von ihnen ist Bernd- er will schlafen und ich zeige ihm meine Schlafstätte mit der er gleich einverstanden ist. Die anderen werden sich wohl wundern, wenn sie wach werden.

Der Straßenbelag bei der Abfahrt, so hatte man in der Nacht schon berichtet, sollte sehr schlecht sein- er war tatsächlich noch schlechter!! Zu den vielen Löchern im Asphalt gesellten sich noch in längs Richtung aufgeworfene Wellen im Belag. Gut, dass ich jetzt ausgeschlafen war. Weiter unten, als wir auf eine andere Straße abbogen, wurde es besser. Nun folgte eine sehr lange, wenn auch nicht ganz so steile Abfahrt. Eine Pass- Straße hatte diese letzte Etappe noch zu bieten, den Passo Penice und zur letzten Kontrolle hin, zum Mausoleum Fausto Coppi, gab es einen kleinen Anstieg- die letzten 130 km aber führten brett-flach zum Ziel. Nach den letzten Tagen also eine vergleichsweise einfache Etappe.

Unten angekommen, suchte ich in Bettola, glaube ich, einen Bankautomaten auf und entdeckte einen sehr schönen Marktplatz, an dem ich ansonsten vorbeigefahren wäre. Da hier aber noch alles zu schlafen schien, setzte ich diesen Ort mit auf die Liste, der Orte, die ich später mal wieder besuchen will, und meine Fahrt fort. Immer weiter bergab, bis es plötzlich, rechts ab, noch einmal sehr steil wird. So was Steiles war ich schon gar nicht mehr gewohnt, denn dieser Anstieg erinnerte an die Steigungen hinter Todi, die ich nur mit Mühe mit meiner kleinsten Übersetzung fahren konnte.

Der Kopf sagte ich müsste bald wieder essen doch der Körper wollte eigentlich nicht mehr. Richtig appetitlos war ich, dass hatte ich schon am Passo Pianazze gemerkt. Auch mein geliebter Kaffee war mir irgendwie über. Trotzdem hielt ich an einem, am Supermarkt angeschlossenen, Kaffee, bestellte aber dieses Mal Kakao mit Gebäck. Dieser dickflüssige Kakao schmeckte mir sogar sehr gut.

Anschließend begann die Straße wieder langsam an zu steigen. Ich beschloss auf der heutigen letzten Etappe nur noch Bananen und Spaghetti zu essen- Spaghetti hatte ich noch nicht.  Beides würde beruhigend auf den Magen wirken- Energieriegel würde ich gar nicht mehr hinunter bekommen.

Die Auffahrt zum Passo Penice war ja nun schon Routine und die Vorstellung, dass diese die letzte lange Steigung sein würde, ließen mich munter bergauf fahren. Oben angekommen, bestellte ich ein Eis, drei Kugeln, und setzte mich in die Sonne.

Anschließend ging es wieder lange bergab, wobei ich immer Ausschau hielt Bananen und/ oder Spaghetti zu bekommen. Bis Viguzzollo blieb die Suche allerdings erfolglos und auch hier war nichts zu sehen, wo ich hätte einkehren können. Da ich bis hier her schon wieder eine Weile (45 km) gefahren war, beschloss ich auf jeden Fall am Mausoleum Fausto Coppi etwas zu essen. Eine längere Mittagspause mit einem Teller Spaghetti stellte ich mir vor. Sicher gibt es dort am Grab des Nationalhelden Coppi jede Menge Touristen und entsprechende Infrastruktur.

In Viguzzolo ging es also links ab, ein Abstecher von der geraden Linie zum Ziel.

Natürlich muss man einmal im Leben am Grab von Fausto Coppi gestanden haben und am besten noch nachdem man vorher 1500 km gefahren ist aber muß man denn vorher noch auf einer Acht die Trainingsrunden von Fausto kennenlernen?- doch man muss. Als ich endlich den Passo Fausto Coppi erklommen habe und wenig später auch am Mausoleum stehe, denke ich doch leise für mich- jetzt reichts.

Eigentlich hatte ich gar nicht mehr mit solchen Steigungen gerechnet und es gab auch kein Restaurant oder ähnliches. Also fuhr ich gleich weiter. Auf die Acht hatte ich jetzt keine Lust mehr, dafür musste ich umso steiler bergauf, sparte aber wohl ein paar Meter. Zurück in Viguzzolo führte die Strecke gar nicht mehr in den Ort selber, wo ich essen wollte sondern bog vorher links ab. Nur keine Zusatzkilometer mehr fahren- im nächsten Ort würde ich schon meine Spaghetti bekommen.

An einer Ecke im nächsten Ort traf ich auf Antonio. Gemeinsam fuhren wir weiter. Antonio fuhr recht schnell und ich war nicht sicher, ob ich das Tempo würde halten können. Doch ich gewöhnte mich wieder an höheres Tempo und führte dann auch.

Zwei Orte weiter wollte ich dann doch endlich etwas essen; wir fanden allerdings nur eine kleine Bar. Wir tranken jeder zwei Cola- auf der Theke stand eine Schale mit Erdnüssen, die sich alsbald leerte.

Weiter kamen wir zu zweit, regelmäßig in der Führung wechselnd, schnell voran. Über 30 km/h war jetzt wieder möglich- die Straße war tatsächlich völlig flach.

Ich rechnete aus, dass, wenn wir so weiter führen, ich vielleicht punktgenau zu meiner Planzeit, nämlich 18:20 im Ziel sein könnten. Mit Michael hatte ich vorher gewettet, wer von uns beiden am nächsten an der eigenen Planzeit sein würde, hätte gewonnen. Wir überquerten den Po auf einer Eisenbrücke und später fuhren wir noch über eine Pontonbrücke über einen Seitenarm. Lange zogen sich nun Zwiebel- und Knoblauchfelder entlang des Weges hin. Es war gerade Erntezeit.

Später, als wir langsam in die Vororte von Milano kamen, zeigten die Pfeile einmal geradeaus, der Track aber führte nach links. Ich folgte dem Pfeil und Antonio, der sich sicher schien. Weiter verloren sich aber dann die Pfeile und ich versuchte wieder in Richtung Track zu kommen. An einem Kreisel tauchte plötzlich wieder ein Pfeil auf und wir folgten. Ich war mißtrauisch, denn wir fuhren Richtung Ost. Schnell lud ich den ersten Track von Sonntagabend und siehe da, wir befanden uns genau auf diesem- allerdings von Nerviano weg führend.

Wir überlegten kurz, ob wir die 1600 km noch einmal fahren wollten und drehten dann um. Mir kam es vor, als fuhren wir im Zick- Zack- Kurs, mehr oder weniger um Nerviano herum. Eine spätere Auswertung des gefahrenen Tracks zeigte aber, dass wir gar nicht so schlecht navigierten. Kurz vor dem Ziel wollte Antonio noch etwas trinken und hielt an einer Bar. Ich bestellte ein Eis.

Ich wundere mich noch heute darüber, wie wenig ich auf dieser, immerhin 270 km langen Tagesetappe gegessen hatte. Normalerweise geht das gar nicht ohne mindestens einen Hungerast. Woher nimmt der Körper diese Energie auch noch am fünften Tag den schnellsten Durchschnitt zu fahren?? 

Um 18:40 Uhr bin ich dann mit 20 minütiger „Verspätung“ im Ziel. 

Es gibt einen kleinen Applaus, wenig später eine Urkunde und eine Medaille.

Ich treffe Jens und Stefan, die ungefähr seit einer Stunde im Ziel sind, von Antonio und mir wird noch ein Zielfoto geschossen und nun ist die Mille Miglia wirklich zu Ende.

Fünf Tage war ich mal Rad fahren! 

Und was nun? Ich gehe erst einmal zum Zelt um zum letzten Mal meine Matte auszurollen. Im Ziel gibt es dann noch etwas zu essen, ein Bier gönn ich mir auch dazu und dann…. Wache ich erst am nächsten morgen wieder auf.

Epilog

Und am Samstag?

 

Rüdiger liegt in seinem Zelt nebenan.

Auf dem Weg zum Auto komme ich an Mannis Wohnmobil vorbei. Seine Frau bietet Kaffee oder Tee an und lädt mich ein, mich zu setzten. Nach und nach sammeln sich jetzt alle Randonneure, die hier im Zelt oder in der Halle geschlafen haben beim Wohnmobil. Ein schöner Abschluss- vielen Dank noch einmal dafür an Manni und seine Frau.