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Freitag, 7. März 2025

Mille Miglia 2024- Chinque Volta

Prolog:

Manchmal träume ich von einem Super- Brevet. Ich befinde mich des Nachts an einer Kontrollstelle und komme nicht weiter. Fast, wie in einem surrealistischen Film- ich will fahren, aber irgendwas hält mich davon ab.

Es ist meistens nichts Konkretes- doch heute Nacht war es die Gruppe, mit der ich zusammen weiter fahren wollte.

Passend zu meinem Bericht, den ich heute früh anfangen will??


 

Bevor wir starteten am 16. August '24 lief nicht alles so entspannt, wie es sonst oft war. Zunächst sollte ich keinen Urlaub bekommen, weil Prüfungen verschoben wurden. Zum zweiten Mal in meiner beruflichen Laufbahn musste mit Kündigung drohen. Gut, die erste Hürde war damit überwunden. Der Kompromiss- ich musste bis zum 15. 08 noch arbeiten und musste somit nach Milano fliegen. Klaus und Tom würden mein Rad mitnehmen.

Ungerne gebe ich mein Rad aus der Hand vor einem Brevet und ich versicherte mich mehrfach, ob denn der Schnellspanner beim Transport heil geblieben war.

Der Flug an sich war in Ordnung- hatte allerdings ca. 1h Verspätung. Mein Plan war es, mit dem Zug noch bis Legnano zu fahren- dort hatte ich ein Hotel gebucht.

Jochen und Carsten waren auch mit im Flieger- Jochen hatte ein Leihauto gebucht.

Mein Zug fuhr stündlich- den sollte ich locker erreichen. Leider machte ich nun den Fehler mich überreden zu lassen, ins Leihauto zu steigen. Als sich herausstellte, dass dieses am Flughafen Linate stand, hatte ich noch knapp 10 Minuten bevor der Zug abfuhr. Vor dem Ticket- Automaten lange Schlangen mit Touristen, die nicht wussten, wie und wo und was.....

Als ich endlich ein Ticket in der Hand hatte, rannte ich zum Bahnsteig hinunter und suchte nach dem Entwerter. Was ich nicht wusste, es gab hier inzwischen neue Automaten, die das Ticket digital entwerten. Ein freundlicher Mensch klärte mich auf. Da fuhr auch schon der Zug ein. Zweite Hürde geschafft- mein Puls war allerdings recht hoch- ich setzte mich erst einmal. Da fiel mir ein, ich müsste bald umsteigen- wusste aber nicht wo, denn ich hatte mich bei dem Stress nicht schlau gemacht. Nebenbei versuchte mich der Hotelier mehrfach anzurufen- bis ich auf die Idee kam, wer es sein könnte, hatte ich den Anruf mehrfach weggedrückt.

Drei Inder saßen bei mir und halfen. Auf einer Web-Seite fanden sie die Info, dass ich an der zweiten Haltestelle den Zug wechseln müsste....ok.

Ein Schaffner kam und kassierte die Touristen ab, die ohne Ticket fuhren.

Unfreundlich meinte er zu mir, ich sollte an der nächsten (ersten) Haltestelle wechseln und ich glaubte ihm nicht sondern den freundlichen Indern.

Nach dem ersten Halt kam er wieder zu mir, war noch unfreundlicher und kassierte auch bei mir ein erhöhtes Fahrgeld, weil ich ja nun über Milano Centrale fahren müsste. Ich zahlte, wollte keinen weiteren Stress und stieg an der zweiten Haltestelle aus, um mir dort ein Taxi zu suchen. Von Saronno waren es nur 11 km.

Leider fand ich dort kein Taxi- nur einige betrunkene Menschen, die nicht helfen konnten. Milano- Vorstadt- Bahnhof! Kein besonders gemütlicher Ort. Es gab einige Telefonnummern, doch ohne Erfolg. In der Nähe eine Bar (Irish Pub). Auch hier wurde viel getrunken- ich fragte an der Theke nach einem Taxi. Neben mir stand Ibrahim, der mir gleich anbot mich nach Legnano zum Hotel zu fahren. Sein frisch gezapftes Bier ließ er sich in einen Plastikbecher umfüllen und ging mit mir zu seinem Auto. Was blieb mir anderes übrig- ich musste dort weg und Ibrahim machte einen vertrauenerweckenden Eindruck.

Schicksalsergebend setzte ich mich in seinen kleinen Renault. Wir kommunizierte mittels der Sprachfunktion seines Handys. Das war lustig. Als wir mit 130 über die Autobahn bretterten, übersetzte sein Handy, ich hätte Glück- ein Taxifahrer würde sich an die Geschwindigkeitsbegrenzung halten- so wäre ich viel früher am Hotel.

Auf die Frage, ob ich etwas Spritgeld geben dürfte, antwortete Siri: "Das dürfen Sie gerne" 

Am Hotel wurde ich freundlich empfangen und erfuhr auch den Grund für die vielen Anrufe: das Hotel war überbucht und voll mit Radfahrern aber sie hätten ein anderes Hotel für mich angefragt. Gleich fuhren wir weiter zu einem Motel an der Autobahn. Es glich eher einer Parkpalette aber die Zimmer waren ok. In der Minibar fand ich zwei Mini- Whisky.

Dritte Hürde geschafft.

Nach dem Frühstück am Morgen setzte ich mich  zu zwei Radfahrern, einem Italiener, einem Indonesier. In der Bahn traf ich einen Radfahrer aus Malaysia und bei den Gesprächen, kam langsam Brevet- Stimmung auf. Nur noch wenige Stunden bis zum Start. Bis auf den Schaffner hatte ich nur freundliche Menschen getroffen- darunter kaum Italiener. Das Internationale gefiel mir.

Am Startort traf ich Klaus und Tom- beide wirkten sehr entspannt- hatten allerdings schon Stress mit der Müllabfuhr gehabt. Nachdem wir die Startunterlagen abgeholt hatten, mieden wir die Menschenmengen und entspannten im Schwimmbad nebenan auf Sonnenliegen.

 

Ich hatte alkfreies Bier organisiert und machte noch beim Öffnen den Biniam Girmay beim Giro 2022- nicht das Auge, die Oberlippe nahm Schaden.


 









 

 

 

 





Mittwoch, 5. März 2025

MM 2024 Radicofani-Matassino Reggello

In der Nacht hatte es ordentlich geregnet. Als wir losfuhren, war es aber schon trocken. Es war noch nicht ganz hell. In der langen Abfahrt konnten wir Nebel in den Niederungen sehen- Tom hatte uns gut beraten, oben auf dem Berg zu nächtigen- auch, wenn es etwas frisch war bergab.

So eine gemeinsam verbrachte Nacht schweißt ja irgendwie zusammen und ich kam gar nicht auf die Idee alleine fahren zu wollen.

An der Tankstelle, die dann irgendwann auftaucht, frühstücken wir erstmal ausgiebig. Ah, das tat gut. Der nächste Stop ist dann die gar nicht so geheime Kontrollstelle in der Pizzeria.


Bald kommen wir in die Nähe der Tuffsteinstädte Sorano und Pitigliano. So schön, dass mir immer der Atem weg bleibt!

Sorano, bekannt durch unsere Pausen beim Tuscany Trail und der MM2021 zusammen mit Klaus. Dieses Mal pausieren wir nicht, wollen wir doch bald zum Lago di Bolsena- zur nächsten Kontrollstelle.


 


Hinter Pitigliano geht es lange bergauf und ich merke bald, dass das Tempo nicht zusammen passt. Ich fahre vor- würde in Bolsena warten. Da es aber auch noch bergab geht und dann lange geradeaus, kommen wir doch gemeinsam an.

In der Sporthalle will ich nicht bleiben- hier ist es ungemütlich und ich fahre gleich weiter bis zu einer Bar in der Stadt. Ein schöner belebter Platz. Ich bestelle Spremuta d' arancia - das Rad stelle ich gegenüber an den Straßenrand, damit die anderen mich finden könnten. Ein langer Stau bildet sich und ich kann mein Rad nicht immer sehen.....Dann kommt die Gruppe und möchte auch Spremuta und so wird es eine längere Pause. Das ist ok, denn nun folgt ein langer Anstieg und eine schöne lange Abfahrt nach Orvieto. Kleine Pause an einer Tankstelle und weiter in den nächsten Anstieg auf den Monte Peglia. Der lange Anstieg hat die Gruppe geprengt- Nur mit Klaus zusammen fahre ich über den Pass, der ungewöhnlich belebt ist- hier hatte ein Festival stattgefunden. Wo war die Hitze von 2021- doch in der Ebene, die lange Gerade bis zum Lago Trasimeno, da war sie wieder. Hier gab es nun nur noch wenige Einkehr- oder Erfrischungsmöglichkeiten.

Eine Bar, etwas abseits des Tracks- dort hatten sich viele Randonneure in den Schatten geflüchtet. In einer Bar in Pasignano sul Trasimeno sollte die zweite Geheimkontrolle sein, so viel war bekannt. Hier war die Gruppe wieder zusammen, doch beim Weiterfahren gab es Unstimmigkeiten und da wurde es mir zu viel und ich versuchte einen Angriff nach vorne raus. Das gelang auch ganz gut, so lange wir bergan fuhren. Später dann im Flachen überholte mich die Gruppe zügig- ich hatte sie offensichtlich wach gerüttelt. Doch ich war fest entschlossen, jetzt nicht mehr Gruppe fahren zu wollen und überholte an der nächsten Kontrollstelle, wo ich nur stempelte und gleich weiter fuhr. Den Vorsprung halten, bis Castiglion Fiorentino war nicht schwer und dann ging es in den nächsten Anstieg, den mir gut bekannten Hausberg von Arezzo. Dort wollte ich dann pausieren. Hinter Arezzo, die Tankstelle von 2021 hatte zu. Ich sah einen anderen Randonneur suchend nach einer Verpflegungsstation (I 'm verry (h)ungrry!!) Es war Agis aus Malaysia und wir fanden wenig später in Quarata ein Restaurant- es war noch früh am Abend und wir die einzigen Gäste. Ich versuchte den Wirt und die Speisekarte für Agis zu übersetzen- am Ende wusste ich nicht recht was wir bestellt hatten. Es sollte etwas vegetarisches sein. Die Nudeln mit Butter und Salbei waren sehr schmackhaft und es hatte sich gelohnt hier etwas mehr Zeit zu investieren. Ich freute mich endlich der Gruppe entflohen zu sein- denn nur so lernt man neue Leute, Randonneure, anderer Länder kennen. Und Menschen aus Malaysia war ich noch nie begegnet. Bald sollten es noch mehr werden, denn Agis sah, zwei Freunde entlang fahren und winkte sie heran. Nun musste ich wieder übersetzen- der Wirt schaute immer fragend zu mir. Da nun die Beiden erst bestellten, nachdem wir schon gegessen hatten, wurde es eine längere Pause. Die Drei lachten sehr viel und das war sehr ansteckend.

Ich dachte nun müssten meine Bekannten auch bald kommen und da waren sie auch schon. Wieder musste ich übersetzen-doch das wurde dann Tom und Jörn zu lang und sie fuhren weiter. Klaus, Agis und ich folgten bald.

Kurz hinter Quarata überquerten wir wieder einmal den Arno über die mittelalterliche Bogenbrücke , Ponte Buriano. 

Klaus war in seinem Element- ein welliges Terrain, wie er es von der Ostseeküste her kennt und in seinem bekannten Stil, bergan stehend zu fahren, machte er ordentlich Tempo. Ich war gestärkt durch die Pasta spürte aber langsam wieder die Müdigkeit. Agis war so müde, dass er automatisch, fast wie an einem Gummiband hinter uns herfuhr. Wäre er alleine gewesen, hätte er wahrscheinlich  angehalten und wäre am Straßenrand eingeschlafen. Klaus fuhr irgendwann vorne raus und irgendwie schafften wir am Ende diese gut 40 km bis Regello.

Die Kontrollstelle war bekannt aus 2021- nur hieß sie hier anders!?  Figline Valdarno. Der Blick auf die Karte verrät- es ist die Stadt auf der anderen Arnoseite.

2021 bin ich von hier aus  gleich weiter in den langen Anstieg und weiter bis Scaperia gefahren. Heute machte es hier keinen Sinn weiter zu fahren- zum einen , weil es schon deutlich später war und die Strecke insofern dieses Mal anders war, dass der nächste Kontrollpunkt in Dicomano keine Schlafmöglichkeiten bot.

Möglichst schnell in die Waagerechte kommen- so machen ich es immer. Also, nicht lange aufhalten, duschen, Platz für die Matratze suchen und hinlegen.

Die Duschen, die wir hier bezahlen sollten, waren schon sehr gebraucht und der Schlafsaal wohl auch- so entschloss ich mich, nach einem Becher Wein, mir draußen  ein ruhiges Plätzchen, etwas abseits des Trubels zu suchen.

Wie immer, schlief ich sofort ein und wachte ausgeschlafen am nächsten Morgen auf. Endspurt!? Nun, anders als 2021 und mit dieser Erfahrung, hatte ich geplant, in Pieve di Coriano am PO zu übernachten. Ich wusste, dass diese Kontrollstelle alles bot, was ein Randonneur nach 4 Tagen auf dem Rad braucht.

Geduld war also weiterhin gefragt, denn von den 5 Tagen waren ja erst 3 verstrichen.

Als ich beim Frühstück saß, jetzt mit Kaffee, kamen Carsten und Jochen zur Kontrollstelle. Während Jochen den Brevet wegen Sitzproblemen abbrechen musste, wollte Carsten gleich weiter. das passte zu meinen Plänen und so beschlossen wir, nachdem sich Carsten etwas gestärkt hatte, erst einmal zusammen zu bleiben.

 Auf 18 Kilometern sind nun etwa 900 Höhenmeter zu überwinden.

 

Mittwoch, 28. August 2024

5D 01h 43 M

 Meine Finisherzeit bei dieser 5. Teilnahme:


Viel erlebt haben wir wieder einmal mehr!

Noch schwieren Bilder, Geschichten durch den Kopf und ich bin noch weit entfernt davon, einen Bericht zu schreiben.....

Es wird wohl meine letzte Mille Miglia gewesen sein; das sagte ich auch zu Fermo, der mich daraufhin gleich einlud, 2028 als Crew- Mitglied dabei zu sein.

Da hab ich mich gefreut.....

Die 999 im nächsten Jahr- die wollte ich ja nicht noch einmal fahren.

Da kommt A.R.I. mit dieser Nachricht:



Die 999 als neue Veranstaltung in der Toscana, inclusive Monte Amiata!!!!



Mittwoch, 10. Juli 2024

SiciliaNoStop

 

No Stop!?

Gemeint ist natürlich die Zeit, die Uhr, die niemals anhält. Der Fahrer stoppt, so oft, wie es für ihn sinnvoll erscheint. Brevet- Modus nennen wir das auch. Ein schöner Name für eine Tour mit dem Rad rund um Sizilien gegen den Uhrzeigersinn und auch gegen die Uhr. Es gibt Zeitlimits, die eingehalten werden müssen, wenn man als Finisher gewertet werden will und man sollte die Zeit schon im Auge behalten- ich habe zum Beispiel auf meinem Garmin den Brutto - (Gesamt-) Schnitt auf der ersten Seite.

Foto-Stopps versuche ich möglichst gering zu halten aber manchmal muss auch das sein, zum Beispiel, wenn ich eine alte Ziegelei sehe.....

 

(Erinnerung an 2011)

Die Strecke ist flach, bis auf den Anstieg zum Ätna- zumindest sagen das die Veranstalter und auch das Profil, wenn man es im Gesamten ansieht:


"Flach" ist eben relativ......

Und nun zu meinem Erlebnis "SiciliaNo Stop":

Ich hatte, wie immer, meine Teilnahme im Bekanntenkreis angekündigt; Stephan und Jochen wollten auch starten- Klaus dieses Mal nicht.

Schnell stand auch fest, wir wollten unseren Italien- Urlaub auf Sizilien verbringen. Angela fand dann auch ein Rennen für uns- Giro della Sicilia- in 5 Etappen und der Start wäre 3 Tage nach dem Brevet und der Startort ist in Brolo. Schnell stand dann auch fest, unsere Ferienwohnung in Capo d'Orlando zu suchen- strategisch günstig, denn dieser Ort liegt auf dem Track des Brevets bei km 340. Um die erste Übernachtung musste ich mir also keine Gedanken mehr machen.

Start in Siracusa an der Ostküste morgens um 6 Uhr. Stephan hatte eine FEWO organisiert, nahe dem Startort. Der Bahnhof war auch nur 5 Minuten entfernt.

Wir trafen uns noch mit Jochen und Moni in einer Pizzeria und wir kamen nicht so pünktlich ins Bett, wie geplant. 

Stephans Frühstück


Start in der Kaserne in Siracusa- schnell weg hier!


Der scharfe Start erfolgte erst, nachdem wir uns am Piazza Duoma in das Kontrollsystem  eingeloggt hatten. Dazu mussten wir unseren Standort und den QR- Code an whatsapp schicken.


Und so sah das dann auf dem Handy meiner sportlichen Leitung aus:


Bevor es richtig los gehen sollte, fuhren wir also noch eine Runde über die Altstadt- Insel Ortigia. Ein schöner Start im krassen Gegensatz zu den Industrieanlagen und Raffinerien etc., die zum Landschaftsbild zwischen Siracus und Catania gehören. Zügig kamen wir auf diesem ersten Abschnitt voran. Es war auch überwiegend flach. Catania war schnell durchfahren, es folgten einige kleine Anstiege bis zum New Bellavista in Acireale, dem ersten Punto di Controllo. Am Start hatte wir ein kleines Heftchen bekommen mit Verzehrgutscheinen- hier sollte es Cornetto e Caffe'  geben- zusätzlich an jeder Kontrollstelle gab es Wasser von einem Sponsor.

Ich nahm das Cornetto con Pistacchio auf Stephans Empfehlung und das war richtig lecker. Außerdem aßen wir unsere Arancini con Spinaci, die wir am Vorabend noch besorgt hatten. 

Diese traditionelle Reisgericht ist die perfekte Ernährung für den Randonneur! 


Nun folgte der ersehnte Anstieg zum Refugio Sapienza- 39 km und 1900 Höhenmeter bergauf. 

Es ist der wohl bekannteste Anstieg, die Südanfahrt von Nicolosi, die auch bei quäldich.de beschrieben wird. Ich muss sagen, dass ich den Pass, aufgrund der Beschreibung dort und von dem was Salvatore Giordano (Toto) schrieb, deutlich unterschätzt habe. Aber es war ein schöner Anstieg mit einer einzigartigen Landschaft. Unterwegs treffe ich Renato und wir stellen fest, dass wir zusammen die Grand Tours der italienischen Brevet- Serie (Mille Miglia, 999, Alpi4000 und Trans Alp Rando)  gefahren sind- uns aber bisher nicht kennengelernt haben.

13:13- also ca. nach 3 h komme ich endlich am Refugio an. Es ist inzwischen sehr heiß geworden und ich suche einen Schattenplatz. Der Platz gleicht einem Rummelplatz ähnlich , wie man es oben am Stelvio Pass kennt.

Stephan kommt etwas später- ihm hat die Hitze wohl ordentlich zugesetzt. Wir trinken gemeinsam eine sizilianische Cola, bevor ich mich als Erster in die Abfahrt stürzen will. Doch diese ist leider aufgrund der sehr schlechten Beschaffenheit eine Enttäuschung. Dennoch genieße ich natürlich das Hinunterfahren obwohl ich oft bremsen muss. Ich überhole noch einige Autos und einen Bus, das macht auch Spass.


In Giarre unten angekommen, führt die Strecke wieder auf der Küstenstraße Richtung Messina. Das Profil ist nun wellig- alte Lavaströme müssen überquert werden.

Wir haben nun ordentlich Rückenwind. Vorbei an dem wohl bekanntesten Küstenort Taormina führt die Strecke immer gen Norden entlang der Küste. Ich bin alleine unterwegs, stoppe nur einmal, um etwas zu essen in einer Pasticcheria am Straßenrand, bis ich, schon kurz vor Messina, auf eine kleine Gruppe stoße.

Gemeinsam crossen wir durch den Feierabendverkehr. Wo sich eine Lücke auftut, da fahren wir durch, in den Gegenverkehr, dann wieder rüber auf rechts und manchmal passt der Lenker gerade mal zwischen zwei Außenspiegel.

Niemand regt sich auf oder hupt- normal ist das hier. Ich folge der Linie eines Sizilianers. Er beherrscht das Stadt- Crossen besonders gut- und ich kann folgen. Manchmal jedoch geht hinter ihm die Lücke zu und ich muss mir eine andere suchen. 

Vom Refugio bis zur Pasticcheria Messina sind es 105 Kilometer, die vergehen quasi wie im Flug.  

Es ist nun schon früher Abend- ich will eigentlich nicht lange stehen- auch keine Pasta. Ich esse ein großes Eis und als ich schon weiter will, kommt Stephan an.

Es sind jetzt noch gut 100 Kilometer bis zur FEWO; Stephan will auch dort übernachten und so fahren wir nach Stephans Portion Pasta- ich esse ein zweites Eis- gemeinsam weiter.

Nach weiteren 10 Kilometern Rückenwind ist die Spitze der Ostküste, bzw. der Straße von Messina erreicht; von nun an folgen wir der nördlichen Küstenstraße ca. 350 km gen Westen bis Trapani. Die Windvorhersage hatte kräftigen Westwind für den morgigen Tag angekündigt- doch zunächst kam dieser noch kräftig aus Süden, das heißt er stürmte die Täler hinunter zum Meer. Da wir diese Täler queren mussten, hieß es zunächst gegen den Wind talaufwärts, wobei wir fast zum Stehen kamen- auf der Brücke mussten wir den Lenker gut festhalten, um nicht von dieser herunter gefegt zu werden. Talabwärts dann Sturm im Rücken, vorbei wir schnell auf über 40 km/h kamen.


Und so ging es von Tal zu Tal. Manches Mal hatte ich ein mulmigen Gefühl- vor allem, wenn große abgebrochene Äste auf der Straße lagen. Später öffnete sich die Landschaft und der Sturm legte sich.

Wir halten nach ca. 50 Kilometern kurz hinter Barcellona an einem Grill- Restaurant. Dafür wollen wir in Patti Marina, dem 4. Kotrollpunkt, nicht lange stehen und bis Capo d'Orlando durchfahren. In Patti gibt es Schlafmöglichkeiten und den 1. Bagdrop und vorher muss noch ein ordentlicher Anstieg bewältigt werden.

Ca. 00:30 sind wir an der Ferienwohnung- Ankunft um Mitternacht, wie angekündigt, war nicht zu schaffen- zu viele Anstiege hatte diese flache Küstenstraße. 

In der Ferienwohnung fanden wir den Tisch, wie durch ein Wunder, gedeckt.


340 Kilometer, also ein Drittel der Strecke war geschafft. Duschen, essen und nach Bett und möglichst viel schlafen.

Kurz vor Sonnenaufgang saßen wir wieder auf dem Rad, als eben eine kleine Gruppe vorbei fährt. Wir hängen uns da erst einmal rein.

Nur 45 Kilometer später, in St. Stefano in der Bar da Franco, bekommen wir dann unser zweites Frühstück - Cornetto e Caffe' . Ein schöner Platz hier- wir nehmen uns die Zeit diese Pause zu genießen. St. Stefano ist eine Töpferstadt.

Bis hierher hatten wir nicht das gleiche Tempo- ich fuhr alleine - Stephan fand eine Gruppe und kam nur wenige Minuten später an.

So war es auch auf den nächsten 70 Kilometern- in Termini Imerese wollten wir uns wieder treffen. Doch zunächst ging es von der Küstenstraße auf der Serpentina Paolo Balsamo steil bergan. 

(80 Hm auf 1 km) Und das in der Mittagshitze. Da kam das schattige Cafe auf dem Piazza Duomo gerade recht. Auch hier kam Stephan nur wenige Minuten später, so dass wir gemeinsam Kaffee und kühlende Getränke bestellten.


Noch 48 Kilometer bis Palermo. Ich bin gespannt. Kurz vor der großen Stadt fahren wir auf eine kleine Gruppe auf. Wir fahren zunächst immer direkt an der Küste entlang- links und rechts kleinere Häüser, wahrscheinlich Fischerhäuser- es riecht nach Fisch, Müll, Abgasen.....Wenn ich zunächst wieder auf einen Stadt- Cross ala Messina gehofft hatte, wurde ich enttäuscht. Großstadtdschungel. Die Gruppe verlieren wir dann schnell wieder und als die Straße ansteigt auf immerhin 75 m bin ich wieder alleine, jedoch der nächste Kontrollpunkt ist nicht mehr weit- fast schon außerhalb Palermos an einer Ausfallstraße. 

Route 11 ist ein Cafe/ Restaurant an einer Tankstelle. Draußen heiß- drinnen voll, wir lassen uns Zeit, regenerieren etwas bei einem Nudelgericht aus der Aluschale und hinterher ein Eis.

Es ist ca. 14 Uhr und wir haben die Hälfte des Brevets geschafft. Angela ist von Capo nach St. Stefano gefahren und macht in der Bar da Franco Mittagspause- sie schickt mir ein Foto von ihrem Nudelgericht und es ist leicht rechteckig angerichtet und gleicht doch sehr unserem- nur auf einem Teller. 

Den ganzen Tag hatten wir kräftigen Gegenwind- Angela freut sich auf die Rückfahrt- wir jedoch haben noch ca. 100 km bis Trapani an der Westküste.

Diesen Punkt, wo der Wind hoffentlich etwas günstiger für uns sein würde, sehnte ich nun langsam herbei. Und das Profil bis dorthin glich einem Klassiker- Profil, ein ständiges Auf und Ab zunächst an der Küste entlang (mit schönen Ausblicken- das Blau des Meeres ändert ständig seine Farbe...) und dann verlassen wir die Küste, schneiden etwas ab, weil es im Norden keine durchgängige Straße gibt. Das bedeutet 3x auf über 200 m bis Buseto Palizolo und noch einmal auf 270 m bevor wir nach Trapani also an die Küste kommen. 

Die Bar Macao liegt an der Straße mitten im Nichts und hat leckere Erdbeer- Törtchen, wie auf den Google- Fotos zu sehen. Ich esse mehrere davon.

In Trapani macht der Track eine kleine Stadtrundfahrt. Es riecht stark nach Ruß, bzw. Abgasen und als wir dem Hafen näher kommen, sehen wir auch warum: Mehrere Traumschiffe liegen hier- offensichtlich mit laufenden Motoren. Ein Traum!

250  Kilometer Gegenwind- unser Tagewerk. Nun im Dunkeln fährt es sich  deutlich leichter- die Straßen flach und gerade- der ständige Druck auf die Pedale ist jetzt weg und wir merken, was wir geleistet haben. In Marsala halten wir spontan an einer Pizzeria mit Holzofen. Wir setzen uns auf eine Bank davor, warten während der Pizzabäcker seine Arbeit tut und unterhalten uns mit dem Chef. Ich möchte einen Wein dazu trinken- doch den gibt es leider nicht.

In Mazzara, 22 km weiter, hat Stephan mich plötzlich verloren. Der Grund- ich hatte spontan vor einer Vinaria angehalten und trank nun Wein aus einem Plastikbecher, den mir der Weinhändler aus einer Plastikflasche eingeschenkt hatte. Sein Kumpel versuchte mir einen alten NSU auf seinem Handy zu zeigen- beide hatten offensichtlich schon länger dort gestanden und den Wein probiert. Große Holzfässer waren in seinem Laden zu sehen. Natürlich musste ich auch einen zweiten Becher probieren von dem Wein, den ich sehr lecker fand.

Noch 39 km bis Selinunte, wo wir schlafen wollten. Leider fuhren wir wieder von der Küste weg und es wurde wellig. Müde und etwas kraftlos sehnten wir unserem Schlafplatz nun entgegen.

Den QR- Code zum einloggen müssen wir suchen !? ein Scherz des Veranstalters, wie uns ein Mitfahrer sagt, den ich jetzt gerade gar nicht lustig finde. Der Eingang, die Lobby des Hotels, überall liegen Randonneure und das finden Touristen, die hier um 1 Uhr nachts aus dem Bus geworfen werden und mit ihren großen Koffern  ankommen, auch nicht lustig. Ich schon. Wir finden den QR- Code auf dem Dach des Hotels. Dazu fahren wir mit dem Aufzug in den 4 Stock und klettern eine kleine Treppe hoch.

Anschließend können wir uns endlich für die Nacht fertig machen. Es gibt keinen organisierten Schlafplatz für uns hier- ich finde direkt neben dem Eingang eine große, bequeme Coach, auf der Stephan und ich beide, der Länge nach, drauf passen. Viel Zeit bleibt nicht bis Sonnenaufgang- ich schlafe  wahrscheinlich sofort ein.

Kurz vor Sonnenaufgang werde ich wach. Habe gut geschlafen. Überall liegen jetzt hier in der Lobby Randonneure oder sind im Kommen oder Gehen. Nur ein paar Schritte bis zur Bar. Erstmal einen Dopio für Stephan und mich.

Packen, Zähne putzen und aufs Rad- noch vor Sonnenaufgang. Letzte Tagesetappe heute, ca. 280 km Richtung Süd-Westen, also hoffentlich mit dem Wind, denn der sollte sich erst gegen Ende des Tages auf Süd drehen. Lustvoll starte ich in den Tag.

Die Strecke bis Sciacca ist dann auch richtig schön- wellig führt diese auf kleinen Nebenwegen durch ländliches Gebiet. Fruchtbar scheint es hier zu sein- sehr grün hier zu dieser Jahreszeit. Freilaufende Hunde gibt es einige und einer begleitet uns einen ganzen Anstieg lang....Ich behalte ihn gut im Auge- er bleibt friedlich, bellt nicht einmal.

In Sciacca (km35) halten wir an der ersten Bar. Hier frühstücken wir ausgiebig- Cornetti, Caffe, Cornetti- Caffe....

Die Bar liegt auf Meereshöhe und, um auf die SS115 zu gelangen, müssen wir durch den Ort auf engen Straßen 50 Hm steil bergauf. Einbahnstraße und Baustelle können mich dabei nicht aufhalten. Wieder ein netter Stadt- Cross, bevor wir nun die SS115 bis hinter Gela, also für 160 km nicht mehr verlassen. 

Diesen Streckenabschnitt hatte ich mir anders, schöner vorgestellt.

Und das sieht dann so aus:

 


Breite Straße, viel Landschaft links und rechts, Plantagen und kaum Ausblicke aufs Meer. 

Der Brevet bekommt jetzt einen ganz anderen Charakter. Passend dazu ein

Tankstellenstopp irgendwo entlang der Strecke.....

Bis zur Agora Bar bei Agrigento sind es knapp 100 Tageskilometer.

Hier lösen wir nicht unseren Gutschein ein, sondern suchen ein Restaurant. 

 

Es ist noch nicht ganz Mezzogiorno und das Restaurant hat gerade geöffnet. Wir bestellen eine Pizza "per tre", eine Familienpizza und , weil die Zubereitung dauert, bestelle ich vorab einen riesigen Burger als Vorspeise.

 

Die Familienpizza ist dann tatsächlich so groß, dass wir einen Teil davon einpacken für später.

Als wir aufbrechen ist es inzwischen sehr heiß geworden und Stephan will etwas an Tempo rausnehmen. Nun ist es für mich so, dass ich mich nicht trennen will, wenn wir 2/3 eines Brevets zusammen gefahren sind. Wir verabreden also, dass jeder sein Tempo fährt und einen Treffpunkt für die Pausen. Der nächste Stopp soll bei Gela sein und ich finde eine Tankstelle an der Strecke- Wieder eine Tankstelle bei diesem Brevet- wie schön!

Und so machen wir das dann bis Portopalo der letzten Kontrollstelle vor dem Ziel: mal fährt Stephan vor, mal ich und immer verabreden wir den nächsten Treffpunkt.

Und die Abstände bis zu den Pausen werden kürzer....

In Scoglitti: Caffe und Gelato. Stephan fährt schon einmal vor und ich suche noch vergeblich einen Geldautomaten- macht nichts, der Chef winkt ab und die Rechnung bekomme ich geschenkt. Eine halbe Stunde hat Stephan nun Vorsprung und ich den Ehrgeiz ihn bis zum Ortsschild einzuholen. Die Körperspannung ist wieder da. Ein Wasser muss noch durchwatet werden direkt am Strand- dann geht es im Renntempo durch eine interessante Dünenlandschaft. Auch einige freilaufende Hunde können mich nicht aufhalten.

In Marina di Ragusa kommen wir gleichzeitig an- hier machen wir direkt am Hafen eine längere Pause. Es ist schön hier und wir genießen auf einer Bank die aufkommende Abendstimmung. Wir essen die restliche Pizza aus Agrigento und ich hole mir dazu ein Glas Wein aus der Bar gegenüber.

Hinter Pozzallo führt die Strecke zunächst ca. 20 km direkt an der Küste. Wir fliegen mit kräftigem Rückenwind dahin. Obacht müssen wir geben auf die Sandverwehungen.  

Portopalo di Capo Passero, dem südlichsten Punkt der Insel, erreichen wir gegen 22:30. Knapp 60 km sind es noch bis ins Ziel- wir würden also noch rechtzeitig dort ankommen, bevor die Augen zufallen und nehmen uns Zeit für eine weitere ausgiebige Pause. Die Bar und Pasticcheria hat wieder einmal herrliche Törtchen im Angebot und ich esse mich durch das komplette Angebot, weil ich mich nicht entscheiden kann. Dazu noch einen roten Wein- es ist, als ob die Finisher- Party schon begonnen hat.

Weiter Richtung Norden haben wir wieder einen günstigen Wind. Auf halber Strecke wollen dann doch meine Augen zufallen und in Lido di Noto lege ich mich kurz auf eine Bank- kann aber nicht einschlafen. Stephan möchte runter zum Strand- kommt aber sehr schnell zurück- um diese Zeit gehört der Strand den wilden Hunden. 

Bis Syracus ins Ziel zieht es sich jetzt am Ende.

Gegen 2 Uhr erreichen wir die Kaserne- der Empfang ist leider etwas bescheiden.

Da hätte ich Stephan für seinen ersten Super- Brevet etwas mehr gegönnt.

Für die Duschen sollen wir 6 Euro bezahlen- so muss es auch ohne gehen.

Es gibt Waschbecken und gemütliche Sofas- morgens geht mein Zug zurück nach Capo. Stephan kann etwas länger schlafen und holt Ana später vom Flughafen ab.

Jochen ist natürlich längst im Ziel und ist mit 51h 4. Finisher.

Wir haben in knapp 68 h viel erlebt und im Nachhinein betrachtet, sind es die Stopps, die diesen Brevet geprägt haben.

No-Stopp gilt eben nur für die Uhr. Die Maximalzeit lag im Übrigen bei 75 h und  wir im Mittelfeld.

Nach nur drei Tagen Regeneration sind Angela und ich dann bei Girodellsicilia gestartet- aber das ist eine ganz andere Geschichte.


 


 










Donnerstag, 21. Juli 2022

Trans Alp Rando - Prolog

Radwege

Blödes Thema: über dieses Thema wollte ich in diesem Blog nie schreiben. Aber ich komme nicht darum herum, wenn ich einen Bericht über TransALP Rando schreiben will- quasi als Prolog. 

Kurz gesagt, ich fahre keine Radwege- basta! Oder anders, ich fahre nur Radwege, wenn das Fahren dort weniger gefährlich ist, als auf der Straße- also, zum Beispiel entlang einer Bundesstraße und es gibt keine sinnvolle Alternative. Oder der Radweg ist bekanntermaßen wirklich gut. (Im Moment fällt mir keiner ein)

Mein bislang einziger ernsthafter Sturz passierte auf einem Radweg- eine Wurzelaufwerfung war die Ursache! 

Das war 2 Wochen vor der Mille Miglia 2016 und es war heilsam.

Rennrad- Fahrer fahren sicherer auf der Straße- am besten, wenn dort ein Schutzstreifen vorhanden ist- ein Schutzstreifen ist ideal. Hier kann Radfahrer sich als gleichberechtigter Verkehrsteilnehmer fühlen.

Es ist ja nicht einzusehen, warum ein Radfahrer auf schlechterem Untergrund fahren , ständig wegen 90% Kurven, Poller oder Umlaufgitter bremsen, Umwege und jeden Höhenmeter mitnehmen muss; und warum man beim Kreisverkehr Vorfahrt gewähren muss. Auch ein Radfahrer möchte doch meistens möglichst schnell von A nach B kommen und dabei die Energie nur für den Vortrieb einsetzen. Zumindest ist es so, wenn ich eine Langstrecke von z.B. 1200 km bewältigen möchte.

Gleichberechtigter Verkehrsteilnehmer ist man hierzulande eher selten, das hab ich in meinem geliebten Italien bisher immer anders erlebt- ja sogar eher im umgekehrten Sinn, dass der schwächste Verkehrsteilnehmr Vorrang hat. In Arezzo habe ich es erlebt, dass ich als Fussgänger entlang einer belebten Ausfahrtstraße stand und ein Autofahrer anhielt und mich hinüber ließ. Hierzulande hält ein Radfahrer eher selten an einem Zebrastreifen- dass ist in Italien absolute Pflicht!

Selbst in den Niederlanden ist es oft nicht besser; auch wenn dort das Rad einen anderen Stellenwert hat. Wer mal in den Niederlanden einen Brevet gefahren ist, also mit einer Gruppe von, sagen wir, 20-40 Teilnehmern auf Radwegen, und versucht hat die Gruppe zu halten und gleichzeitig jedem Poller auszuweichen- das ist kein entspanntes Fahren. 

Auch in Dänemark ist es nicht besser- liegt hier auf den Radwegen oft noch Reifen killender Split bis in den Sommer. Und in beiden Ländern "muss" man die Radwege nutzen!

Leider hat man wohl auch in Italien jetzt zunehmend Radwege und A.R.I. scheint deren Bau und Benutzung zu unterstützen. Zum ersten Mal ist mir das bei Alpi4000 (2018) aufgefallen. Im Aosta- Tal führte der Track auf einem typischen Radweg, schlimmer noch als in Deutschland, mit zahlreichen Wurzelaufbrüchen, 90 % - Kurven, Umwegen etc.- aber es gab auch den perfekten Radweg im Trentino, zum Beispiel nördlich des Gardasees oder entlang der Adige im Vinschgau. 

Beispiele dafür, dass es auch alles ganz anders sein kann.

Benutzungspflicht !? Hierzulande ist diese zumindest dann aufgehoben, wenn der Radweg Schäden aufweist oder anderweitig nicht fahrbar ist.

Meist wird es zum Glück (noch) toleriert, wenn man alternativ auf der Straße fährt.


Trans Alp Rando sollte eine entspannte Tour werden; keine große Herausforderung, kein Rennen um die Platzierungen der besten Norddeutschen....einfach genießen wollten Klaus und ich diesen Super- Brevet mit Start und Ziel in Verona. In die Dolomiten, Italien, Österreich und Slowenien mit dem Wendepunkt in Lublijana- die Strecke erschien vielversprechend und die zu fahrenden Höhenmeter waren mit 12000 angegeben.

 

Keine 4 Wochen später sollte in Bormio die Alpi4000 zum zweiten Mal starten- ich musste mich nicht lange entscheiden, denn ich suchte in diesem Jahr keinen extremen Test, suchte eher eine softere Veranstaltung.

Und der Kontakt mit der Organisation war von Anfang an sehr nett:

Our route is easier in terms of climbs and total elevation gain than Alpi 4000, so if you are looking for an extreme test, sign up for Alpi 4000; if you prefer a softer route, you have found in TransAlp Rando what you need.
Transalp Rando 2022 will be a zero edition and will not be valid as an Audax patent or for the Paris Brest Paris. The first official edition, included in the world calendar, will be in 2023, also in the first days of June. Then the event will be repeated every 4 years.
Each participant will be equipped with an electronic tracker and can therefore be followed from home. Of course there will be check/refreshment points and 3 places to sleep. 
The event jersey will be included.
Certainly the cost of registration will be much lower than Alpi 4000, but we are still making our decisions, at the moment I cannot tell you more.

Ciao
Simonetta Bettio

 

 



Mittwoch, 20. Juli 2022

Trans Alp Rando - Vor dem Start

 

Diesen Super- Brevet wollten Klaus und ich also von Anfang bis Ende genießen- alles sollte möglichst ohne Stress ablaufen. Dazu bot sich natürlich eine Anfahrt nach Verona mit dem Zug an. Vor und nach der Tour plante ich einen freien Tag ein- doch ganz ohne Abenteuer verlief es dieses Mal dennoch nicht: das fing schon bei der Hinfahrt an- denn eine 3 stündige Zugverspätung in München führte dazu, dass wir dort übernachten mussten und erst gegen 13 Uhr , also 7,5 Stunden vor dem Start in Verona ankamen. Aber wir ließen uns dadurch nicht stressen, nahmen es gelassen, wie es kam und genossen auch den Abend und das Hotel mit bayrischer Küche direkt am Bahnhof. Die Bahnmitarbeiter waren sehr bemüht und freundlich. Wir hatten Glück, dass der Zug am nächsten Morgen noch freie Fahrradstellplätze hatte.

Und den freien Tag im Anschluss an den Brevet gab es schlichtweg deshalb nicht, weil ich mich bei der Buchung um einen Tag verrechnet hatte. Wir würden also nicht am Samstag sondern voraussichtlich erst am Sonntag im Laufe des Tages ins Ziel kommen und dann Pfingstmontag früh zurückfahren.

Wir würden zwischen 80 und 90 h benötigen; so mein Plan, den ich mit Michaels  Tabelle erstellt gemacht hatte. 

Und die waren unerwarteter Weise nicht frei von Abenteuern- glücklicherweise!! Denn, obwohl dieser Brevet anscheinend weniger anspruchsvoll werden sollte, hielt er einige Höhen und Tiefen für uns bereit.

In Verona angekommen fuhren wir direkt zur Villa Guerrina, wo Registrierung etc. stattfinden sollte. Dabei fuhren wir direkt schon einmal über den Piazza Bra- dort sollte am Abend der Start erfolgen, wo am Sonntag der Giro d'Italia mit dem Zeitfahren endete. Ein Banner kündigte dieses Ereignis schon einmal an- vom Giro war nichts mehr zu sehen.

Es war deutlich wärmer als in der Heimat- wir waren froh, dass wir mit den großen Rucksäcken nicht weiter als diese 5 km fahren mussten.

An der Anmeldung waren alle sehr entspannt. Wir waren früh dran und nur wenige andere Fahrer dort. Das Veranstaltungstrikot konnte anprobiert werden. Es gab 3 große (40x60 cm) Seesäcke (bagdrops) für die Kontrollstellen Villabassa (km 293 und 905) , Tarvisio (km 484 und 717) und Feltre ( km 1060). Die ersten beiden Orte wurden jeweils zweimal angefahren und an allen drei Orten gab es die Möglichkeit zu schlafen. Wir könnten also mit relativ wenig Gepäck am Rad starten. Zusätzlich hatte ich in Tolmezzo noch ein Hotelzimmer reserviert für den Fall, dass mein Plan aufgehen würde

 

Nachdem wir alle Sachen in zwei Seesäcke für die Bagdrops (den für Feltre ließen wir leer, denn dieser würde nicht rechtzeitig wieder zurück sein und war auch unnötig) , in die Tasche am Rad und den Rest in den Rucksack, verbleibend in Verona, verstaut hatten, hatten wir noch reichlich Zeit. Zunächst versuchten wir ein wenig in der Halle zu schlafen- denn hier war es kühl und ruhig. Dann wollte wir noch Pizza essen und fanden lediglich einen arabischen Imbiß- der Kebab war  aber lecker. Schließlich rollten wir schon einmal  in die Stadt zum Startort, direkt an der berühmten Arena. Da wir immer noch viel Zeit bis zum Start hatten, setzten wir uns noch einmal zum essen und trinken. Trinken würde sehr wichtig werden, denn es war inzwischen richtig heiß.






 

Bald füllte sich ein Teil des Platzes mit Radfahrern. Die meisten trugen das Veranstaltungstrikot. Als es dann endlich soweit war, setzten sich langsam ca. 80 Randonneure in Bewegung, vorbei an dem Restaurant, wo wir eben noch gesessen hatten- wir winkten dem Kellner zu. Er erkannte uns und winkte zurück.



Montag, 18. Juli 2022

Trans Alp Rando- Der zweite Tag

 3. Juni 2022

Ich wollte ein Eis ausgeben in Lublijana zum Geburtstag. Hier war der Wendepunkt der TAR und ich war gespannt auf diese Stadt, auf dieses Land, in dem ich noch nie war.

Nach ca. 3 h um etwa 06:30 wachte ich ohne Wecker auf. Als erstes, der Blick aus dem Fenster- die Sonne scheint! Was für ein Glück!

Ich bin auch gleich auf den Beinen, wecke Klaus, wie verabredet, der aber auch schon wach liegt: "Also los..."

albe Stunde später stehen wir an den gepackten Rädern- trinken noch einen Kaffee.

Zusammen mit Chris, dem Engländer, fahren wir zunächst auf 10 Kilometern 230 HM. Ich bin jetzt voller Euphorie und Energie, das wir unser nächtliches Tief überwunden haben, und jetzt in Richtung Lublijana fahren. Chris muss mich bremsen, denn Klaus ist wohl noch nicht richtig wach. Wir stoppen an einer Bar um zu frühstücken. Damit lassen wir uns Zeit und bestellen Kaffee und Cornetti -gleich mehrfach. Chris will auch keine Radwege mehr fahren. Für uns folgt nun zunächst eine rasante Abfahrt auf breiter Straße. Wir wechseln in der Führung und kommen gut voran. Die Grenze zu Slowenien wird passiert. Bis Lublijana soll es tendenziell nur bergab gehen- wir müssen aber diese Hauptstraße, die geradewegs dorthin führt, etwa zur Hälfte verlassen, weil sie zur Autostraße wird.

Wir stoßen wieder auf den Track, dem wir jetzt folgen wollen. Auf kleineren Straßen haben wir jetzt einige steile Auf- und Abfahrten. Wir fahren auf eine größere Gruppe mit Italienern auf, die wir aber bald wieder verlieren, weil diese nicht mit dem Track abbiegen. Und Chris verlieren wir an die Gruppe- nun fahren Klaus und ich wieder zu zweit. Nebenstraßen, keine Radwege, parrallel zur Hauptstraße. 30 km vor der Hauptstadt passieren wir Kranj. Ein schöner Ort in dem auffallend viele Junge Menschen und Kinder unterwegs sind. Eine Eisdiele- aber wir wollen zunächst in die Hauptstadt und zur Kontrollstelle.

Auf dem Weg in die Innenstadt passieren wir die Kontrollstelle (K7), nur 25 m links von uns an einer Parallelstraße gelegen.

"Wollen wir zur Kontrollstelle oder vorher noch eine Stadtbesichtigung!", frage ich Klaus. Ein ander Mal, wenn wir im Urlaub sind,  wollen wir dies nachholen. Es ist inzwischen schon recht heiß geworden und wir sind froh, dass wir uns alsbald in den Schatten setzen können. Andere Randonneure sind auch schon da und bald kamen auch Chris und die Italiener, die auch keine Stadtbesichtigung wollten.

Im Schatten genossen wir leckere Teigtaschen, Kuchen und Säfte. Erst , als wir unsere Speicher gut gefüllt hatten, brachen wir zur Rückfahrt nach Tarvisio auf.

Klaus Cleat am linken Schuh war defekt- er würde neue benötigen, ansonsten ist es schwierig im Stehen zu fahren, was Klaus gerne zwischendurch macht. SPD- SL sollte nicht so leicht aufzutreiben sein.

In Kranj fragen wir uns durch- es gibt einen Bike store vor dem gerade eine kleine Messe stattfindet. Drinnen findet Klaus die gesuchten Cleats und ich unterhalte mich mit dem Canyon- Aussteller, übers TAR und das Crossen und erfahre, dass er ein guter Bekannter von Mike Kluge ist. Anschließend fahren wir in die Innenstadt und nun gibt es endlich ein großes Geburtstags- Eis und Kaffee.

 Lecker ist es schon, aber nicht italienisch- komisch, irgendwie schmeckt es, wie das Eis damals in Ostberlin oder Tschechien....

Doch es muss weitergehen- auf dem Weg, den wir heute morgen hergekommen sind. Die Rampen einmal andersherum und später auf der Hauptstraße. Dunkle Wolken ziehen auf und ca. 40 km vor Tarvisio beginnt es zu regnen. Schnell sind wir wieder komplett nass; allein durch das Spritzwasser. Zunächst ist es noch warm, jedoch je höher wir kommen, wird es auch wieder kühler. Am Ende, nehmen wir doch mal wieder den Radweg, der tatsächlich gut zu fahren ist. Eine alte Bahntrasse, die uns fast direkt bis zur Kontrollstelle führt. Heute war es einfach nach Tarvisio zu kommen Es ist noch hell, als wir dort ankommen.

Mein Plan war es gewesen, noch 50 km weiter zu fahren, bis Tolmezzo. Ich hatte dort ein Hotelzimmer reserviert. Im Regen mit unseren nassen Klamotten weiter zu fahren, fanden wir jetzt nicht so sinnvoll. Zumal wir ja hier eine bekannte, komfortable Schlafgelegenheit hatten. So hatte diese  Tages- Etappe lediglich 240 km mit 2100 Hm - deutlich ruhiger und entspannter als der erste Tag.

Auch konnten wir heute etwas regenerieren; ein Ruhetag, der weniger abenteuerlich als der gestrige verlief. Dennoch benötigten wir knapp 14 h für diese Strecke. Weiß gar nicht, wo wir die Zeit verbummelt hatten.

Geburtstagseis in Kranj

Auch heute wieder gab es gutes Essen, freundliche Helfer, heiße Dusche und ein Feldbett. Und ich hatte einen richtigen Schlafsack in meinem Bagdrop- was für ein Luxus, verglichen mit anderen Brevets. Dementsprechend erholsam war der Schlaf (ca. 6 h) 

Slowenien ist schön, ähnlich schön wie Italien, aber kein Radfahrerland. Unfreundliche, ungeduldige Autofahrer und Radfahr- Verbotsschilder machten keinen Spaß. Der Kaffee war in Ordnung- das Eis kein Gelato.




Klaus und Chris mit Sonnenbrille in Lublijana, K7



 


















Samstag, 2. Juli 2022

Trans Alp Rando - Verona


Gegen 4:30 Uhr werde ich noch vor dem Wecker wach. Zur Toilette nehme ich das Handy mit als Taschenlampe. Den Lichtschalter möchte ich nicht noch einmal betätigen, denn da ging das Licht im gesamten Schlafsaal an.

Klaus hat meine SMS offensichtlich nicht gelesen und ich muss ja dann weiter, denke ich- da sehe ich den Anruf von Klaus in dem Moment, wo ich mit dem Handy den Weg zurück zum Bett leuchten will. So ein Zufall, denn ich habe mein Handy immer lautlos.

Klaus steht an meinem Rad- will bald weiter. Gut, sage ich, ich komme.

Keine Ahnung, ob er gerade kommt oder geschlafen hat, oder.....

Ich dusche noch schnell und bald sitzen wir noch im Dunklen auf den Rädern; folgen der SS50, denn die führt in Richtung Bassano del Grappa. Diesen Ort mit der schönen Brücke, kenne ich noch von unserem Urlaub im Valsugana. Und tatsächlich kommen wir nach einer zügigen Abfahrt ins Tal der Brenta. Vor Bassano halten wir für ein erstes Frühstück.

Und dann passiert etwas, was mir lange zu denken gibt: der Track führt zur historischen Brücke, biegt kurz zuvor nach rechts- eine kleine Abfahrt von vielleicht 2 Metern Höhe- und beim Bremsen greife ich links ins Leere- an der Vorderradbremse ist der Zug nicht mehr da, wo er sein sollte.

Die Hinterradbremse zieht nur leidlich und ich komme kaum zum Stehen.

Eine Schraube hatte sich gelöst - ich musste immer wieder daran denken, was in der rasanten Abfahrt in der letzten Nacht hätte passieren könne.

Was für ein Glück, habe ich wieder einmal gehabt.

Ich repariere die vordere Bremse mit der Schraube von hinten. Die hintere bekommt Kabelbinder. So geht es erst einmal weiter. Bloß keine steile Abfahrt mehr fahren mit diesem Provisorium. 

Zum Glück sind wir ja unten, also quasi schon fast auf der Höhe von Verona. Lediglich zwei Anstiege (und Abfahrten) hatte der Track noch zu bieten- wir versuchen diese zu umfahren. Überhaupt versuchen wir es noch ein paar mal mit dem Track und landen jedes Mal kurze Zeit später auf Schotterpisten.

In Creazzo (K13) stärken wir uns noch ein letztes Mal mit einer leckeren Suppe.

Es ist inzwischen wieder recht heiß geworden. Wir wollen jetzt auch ankommen aber die letzten Kilometer gleichermaßen genießen. Dazu stoppen wir noch einmal für ein Gelato.
Anschließend auch unser letzter Versuch tracktreu zu fahren. Entlang eines Kanals führt auf dem Deich ein kleiner Schotterweg. Zunächst noch recht gut fahrbar, ist dieser immer mehr zugewachsen und gleicht nun eher einem Wanderweg. Die Straße ist parallel auf der anderen Kanalseite und als es dann eine Brücke gibt, gibt es kein Überlegen mehr.

Von nun an folgen wir der Straße die direkt nach Westen, also nach Verona führt.

Dort angekommen gleicht die Straßenführung einem Spaghetti- Haufen und wir fahren zunächst einmal am Ziel vorbei in Richtung Innenstadt. Langsam nähern wir uns dem Zielpunkt- einen direkten Weg gibt es nicht. Nun zeigt das Garmin, dass wir keinen Kilometer mehr entfernt vom Ziel sind, als wir an einer Bierbar vorbei kommen. 

Da wir sehr durstig sind halten wir hier einmal mehr an, um uns zu erfrischen.

Leider fühle ich mich wegen des dortigen Publikums nicht besonders wohl.

Da wir während der gesamten Fahrt einen Tracker mit uns führen, können die Daheimgebliebenen uns verfolgen. Gerade hier so kurz vor dem Ziel, ist es natürlich besonders spannend und alle rätseln darüber warum 700 m vor dem Ziel die Geschwindigkeit auf 0,4 km/h steht und sich unser Punkt länger nicht bewegt.

Es ist das erste Mal, dass ich einen Tracker bei einem Brevet mit mir führte. Ein netter Zusatz für den Kontakt mit der Familie aber auch unnötiges Zusatzgewicht, wie ich fand. Natürlich kann der Tracker auch zur Kontrolle genutzt werden. So schrieben die Veranstalter im Nachhinein:

"Da es sich um eine Edizione Zero handelt, haben wir beschlossen, auch diejenigen zu berücksichtigen, die die Route nicht perfekt eingehalten haben. Nächstes Jahr, bei der offiziellen Ausgabe, werden nur diejenigen homologisiert, die der Route vollständig folgen."

Brevet fahren kenne ich anders-eher so wie es in den Regeln der TAR zu lesen ist:

"Die Strecke ist unbewacht, mit Ausnahme der Kontrollpunkte, die auch als Verpflegungsstellen dienen; sie befinden sich im Durchschnitt alle 75 km, die längste Etappe ist etwa 120 km lang. Sie haben die Aufgabe, die Einhaltung der Strecke durch die Teilnehmer zu kontrollieren, um die Genehmigung des Patents zu erhalten, und gleichzeitig die Teilnehmer während des Brevets zu unterstützen. .........
Der Radfahrer muss sich innerhalb der Frist an der Kontrollstelle einfinden, um sich validieren zu lassen.......
Der Veranstalter kann entlang der Strecke geheime Kontrollpunkte einrichten; Die Nichtbestätigung der Durchfahrt führt dazu, dass das Patent nicht anerkannt wird."

Vermutlich waren wir nicht die einzigen, die den Radweg manchmal gegen eine asphaltierte Straße tauschten. Das sagte ich auch gleich, als ich im Ziel interviewt wurde, also dass es Höhen und Tiefen gab und der Untergrund der Radwege eher einer Graveltour glich und nicht einem 1200er Brevet, so wie wir es bisher kannten.

In der Halle der Villa Guerrina war es kühl. Jetzt mussten wir erst einmal etwas regenerieren, duschen, die Sachen aus den Bagdrops sortieren und trocknen...


Auch gab es eine Massage. Ich hatte wohl Glück, dass gerade nicht so viele ins Ziel kamen- so dauerte diese 1,5 Stunden.

Wir mussten ja nun noch zum 8 Kilometer entfernten Hotel. Ich fragte nach einem Taxi und Davide, der auch die TAR 1200 gefahren war, brachte uns mit einem Bus der Sport Verona dorthin. Mitten im dichten Verkehr in der Innenstadt erklärte er uns lachend, dass er gar keinen Führerschein besitzen würde, da er Autofahren nicht mag- er wäre ja Radfahrer. 

Das Euromotel Croce Bianche ist perfekt für den Aufenthalt nach einem Brevet.

Man kann die Fahrräder mit aufs Zimmer und ruhig in der Lobby sitzen, mit der Familie telefonieren  und über die vergangenen Tage nachdenken.

Am nächsten Morgen gab es noch ein gutes Frühstück, bevor wir zum Bahnhof rollten. Die Rückfahrt mit dem Zug war dann auch fast ohne Abenteuer. lediglich der Umstieg in München war noch etwas spannend. Klaus wollte noch Getränke holen, während ich beide Räder zum Bahngleis schob. Der ICE ist wirklich lang und das Radabteil ganz am Ende. Es wurde nun langsam wirklich knapp, so dass mich ein Schaffner fragte, ob ich auch mit beiden Rädern fahren könnte!?

Natürlich kann ich. Also im Slalom durch die Massen einmal der Länge nach über den Bahnsteig. Kaum drinnen fuhr der Zug auch schon ab. Und Klaus? Hatte er es auch geschafft?

 

 

Donnerstag, 2. September 2010

1001 Mille Miglia 2010

 1001 Meile Italien 2010

Prolog:

Rüdiger wollte beim Super- Brevet seines Clubs helfen und so machte ich mich dieses Mal alleine auf den Weg nach Italien.
Für einen Super- Brevet vor der Haustüre, der auch durch meine alte Heimat NRW führt, fehlt mir die besondere Motivation, die man braucht, um so eine Tour zu bestehen. So freute ich mich auf das gute Wetter und die Schönheit der Städte und Landschaften in Italien.
Es gab wieder die Möglichkeit am Startort zu zelten , doch blieb es dort erstaunlich ruhig; lediglich ein Holländer, ein Franzose, Volker aus dem Kölner Raum und ich nutzten diese Möglichkeit 50m vom Startort entfernt zu übernachten- vielleicht lag es an den vielen Mosquitos.
An der Anmeldung in der Innenstadt lernte ich einige deutsche Teilnehmer kennen.
Gemeinsam mit Volker fuhr ich dann noch ca. 10 km aus Nerviano hinaus- ein bisschen warm fahren und die Ausfahrt kennen lernen, damit es nicht gleich wieder nach dem Start Orientierungsprobleme gäbe.
2 h vor dem Start treffe ich noch einmal die Berliner und wir beschließen einen weiteren Kaffee in ihrem Hotel zu trinken. Das Rad davor abschließen oder nicht??
Dann doch- ich habe ein kleines Kofferschloss dabei- es hält zumindest einen ersten Zugriff stand. Als wir aus dem Hotel herauskommen, verstehe ich zuerst gar nicht mein Rad liegt auf der Straße, ein Italiener steht dabei und beteuert, er wäre es nicht gewesen. Jetzt begreife ich langsam und sehe auch gleich das Malheur- das Drahtseil des Schlosses hat sich mehrmals um die Nabe des Hinterrades direkt zwischen Kassette und Speichen gewickelt. Es gelingt uns, dieses vorsichtig zu entfernen- es bleibt ein Schlag im Hinterrad und 4 angeknackste Speichen.
Kurz vor dem Start habe ich das Rad wieder zentriert- es läuft gut- doch ein mulmiges Gefühl bleibt. Bei der Startaufstellung treffe ich dann endlich auch Jens- wir wollen zusammen relativ weit vorne starten.

meine erste Tagesetappe:
Nerviano- Chiuso della Verna
560km / 4200 Hm (davon 2000 hm auf den letzten 74 km) in ca. 30 h

21:10 Uhr: der Start erfolgt recht flott und schnell sind wir auch aus Nerviano heraus. Ich kann es kaum glauben, was für ein Tempo hier gleich zu Beginn gefahren wird- die 4 ist immer vorne- das Tempo liegt zwischen 43 und 48 km/h!!
Einmal ist gar die 5 vorne. Dies ist nicht das Tempo, welches ich fahren will, doch möchte ich versuchen vielleicht bis zur ersten Kontrollstelle dran zu bleiben- muss ja nicht führen. Jens hört schlimme Geräusche an seinem Hinterrad, die offensichtlich von seinem Freilauf kommen.
Wir stoppen kurz und fahren dann zu zweit weiter. Gut so- das Tempo der Gruppe war auf Dauer doch zu schnell für mich. Aber auch Jens fährt mir noch etwas zu schnell. Zügig fahren wir durch die Nacht und bald ist schon die 2. Kontrollstelle in Colorno erreicht. Diese Mal müssen wir nicht lange suchen- es gibt eine offizielle Verpflegungsstelle. Jens drängt zum Aufbruch- was hat er vor? Um meine üblichen Tiefpunkt in der Nacht zu überwinden, hatte ich mich mit einem konzentrierten Energiegetränk versorgt. Doch wenig später, nachdem wir aus Colorno herausgefahren waren, passierte es wieder: die Augen wollten einfach nicht offen bleiben!! Ich sah mich nach einem geeigneten Platz um und es war wieder die gleiche Stadt, die gleichen Bänke, wie 2008, die mich zum Schlafen einluden!?
Eine h Schlaf reichte aus, um wach weiter zu fahren. Die Beine meldeten- das Tempo (ca. 31km/h) war bisher viel zu hoch gewesen und so fuhr ich ruhig mein Tempo weiter. Ich wusste, es würde noch eine Weile dauern, bis das erste Cafe auftaucht. Die Strecke führt jetzt lange Zeit direkt auf einem Deich des Pos entlang. Freue mich schon auf den Kaffee und da ist es endlich- dasselbe Cafe, in dem ich 2008 auch mit Rüdiger gefrühstückt hatte.
Inzwischen war es auch hell geworden und gut gelaunt startete ich in den Tag. Es rollte gut- oft fuhr ich stundenlang im Unterlenker für mich alleine geradeaus.
Parma und Bologna lasse ich links oder rechts liegen. Es wird wärmer und irgendwann möchte ich ein Eis essen. Zwei Deutsche sitzen schon vor dem Cafe und an einem anderen Tisch eine Gruppe Italiener. Weil es so lecker ist, esse ich gleich noch ein zweites Eis. Ein Gast erzählt, er kenne Lübeck und Travemünde, er habe dort Musik in Cafes gemacht macht entsprechende Handbewegungen.
Dies ist auch ein Grund dafür, dass ich im Ausland gerne unser Vereinstrikot trage- ich bin dann gleich der "Hamburgo" und diese Stadt kennen fast alle.
Die Gruppe der Italiener fährt los und ich will dies nutzen, um schnell nach Faenza zu kommen. Ich kann es kaum erwarten endlich in den Bergen zu fahren. Die Gruppe zieht mich tatsächlich mit über 30 km/h voran, auch wenn ich meistens vorne bin. Alleine würde ich mindestens 5 km/h langsamer fahren. In Faenza, der Keramikstadt, gibt es Nudeln auf Plastiktellern. Hier habe ich vor Jahren mal an einem Keramikwettbewerb teilgenommen und die Keramiken eigens dazu hierher gefahren.
Nachdem ich mit Toon aus Belgien "gemütlich" zu Mittag gegessen habe, verlasse ich Faenza wieder gemeinsam mit den Italienern. An einer Stelle weicht der Track wohl von der beschriebenen Route ab- ich folge den Italienern, die sich auskennen bis mir eine Wespe ins offene Trikot fliegt und gleich 3 mal zu sticht, bis ich sie endlich totschlagen kann- iiih! Nachdem dies überstanden ist, stehe ich alleine da und weiß gerade nicht wie es weiter geht. Ich sehe also zu, dass ich wieder auf den Track komme. Es folgt der erste lange Anstieg. Von Faenza bis zur Passhöhe sind es ca. 70 km. Höhenmeter, die erklommen werden, werden meistens schnell wieder durch eine Abfahrt zunichte gemacht. Ein endlos scheinendes Auf und Ab- war ich derjenige, der gerade noch die Berge herbeigesehnt hatte!? Doch irgendwann ist es doch geschafft und in dem Restaurant auf der Passhöhe gönne ich mir eine Cola und ein Stück Kuchen. Dort hängt das berühmte Bild von Coppi und Bartali, wo sie Hand in Hand über die Ziellinie fahren und ich erinnere mich in der Routenbeschreibung gelesen zu haben, dass diese Szene sich hier auf dem Pass abgespielt hat. Nach der Abfahrt treffe ich Bernd in der nächsten Kontrollstelle. Hier gibt es Brote, die nach Wahl, mit Schinken, Salami, Käse, belegt werden. Wenig später treffen auch Stefan und Ralf ein. Bernd und ich wollen zusammen noch bis Chiuso della Verna fahren- dies sollte das Ziel der ersten Tagesetappe sein. Ervin aus Kroatien schließt sich uns an. Der nächste Anstieg sollte von diesen dreien der Schwerste sein, doch dies empfinde ich gar nicht so- denn, obwohl der Anstieg sehr steil ist, behalten wir hier jeden Höhenmeter, da es stetig und relativ gleichmäßig bergan geht. Kurz vor dem Gipfel höre ich ein lautes eindeutiges "Ping", ich weiß gleich, es ist eine Speiche gebrochen. Es ist auf der Zahnkranzseite und ich habe weder Werkzeug, um die Kassette zu entferne, noch eine Ersatzspeiche dabei. Doch Bernd hat und ein Liegeradfahrer aus Bayern spendiert die passende Speiche dazu. Nach ca. einer h Arbeit kann die Fahrt weiter gehen. Bald danach sind wir auch schon im dritten und letzten Anstieg des Tages. Der Anstieg zum Kloster ist nicht nur sehr steil sondern scheint auch endlos zu sein. Stunden, so kommt es mir vor, klettern wir Meter für Meter, dabei helfen die Schilder am Straßenrand, die alle 100m stehen, wenig. im Gegenteil. Nach dem der Ort Chiuso erreicht ist, geht es noch einmal steil bergan zum Kloster Eremo della Verna, dort sollen die Schlafplätze sein. Endlich um 3. 19 Uhr erreichen Ervin und ich das Ziel- Bernd schien einige 100m zurück. Wir stempeln und essen erst einmal und lassen uns die Schlafplätze zeigen. Doch wo bleibt Bernd?? Inzwischen waren 20 min vergangen und kein Bernd im Ziel. Er hatte wohl kurz unterhalb des Klosters einen Platten und war dann zu Fuß weiter und verfehlte dann auch noch das Ziel.

2. Tagesetappe
Chiuso della Verna- Bolsena
220 km / 2800 Hm in ca. 15 h

Das Bett im Schlafsaal des Klosters war sehr komfortabel- ich schlafe ca. 2-3 h und starte wieder kurz nach 7 Uhr. Die Panne und die unerwartete Härte der letzten Etappe hatten mich ca. 2 h gegenüber meinem Plan gekostet. Ich empfand die gestrige Tagesetappe, als die schwerste, die ich in meinem Leben gefahren bin.
Als ich losrollen will, kommen Ingo und Klaus aus Berlin, die vor dem letzten Anstieg in einem Hotel geschlafen hatten. Wir wollen erst einmal zusammen fahren und dieser Vorsatz hält sich bis zum Ende des Tages. Wenn alles gut laufen würde, wollte ich bis Montalcino durchfahren- ich wußte, dass würde nicht einfach werden hatte es aber für machbar gehalten. Montalcino war Bergankunft beim diesjährigen Giro, Vinokurov fuhr hier ins rosa Trikot- ich selbst war auch schon zweimal bei der l eroica dort oben- vielleicht hatte ich mir dieses Ziel deshalb in den Kopf gesetzt!?
Doch die Schwere des letzten Tages steckte im Körper und forderte zu wiederholten Pausen auf. In einer Stadt versorgten wir uns mit einem Berg Obst und Käse, den wir komplett verspeisten. Auf der Passhöhe vor Passignano muss man einfach stoppen.
Ein Eis mit Ausblick über den lago di Trasimeno ! Dann die rasante Abfahrt- Huui! In Passignano gibt"s Dusche und frische Klamotten aus der eigenen Tasche, die hierher transportiert wurde. Ich drücke etwas aufs Tempo- h Pause ist angesagt- die beiden sind einverstanden. Ich denke, es wird langsam knapp, wenn ich bis Montalcino fahren will. Kurz vor Todi treffen wir auf Bernd, der wohl Probleme hat!? Er kommt uns entgegen? In Todi will ich eigentlich gleich weiter aber als ich erst einmal sitze und sehe, wie die anderen Pizza bestellen, werde ich schwach. Mein Körper braucht jetzt auch etwas, was ich ihm eigentlich nicht gönnen wollte. Beim zweiten Stück Pizza, die Füße liegen hoch, wird mir auch langsam bewusst, dass mein Ziel für heute viel zu hoch gesteckt ist und ich passe es meinen Mitstreitern an. Pomonte heißt jetzt das Ziel. Nachdem wir wieder eine Weile gefahren sind, wir uns mit Licht und Leuchtweste für die Nacht gerüstet haben, spüre ich doch eine Enttäuschung darüber, dass ich Montalcino aufstecken musste. Dies demotiviert mich sogar dermaßen, dass ich über einen möglichen Schlafstopp "schon" in Bolsena nachdenke, also 150 km vor der " Bergankunft". Ich habe auch die Worte des Holländers, der jetzt mit uns fährt, im Ohr, " wenn wir heute bis Pomonte fahren, können wir morgen abend vielleicht in Montecatini sein. Plötzlich ändere ich meine Pläne komplett: Ich fahre "nur" bis Bolsena, schlafe dort 6 h und hole morgen dann ausgeschlafen alles wieder rein- mindestens bis Montecatini oder vielleicht sogar die ganze Nacht durch wollte ich dann fahren. Es ist beschlossen. Ingo will auch in Bolsena schlafen, Klaus fährt mit dem Holländer noch bis Pomonte. Die Kontrollstelle ist in einem Restaurant direkt am lago di Bolsena ist wunderschön gelegen. Es gibt gutes Essen und dazu ein Glas roten Wein. Wir schlafen in einem Zelt, das zu diesem Zeitpunkt noch fast leer ist. Die Schlafstätte ist einfach und ich bin froh, dass ich meine selbstaufblasende Matte und den Schlafsack dabei habe.

3. Tagesetappe
Bolsena- Montecatini
370 km / 5300 Hm in ca.- 22 h

Als ich aufwache ist das Zelt komplett voll und Ingo schon weg. Ich trinke einen Kaffee und rolle gemeinsam mit Ervin los. Noch im Dunkel erreichen wir Pittigliano, wo ich die Kontrollstelle an der gleichen Stelle wie 2008 suche.... ich glaube ich brauche einen Kaffee- die nächste Kontrolle ist doch erst in Pomonte!? Bis dahin ist ein Berg zu überwinden- ich gönne mir allerdings zwei, dem Track und nicht den Pfeilen folgend, und eine Abfahrt mit über 20% auf Betonplatten!! Aua!
Einige Kilometer vor Pomonte komme ich wieder auf den rechten Weg und dort erwartet mich das beste Frühstück meines Lebens und natürlich auch Kaffee.
Die Engländer am Tisch sind sich noch nicht sicher, ob Tee nicht besser wäre und ob sie die Schotterstrecke der l eroica fahren werden. Für mich steht fest, dass ich wegen der angeknacksten Speichen die Ausweichstrecke fahren werde.
Irgendwann nach zahlreichen kleinen aber durchaus heftigen Anstiegen und einer kleinen teilweise geschotterten Straße durch ein Flussbett wartet der lang ersehnte Anstieg nach Montalcino. Zuvor erfrische ich mich noch in einem Restaurant mit Cola und kaltem Wasser. Der Anstieg ist lang und steil- doch ich fahre munter bergan- MONTALCINO. Etwas nerven die Motorradfahrer die hier mit einem Affentempo durch die Kurven rasen. Oben angekommen rätsele ich zusammen mit anderen Fahrern, wo denn nun die Kontrolle wäre. Wir suchen den piazza del poppulo und lernen dabei einen wunderschönen Ort kennen, der auf diesem Einzelberg gelegen einen einzigartigen Ausblick auf die toscanische Landschaft bietet. Auf dem piazza del poppulo warten zwei Uniformierte mit Stempel und Wasser auf uns. Im Schatten der Arkaden ist es kühl, doch ich halte mich hier nicht lange auf und schlängele mich durch die Touristenströme hinaus und hinab die rauschende Abfahrt. Die Etappe bis Castelnuovo Beradenga ist relativ kurz und auch die Höhenmeter sind kaum erwähnenswert. Nach der Abfahrt noch ein kurzes Stück und es gibt die Wahlmöglichkeit auf ein 15 km langes Teilstück der l eroica zu fahren. Es wäre für mich nun zum vierten Mal gewesen- doch in erster Linie halten mich die Speichen des Hinterrades davon ab. Es ist heiß geworden und ich etwas müde und hungrig.
Doch weit ist es nicht mehr bis Castelnuovo B. Vor mir ein Japaner, den ich gerne noch vorher einholen möchte. Ich trete also an einer kleinen Steigung einen etwas zu großen Gang im Stehen und es macht zum zweiten Mal "Ping". Gleichzeitig bemerke ich, dass auch die Luft aus dem Hinterrad entweicht. Kein Schatten!- ich schaue mir den Schaden an und bin, ehrlich gesagt, ziemlich bedient. Doch schon bald naht Rettung in Form eines Seattle Randonneurs. "Everything ok?"- "No!" Er hält und gibt mir eine kleine Dose mit einer Ersatzspeiche mit dem Worten: "read the instruction -read the instruction" und ist schon wieder weiter. Klasse. Ich freue mich über so viel Hilfsbereitschaft- er selbst könnte doch auch einen Speichenbruch bekommen.
Doch ohne Werkzeug, um die Kassette zu entfernen, komme ich noch nicht weiter. Ich versuche mit Messer und einem Stein den Rest Speiche zu brechen und zu entfernen. Es gelingt mir nicht bis zwei Engländer vorbeifahren: "Are you allright?"- "No!" ..und da sind sie auch schon vorbei gerauscht. Doch der Engländer kommt zurück und hilft mir so lange, bis wir gemeinsam das Problem gelöst haben.
Da er auch kein passendes Werkzeug dabei hatte, half seine Kreativität.
Bis zur Kontrollstelle waren es tatsächlich nur noch 6 km. Dort gab es ein reichhaltiges Büfett mit Obst, Gemüse, Schinken, Salami, Brot, Nudeln und so weiter.
Auch die l eroica stoppt hier zum letzten Mal vor Gaiole und auch hier gab es Festtagsmenü für Radfahrer, so dass ich mich hier jedes Mal schwer trennen konnte.
Hier gab es auch zum zweiten Mal die Tasche; das heisst Dusche und frisches Trikot. Ganz so lange hielt ich mich dieses Mal nicht in diesem gastlichen Ort auf, denn ich wollte noch im Hellen den Anstieg nach Castellina meistern. Gemeinsam mit den beiden Engländern rollten wir los und ich überlegte, ob ich ihnen, die sich, wenn es dunkel würde, ein Hotel suchen wollten, in Castellina für die großzügige Hilfe einen Kaffee ausgeben sollte. Doch am Anstieg hab ich sie dann irgendwo verloren.
Den Anstieg hatte ich von 2008 viel schwerer in Erinnerung- vielleicht war es aber auch die nun leicht aufkommende Euphorie, die mich den Anstieg "hochfliegen" ließ.
(oder der Energydrink, den ich in meiner Tasche gefunden hatte)
Es wurde auch kühler und vielleicht war es auch die Vorfreude auf die Nacht, die ich durchfahren wollte, dass ich gar nicht wie geplant in Castellina anhielt zum Kaffeetrinken. Es folgt eine lange steile Abfahrt, die ich leider nicht hinunterbrettern konnte, denn die Behelfsspeiche aus einem Kevlartau ließ sich nicht so stark spannen, dass das Rad völlig rund lief. Ich fuhr also mit offener Hinterradbremse und traute mich nicht mehr als 40 km/h. Das bedeutete aber auch häufiges und kräftiges Bremsen vorne. Es lief. Also weiter. Später könnte ich einen Radladen aufsuchen und das Hinterrad reparieren lassen. Ein oder zwei Orte weiter hielt ich dann doch noch für ein Eis und einen Kaffee. Viele Menschen standen hier vorwiegend vor dem Cafe und auf der Straße- redeten viel und laut und kümmerten sich nicht um den Radfahrer mit Licht am Helm. Noch schnell eine SMS in die Heimat- quasi als Urlaubsgruß. Dann wurde es richtig Nacht und ich genoss diese in vollen Zügen.
Ganz allein fuhr ich stundenlang nur begleitet von den Grillen mit immer wieder neuen Geräuschen. Dann auch mal ein Nachtvogel, der sein Lied anstimmte.
Ein letzter Anstieg vor Montaione, der letzte auch bis Montecatini.
Normalerweise fahre ich nicht so gerne in der Nacht- doch hier ist die Nacht lauwarm, der Mond scheint helle .
Die Kontrollstelle in Montaione, zu der ich um Mitternacht ankomme, ist eher einfach, die Gastgeber schon sehr übermüdet. Ich halte mich also nicht lange auf und fahre auf jeden Fall noch bis Montecatini. Dieses Teilstück ist eher flach. Es gibt Hauptstraßen, die natürlich um diese Zeit völlig leer sind. Es zieht sich noch eine ganze Weile bis ich dort ankomme. Hier ist eine große Turnhalle, hier ließe es sich gut schlafen. Als ich meine Matte ausgerollt hatte, sehe ich Stefan, der wohl auch noch nicht so lange dort ist. Ingo und Klaus, meint er, haben sich vorher ein Zimmer genommen. Ich habe also mein Tagesziel erreicht. Bevor ich mich schlafen lege sehe ich noch Volker und den Holländer (Ruud?) vom Zeltplatz, die gerade aufbrechen wollen.

4. Tagesetappe
Montecatini- Casella Ligure
286 km / ( ) Hm in ca. 22 h

So um 7 Uhr herum, wollten Stefan, Ralf und ich aufbrechen. Ich hatte für heute keinen festen Plan- wusste nur, dass diese Tagesetappe, laut Höhenprofil, versprach schwer zu werden. Die Strecke bis Aulla war bekannt- eine lange Talfahrt hinauf nach Castelnuovo Gerafagna- dort durch den Ort, durch die Menschenmengen kämpfen und dann begann der Anstieg zum Pass. Aber zunächst mussten wir Montecatini hinter uns lassen. Drei Fahrer und drei verschiedene Tracks sollten uns zunächst trennen, doch es gab nur einen Weg durchs Tal, auf dem wir uns dann schnell wiederfanden. Ganz leicht bergan führte die Strecke- genau das richtige für Norddeutsche Rolleure. Der Bergfahrer aus Berlin fällt zurück und Stefan kauft noch etwas in einer Apotheke. Ich wollte zügig durchfahren bis zu dem bekannten Fahrradladen. 9 Uhr stand auf dem Schild, würde dieser öffnen. Ich wartete 20 min und beschloss dann weiter zu fahren. Die Speichen würden hoffentlich halten.
Wir trafen uns wieder in Castelnuovo G. im Cafe- dort saßen auch schon einige Dänen um Peter Aerts. Gegenüber gab es einen Supermarkt und günstige Bananen, Getränke. Den Radladen am Ende des Ortes hab ich nicht gefunden und schon bald waren Ralf und ich im Anstieg zum Pass. Ein paar Regenschauer und Schokoladenstücke, die als Belohnung nicht bis oben hielten, später, dann die lange Abfahrt nach Aulla. Ein Selbstbedienungsstempel lag am Eingang zur Tankstelle. Meine Frage nach einem Radladen wurde nicht verstanden und ich wollte auch hier keine Zeit mit Umwegen und Warten verlieren. Wenn das Hinterrad bis hierher gehalten hatte, sollte es, hoffentlich, auch bis zum Schluss halten. Ich habe mir dann auch keine Gedanken mehr über eine Reparatur gemacht. Lediglich das langsame Abfahren ärgerte mich ein wenig, da ich schnelle Abfahrten liebe.

Da Ralf pausieren wollte, machte ich mich also alleine auf den Weg, der über einen Pass zum Mittelmeer führen sollte. Herrlicher Ausblick, als dieser endlich erreicht ist und eine lange Abfahrt hinunter. Zwischendurch stoppe ich vor einer Kurve, um meiner linken Hand, die vom Bremsen schon müde wird, eine Pause zu gönnen. Die Felge ist auch schon ziemlich heiß und ich will nichts riskieren.
Unten im Küstenort angekommen, esse ich mal wieder ein MOTTA-Eis vor einem Cafe- hier sitzen auch andere Randonneure. Kaum einer redet- alle wollen anscheinend nur ausruhen. Darauf folgt ein langer Anstieg, etwa 500Hm, wieder hinauf, damit wir anschließend nach Deiva Marina fahren- der Ort liegt dann wieder am Meer. Leicht und euphorisch fahre ich bergauf. Ich denke es liegt daran, dass man hier ständig neue, großartige Ausblicke auf das Meer genießen kann. Auf etwa halber Höhe, biege ich einem Straßenschild folgend links ab- ich wundere mich nur ein bisschen, dass dies schon die 500Hm gewesen sein sollen. Erst als die Abfahrt, viel tiefer hinab geht, als es das Höhenprofil zeigt, merke ich, dass ich verkehrt bin.
Unten, auf Meereshöhe angekommen, drehe ich einfach um. Was sollte ich sonst auch machen- meiner Euphorie fügte es keinen Schaden zu. Im Gegenteil- ich legte noch etwas an Tempo zu. Als ich endlich wieder auf dem Track bin, dem ich einfach nur hätte folgen müssen (!?), geht es dann noch einmal etwa 200-300 Hm nach oben.
Stefan überhole ich an einer Quelle- er war kurz vorm "Verdursten". Ich will mich jetzt nicht mehr überholen lassen und lege noch etwas an Tempo zu.
Endlich bin ich dann in Deiva Marina. Schön, dass die Mille Miglia jetzt nur noch zwei weitere schwere Pässe hat. Das Abendessen wird am Tisch serviert. Stefan und Ralf kommen und gemeinsam wollen wir nach einer etwas längeren Pause in oder durch die Nacht fahren. Der nächste Anstieg hinauf zur Passhöhe ist nicht so schwer- dafür lang. Oben angekommen fallen mir die Augen zu, da hilft auch nicht der Kaffee, den wir noch gemeinsam oben trinken- war es das mit der Nachtfahrt? Gemeinsam mit einem Franzosen, der beim Anstieg schon Schlangenlinie fuhr, legte ich mich auf eine Wiese. Als ich um Mitternacht aufwache, ist der Franzose schon weg und der Wind kräftig und frisch. Ich beschließe also auch weiter zu fahren. Ich habe keine Ahnung, was mich streckenmäßig nun erwartet und bin ziemlich überrascht, dass es wieder mal zur Küste hinunter geht nach Sestri Levante, einem großen Badeort.
Ich verlasse den Track, um direkt an der Küstenpromenade entlang zu fahren.
Es muss so zwischen 1 und 2 Uhr gewesen sein- nur noch wenige Menschen treffe ich unterwegs und ich genieße diese Nachtfahrt- der Mond scheint helle auf ein Haus am Meer, .
Irgendwann führt die Strecke wieder vom Meer weg- ein letzter Pass ist zu überwinden. Lange geht es nur leicht bergan durch Orte, in denen kaum noch Menschen unterwegs sind. Die Häuser werden weniger, dafür wird das Tal langsam enger, die Straße langsam steiler. Irgendwann halte ich einfach mitten in der Natur an. Dadurch wird der Anstieg nicht kürzer- war wohl auch keine bewusste Entscheidung (!?) zu stoppen. Ich lehne mich gegen einen Kilometerstein und versuche die Augen zu schließen- doch Insekten halten mich davon ab. Also weiter- und irgendwann ist auch dieser Pass erreicht. Ich durchfahre noch einen langen, zum Glück beleuchteten Tunnel und dann folgt eine längere Abfahrt bis Casella ligure. Hier ist die vorletzte Kontrollstelle bis zum Ziel. Diese will sich nicht gleich zeigen- ich denke es ist die Müdigkeit. Dort angekommen beschließe ich zu schlafen.
Bis Nerviano ist die Strecke, bis auf den kleinen Berg, auf dem sich das Mausoleo Fausto Coppi befindet, flach. Diese würde ich einfach in einem Stück, ausgeschlafen abradeln und, wenn nichts dazwischen käme, meine Zeit von 2008 leicht unterbieten.

meine 5. und letzte Etappe
Casella- Nerviano

Als ich diese etwas merkwürdige Schlafstätte verlasse und wieder zum Frühstücken zur Kontrollstelle gehe, treffe ich Stefan wieder einmal, der gerade ankommt.
Er und Ralf hatten sich in Sestri Levante in den Vorraum einer Bank (EC-Hotel), wie manche Randonneure es hierzulande manchmal, wegen Kälte und Nässe machen, zum Schlafen gelegt.
In einem Supermarkt kaufe ich Cola und einen Energydrink für den letzten "Ritt".
Auf dem Weg zum Mausoleo Fausto Coppi verfahre ich mich leider noch einmal- doch was sind bei so einer Strecke schon 15 km?
Kurz, etwa 120 flache Kilometer, vor dem Ziel kann ich auch dieses Mal, diese ehrwürdige Stätte nicht genießen und will einfach nur schnell weiter.
Ich treffe Klaus und Ingo hier und einen Italiener der das HBKH- Finishertrikot trägt.
Instinktiv begrüße ich ihn mit einem "Moin". Viel mehr Worte finde ich auch nicht mehr. Ich will jetzt endlich ins Ziel. Erstaunlich, wie viel von dieser letzten Strecke bis Nerviano, von 2008 noch in Erinnerung geblieben ist. Mir gefällt es jetzt im völlig flachen Terrain durch die fruchtbare Poebene zu fahren: Zwiebel- und Knoblauchfelder, die mit Kopfsteinen bestückte Brücke über den Po und später auch die Pontonbrücke, die wir überfahren. Ungefähr in der Mitte halte ich kurz um ein Eis zu essen. Es ist recht heiß geworden und ich genieße ein wenig die Sonne, vor dem Cafe sitzend.

Kurz nach 16 Uhr erreiche ich dann nach 115h 12 min den Sportplatz in Nerviano.
Geschafft.

Ich treffe meinen Neffen Peter, und wir verabreden uns, um im Hotel der Berliner später am Pool ein Bier zu trinken.
Erlebte Abenteuer werden noch ausgetauscht, bevor sich Müdigkeit breit macht.

Ein schöner Abschluss.



Frage an den aufmerksamen Leser: Wie viele Eis habe ich unterwegs gegessen?

Gerald "Motta" Heiß