Montag, 28. November 2022

CX 22/23

Es ist Herbst. Natürlich ist der Randonneur Ostholstein wieder im Gelände unterwegs und überschreitet hierfür auch wieder Landesgrenzen. So wurde er u.a. in Aarhus beim Partypreijs gesichtet und auch gefilmt. Die Besonderheit dieses Rennens, es fand zu Halloween (Party!?) in und um die dortige Radrennbahn. Hier wo auch der Start des Langstrecken- Klassikers Aarhus- Coebenhavn ist. Dank Jörg und seinen Beziehungen zu Joachim Parbo (Partyprijs,Partyprijs!!) dürfen wir auf der Rennbahn in einer kleinen aber gemütlichen Koje unter der Tribüne übernachten. Das Fenster mit Blick auf die Rennbahn. Pro Runde sind 3 Treppen zu "überwinden", dass sind bei 11 Runden 33 Mal !. Aber seht selbst:

 

Der Randonneur Ostholstein ist ja nicht gerade für seine rasanten Starts bekannt- dafür fährt er aber auch noch in den letzten Runden ähnlich gleiche Rundenzeiten wie am Anfang- ein Randonneur kann eben nur ein Tempo.

So kann man dann auch bei der LVM in Bremen (Galoppcross) den erhofften 2. Platz in einen Sieg umwandeln. Nach einem mäßigen Start und einen Zweikampf mit einem Hamburger Fahrer, den ich zwar verlor, der mich aber Runde für Runde immer weiter nach vorne ziehen konnte, sah ich in der vorletzten Runde Frank, den Kieler, und arbeitete mich immer weiter heran. Irgendwann dachte ich, was mache ich bloß, wenn ich es tatsächlich schaffe aufzufahren!?

Nun, ich überholte und versuchte Distanz zu schaffen, was mir zunächst nicht gelang. Am Anfang der letzten Runde überholte er mich. Nur dranbleiben, dachte ich und versuchen den Zielsprint zu gewinnen. Daran glaubte ich aber nicht wirklich. Mitte der letzten Runde konnte ich noch einmal überholen, versuchte nach jeder Kurve aus dem Sattel gehend zu beschleunigen. Irgendwann war sie da die kleine Lücke. immer wieder beschleunigen- Ja- uns sie wurde größer.....

Die Hürden noch, vorbei an den Pitts, noch zwei Kurven auf dem Pflaster, die Treppen....ich konnte es nicht glauben, sodass ich nach der Teppichkurve bergauf noch mal voll rein trat. Frank allerdings grad erst hinter den Treppen...


Am kommenden Wochenende geht es dann auf folgendem Parcour weiter.....

 


 

Donnerstag, 21. Juli 2022

Trans Alp Rando - Prolog

Radwege

Blödes Thema: über dieses Thema wollte ich in diesem Blog nie schreiben. Aber ich komme nicht darum herum, wenn ich einen Bericht über TransALP Rando schreiben will- quasi als Prolog. 

Kurz gesagt, ich fahre keine Radwege- basta! Oder anders, ich fahre nur Radwege, wenn das Fahren dort weniger gefährlich ist, als auf der Straße- also, zum Beispiel entlang einer Bundesstraße und es gibt keine sinnvolle Alternative. Oder der Radweg ist bekanntermaßen wirklich gut. (Im Moment fällt mir keiner ein)

Mein bislang einziger ernsthafter Sturz passierte auf einem Radweg- eine Wurzelaufwerfung war die Ursache! 

Das war 2 Wochen vor der Mille Miglia 2016 und es war heilsam.

Rennrad- Fahrer fahren sicherer auf der Straße- am besten, wenn dort ein Schutzstreifen vorhanden ist- ein Schutzstreifen ist ideal. Hier kann Radfahrer sich als gleichberechtigter Verkehrsteilnehmer fühlen.

Es ist ja nicht einzusehen, warum ein Radfahrer auf schlechterem Untergrund fahren , ständig wegen 90% Kurven, Poller oder Umlaufgitter bremsen, Umwege und jeden Höhenmeter mitnehmen muss; und warum man beim Kreisverkehr Vorfahrt gewähren muss. Auch ein Radfahrer möchte doch meistens möglichst schnell von A nach B kommen und dabei die Energie nur für den Vortrieb einsetzen. Zumindest ist es so, wenn ich eine Langstrecke von z.B. 1200 km bewältigen möchte.

Gleichberechtigter Verkehrsteilnehmer ist man hierzulande eher selten, das hab ich in meinem geliebten Italien bisher immer anders erlebt- ja sogar eher im umgekehrten Sinn, dass der schwächste Verkehrsteilnehmr Vorrang hat. In Arezzo habe ich es erlebt, dass ich als Fussgänger entlang einer belebten Ausfahrtstraße stand und ein Autofahrer anhielt und mich hinüber ließ. Hierzulande hält ein Radfahrer eher selten an einem Zebrastreifen- dass ist in Italien absolute Pflicht!

Selbst in den Niederlanden ist es oft nicht besser; auch wenn dort das Rad einen anderen Stellenwert hat. Wer mal in den Niederlanden einen Brevet gefahren ist, also mit einer Gruppe von, sagen wir, 20-40 Teilnehmern auf Radwegen, und versucht hat die Gruppe zu halten und gleichzeitig jedem Poller auszuweichen- das ist kein entspanntes Fahren. 

Auch in Dänemark ist es nicht besser- liegt hier auf den Radwegen oft noch Reifen killender Split bis in den Sommer. Und in beiden Ländern "muss" man die Radwege nutzen!

Leider hat man wohl auch in Italien jetzt zunehmend Radwege und A.R.I. scheint deren Bau und Benutzung zu unterstützen. Zum ersten Mal ist mir das bei Alpi4000 (2018) aufgefallen. Im Aosta- Tal führte der Track auf einem typischen Radweg, schlimmer noch als in Deutschland, mit zahlreichen Wurzelaufbrüchen, 90 % - Kurven, Umwegen etc.- aber es gab auch den perfekten Radweg im Trentino, zum Beispiel nördlich des Gardasees oder entlang der Adige im Vinschgau. 

Beispiele dafür, dass es auch alles ganz anders sein kann.

Benutzungspflicht !? Hierzulande ist diese zumindest dann aufgehoben, wenn der Radweg Schäden aufweist oder anderweitig nicht fahrbar ist.

Meist wird es zum Glück (noch) toleriert, wenn man alternativ auf der Straße fährt.


Trans Alp Rando sollte eine entspannte Tour werden; keine große Herausforderung, kein Rennen um die Platzierungen der besten Norddeutschen....einfach genießen wollten Klaus und ich diesen Super- Brevet mit Start und Ziel in Verona. In die Dolomiten, Italien, Österreich und Slowenien mit dem Wendepunkt in Lublijana- die Strecke erschien vielversprechend und die zu fahrenden Höhenmeter waren mit 12000 angegeben.

 

Keine 4 Wochen später sollte in Bormio die Alpi4000 zum zweiten Mal starten- ich musste mich nicht lange entscheiden, denn ich suchte in diesem Jahr keinen extremen Test, suchte eher eine softere Veranstaltung.

Und der Kontakt mit der Organisation war von Anfang an sehr nett:

Our route is easier in terms of climbs and total elevation gain than Alpi 4000, so if you are looking for an extreme test, sign up for Alpi 4000; if you prefer a softer route, you have found in TransAlp Rando what you need.
Transalp Rando 2022 will be a zero edition and will not be valid as an Audax patent or for the Paris Brest Paris. The first official edition, included in the world calendar, will be in 2023, also in the first days of June. Then the event will be repeated every 4 years.
Each participant will be equipped with an electronic tracker and can therefore be followed from home. Of course there will be check/refreshment points and 3 places to sleep. 
The event jersey will be included.
Certainly the cost of registration will be much lower than Alpi 4000, but we are still making our decisions, at the moment I cannot tell you more.

Ciao
Simonetta Bettio

 

 



Mittwoch, 20. Juli 2022

Trans Alp Rando - Vor dem Start

 

Diesen Super- Brevet wollten Klaus und ich also von Anfang bis Ende genießen- alles sollte möglichst ohne Stress ablaufen. Dazu bot sich natürlich eine Anfahrt nach Verona mit dem Zug an. Vor und nach der Tour plante ich einen freien Tag ein- doch ganz ohne Abenteuer verlief es dieses Mal dennoch nicht: das fing schon bei der Hinfahrt an- denn eine 3 stündige Zugverspätung in München führte dazu, dass wir dort übernachten mussten und erst gegen 13 Uhr , also 7,5 Stunden vor dem Start in Verona ankamen. Aber wir ließen uns dadurch nicht stressen, nahmen es gelassen, wie es kam und genossen auch den Abend und das Hotel mit bayrischer Küche direkt am Bahnhof. Die Bahnmitarbeiter waren sehr bemüht und freundlich. Wir hatten Glück, dass der Zug am nächsten Morgen noch freie Fahrradstellplätze hatte.

Und den freien Tag im Anschluss an den Brevet gab es schlichtweg deshalb nicht, weil ich mich bei der Buchung um einen Tag verrechnet hatte. Wir würden also nicht am Samstag sondern voraussichtlich erst am Sonntag im Laufe des Tages ins Ziel kommen und dann Pfingstmontag früh zurückfahren.

Wir würden zwischen 80 und 90 h benötigen; so mein Plan, den ich mit Michaels  Tabelle erstellt gemacht hatte. 

Und die waren unerwarteter Weise nicht frei von Abenteuern- glücklicherweise!! Denn, obwohl dieser Brevet anscheinend weniger anspruchsvoll werden sollte, hielt er einige Höhen und Tiefen für uns bereit.

In Verona angekommen fuhren wir direkt zur Villa Guerrina, wo Registrierung etc. stattfinden sollte. Dabei fuhren wir direkt schon einmal über den Piazza Bra- dort sollte am Abend der Start erfolgen, wo am Sonntag der Giro d'Italia mit dem Zeitfahren endete. Ein Banner kündigte dieses Ereignis schon einmal an- vom Giro war nichts mehr zu sehen.

Es war deutlich wärmer als in der Heimat- wir waren froh, dass wir mit den großen Rucksäcken nicht weiter als diese 5 km fahren mussten.

An der Anmeldung waren alle sehr entspannt. Wir waren früh dran und nur wenige andere Fahrer dort. Das Veranstaltungstrikot konnte anprobiert werden. Es gab 3 große (40x60 cm) Seesäcke (bagdrops) für die Kontrollstellen Villabassa (km 293 und 905) , Tarvisio (km 484 und 717) und Feltre ( km 1060). Die ersten beiden Orte wurden jeweils zweimal angefahren und an allen drei Orten gab es die Möglichkeit zu schlafen. Wir könnten also mit relativ wenig Gepäck am Rad starten. Zusätzlich hatte ich in Tolmezzo noch ein Hotelzimmer reserviert für den Fall, dass mein Plan aufgehen würde

 

Nachdem wir alle Sachen in zwei Seesäcke für die Bagdrops (den für Feltre ließen wir leer, denn dieser würde nicht rechtzeitig wieder zurück sein und war auch unnötig) , in die Tasche am Rad und den Rest in den Rucksack, verbleibend in Verona, verstaut hatten, hatten wir noch reichlich Zeit. Zunächst versuchten wir ein wenig in der Halle zu schlafen- denn hier war es kühl und ruhig. Dann wollte wir noch Pizza essen und fanden lediglich einen arabischen Imbiß- der Kebab war  aber lecker. Schließlich rollten wir schon einmal  in die Stadt zum Startort, direkt an der berühmten Arena. Da wir immer noch viel Zeit bis zum Start hatten, setzten wir uns noch einmal zum essen und trinken. Trinken würde sehr wichtig werden, denn es war inzwischen richtig heiß.






 

Bald füllte sich ein Teil des Platzes mit Radfahrern. Die meisten trugen das Veranstaltungstrikot. Als es dann endlich soweit war, setzten sich langsam ca. 80 Randonneure in Bewegung, vorbei an dem Restaurant, wo wir eben noch gesessen hatten- wir winkten dem Kellner zu. Er erkannte uns und winkte zurück.



Dienstag, 19. Juli 2022

Trans Alp Rando- Erste Nacht- erster Tag

 Verona - Tarvisio  484 km - 3400 HM

 

Mein Plan: 

Durchfahren, durch die erste Nacht, und wenn es gut läuft nach 24 h, also noch im Hellen, in den letzten steilen Anstieg des Tages hineinfahren, um dann gegen 23 Uhr in Tarvisio anzukommen und dort zu schlafen.

Bei Quäldich hatte ich gelesen, dass die "Windische Höhe" einige steile, über 24 und 18%ige Abfahrten hat. Ich hatte Respekt davor, diese im Dunkeln und übermüdet hinunter zu fahren.

Aus der Stadt hinaus über historisches Pflaster und über eine mittelalterliche Brücke, die wohl zur Stadtmauer gehört, zieht sich das Feld lang hin. Einige Passanten klatschten oder riefen etwas aufmunterndes zu: "Forza, Forza!"

Kaum waren wir auf breiteren Straßen, die aus der Stadt führten, unterwegs, zog das Tempo ungemütlich hoch. Mit deutlich über 30 km/h versuchten wir der Gruppe zu folgen. Eine erstere Gruppe war wegen einer roten Ampel voraus und diese musste anscheinend eingeholt werden. Dabei wurden Löcher im Asphalt nicht immer angezeigt. Als es dann entlang eines Kanals (Canale Biffis) auf Radwegen mit Pollern in dem gleichen Tempo weitergeht, wurde mir die Gruppe zu unruhig; Abbremsen, Antreten, Loch zu fahren und das alle 500 m. Irgendwo hatte es dann zwei Fahrer erwischt- sie standen mit defektem Rad am Radwegrand. Es dauerte nicht lange bis Klaus und ich uns entschieden alleine hinterher zu fahren. Wir waren dann schnell auch die letzten im Fahrerfeld. Klar, wäre es schön für den Anfang eine Gruppe zu haben- aber nicht um jeden Preis.

Es wurde ruhig und langsam senkte sich die Sonne, als wir in Richtung Gardasee fuhren. An der ersten Kontrollstelle in Garda hielten wir uns nicht auf und schon waren wir nicht mehr ganz hinten im Feld. Aber auch eine Gruppe fanden wir nicht, als wir jetzt im Dunklen entlang des Sees gen Norden fuhren. Hier, wo sich tagsüber Auto an Auto reiht, war es jetzt komplett verkehrsarm und wir kamen zügig voran.

"Wenn wir Glück haben, stützt uns der Ora-Wind (Nachmittag, aus dem Süden) auf die Schultern und macht unseren Gang fröhlicher. Wenn hingegen der nördliche Peler weht, ist es besser, einen Radpartner zu finden, mit dem man sich abwechseln kann." 

So steht es in der netten Streckenbeschreibung. Wir hatten relative Windstille, die wohl zeitlich zwischen den beiden Süd- und Nordwinden liegt.

Mit Klaus hatte ich einen guten Radpartner, mit dem ich durch die Nacht fahren wollte. Der Plan war auch, dass wir diesen Brevet zusammen bleiben, entgegen meiner sonstigen Fahrweise.

Am Ende des Sees, die erste steile Rampe des Tages. Nachdem es am See recht zügig lief, klebten wir jetzt in dieser Wand, die es zu überwinden galt, um bei Rovereto ins Val d'Adige zu gelangen. Ein erster Test für meine Übersetzung; 33/29 musste dieses Mal reichen- ich hatte keine Lust im Vorfelde noch ein neues größeres Ritzel zu kaufen. Ich fahre ja nun an meinem Ridley Helium neue Shimano 11- fach Hebel, da ich ja nach der Mille Miglia im letzten Jahr Probleme mit meinem Ulnaris- Nerv bekommen hatte, die ich auf die Sram- Hebel zurückführte. Erst kurz vor Weihnachten ließen diese nach. Nach Trans Alp Rando spüre ich nichts davon.

Es muss um Mitternacht sein, als wir beschließen noch einen letzten starken Kaffee zu trinken, bevor die Bars schließen würden. Wir fanden eine- hier bereitete man sich gerade auf den Feierabend vor. Bei Heavy Metall- Musik wurde gefegt und wir mischten uns unter die jugendlichen Feiernden und tranken unseren Dopio- Americano. Von nun an ging es nur noch auf einem Radweg entlang der Adige zunächst bis zum Bicigrill Faedo (K2). Hier machten wir eine etwas längere Pause- ein warmes Panini und wachhaltende Getränke. Doch nicht zu lange, denn sonst würden mir um diese Zeit die Augen zufallen. Weiter auf dem Radweg entlang der Adige, es war so zwischen 3 und 4 Uhr, hatte ich einen kleinen Hänger- die Augen blieben aber offen und ich dachte nicht einmal daran, mich hinlegen zu müssen. Den Radweg nahm ich manchmal im Cross- Modus, besonders, wenn es darum ging, dass wir andere Fahrer ein- und überholen konnten. 90°- Kurven und Radweg- Geschlängel- das Crossfahren gab mir jedes Mal einen Kick und hielt mich für den Moment wach.

Nach 4 Uhr gab es das erste Licht und die Berge formten sich als Silhouette aus dem Dunkel. Mein vegetatives Nervensystem, jetzt der N. Sympaticus meldet sich alsbald und löst den Parasympaticus in seiner Arbeit ab.

https://de.wikipedia.org/wiki/Vegetatives_Nervensystem

Arbeitsteilung

Die sympathischen und die parasympathischen Anteile arbeiten in gegenseitiger Ergänzung .... Über den Sympathikus werden hauptsächlich leistungsfördernde und über den Parasympathikus hauptsächlich erholungsfördernde Signale gegeben.

Hurrah!! Ich habe es geschafft. Was ich sonst eher selten schaffe- die Nacht durchzufahren.
Ich war jetzt wach und eine gewisse Euphorie kam auf. 
Ab Bozen verließen wir das Val d'Adige und fuhren in das Valle dell’Isarco,  das Eißacktal Richtung Brenner größtenteils auf Radwegen.  K3 war bei einem Fahrradgeschäft in Chiua/Klausen- Nudeln zum Frühstück um 6, war nicht das, was ich mir vorgestellt hatte- eher Brötchen mit Käse, oder so, und auch der Kaffee war nicht italienisch. Eine Bar oder Bäckerei war nicht in Sicht.
 
Später, bei Brixen, fuhren wir dann ins schöne Pustertal; auch hier wieder Radwege!
 
"Wir haben das Eisacktal verlassen, um ins Pustertal zu gelangen, das wir auf dem schönen Radweg bis zu seinem Ende durchfahren."
 
heißt es in der Streckenbeschreibung, die auf der sehr informativen und umfangreichen HP des Veranstalters zu Lesen gibt. 
 
Schön war die Landschaft, ohne Frage, aber die Radwege waren es nicht.
Bis Villabassa/ Niederdorf fahren wir auf Radwegen. Auch auf Schotter- und Waldwegen.
Das ist nicht nur mental anstrengend.  Das unrythmische Fahren, der teilweise schlechte Belag kostet auch Kraft. Auch wird es jetzt schnell sehr warm. 
In irgendeinem kleinen Ort, gar nicht mehr sehr weit von Villabassa, halten wir an einem Gasthof und trinken (alkfreies) Weizenbier. dazu spannen wir mit Hilfe der Wirtin den Sonnenschirm auf. Dies ist eine sehr erfrischende, erholsame Pause.
Wir lassen uns Zeit. So, auch mental regeneriert, nehmen wir die letzten Radweg- Kilometer bis zur 4. Kontrollstelle in Angriff.
Villabassa ist für mich so eine Art Zwischenziel. Hier gibt es den ersten Bagdrop, also frische Kleidung, Essen, evtl eine Dusche. Es ist inzwischen richtig heiß.
Fast planmäßig sind wir gegen Mittag hier.
Das Essen war sehr lecker- die Leute sehr nett. 
Aber auch hier verbleiben wir nicht lange. Spontan erkläre ich nun Klaus, dass ich von Nun an keinen Radweg mehr fahre. Es war keine überlegte Entscheidung- ich hatte es einfach satt.
Und, als wir gerade aus der Stadt hinausfahren, bog der Track von der Straße ab, die geradewegs In Richtung Innichen und später Lienz (Österreich) führt.
Klaus will nicht vom Track abweichen und so trennen sich hier unsere Wege, ohne große Diskussion.
Wir wollen uns bei K5 in Oberdrauburg wieder treffen.
 
"Sempre su ciclabile"!? 
 
und

"Eine leichte, einfache Etappe, fast ausschließlich bergab und auf einem Radweg.",  
 
heißt es in der Beschreibung.

Ja, und dann änderte sich das Wetter und der Wind kam kräftig das Drautal hinauf. So kräftig, dass ich mich trotz Gefälle gegen den Wind anstemmen musste.

Aber ich kam dennoch ganz gut  voran auf der Straße, die leider viel Verkehr hatte- aber das nahm ich nun gerne in Kauf. Der Wind wurde immer stärker, aus heiß wurde schwül-heiß, also ein Gewitter bahnte sich an. Kurz vor Lienz gab es dann auch Starkregen und wegen des kräftigen Windes kühlte ich gleich stark aus. Irgendwo unterstellen und auf Klaus warten, war eine Idee, denn hier in Lienz war ich ganz nah am Track. Komplett durchnässt, machte das aber keinen Sinn und so fuhr ich nun auf dem Track/Radweg entlang der breiten, tosenden Drau. In Lienz hatte die Drau ein wenig die Richtung geändert und nun blies der Wind mit aller Macht von hinten. Ein Sturm war es eher- die Bäume bogen sich und ich flog mit fast 40 km/h ohne Mühen dahin. Eher hatte ich Mühe das Rad gerade zu halten. Leider wurde ich dadurch auch nicht warm. An einer Brücke hielt ich kurz, schaute auf die Karte und versuchte Klaus zu erreichen, um zu hören, wo er sich befände. Anschließend führte der Radweg mich wieder einmal auf Naturstraßen durch einen Wald. Eine Alternative gab es nicht und ich bereute gleich, ab Lienz wieder tracktreu gefahren zu sein. Der Regen hatte natürlich dafür gesorgt die Waldwege komplett aufzuweichen und nicht nur mein Rad sah nachher aus wie "Sau".
In Oberdrauburg angekommen, musste ich nun versuchen möglichst schnell warm zu werden, während ich auf Klaus warten würde. Die Helfer waren sehr freundlich- die Kontrollstelle war vor einem Hotel. Auf der Toilette konnte ich mich trockenlegen- nur dazu brauchte ich erst einmal trockene Klamotten
Der hiesige Radladen hatte geschlossen. Es gab einen kleinen Supermarkt.
ich ging zu Fuß, um wärmer zu werden. Das Zittern hatte schon begonnen.
Im Supermarkt gab es lediglich dicke Strümpfe im 5er Pack. Ich kaufte 10, denn die gab es zum gleichen Preis, wie mir die Kassiererin empfohl.
5 in meiner Größe und 5 XL
Doch wohin mit den ganzen Sachen!?
3 Paar Socken zog ich mir an und aus Zweien machte ich mir Armlinge, indem ich die Fußspitze aufschnitt. Die saßen perfekt.

Wieder am Hotel angekommen, kam die Sonne heraus. Nachdem ich Socken und Armlinge getauscht hatte, wurde mir in der Sonne auch gleich warm. Glück gehabt. So ging ich von hier noch einmal zum Bäcker, kaufte zwei große Stücke Kuchen und als ich zurück kam war auch Klaus angekommen.
Zusammen fuhren wir bald weiter und einigten uns darauf zusammen auf dem Track, also ggf. auch auf einem Radweg zu fahren.
Kaum aus dem Ort führte dieser direkt in einen Wald- ein Ende nicht absehbar.
Nun hatte auch Klaus die Nase voll. Auf einer breiten Straße fuhren wir, immer noch mit Rückenwind, entlang der Drau, ca. 60 km bis Spittal

"Halb bergab und halb bergauf. Auf den ersten 70 Kilometern geht es noch leicht bergab, immer auf dem Drau-Radweg in diesem weiten Mittelgebirgstal, in dem die Maisfelder dominieren. Mal radeln Sie entlang des Deiches, mal durch den Wald. Die kleinen Weiler, durch die man fährt, sind immer sehr hübsch und typisch österreichisch."

Vom Gardasee bis Spittal führt der Track also zu (gefühlt) 90% auf Radwegen!

Kurz vor Spittal wurde es dunkel- also würden wir nicht, wie geplant im Hellen in den steilen Anstieg zur "Windischen Höhe" hineinfahren. Bis hierher waren es noch knapp 20 km. Aber so weit wichen wir bis jetzt nicht vom Plan ab.
in Spittal hielten wir an einer Tankstelle und machten eine längere Pause.
Eine größere Gruppe hatten wir zuvor getroffen mit denen wir zeitweise zusammen fuhren. Jedoch ihr Rhytmus passte nicht recht zu unserem.
 
Kurz vor Beginn der Steigung fing es wieder an zu regnen. Was vorher schon trocken war, wurde wieder nass. Aber dieser steile Anstieg, ließ kein Frieren zu.
Und wie der steil war!!
Die gefürchteten steilen Abfahrten zwischendurch waren kein Problem.
Bergauf war Schritttempo angesagt- endlos waren diese ca. 15 km. 

Als wir dann endlich an der Passhöhe sind, sind wir mitten drin im Gewitter.
Donner, Blitze nicht weit entfernt. Dazu Starkregen. Wir halten und stellen uns unter einen Baum. Mir ist so kalt und elend, dass ich den Notaus- Knopf am Tracker hätte drücken können. Tatsächlich hatte ich keine Idee, wie es weiter gehen sollte. Wir hatten ja nun die Abfahrt nach Tarvisio vor uns. Mir fiel mein Rettungsbivy ein, welches ich bislang nur einmal beim Eifelgraveller benötigt hatte. Ich schnitt das Fußende auf und nutze das Bivy nun als Poncho.
Es wurde mir dadurch etwas wärmer, jedoch fürchtete ich etwas, die Silberfolie können den Blitz anziehen.
Nachdem das Gewitter weitergezogen war, der Regen etwas weniger, nahmen wir vorsichtig die Abfahrt. Kurz hinter der Grenze -Trackabweichung!
Ich hatte gedacht wir würden nur noch bergab bis ins Tagesziel rollen und dann ins Bett fallen. Nein, der Track führte uns noch einmal auf schmalen (Wander-?) Wegen steil bergauf durch einen Park. Danach war ich so fertig, dass ich gar nicht mehr genau weiß, wie wir ins Ziel gekommen sind. Auf den letzten 16 km gab es noch einmal 420 HM.
Die Kontrollstelle Tarvisio (K6) war in einer Militärbasis und war sehr komfortabel. (2. Bagdrop)
Nachdem ich lange und heiß geduscht hatte, setzten wir uns zum Essen und Trinken. Auch hier wieder sehr freundliche Helfer, das Essen lecker und reichlich. Die Ankunftszeit war natürlich alles andere als planmäßig. Für die letzten 42 km hatten wir sicher 4 h gebraucht. Ankunft 02:15 Uhr
Da es draußen immer noch regnete, dachten wir ernsthaft darüber nach, was wir am nächsten Tag machen sollten. Trockene Sachen hätten wir dann keine mehr.
Was sollten wir also, tun, wenn es am nächsten Morgen noch regnen würde.
Zumindest besprachen wir, dass wir, abweichend vom Plan, nicht bei Sonnenaufgang weiter fahren würden, sondern keinen Wecker zu stellen, und dann schauen, wie das Wetter ist. Ein Abbruch des Brevets war nicht mehr undenkbar.
Der Schlafsaal hatte Feldbetten. Darauf lag und schlief es sich gut. Die Feldbetten waren noch größtenteils leer- also hatten wir wohl inzwischen einige Platzierungen gut gemacht. Das war nun völlig nebensächlich.

weiterlesen im nächsten blog:


 
 





 

 

hier geht es bald weiter



Montag, 18. Juli 2022

Trans Alp Rando- Der zweite Tag

 3. Juni 2022

Ich wollte ein Eis ausgeben in Lublijana zum Geburtstag. Hier war der Wendepunkt der TAR und ich war gespannt auf diese Stadt, auf dieses Land, in dem ich noch nie war.

Nach ca. 3 h um etwa 06:30 wachte ich ohne Wecker auf. Als erstes, der Blick aus dem Fenster- die Sonne scheint! Was für ein Glück!

Ich bin auch gleich auf den Beinen, wecke Klaus, wie verabredet, der aber auch schon wach liegt: "Also los..."

albe Stunde später stehen wir an den gepackten Rädern- trinken noch einen Kaffee.

Zusammen mit Chris, dem Engländer, fahren wir zunächst auf 10 Kilometern 230 HM. Ich bin jetzt voller Euphorie und Energie, das wir unser nächtliches Tief überwunden haben, und jetzt in Richtung Lublijana fahren. Chris muss mich bremsen, denn Klaus ist wohl noch nicht richtig wach. Wir stoppen an einer Bar um zu frühstücken. Damit lassen wir uns Zeit und bestellen Kaffee und Cornetti -gleich mehrfach. Chris will auch keine Radwege mehr fahren. Für uns folgt nun zunächst eine rasante Abfahrt auf breiter Straße. Wir wechseln in der Führung und kommen gut voran. Die Grenze zu Slowenien wird passiert. Bis Lublijana soll es tendenziell nur bergab gehen- wir müssen aber diese Hauptstraße, die geradewegs dorthin führt, etwa zur Hälfte verlassen, weil sie zur Autostraße wird.

Wir stoßen wieder auf den Track, dem wir jetzt folgen wollen. Auf kleineren Straßen haben wir jetzt einige steile Auf- und Abfahrten. Wir fahren auf eine größere Gruppe mit Italienern auf, die wir aber bald wieder verlieren, weil diese nicht mit dem Track abbiegen. Und Chris verlieren wir an die Gruppe- nun fahren Klaus und ich wieder zu zweit. Nebenstraßen, keine Radwege, parrallel zur Hauptstraße. 30 km vor der Hauptstadt passieren wir Kranj. Ein schöner Ort in dem auffallend viele Junge Menschen und Kinder unterwegs sind. Eine Eisdiele- aber wir wollen zunächst in die Hauptstadt und zur Kontrollstelle.

Auf dem Weg in die Innenstadt passieren wir die Kontrollstelle (K7), nur 25 m links von uns an einer Parallelstraße gelegen.

"Wollen wir zur Kontrollstelle oder vorher noch eine Stadtbesichtigung!", frage ich Klaus. Ein ander Mal, wenn wir im Urlaub sind,  wollen wir dies nachholen. Es ist inzwischen schon recht heiß geworden und wir sind froh, dass wir uns alsbald in den Schatten setzen können. Andere Randonneure sind auch schon da und bald kamen auch Chris und die Italiener, die auch keine Stadtbesichtigung wollten.

Im Schatten genossen wir leckere Teigtaschen, Kuchen und Säfte. Erst , als wir unsere Speicher gut gefüllt hatten, brachen wir zur Rückfahrt nach Tarvisio auf.

Klaus Cleat am linken Schuh war defekt- er würde neue benötigen, ansonsten ist es schwierig im Stehen zu fahren, was Klaus gerne zwischendurch macht. SPD- SL sollte nicht so leicht aufzutreiben sein.

In Kranj fragen wir uns durch- es gibt einen Bike store vor dem gerade eine kleine Messe stattfindet. Drinnen findet Klaus die gesuchten Cleats und ich unterhalte mich mit dem Canyon- Aussteller, übers TAR und das Crossen und erfahre, dass er ein guter Bekannter von Mike Kluge ist. Anschließend fahren wir in die Innenstadt und nun gibt es endlich ein großes Geburtstags- Eis und Kaffee.

 Lecker ist es schon, aber nicht italienisch- komisch, irgendwie schmeckt es, wie das Eis damals in Ostberlin oder Tschechien....

Doch es muss weitergehen- auf dem Weg, den wir heute morgen hergekommen sind. Die Rampen einmal andersherum und später auf der Hauptstraße. Dunkle Wolken ziehen auf und ca. 40 km vor Tarvisio beginnt es zu regnen. Schnell sind wir wieder komplett nass; allein durch das Spritzwasser. Zunächst ist es noch warm, jedoch je höher wir kommen, wird es auch wieder kühler. Am Ende, nehmen wir doch mal wieder den Radweg, der tatsächlich gut zu fahren ist. Eine alte Bahntrasse, die uns fast direkt bis zur Kontrollstelle führt. Heute war es einfach nach Tarvisio zu kommen Es ist noch hell, als wir dort ankommen.

Mein Plan war es gewesen, noch 50 km weiter zu fahren, bis Tolmezzo. Ich hatte dort ein Hotelzimmer reserviert. Im Regen mit unseren nassen Klamotten weiter zu fahren, fanden wir jetzt nicht so sinnvoll. Zumal wir ja hier eine bekannte, komfortable Schlafgelegenheit hatten. So hatte diese  Tages- Etappe lediglich 240 km mit 2100 Hm - deutlich ruhiger und entspannter als der erste Tag.

Auch konnten wir heute etwas regenerieren; ein Ruhetag, der weniger abenteuerlich als der gestrige verlief. Dennoch benötigten wir knapp 14 h für diese Strecke. Weiß gar nicht, wo wir die Zeit verbummelt hatten.

Geburtstagseis in Kranj

Auch heute wieder gab es gutes Essen, freundliche Helfer, heiße Dusche und ein Feldbett. Und ich hatte einen richtigen Schlafsack in meinem Bagdrop- was für ein Luxus, verglichen mit anderen Brevets. Dementsprechend erholsam war der Schlaf (ca. 6 h) 

Slowenien ist schön, ähnlich schön wie Italien, aber kein Radfahrerland. Unfreundliche, ungeduldige Autofahrer und Radfahr- Verbotsschilder machten keinen Spaß. Der Kaffee war in Ordnung- das Eis kein Gelato.




Klaus und Chris mit Sonnenbrille in Lublijana, K7



 


















Freitag, 8. Juli 2022

Trans Alp Rando - Die Königsetappe

Feldbett als Akkuladestation
Bis kurz nach vier gönnten wir uns einen erholsamen Schlaf. Nun waren die Akkus wieder gefüllt.Gestern Abend hatte ich bemerkt, dass aus dem Wasserhahn hinter dem Tresen, fast kochendes Wasser kam- das war jetzt gut für unseren löslichen Kaffee. 

Ca. 500 km und 5500 HM waren es noch bis ins Ziel- mit einem kurzen Schlafstopp in Feltre ,160 km vor Verona, so mein Plan, könnte es die finale Tagesetappe werden. Es wurden aber zwei draus.

Noch vor dem Sonnenaufgang mit dem ersten Licht starteten wir in den Tag. Vorher ging ich noch einmal ins Haus, um mich zu verabschieden und zu bedanken. 

Da umarmte mich der Helfer zum Abschied.

So herzlich! 

 
Wieder auf den Radweg, die alte Bahntrasse. All meinen Unkenrufen zum Trotz erwies sich dieser, als der beste Radweg meines Lebens!  50 km fuhren wir 1% abfallend immer entlang des Fiume Fella. Dieser Radweg ist Teil des Alp- Adria Weges. Fast immer glatter Asphalt, Tunnel und Brücken mit Abdeckgittern aus Eisen. Ein besonderes Phänomen war, dass wenn man über diese Gitter fuhr, die Reifen anfingen zu pfeifen und es bei jedem Übergang zum nächsten Gitter ein Rattern zu hören war- die perfekte Illusion in einem historischen Zug zu sitzen.

Dann folgte meist auch schon der nächste Tunnel. Die Beleuchtung schaltete sich immer etwa 30 m vor uns ein.

Ein Traum von einem Radweg.....






 

Bei Carnia ist der Radweg eine Baustelle- der Track führte wohl auf die Straße. Wir aber folgten zunächst der Bahntrasse so endete der Radweg für uns mit einer kleinen Crosseinlage, bevor wir auf einer langen Behelfsbrücke den Fluss querten. Das Tal verbreitete sich hier , wo mehrere Flüsse zusammen fließen und den Fuime Tagliamento bilden, zu einer gewaltigen Steinwüste.

Es sind noch 10 km bis Tolmezzo und Klaus hat die Idee des Tages. Warum nicht das Frühstück mitnehmen, was ich ja mit dem gebuchten Hotelzimmer sowieso zahlen müsste. Darauf war ich bislang nicht gekommen. 

Wir freuten uns also nun auf ein ausgiebiges Hotelfrühstück. 

Am Nebentisch eine Gruppe mit 6 Rennradfahrern, aßen nicht so viel wie wir.

Mit vollen Bäuchen machten wir uns wieder auf den Weg- nun begann der schwere Teil des Tages. Zwei Pässe, der Plöckenpass und die Karnische Höhe waren nun zu überwinden, bevor wir zum zweiten Mal nach Villabassa/ Niederdorf kämen.

In Timau (K9), auf halber Höhe,stempeln wir nur und Chris treffen wir hier wieder einmal.

Endlich, ein richtiger Alpenpass ist nun zu fahren und ein schöner dazu:

"Die Kehren Nummer 7 bis 12 stapeln sich auf nur 1,5 km" Quäldich.de

 Oben ist ein Rummelplatz- ich dehne kurz und dann stürzen wir uns in eine schnelle Abfahrt.

Immer noch satt vom Frühstück nehmen wir gleich den zweiten Pass des Tages ohne Pause in Angriff.

"Diese 40 Kilometer sind kein Zuckerschlecken: 1300 Meter Höhenunterschied auf einer Straße, die aufgrund von kurzen Abfahrten und kleinen Rissen nicht immer glatt ist.
Aber die alpine und ländliche Umgebung ist außerordentlich angenehm.", 

schreibt der Veranstalter zu diesem Abschnitt und so kommt es tatsächlich

Die Risse stören beim bergauf fahren nicht- aber die Abfahrten. Kaum sind Höhenmeter mühsam erklommen- werden sie wieder zunichte gemacht.

Die Steilheit der Anstiege ist körperlich anstrengend- die Abfahrten sind es mental. Wir werden dann auch wieder hungrig und in einem dieser schönen alpinen Dörfer setzen wir uns zum Mittagstisch in den Garten in den Schatten.Es ist inzwischen auch wieder richtig heiß geworden- 

Bei alkfreiem Bier und gut- bürgerlicher Küche lassen wir es uns gut gehen.

Außerordentlich angenehm!

Die Wirtin meint, es sei nicht mehr weit bis zur Passhöhe und auch einfach zu fahren. Sie sieht allerdings eher nach Motorrad- oder Autofahrerin aus.

Aber ganz Unrecht hat sie nicht. Wir werden jedoch kurz zuvor gestoppt- die Straße ist gesperrt. Ein Auto war von der Straße abgekommen und hatte sich mehrfach überschlagen und war in der Wiese liegen geblieben.

Rettungshubschrauber und -wagen mussten erst los- vorher würde der Feuerwehrmann uns nicht durchlassen. Eine halbe Stunde verloren wir hier an Zeit.

Eine kurze, schnelle Abfahrt, bei der wir nicht halb so viele Höhenmeter verlieren, als wir rauf gefahren waren, und wir waren wieder im Tal der Drau. Ca. 20 km fahren wir nun auf dem Drauradweg, den ich ja auf dem Hinweg gemieden hatte- zurecht! Es ist schwierig und auch manchmal gefährlich Tempo zu machen- auch werden gegenüber der Straße, die später parallel verläuft, etliche Höhenmeter mehr gemacht. Siesdrum, die beiden schweren Pässe lagen hinter uns und vor uns lag nur noch der Passo Cimabanche, der uns von Verona trennte. Dieser Pass aber wäre, laut Quäldich.de, nicht der Rede wert.

Bei Toblach queren wir die Grenze zu Italien und sind bald wieder in Villabassa/Niederdorf.

Hier, wie auf der Hinfahrt, gibt es in der Bar des Club-Hauses wieder richtig gutes Essen und nach nicht einmal 50 Kilometern, seit unserem gutbürgerlichem Essen, haben wir schon wieder Appetit. 

Zum Glück noch im Hellen fahren wir weiter, denn bis Cortina d'Ampezzo bietet sich ein tolles Alpen-Dolomiten- Panorama. Erst , als wir diesen berühmten Skiort erreichen wird es langsam dunkel.

 
 Den Pass selber spürt man eigentlich kaum:

"Als Resümee bleibt nur ein Pass, der extrem leicht zu fahren ist, wohl der leichteste Alpenpass, den der Autor bisher befahren hat."

liest man bei quäldich.de.

Bei Tageslicht hatten wir heute, bedingt durch die langen Pausen aber auch durch das Bergauffahren (immerhin ca. 4300Hm) nur wenige Kilometer gemacht. Doch darüber machten wir uns keine Gedanken- wir hatten keinen Druck. In die Nacht hinein fahrend, sollte sich das Tempo auch bald entscheidend ändern, denn bis Feltre ging es nur noch bergab. Ab Cortina wurde es steiler. Den Radweg ignorierten wir- mit 60+ km/h im Dunklen auf einem Radweg fahren, hielten wir für ungesund.  Einige Tunnel waren zu durchfahren- die wenigen Autos auf der breiten Straße, waren mit hoher Geschwindigkeit unterwegs. Nicht wirklich gemütlich. Um die Kontrollstelle 11 in Tai di Cadore nicht zu verpassen, nutzen wir wieder den Track- grober Asphalt, Schotter und Drängelgitter bietet uns der Dolomiten- Radweg. Die Stazion, der alte Bahnhof, sieht gemütlich aus. Ca. 20 Randonneure pausieren hier- doch jetzt brauchen wir keine Pause und fahren nach dem Stempeln gleich weiter- machen so etliche Platzierungen gut. Wieder auf der Hauptstraße, geht es gleich steil mit hohem Tempo bergab. Tunnel, Baustellen und rasende Autofahrer.....mal sind wir auf dem Track- mal haben wir "Trackabweichung", wie uns das Garmin von Klaus immer wieder verkündet und uns wieder auf diesen zurückführen will. An einer Engstelle wegen einer Baustelle, will Klaus nicht mehr auf der Hauptstraße fahren. "Back on Track", obwohl wir gerade hier auf eben diesem fahren.....Da ich den Track und die Hauptstraße nicht verlassen möchte, fahren wir in getrennte Richtungen weiter.

Bald wird es flacher. An einer Brücke halte ich, um mich zu orientieren. Hauptstraße oder Track? Da meine Stirnlampe ausgefallen ist, bin ich gleich umgeben von völliger Dunkelheit. In dieser Industriegegend fühle ich mich dann etwas unwohl so alleine. Hundegebell im Hintergrund. Ich entscheide mich dann auf dem Track zu bleiben. Als dieser jedoch bei Ponte delle Alpi auf kleinen Wegen sich durch Wohngebiete schlängelt, die Hauptstraße jedoch schnurgerade nach Belluno führt, werde ich wieder trackuntreu. Dort verfahre ich mich leicht. Bis Feltre sind es jetzt noch ca. 30 km- ich will ankommen. Die Straße geht leicht bergab und ich kann ein gutes Tempo fahren. Einmal mache ich mir etwas Sorgen um Klaus und schaue ins Handy auf die Tracker- Seite. Als ich sehe, dass auch er sich in Richtung Feltre bewegt, nehme ich beruhigt die letzten Kilometer dieser Tagesetappe unter die Räder.

Die Kontrollstelle finde ich unbemannt. Zwei andere Randonneure zeigen mir den Stempel und wo ich mich hinlegen kann. Ein großes, seltsames Haus ist diese Kaserne. Im 1. Stock sind zahlreiche Betten in einem großen Raum. Ich nehme das Erstbeste, am Eingang gelegene. So könnte mich Klaus finden. Dazu schrieb ich ihm eine SMS. Das Bett war extrem weich, mit Plastik überzogen- dazu gab es kratzige Decken. Ich schlief sofort ein. Es muss gegen 02:00 Uhr gewesen sein.


Link zum Dolomiten Radweg

"Die Strecke ist leider nicht durchgängig asphaltiert. Von Calalzo bis zur Grenze am alten Zoll (Dogana vecchia, rund 30 km) durchgängig guter Asphaltbelag, teils neu, a b der Grenze Venetien/Cortina verfestigter Splitt/Schotter, für MTB/ATB gut fahrbar, nicht für Rennräder. Ab Acquabona/Zuel wieder Asphalt bis Cortina, teils Schlaglöcher in Zuel. Cortina - Fiammes: Teilstück Ashalt. Fiammes - Toblach: verfestigter Splitt, im Höhlensteintal teils schlechte Wegstrecke, Schotter/Steine (teils Bauarbeiten 2009). Jenseits des Toblacher Sees kurz vor Toblach wieder Asphalt."

Wenn ich das so lese, bin ich froh, dass wir im Dunkeln nicht auf dem Track gefahren sind.

Im Hellen mit einem Schotterrad bestimmt ein Erlebnis und vielleicht hole ich das einmal nach.


 

 

hier geht es bald weiter






Samstag, 2. Juli 2022

Trans Alp Rando - Verona


Gegen 4:30 Uhr werde ich noch vor dem Wecker wach. Zur Toilette nehme ich das Handy mit als Taschenlampe. Den Lichtschalter möchte ich nicht noch einmal betätigen, denn da ging das Licht im gesamten Schlafsaal an.

Klaus hat meine SMS offensichtlich nicht gelesen und ich muss ja dann weiter, denke ich- da sehe ich den Anruf von Klaus in dem Moment, wo ich mit dem Handy den Weg zurück zum Bett leuchten will. So ein Zufall, denn ich habe mein Handy immer lautlos.

Klaus steht an meinem Rad- will bald weiter. Gut, sage ich, ich komme.

Keine Ahnung, ob er gerade kommt oder geschlafen hat, oder.....

Ich dusche noch schnell und bald sitzen wir noch im Dunklen auf den Rädern; folgen der SS50, denn die führt in Richtung Bassano del Grappa. Diesen Ort mit der schönen Brücke, kenne ich noch von unserem Urlaub im Valsugana. Und tatsächlich kommen wir nach einer zügigen Abfahrt ins Tal der Brenta. Vor Bassano halten wir für ein erstes Frühstück.

Und dann passiert etwas, was mir lange zu denken gibt: der Track führt zur historischen Brücke, biegt kurz zuvor nach rechts- eine kleine Abfahrt von vielleicht 2 Metern Höhe- und beim Bremsen greife ich links ins Leere- an der Vorderradbremse ist der Zug nicht mehr da, wo er sein sollte.

Die Hinterradbremse zieht nur leidlich und ich komme kaum zum Stehen.

Eine Schraube hatte sich gelöst - ich musste immer wieder daran denken, was in der rasanten Abfahrt in der letzten Nacht hätte passieren könne.

Was für ein Glück, habe ich wieder einmal gehabt.

Ich repariere die vordere Bremse mit der Schraube von hinten. Die hintere bekommt Kabelbinder. So geht es erst einmal weiter. Bloß keine steile Abfahrt mehr fahren mit diesem Provisorium. 

Zum Glück sind wir ja unten, also quasi schon fast auf der Höhe von Verona. Lediglich zwei Anstiege (und Abfahrten) hatte der Track noch zu bieten- wir versuchen diese zu umfahren. Überhaupt versuchen wir es noch ein paar mal mit dem Track und landen jedes Mal kurze Zeit später auf Schotterpisten.

In Creazzo (K13) stärken wir uns noch ein letztes Mal mit einer leckeren Suppe.

Es ist inzwischen wieder recht heiß geworden. Wir wollen jetzt auch ankommen aber die letzten Kilometer gleichermaßen genießen. Dazu stoppen wir noch einmal für ein Gelato.
Anschließend auch unser letzter Versuch tracktreu zu fahren. Entlang eines Kanals führt auf dem Deich ein kleiner Schotterweg. Zunächst noch recht gut fahrbar, ist dieser immer mehr zugewachsen und gleicht nun eher einem Wanderweg. Die Straße ist parallel auf der anderen Kanalseite und als es dann eine Brücke gibt, gibt es kein Überlegen mehr.

Von nun an folgen wir der Straße die direkt nach Westen, also nach Verona führt.

Dort angekommen gleicht die Straßenführung einem Spaghetti- Haufen und wir fahren zunächst einmal am Ziel vorbei in Richtung Innenstadt. Langsam nähern wir uns dem Zielpunkt- einen direkten Weg gibt es nicht. Nun zeigt das Garmin, dass wir keinen Kilometer mehr entfernt vom Ziel sind, als wir an einer Bierbar vorbei kommen. 

Da wir sehr durstig sind halten wir hier einmal mehr an, um uns zu erfrischen.

Leider fühle ich mich wegen des dortigen Publikums nicht besonders wohl.

Da wir während der gesamten Fahrt einen Tracker mit uns führen, können die Daheimgebliebenen uns verfolgen. Gerade hier so kurz vor dem Ziel, ist es natürlich besonders spannend und alle rätseln darüber warum 700 m vor dem Ziel die Geschwindigkeit auf 0,4 km/h steht und sich unser Punkt länger nicht bewegt.

Es ist das erste Mal, dass ich einen Tracker bei einem Brevet mit mir führte. Ein netter Zusatz für den Kontakt mit der Familie aber auch unnötiges Zusatzgewicht, wie ich fand. Natürlich kann der Tracker auch zur Kontrolle genutzt werden. So schrieben die Veranstalter im Nachhinein:

"Da es sich um eine Edizione Zero handelt, haben wir beschlossen, auch diejenigen zu berücksichtigen, die die Route nicht perfekt eingehalten haben. Nächstes Jahr, bei der offiziellen Ausgabe, werden nur diejenigen homologisiert, die der Route vollständig folgen."

Brevet fahren kenne ich anders-eher so wie es in den Regeln der TAR zu lesen ist:

"Die Strecke ist unbewacht, mit Ausnahme der Kontrollpunkte, die auch als Verpflegungsstellen dienen; sie befinden sich im Durchschnitt alle 75 km, die längste Etappe ist etwa 120 km lang. Sie haben die Aufgabe, die Einhaltung der Strecke durch die Teilnehmer zu kontrollieren, um die Genehmigung des Patents zu erhalten, und gleichzeitig die Teilnehmer während des Brevets zu unterstützen. .........
Der Radfahrer muss sich innerhalb der Frist an der Kontrollstelle einfinden, um sich validieren zu lassen.......
Der Veranstalter kann entlang der Strecke geheime Kontrollpunkte einrichten; Die Nichtbestätigung der Durchfahrt führt dazu, dass das Patent nicht anerkannt wird."

Vermutlich waren wir nicht die einzigen, die den Radweg manchmal gegen eine asphaltierte Straße tauschten. Das sagte ich auch gleich, als ich im Ziel interviewt wurde, also dass es Höhen und Tiefen gab und der Untergrund der Radwege eher einer Graveltour glich und nicht einem 1200er Brevet, so wie wir es bisher kannten.

In der Halle der Villa Guerrina war es kühl. Jetzt mussten wir erst einmal etwas regenerieren, duschen, die Sachen aus den Bagdrops sortieren und trocknen...


Auch gab es eine Massage. Ich hatte wohl Glück, dass gerade nicht so viele ins Ziel kamen- so dauerte diese 1,5 Stunden.

Wir mussten ja nun noch zum 8 Kilometer entfernten Hotel. Ich fragte nach einem Taxi und Davide, der auch die TAR 1200 gefahren war, brachte uns mit einem Bus der Sport Verona dorthin. Mitten im dichten Verkehr in der Innenstadt erklärte er uns lachend, dass er gar keinen Führerschein besitzen würde, da er Autofahren nicht mag- er wäre ja Radfahrer. 

Das Euromotel Croce Bianche ist perfekt für den Aufenthalt nach einem Brevet.

Man kann die Fahrräder mit aufs Zimmer und ruhig in der Lobby sitzen, mit der Familie telefonieren  und über die vergangenen Tage nachdenken.

Am nächsten Morgen gab es noch ein gutes Frühstück, bevor wir zum Bahnhof rollten. Die Rückfahrt mit dem Zug war dann auch fast ohne Abenteuer. lediglich der Umstieg in München war noch etwas spannend. Klaus wollte noch Getränke holen, während ich beide Räder zum Bahngleis schob. Der ICE ist wirklich lang und das Radabteil ganz am Ende. Es wurde nun langsam wirklich knapp, so dass mich ein Schaffner fragte, ob ich auch mit beiden Rädern fahren könnte!?

Natürlich kann ich. Also im Slalom durch die Massen einmal der Länge nach über den Bahnsteig. Kaum drinnen fuhr der Zug auch schon ab. Und Klaus? Hatte er es auch geschafft?

 

 

Sonntag, 23. Januar 2022

Don't call it Gravel

 

 

Er muss es wissen; Mark alias Guitar Ted. FB hatte mir angezeigt, dass er heute Geburtstag hat. Wie passend, wollte ich doch die Gravel-Runde der RG Wedel fahren. 92 km (60 mi). Da wir in Hamburg zum Essen eingeladen waren, bot es sich an, dort zu fahren. Wäre sonst sicher nicht so weit mit dem Auto angereist.

Sehr abwechslungsreiche Strecke- hat mir gut gefallen. Zu zweit donnerten wir über alle möglichen Untergründe. Schotter war auch dabei- allerdings eher weniger. Anspruchsvolle Trails wechselten mit Waldwegen und auch Asphalt.

Es gabe eine Verpflegungsstelle mit leckerem Kuchen, Süßigkeiten, sogar Snickers und Getränken. Und das alles bei einem Startgeld von nur 5 €.

Also, das beste war natürlich die Streckenauswahl .

Und am Ende entwickelte sich sogar noch ein kleines Rennen mit der Speedgruppe. Diese nutze die Rückenwindpassagen auf befestigtem Untergrund- aber genutzt hat's ihnen nichts ;-)



Später aßen wir dann bretonische Crepes  in Hamburgs City. Sehr lecker.






Sonntag, 2. Januar 2022

1001 Miglia von Clausto Copy

 Clausto hat auch einen Bericht geschrieben:

1001 Miglia 2020/21

 
Mit einem Jahr Verzögerung standen wir nun endlich
wieder am Start zu einer neuen 1001 Miglia,
der insgesamt fünften, und meiner dritten Ausgabe.
Tom und ich waren mit dem Auto, meinem Kleinbus
angereist. Wir campten in Nerviano, dem bisherigen
Startort der 1001, auf einem kleinen Zeltplatz der von
Anglern und den Einheimischen als Treffpunkt der
Dorfgemeinschaft diente.
Eine kleine Bar gab es, und ein spartanisches kleines
Waschhaus. Nichts für empfindliche Gemüter......


 







Den vollständigen Bericht findest du hier: klick

Mittwoch, 8. Dezember 2021

1001 Miglia- Quatro volta

 

Prolog:

Das vierte Mal und in mancher Hinsicht ein besonderes Mal.

Die Mille Miglia und insbesondere die Primiere in 2008 hat mein Leben verändert.

PBP 03 und 07 waren Herausforderungen, die es zu schaffen galt, die MM ist mehr als das.

Für die MM 08 habe ich 5 Monate zuvor aufgehört Alkohol zu trinken.

Ich dachte es könne nicht schaden noch ein paar Kilo zu verlieren in Anbetracht des Profils und der Höhenmeter.

Und ich bin bis heute dabei geblieben.

Nach der Tour wollte ich nichts anderes mehr, als in Italien 1000 Meilen fahren.

2010, 2012 waren ebenso große Erlebnisse, wenn auch ein wenig die Herausforderung fehlte, da ich ja wusste, es geht.

2012 war es dann durch Sahara- Winde extrem heiß in der Toscana und das muss man erst einmal überleben.

An den Zweijahres- Rythmus hatte ich mich inzwischen gewöhnt, da kamen die Veranstalter auf die Idee den Rythmus auf 4 Jahre auszudehnen. Schade, dachte ich- fing nun an das Fahren im Gelände zu intensivieren. Trans Iowa V10 und V11 wurden zur großen Herausforderung und auch die Revange der Tuscany Trail. Diese mehrtägigen Gravel- Touren sind doch eigentlich auch Brevets- wird doch hier nach ähnlichen Regeln gefahren. Noch war aber die MM, also das Langstrecken- Fahren auf der Straße klar erklärtes Hauptziel des Jahres.

Nach 4 Jahren "Entzug" freute ich mich besonders auf die MM 2016. Ich trainierte sogar nach einem Trainingsplan und war "in Form" wie selten. Der o.g. Tuscany Trail diente zur Vorbereitung und wurde selbst zum Highlight der Saison, insbesondere weil ich mir 14 Tage vor der MM das Schulterblatt brach.

Das war schwer.

Wir, die Familie, hatten allerdings 3 Wochen in Sestrie Levante gebucht- eine Wohnung mit Balkon zur Strecke der MM hin.

Im Nachhinein betrachtet eine sehr schöne Zeit, vielleicht besser noch als die MM gefahren zu sein. Aber zunächst einmal war es schwer, nicht Rad fahren zu dürfen, die Kollegen am Start zu verabschieden....Ich war extra nach Nerviano gefahren dafür. Und auch das Trikot habe ich mir geholt. 

Als es gar nicht mehr ging, leihte ich mir ein Rennrad und fuhr Pässe auf dem Track. Nur das Bremsen in den Abfahrten tat weh.

Ich fuhr nach Deiva Marina und ich fuhr ein Stück auf dem 2008er Track. Wollte die Holzofen- Pizzeria aufsuchen- fand sie allerdings nicht.

Meine Königsetappe war dann von Bagni de Lucca (Anreise mit dem Zug) auf den Track. Hatte mir Kreide besorgt und schrieb Clausto Copy und Tommeke auf den Asphalt.

Klaus und Tom kamen dann irgendwann in Sestrie Levante an. Sie schliefen erst einmal bei uns, dann folgte das Programm, Baden am Strand, Eis essen und am Ende mehrere Familien- Pizza d' asporto auf dem Balkon unserer Wohnung.

 

In Nerviano am Start hatte ich gelesen, dass ARI eine Serie ins Leben rufen wollen mit weiteren Grand Tours, die dann im Jahresrythmus wechseln.

2017 sollte die 999 (Meilen) folgen im Süden Italiens mit Start und Ziel in Rom.

Diese Aussicht ließ mich die verpatzte MM schnell vergessen.

Zunächst hieß es, die 999 hätte weniger Höhenmeter und wäre somit einfacher.

Nach dem Tuscany Trail dachte ich eigentlich schon die MM wäre für mich Anspruch genug und ich wollte nicht noch mehr.

Es kam dann genau anders- die 999 hatte deutlich mehr Höhenmeter zu bieten und es war sehr heiß im Süden. 

2018 folgte die Alpi4000 mit vielen Pässen und einem flachen Teil in der Poebene.

Waren bei der 999 die Straßenverhältnisse sehr schlecht gewesen, so fand ich diese hier in der Poebene wieder.

So schlecht hatte ich die Straßen bei der MM nicht in Erinnerung.

Kurz gesagt, ich hatte vor dem Start der MM 2020 schon so eine Idee, dass dieser 1000 Meilen Super- Brevet wohl mein Letzter sein könnte.

Ultima volta?

Und natürlich musste es die MM sein, die ich zum vierten und vielleicht letzten Mal fahren wollte.

Auch eine Besonderheit- und unweigerlich stieg der Druck diesen Brevet fahren zu "müssen"/ wollen.

2020, wieder war ich gut vorbereitet, fiel die Veranstaltung aus, bzw. wurde auf 2021 verschoben. Es war zu erwarten gewesen, jedoch hatte ich bis zum Schluss gehofft.

Als Trostpflaster machten wir eine Radtour durch Dänemark.

2021 sah die Lage besser aus. Ziemlich sicher würde sie stattfinden.

Noch eine Besonderheit: der Veranstalter drehte die Strecke um und nannte die MM, The Green Reverse.

Das heißt, zuerst die Berge und dann 400 km flach entlang des Pos, wo ich dann ziemlich sicher alleine unterwegs wäre.

2012 fuhren wir diese flachen ersten 300 km in 10 Stunden in einer großen Gruppe.

 

hier geht es bald weiter.....