Donnerstag, 2. Dezember 2021

1001 Miglia- Quatro volta

 

Prolog:

Das vierte Mal und in mancher Hinsicht ein besonderes Mal.

Die Mille Miglia und insbesondere die Primiere in 2008 hat mein Leben verändert.

PBP 03 und 07 waren Herausforderungen, die es zu schaffen galt, die MM ist mehr als das.

Für die MM 08 habe ich 5 Monate zuvor aufgehört Alkohol zu trinken.

Ich dachte es könne nicht schaden noch ein paar Kilo zu verlieren in Anbetracht des Profils und der Höhenmeter.

Und ich bin bis heute dabei geblieben.

Nach der Tour wollte ich nichts anderes mehr, als in Italien 1000 Meilen fahren.

2010, 2012 waren ebenso große Erlebnisse, wenn auch ein wenig die Herausforderung fehlte, da ich ja wusste, es geht.

2012 war es dann durch Sahara- Winde extrem heiß in der Toscana und das muss man erst einmal überleben.

An den Zweijahres- Rythmus hatte ich mich inzwischen gewöhnt, da kamen die Veranstalter auf die Idee den Rythmus auf 4 Jahre auszudehnen. Schade, dachte ich- fing nun an das Fahren im Gelände zu intensivieren. Trans Iowa V10 und V11 wurden zur großen Herausforderung und auch die Revange der Tuscany Trail. Diese mehrtägigen Gravel- Touren sind doch eigentlich auch Brevets- wird doch hier nach ähnlichen Regeln gefahren. Noch war aber die MM, also das Langstrecken- Fahren auf der Straße klar erklärtes Hauptziel des Jahres.

Nach 4 Jahren "Entzug" freute ich mich besonders auf die MM 2016. Ich trainierte sogar nach einem Trainingsplan und war "in Form" wie selten. Der o.g. Tuscany Trail diente zur Vorbereitung und wurde selbst zum Highlight der Saison, insbesondere weil ich mir 14 Tage vor der MM das Schulterblatt brach.

Das war schwer.

Wir, die Familie, hatten allerdings 3 Wochen in Sestrie Levante gebucht- eine Wohnung mit Balkon zur Strecke der MM hin.

Im Nachhinein betrachtet eine sehr schöne Zeit, vielleicht besser noch als die MM gefahren zu sein. Aber zunächst einmal war es schwer, nicht Rad fahren zu dürfen, die Kollegen am Start zu verabschieden....Ich war extra nach Nerviano gefahren dafür. Und auch das Trikot habe ich mir geholt. 

Als es gar nicht mehr ging, leihte ich mir ein Rennrad und fuhr Pässe auf dem Track. Nur das Bremsen in den Abfahrten tat weh.

Ich fuhr nach Deiva Marina und ich fuhr ein Stück auf dem 2008er Track. Wollte die Holzofen- Pizzeria aufsuchen- fand sie allerdings nicht.

Meine Königsetappe war dann von Bagni de Lucca (Anreise mit dem Zug) auf den Track. Hatte mir Kreide besorgt und schrieb Clausto Copy und Tommeke auf den Asphalt.

Klaus und Tom kamen dann irgendwann in Sestrie Levante an. Sie schliefen erst einmal bei uns, dann folgte das Programm, Baden am Strand, Eis essen und am Ende mehrere Familien- Pizza d' asporto auf dem Balkon unserer Wohnung.

 

In Nerviano am Start hatte ich gelesen, dass ARI eine Serie ins Leben rufen wollen mit weiteren Grand Tours, die dann im Jahresrythmus wechseln.

2017 sollte die 999 (Meilen) folgen im Süden Italiens mit Start und Ziel in Rom.

Diese Aussicht ließ mich die verpatzte MM schnell vergessen.

Zunächst hieß es, die 999 hätte weniger Höhenmeter und wäre somit einfacher.

Nach dem Tuscany Trail dachte ich eigentlich schon die MM wäre für mich Anspruch genug und ich wollte nicht noch mehr.

Es kam dann genau anders- die 999 hatte deutlich mehr Höhenmeter zu bieten und es war sehr heiß im Süden. 

2018 folgte die Alpi4000 mit vielen Pässen und einem flachen Teil in der Poebene.

Waren bei der 999 die Straßenverhältnisse sehr schlecht gewesen, so fand ich diese hier in der Poebene wieder.

So schlecht hatte ich die Straßen bei der MM nicht in Erinnerung.

Kurz gesagt, ich hatte vor dem Start der MM 2020 schon so eine Idee, dass dieser 1000 Meilen Super- Brevet wohl mein Letzter sein könnte.

Ultima volta?

Und natürlich musste es die MM sein, die ich zum vierten und vielleicht letzten Mal fahren wollte.

Auch eine Besonderheit- und unweigerlich stieg der Druck diesen Brevet fahren zu "müssen"/ wollen.

2020, wieder war ich gut vorbereitet, fiel die Veranstaltung aus, bzw. wurde auf 2021 verschoben. Es war zu erwarten gewesen, jedoch hatte ich bis zum Schluss gehofft.

Als Trostpflaster machten wir eine Radtour durch Dänemark.

2021 sah die Lage besser aus. Ziemlich sicher würde sie stattfinden.

Noch eine Besonderheit: der Veranstalter drehte die Strecke um und nannte die MM, The Green Reverse.

Das heißt, zuerst die Berge und dann 400 km flach entlang des Pos, wo ich dann ziemlich sicher alleine unterwegs wäre.

2012 fuhren wir diese flachen ersten 300 km in 10 Stunden in einer großen Gruppe.

 

hier geht es bald weiter.....



 



Mittwoch, 1. Dezember 2021

1001 Miglia- The green reverse

 


Erstes Etappenziel: Parabiago- Pontedera

470 km - 7500 Hm



 

 

 

Wie passend zur allgemeinen Diskussion über den Klimawandel.

Die grüne Umkehr! Passend gab es Hitzrekorde im östlichen Mittelmeerraum mit an die 50 °C. Langsam zog diese Hitze Richtung Westen und erreichte Italien rechtzeitig zu MM. 

The itinerary 2020 will run through the streets in the opposite direction of the “classic” route of the first 4 editions.


Thanks to the new route, the stages with altitude difficulties are placed in the first 1000KM giving a return to Nerviano easier and more enjoyable for the riders. The last 400KM are totally flat and accompanied by the fresh waters of the longest Italian river.

 Dieser Ansicht, dass die letzten 400 km dadurch leichter und vergnüglicher sein würden, teilte ich von Anfang an nicht. Im Gegenteil, ich freute mich auf die Berge und ahnte, dass die Fahrt durch die Poebene viel mentale Kraft kosten würde.

Allein schon wegen der bekannt schlechten Straßen, der Hitze und der vermutlich wenig abwechslungsreichen, geraden Straßen.

Wie gut, dass ich mit dieser Einstellung an den Start ging.

Ich war, wie üblich, über Verona mit dem Zug angereist und hatte ein Zimmer im empfohlenen Hotel gebucht und hoffte so vor dem Start Ruhe zu finden.

Dies gelang dann doch nicht so richtig. Wir waren insgesamt  zu sechs Bekannte hier, vier Schleswig- Holsteiner und zwei Bekannte aus Hannover.

Die MM als Rennen fahren , so sahen es wohl eher die anderen- ich wollte mich eigentlich davon distanzieren. Ich wollte diese, für mich so besondere MM genießen. Und das heißt, bei diesem Profil, alleine fahren. Ich muss mich vor so einem Brevet immer sehr stark konzentrieren und das gelang mir hier nur wenig.

Die ersten 100 km sind ja flach- vielleicht könnten wir hier zusammen fahren und von einander profitieren- da hatte ich nichts dagegen. Wir starteten alle fast zeitgleich- dann kam von hinten ein Belgier und spannte sich vor uns.

Klasse. Er fuhr wie eine Lokomotive, gleichmäßig immer über 30 km/h.

Abwechslung brauchte er scheinbar nicht. So gleichmäßig, wie ein Uhrwerk, hätte ich stundenlang weiterfahren können. Doch irgendwann, hinter der Pontonbrücke ging auch der Belgier mal aus der Führung und sofort begann das Zupfen und Ziehen und ich verabschiedete mich schnell von der Gruppe.

Der Belgier kam noch einmal von hinten und ich wollte mich reinhängen. Das ging jetzt aber nicht mehr und so stellte ich mich schon früh darauf ein, die restlichen 1550 km alleine zu fahren.

Drei Letten kamen von hinten- mit ihnen fuhr ich eine Weile. Ein Amerikaner stand auf der Straße, mitten im Nichts, und sah gar nicht gut aus. Später erfuhr ich, dass er wegen der Hitze und zu hohem Anfangstempo aufgeben musste.

Also, vernünftig bleiben und in einem guten Tempo, gleichmäßig weiter.

Castellania am Grab von Fausto Coppi ist die erste Konrolle. Kurz bevor ich dort ankomme, fahren mir Klaus, Tom und Thomas entgegen. Sicher ein besonderer Ort, aber da ich hier schon einige Male war, halte ich mich nicht lange auf. Es ist inzwischen dunkel geworden und ich denke ein starker Kaffee wäre nicht schlecht.

In der Abfahrt finde ich ein Restaurant und bestelle einen Dopio- Amerikano.

Der nächste Kontrollort ist Casella Ligure. Die drei sitzen dort beim Essen.

Ich fülle nur meine Flaschen und fahre gleich mit ihnen weiter. Zu essen habe ich genug an Bord. Regelmäßig esse ich meine Energiekugeln- eine neue Angewohnheit, die sich in der Vorbereitung bewährt hat. 

Wir fahren nun zu viert zur ligurischen Küste. Schöne lange Abfahrt.

In Sestrie Levante an der Promenade muss ich einfach anhalten. Oft hatte ich hier beim Kaffee auf Angela gewartet, die mit einer Gruppe von Langstreckenschwimmern hier ihren Ausstieg hatten. Die Luft war in dieser Nacht eigenartig- sehr warm mit einer nahezu 100% -igen Luftfeuchtigkeit. Das Trikot, das Rad alles war nass. Gleich im ersten Anstieg hinter Sestrie lass ich abreißen und als ich in Deiva ankomme, wollen die drei bald weiter. Mein erstes großes Etappenziel ist Pontedera bei km 470. Hier wollte ich meine erste Schlafpause einlegen. Ich wäre, so hatte ich im Vorfelde ausgerechnet, vermutlich sehr früh, also gegen 20:00 Uhr dort. Zu früh um zu schlafen- zu spät, um noch die nächste Etappe bis Castel Nuovo Beradegna zur passenden Schlafenszeit zu schaffen. Ich konnte es also auf diesen ersten 470 "ruhig" angehen lassen und mir 1 oder 2 h Schlaf unterwegs gönnen. Als ich die anderen auf der Turnmatte sitzen sah, war klar- hier würde ich schlafen. Es war einer der wenigen Matten hier in der Halle. Ich schlief sofort ein und wachte nach 2 h wieder auf. Das war gerade passend zum baldigen Sonnenaufgang. Die Strecke nach Levante kenne ich, es wird langsam hell und ich genieße die Abfahrt. In Levante würde ich ausgiebig frühstücken. In der Bar an der Ecke halte ich, wie auch schon 2010, und bestelle große Portionen. Viele andere Randonneure halten und frühstücken hier. Levante ist zu dieser Zeit schon sehr lebendig. Levante ist ein Küstenort- es geht also von hier erst einmal steil und lange bergan durch das berühmte Cinque Terre. Ich erinnere mich an einen Traillauf, den ich hier 2016 machte von der hintersten Küstenstadt bis zur vordersten. Oben angekommen dachte ich, ah, jetzt geht es wohl nur noch bergab bis Aulla. Hier wollte ich ein Eis essen. Denkste! Es gab eine Umleitung wegen einer defekten Brücke. Wieder sehr lange und steil bergan.

Und nun kommt die Hitze dazu. Ich bin wirklich froh endlich in der Abfahrt zu sein. Diese MM scheint ganz schön anspruchsvoll zu sein. Diesen Abschnitt, von Aulla bis Levante hatte ich, umgekehrt gefahren, nicht so schwer in Erinnerung.

In Aulla endlich das begehrte Eis. Das beste Eis der Welt, wie mir der Besitzer versichert und ich will das gerne glauben. Noch ein Anstieg bis zum nächsten Etappenziel Gorfigliano. 

Die Hitze!

Die Hitze setzt mir jetzt arg zu. Es ist Mittagszeit als ich diesen Pass hochfahre.

Es ist wenig Verkehr und ich fahre abwechselnd links- und rechtsseitig, je nachdem wo Schatten ist. Weiter oben ist kaum noch Schatten. In Gorfigliano will ich etwas länger pausieren, Mittag essen, duschen...

Weiter fahre ich einigermaßen erfrischt.

Ich freu mich schon auf Castelnuovo Garfagna, einem Ort, den ich in guter Erinnerung habe. Doch leider umfahren wir den Ort auf einer Ortsumgehung.

Schade, denke ich- aber so komme ich meinem Tagesziel schneller näher.

Irgendwo halte ich, um ein Eis zu essen und treffe Werner und Pietro.

Werner erzählt mir, dass er und Pietro sich nicht verständigen können, dass Pietro aber schon eine Weile immer an seinem Hinterrad fährt.

Als wir weiterfahren, verstehe ich: dass Pietro "den toten Mann macht", er aber sobald ich in den Steigungen abreiße, schnell wieder an Werners Hinterrad ist.

Lustig- ich beobachte dies eine Weile bis die beiden in Bagni di Lucca etwas länger stehen wollen.

Ich fahre dem letzten Pass des Tages hinaus aus den Apeninen ins Arnotal alleine.

Da es immer noch recht früh ist, halte ich an einer Trattoria und esse Spaghetti.

Pontedera ist jetzt nicht mehr weit und dort gucke ich, wo ich meine Matte zum Schlafen hinlegen kann. Es sieht so aus, als ob wir draußen auf einem Rasenplatz schlafen müssen. Nicht optimal. Ich dusche unter einem Schlauch im Freien. Kalt aber gut. Dann esse ich und als ich meine Matte aufpuste, sehe ich, das Klaus neben mir schläft. Eine schöne, seltsame Verbindung- immer wieder treffen wir uns wieder.

Als ich liege, wollen er und Thomas weiter. Thomas deckt mich noch mit seinem Rettungstuch ab und von Klaus bekomme ich eine Art Kopfkissen.

2 h hatte ich in Deiva geschlafen, 2 h waren die beiden vor mir in Pontedera.

Nach Mitternacht wurde es nass und kalt- ich fror. Ich zog um unter ein Zelt, welches zum Essen bestimmt war. Dort schlief ich noch einmal bis kurz vor Sonnenaufgang.


 

 



Dienstag, 30. November 2021

1001 Miglia Pontedera-Bolsena

 Pontedera- Bolsena

290 km- 4200 Hm





In Ruhe packe ich meine Sachen, frühstücke und rolle noch vor Sonnenaufgang los. Den erlebe ich dann in voller Schönheit- fahre ich doch gen Osten hinein in die toscanische Landschaft. Der erste lange Anstieg ist nicht steil. Treppenartig geht es bergan und ich genieße die Bilder, die mir diese Landschaft bietet.

Nächstes Etappenziel ist Castelnuovo Beradegna. Zuvor passieren wir die mittelalterlichen Städte San Gimignano, Monteriggione und etwas  weiter entfernt Siena. Die Landschaft ist traumhaft. Immer wieder wunderschöne Landschaftsbilder. Das Profil ist wellig- ein ständiges rauf und runter- keine langen Anstiege. 1700 Hm auf 112 km , immerhin. Noch ist es nicht sehr heiß und ich genieße diese Fahrt. Auch treffe ich einige andere Fahrer, Griechen und einen Deutschen, und unterhalte mich kurz bis wir uns wieder trennen.

Klaus und Thomas mussten ca. 6-7 h vor mir in Pontedera weggefahren sein, und ich rechnete nicht damit noch einen der Kollegen wieder zu sehen. So wunderte ich mich nicht schlecht, als Klaus in Castelnuovo Beradegna, als ich mich gerade zum Essen an den Tisch setzen wollte, vor mir stand.

Es war etwa zur Mittagszeit, als ich dort ankam. Ich traf zunächst Lucca, "mi Amico", der mich zum Buffet führte und auf das Angebot zeigte. Ja, Hunger hatte ich und ich wählte unter anderem den Brotsalat, Pancanella, der mir unbekannt war.

Der beste Brotsalat meines Lebens.









Da Klaus nun bald los wollte, ließ ich mir nicht all zu viel Zeit. Wechselte die Klamotten und füllte meine Depots auch in der Taschen wieder auf, denn hier gab es den 1. "bagdrop".

Der nächste Stopp wäre dann San Quirico d'Orcia, hier hatte ich mir 2008 beim Kaffee den nötigen Bon zur Durchfahrtskontrolle geholt und hier hatten Klaus und ich beim Tuscany Trail gefrühstückt. Vorher durchfahren wir die die Crete Senesi, diese einzigartige Landschaft.












Typisch, diese quietschenden Geräusche der Ketten angetriebenen Trecker, die eine sehr grobe Stolle aufwerfen. Wir fragen uns nach dem Sinn, dieser Art des Pflügens. Im Hintergrund ist oft der Monte Amiata zu sehen.

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 


 

Jetzt freue ich mich über diese schönen Fotos. Klaus hält öfter mal für einen Fotostopp- jedes Mal verliere ich den Rhythmus und fahre später einfach gleichmäßig weiter, was wiederum Klaus nicht so toll findet. Es ist auch inzwischen unglaublich heiß, kein Schatten- nur der Fahrtwind, der das Fahren erträglich macht. kurz vor San Quirico, fahre ich in einer Abfahrt in ein Schlagloch. Habe gleich ein komisches Gefühl, obwohl die Luft, nicht, wie bei einem Durchschlag üblich, sofort entweicht. Allmählich bekomme ich einen Platten. Kein Schatten! In der sengenden Hitze wechsele ich den Schlauch. Klaus schicke ich voraus- es reicht ja, wenn einer in der Sonne brät.

In Quirico will ich unbedingt ein Eis essen.

Dort angekommen sehe ich Thomas, der hier länger pausiert hat.

Unsere Pause wird jetzt auch länger. 2 Portionen Pasta für jeden. Endlich sitzen wir im Schatten. Ich flicke noch meinen Schlauch und lange warten wir auf eine Pumpe, die aus dem Dorf geholt werden muss. Es tat aber gut, mal aus der Sonne heraus zu sein.

Kein Eis und auch den Abzweig auf die Strade Bianche, die ich unbedingt fahren wollte, verpassen wir. So ist das, wenn man in der Gruppe fährt. Eine steile, schnelle Abfahrt- da macht es natürlich keinen Sinn umzukehren. Später im Flachen sehe ich eine Schotterpiste und da muss ich einfach mal den Track verlassen.


 





 

Es folgt der Anstieg zum Radicofani- Pass . Mal wieder ein längerer Anstieg und Thomas fährt voraus. Ihn sehe ich nicht mehr- auch nicht im Ziel. Er macht später eine lange Schlafpause in Bolsena. Radicofani passieren wir dann nur- wieder kein Eis. Erst später in der Ebene halte wir an einer Tankstelle.Kein Gelato aber immerhin ein Eis aus der Truhe. 3 weiter Randonneure folgen unserem Vorbild.

Ein Irrer will uns mit seinem kleinen Fiat Panda töten! Im Ernst. Nur mit viel Geschick und etwas Glück entkommt Klaus diesem Tötungsversuch. So etwas habe ich noch nicht erlebt und schon gar nicht in Italien. Später, bei der Geheimkontrolle, einer Pizzeria an der Landstraße erfahren wir, dass der Irre es auch bei anderen versucht hat. 

Pizza wollen wir in Sorano essen auf der schönen Piazza, die wir beim Tuscany Trail kennen gelernt hatten. Dort angekommen, wurden wir etwas enttäuscht.

Kaum Leben auf der Piazza- nur wenige Läden überhaupt offen. Es wird deutlich, die Pandemie hat Spuren hinterlassen. Nicht so einfach jetzt eine Pizza zu bekommen. Da es gefühlt, mehrere Stunden und einige Getränke dauert bis wir uns endlich sättigen können, erleben wir einen toscanischen Abend, der so sicher lange in Erinnerung bleibt. Auf den Treppenstufen gegenüber dem Pizzaofen sitzend, beobachten wir das wenige treiben in der Stadt, die wir 2016 so ganz anders erlebt hatten. Auch überdachten wir die aktuelle Tour und Klaus fragte mich, ob wir nicht von hier aus zum Meer fahren wollten, Eis und Pizza essen, toscanische Abende verbringen.

Natürlich fuhren wir nicht zum Meer. Um zu meinem Tagesziel am Lago Bolsena zu kommen, musste noch ein Berg bezwungen werden. Es war inzwischen Nacht geworden. Es gab mehrere Polizeisperren auf dieser Straße, die durch das Blaulicht schon von Weitem sichtbar waren. Sonst war eigentlich nichts los in dieser einsamen Gegend. Wozu diese Straßensperren? Vielleicht war es eine Übung für Polizeischüler- es wirkte etwas surreal.

Kurz vor Bolsena machte ich einen kleinen Endspurt- ich wollte nun endlich ankommen und schlafen. Es sollte keine Schlafgelegenheit geben hier, jedoch wurden wir wieder einmal (positiv) überrascht. Eine Bar und Duschen und Schlafgelegenheit in einer Turnhalle. Bestens! Klaus wollte weiter und wir trennten uns dann auch gleich. Jeder machte Seins. Klaus hat wohl doch hier geschlafen- ebenso wie Thomas.


Sonntag, 8. August 2021

20 Jahre Motta on the Road

 

 

Da muss ich dann in diesem Jahr wohl mit.

Den RM in Wesseln, der ja mein erster überhaupt war, findet wohl nicht mehr statt.

Los geht´s dann am 09.05 in Husum. Ich freu mich drauf:


https://www.nordcup-radmarathon.de/events-2021/

 

#1/8 Husum

Starker Wind war angekündigt und genau so muss es sein, wenn man in Husum den RM fährt. Es sollte auch der erste ! Frühlingstag sein mit Sonne und richtig warmen Temperaturen. 

Ich startete den RM um 8 Uhr in Treia zusammen mit einer 8 - köpfigen Gruppe um Bernd, die ich hier zufällig beim Vorbeifahren traf.

Die Veranstaltung war abgesagt und jeder konnte wann und wo er wollte starten, die Strecke abfahren. Zum Einrollen fand ich es ganz nett mit einer Gruppe zu fahren und so ein paar Kontakte zu haben. Speeddating war hier durch das Nortorfer Kreiseln angesagt.

Als die Gruppe aber schon nach 40 km Kaffeepause machen wollte, bog ich ab auf die Nordschleife und fuhr so die restlichen 170 km alleine.

So mag ich das- gerade bei Gegendwind mein eigenes Tempo fahren. Und der kam reichlich, nachdem ich den nördlichsten Punkt erreicht hatte.

In Bredstedt mache ich meine erste Pause bei km 80. Ein Kaffee von der Tanke. Es gab eine Bank in der Sonne mit Blick auf den Kreisel an der B5.

Eine wirklich schöne Strecke aber Highlight für mich sind immer die Kööge , insbesondere der Beltringharder Koog und die Umrundung der Insel Nordstrand.



Hier spürte ich die volle Kraft des Windes der nun meistens direkt von vorne kam.

Und ich stemmte mich dagegen und konnte noch eine gute Geschwindigkeit fahren.

In Husum wollte ich ein Eis- jedoch die Schlangen waren zu lang und so hielt ich beim Bäcker für zwei Stück Kuchen. Ein Stück noch weiter Richtung Süden- Bäume Knicks gibt es hier kaum. Aber dann war irgendwann der südlichste Punkt erreicht und ich flog meinem Ziel entgegen.

Auch hier noch einmal landschaftlich sehr schöne Streckenführung. Kurz vor Treia wurde ich noch auf eine mentale Probe erstellt, denn nun wollte ich langsam ankommen. Jedoch sollte ich ca. 5 km vor Treia noch einmal nach Süden in den Wind drehen und das auf einer schlechten Buckelpiste.

Belohnt wurde ich allerdings mit einem schönen Wald.

Nach 8 h war ich im Ziel und war zufrieden.


#2/8 Nortorf- Circuit 333


Wieder ein Landkreis- Brevet aber mit weniger Höhenmetern, als im Breisgau, deshalb war ich auch ohne Licht am Start. Zum vierten Mal fahre ich nun diese schöne Runde, weil sie auch perfekt in die Vorbereitung für die 1001 Miglia passt.

Die erste Veranstaltung mit Massenstart- ein ganz "normaler" Brevet nach langer Zeit! Ich war auf ein Rennen eingestellt und so kam es. Die Trikot-Taschen waren voll- ich würde deshalb auch lange ohne Pause durchfahren können. 

Unsere 14 -köpfige Gruppe lief gut. Kurz vor Gettorf wollte keiner mehr das Loch für mich zufahren zu den ganz Schnellen, sodass ich schon ansetzte, um selber aktiv zu werden.

Doch eine Trennung war wohl willkommen und so waren wir dann eine Gruppe, die zwar ein bisschen ruhiger aber dennoch immer noch sehr zügig unterwegs war.

Die erste Pause an der bekannten Brevet- Tanke in Rieseby bei km 152 erreichten wir nach 5h 11 Min. Anschließend war ein vernünftiges Gruppenfahren leider kaum mehr möglich und ich suchte schon eine Möglichkeit alleine weiter zu fahren.

Die 200 km- Marke hatten wir nach 6h 40 Min erreicht. Nett war, dass ich nun Nico vom ABC Wesseln wieder erkannte. Mit Nico war ich vor Jahren schon Brevets gefahren - wir teilen unsere Alpen-Brevet Erfahrungen 

Beim ABC Wesseln fuhr ich vor 20 Jahren meinen ersten (Nordcup-) Marathon!

Vor Hamdorf verließ ich die Gruppe und auch Klaus wollte lieber mit mir fahren.

Eine zweite Pause beim Bäcker mit leckerem Erdbeerkuchen. Die anderen beiden Stückchen waren auch nicht schlecht. Zu zweit fuhren wir bis ins Ziel. Begleitung hatten wir zeitweise noch von zwei Triathleten auf Zeitfahrmaschinen.

In Hohenweststedt an der bekannten Brevet-Tanke brauchte ich eine Cola (kein Eis).

Die 300 km Marke hatten wir nach 11 h (10 h netto). So schnell war ich selten bei einem Brevet.

Nortorf erreichten wir um 18:11 Uhr. Anschließend trafen wir uns noch bei den Schmittis im Garten beim Grillwürstchen.


#3/8 RG Hamburg

Hallo Michael,

anbei mein gefahrener Track.

Dierk und ich haben eine ausgiebige Kaffeepause in Mölln gemacht.
Ab Todendorf trennten sich unsere Wege.
Ich bin dann über Bad Oldesloe (Elvis) nach Eutin gefahren.

Da wir zeitweise entgegen der Trackrichtung gefahren sind , haben wir viele andere Fahrer getroffen- u.a. die Nortorfer um Bernd.



Es war relativ verkehrsarm- die Fußballfans lagen wohl noch im Bett.

Sehr gut gefallen hat mir der Trackabschnitt um Tremsbüttel- für mich unbekannte Straßen.
Aber auch sonst sehr schön, die Streckenauswahl.

Danke.
Euer Marathon war vor 20 Jahren mein 2. überhaupt, bei dem ich am Ende einen Einbruch erlitt. (Hungerast?)

Die Verpflegung gestern war auf jeden Fall reichlich vorhanden- Kuchen in Mölln und Eis in Bad Oldesloe.

gruss Gerald

 

#4/4 Holsteiner Wellenritt 

Geschafft! Die Nordcup- Serie ist komplett und das Finisher- Trikot verdient.

2001 waren noch 5 Marathons notwendig- aber so hat es gut in mein Trainingsprogramm für die Mille Miglia gepasst.

Früh aufstehen, im Dunkeln losfahren und dabei die Lichtanlage testen.

Der Holsteiner Wellenritt führt nach Ostholstein und so meldete ich Sternfahrt- Modus an, um zu Hause zu starten- das Auto stehen zu lassen.

Morgens also früh los ab Hutzfeld auf den Track und rechtzeitig zum offiziellen Start in Kaltenkirchen sein, so war mein Plan.

Denn dieser Marathon würde der erste halbwegs normale Marathon sein seit dem Lockdown. Mit Verpflegungstellen und Pfeilen, die den Weg weisen.

Auf dem Hinweg hab ich dann schon 3x geduscht, was abzusehen gewesen war.

Die Wetterprognose hatte meine Motivation vorab leicht getrübt. Doch beim Aufstehen und Blick aus dem Fenster war es trocken und die Vorfreude stieg wieder. Wenigstens im Trockenen starten, finde ich immer wichtig. Ich sitze dann beim Kaffee mit dem Rücken zum Fenster und merke nicht, dass es anfängt zu regnen..... Am Start also doch feucht- erfreulicherweise ist es nicht kalt um 04:30 und ich genieße es sogar völlig alleine auf den Straßen im Nieselregen im Lichtkegel meine B&M Lampe zu fahren. Es wurde auch mal trocken zwischendurch und auch die Sonne ließ sich mal sehen.


 


In Kaltenkirchen am offiziellen Start traf ich DEN DIRK und ich durfte mich noch verpflegen vom Tisch der Sternfahrer. in Wittenborn gab es schon die erste Verpflegung- hier war ich alleine, denn ich war wohl als einer der letzten gestartet.

In Schlamersdorf war dann die 2. Verpflegung.

Hier waren viele Radfahrer, denn von hier aus waren 2 Schleifen zu fahren und viele hatten die erste Schleife wohl schon hinter sich. Ich traf wieder einmal die Nortorfer um Bernd S. und ich traf Calli und Jochen, die mit einer schnellen Gruppe unterwegs waren und bald weiter wollten.

Ich hängte mich da rein und fuhr also gleich auf die zweite Schleife- die erste könnte ich ja später machen- denn die führte über Bosau, also schon zurück nach Eutin.

Das Tempo war flott und weckte mich auf. Eine Weile konnte ich auch dran bleiben. Bevor ich zum zweiten Mal nach Schlamersdorf ankam musste ich noch ein 4. mal duschen. Ich kehrte dann von dort aus direkt nach Eutin zurück. nach dieser 4. Dusche war mir auch etwas kalt und ich war froh, dass ich meine 200 km in Eutin geschafft hatte.

Eine schöne Tour.


Alle vier Marathons, die ja unter besonderen Bedingungen statt gefunden hatten , haben mir gut gefallen. Nun hoffe ich, dass die Trikotverleihung nicht mit einem wichtigen Crossrennen zusammen fällt.

Dazu trage ich dann mein erstes, verdientes Trikot aus 2001 und selbstverständlich reise ich mit dem Rad an.





Donnerstag, 27. Mai 2021

HolyGravel Spring Edition 2021

 


Prolog:

HolyGravel ist ein Cross-Brevet. 

Neudeutsch nennt man diese Art der Veranstaltungen "Gravel" , wie auch der Eifel-Graveller, obwohl da nur anteilig etwas Gravel (=Schotter) drin ist.

Passender finde ich den Begriff "Cross-Brevet" den wir vor Jahren prägten; eine Langstrecke, die mit geländegängigen Rädern gefahren werden kann.

Das ist auch passender zum Track, der doch viele, teilweise technisch anspruchsvolle Single-Trails enthält.

Die erste Hälfte der kürzeren Strecke führt größtenteils auf dem Fernwanderweg E1, die mir ja gut bekannt ist und sie führt nach ca. 200 km durch Eutin, wo ich zu Hause bin. So war ich beim ersten Holygravel, am 1.11.2019, dem kältesten Tag des Winters 19/20 hier geplant ausgestiegen.

Im Dunkeln durch den Wald wollte ich nie wieder crossen, nachdem ich mir bei einem 24 h MTB - Rennen  die Schulter verletzt hatte. 2019 war ich auch prompt gestürzt, kurz nachdem es dunkel wurde- zum Glück ohne Folgen.

Bei 16,5 h Tageslicht jetzt zu Pfingsten würde eine Fahrt im Dunkeln zumindest am ersten Tag nicht notwendig. In der zweiten Nacht wollten Klaus und ich sheltern, oder mal sehen, vielleicht, entgegen meiner Vorsätze, auch durchfahren.

Dafür würde ich auf jeden Fall gutes Dynamo- Licht benötigen. Doch es kam dann etwas anders: das Laufrad wurde nicht rechtzeitig fertig, weil ich die Speichenlänge falsch berechnet hatte. Außerdem musste Klaus am Samstag zur Impfung und somit würde für ihn der weitere Verlauf fraglich.

Ohne vernünftiges Licht würde ich auf gar keinen Fall nachts fahren- so viel stand fest. Mit Tageslicht also bis gegen 21:30 würden wir auch nicht all zu weit kommen, wenn wir erst gegen Mittag nach dem Impftermin starten.

Oft hört man die Profis sagen "Ich schaue von Tag zu Tag"- und so wollte ich es dann auch halten und machte mir keinen Plan ins Ziel zu fahren.

Überhaupt gab es ja Corona bedingt keinen Massenstart- jeder startet wann und wo er will und ob überhaupt ist auch eine Option, wenn die Wetterprognosen ungünstig sind. Und das waren sie- für das gesamte Pfingstwochenende vorhergesagt.


Klaus und ich verkündeten unseren Start für  Freitag um 08:00 Uhr am HBF in Hamburg .

So ähnlich sollte die ursprüngliche Startzeit für den Massenstart sein und wir erhofften damit, doch einige andere Fahrer zu treffen und möglicherweise ab der Grenze zu Schleswig - Holstein eine Gruppe zu finden.

Man solle Fotos schicken zur Kontrolle (?).

Das Ziel ist am Bismarckstein in Hamburg Blankenese. Genießt die letzte Auffahrt und macht oben ein schönes Foto von euch, von der Aussicht, vom Stein oder von eurem Rad – am besten alles zusammen.
Auf jeden Fall möchten wir auch Fotos von Euch beim Überqueren des Nord-Ostsee-Kanals auf der Hochbrücke in Kiel und von der Fähre. Und am Strand und überhaupt Fotos und Geschichten. Bei Insta, Facebook, Spotwalla, WhatsApp und natürlich auf Strava #holygravel

Kontrollen, ob Stempel o.ä., gehören für mich einfach dazu, dass hatte ich erst kürzlich beim 300er im Breisgau gemerkt. Dazu melde ich mich extra bei Insta an und machte auch gleich das erste Foto vom Start am HBF. So fühlten Klaus und ich uns gleich hip, denn Klaus meinte, das wäre viel wichtiger als das Fahren bis ins Ziel.

Warum nicht, da wo es schön ist, einfach bleiben und dies in den sozialen Medien kundtun.

Wir fanden es am Bahnhof nicht so schön und starteten zunächst neutralisiert in Richtung Entenwerder, wo Bernd und Knut mit der Startnummer 666 und einem Obstler auf uns warteten. Das war nett und mit Abstand verabschiedeten sie uns auf die Strecke.

 

Day 1

Ich hatte richtig Lust zu fahren und so fuhren wir zügig der Sonne entgegen auf bekannten Wegen. Ja, die Sonne war tatsächlich zu sehen ganz entgegen den Wetterprognosen. Gegen 11 Uhr fing es dann dann auch an zu schütten. Recht kräftig, so dass die Wege gleich überflutet und wir komplett durchnässt waren. Ich hatte sogar Regenklamotten dabei, die hielten zwar nicht trocken aber warm. Und so ließen wir uns nicht aufhalten- hielten nur einmal bei Lars und Britta, die wir beim Fischbrötchen- Brevet kennengelernt. Sie hatten sich in einem Carport untergestellt. Es war ihre erste mehrtägige Gravel-Tour. Jetzt bei den schlammigen Wegen sahen wir immer wieder Spuren von Fahrern vor uns- das motivierte zusätzlich das Tempo etwas zu erhöhen. Durch meine Brille konnte ich bald nichts mehr sehen- steckte diese ins Trikot, bevor wir an den Wurzel-Trail im Hellbachtal kamen. So oder so blind crossten wir über die nassen verschlammten Wurzel und auch das machte Spaß. Kurz dahinter überholten wir weitere 3 Fahrer, die , wie wir auch in Mölln, bei km 90, pausieren wollten.





K1 - Bäcker in Mölln - Fr 12:30

 

Kaffee und Kuchen im Doppelpack und ca. 25 Minuten später waren wir wieder

auf dem E1- Ratzeburg, dann entlang des Sees zum Drägerweg und Wakenitz. Bevor wir die letzte Siedlung Lübecks 2 h später wieder verließen, füllte ich meine Flasche in einem Döner-Laden auf, weil ich das in Mölln vergessen hatte. Das ging schnell, denn wir wollten uns nicht jetzt schon wieder aufhalten so kurz vor dem Herrentunnel. Obwohl wir wie die Wildschweine aussahen, waren sie hier sehr freundlich und hilfsbereit. Seit Mölln hatte es keinen Regen mehr gegeben und es sollte bis ins Ziel trocken bleiben. Inzwischen waren wir auch trocken gefahren- nur die Füße blieben nass. Immer noch machte es Spaß über die Trails zu brettern.


K2 - Shuttelbus am Herrentunnel 15:17



Eine zweite Pause machten wir dann in Ratekau (km150) an einer Eisdiele gegen 16:00. Wir hatten es nicht eilig weiter zu fahren, bis 2 Graveller an uns vorbeifuhren. Ganz unbewusst und ohne uns abzusprechen saßen wir alsbald auf den Rädern. Nun hatten wir wieder Spuren vor uns..Huui! Kurz vor der kleinen Brücke über die Schwartau hatten wir sie dann überholt. 

In Neustadt habe ich leider das Kontrollfoto vergessen, obwohl es garade hier in Oevelgönne, so kurz vor Eutin, nicht einfach war noch einmal in Richtung Osten abzubiegen.


K4 - Liebestempel Eutin 18:51


Der Liebestempel wurde nun nicht, wie empfohlen, zu meinem Shelter.

Nach 200 km konnte ich zu meinem nahe gelegenen Zuhause fahren

Daylight- Finish #1


Day 2

 

10:15 hatte Klaus seinen Impftermin. So konnte ich noch in Ruhe in der Sonne auf der Terasse frühstücken. 

Im Sommer 2012 konnte ich von hier aus auf das FLXHH- Nachtlager blicken.

Die Sonne schien, so ,wie sie es ja auch gestern morgen schon gemacht hatte. Es schien, als ob ein weiterer perfekter Tag auf dem Rad begann. Doch der Schein trügte, denn die Wetter- App prophezeite eher herbstliches Wetter mit Sturm und Regen. 


K5 - Sa 10:36 Eutin Stadtbucht

Nach ca 15 h Pause startete ich erneut an der kleinen Meerjungfrau Eutiner See.

Erholungsprüfung "gut" verkündete Angelas Garmin, die mich bis Malente auf ihrer Trainingsrunde begleiten wollte. Meine Beine fühlten sich auch gut an. Würde ich den "Guten Flug" am Kellersee heute fahren können?

An meinem Rad hatte ich heute eine Gepäcktasche mit Schlafsack und Wechselklamotten, wasserdicht verpackt. Daran lag es nicht, dass ich absteigen musste- die Chance ist 50/50 und ist meistens eine Frage der Konzentration.

In Malente am Bahnhof verabschiedeten wir uns und ich begrüßte Klaus, der pünktlich auf dem Parkplatz stand, als es anfing zu regnen. Wir stellten uns unter und hatten es nicht so eilig weiter zu fahren. Der Dauerregen begann und es wurde nur zeitweise etwas trockener. In Plön schon sprach ich vom Kaffeetrinken- ich war etwas müde. Doch Klaus wollte alsbald keine Pause machen- vielleicht in Kiel. Naagut! Doch dann hatte Klaus in Preetz schon einen Platten und ich meinen Kaffee, da ganz in der Nähe ein EDEKA geöffnet hatte. Der Wind war kalt, deshalb stellte ich mich mit dem Kaffee in die Bankfiliale und schaute beim Flicken zu. Entlang der Schwentine machte das Fahren dann auch gleich wieder Spaß, bis wieder einmal abrupt zum Stillstand kamen. Klaus saß in einer Wildschwein- Kuhle und schüttelte sich. Vor einer stark verwurzelten Abfahrt hatte ich gezögert und ihn damit ausgebremst. Klaus nahm dann den Umweg über eine kleine Anhöhe mit noch steilerer Abfahrt und stieg über den Lenker ab, konnte jedoch nicht auf den Füßen bleiben.....

Er zog sich bei der Landung eine Rippenprellung zu, die wohl sehr schmerzhaft war.

K6 - Bülk 16:45
So fuhren wir dann weiter- Klaus mit Schmerzen- vom Regen begleitet, entlang der Schwentine, durch Kiel, Altenholz, auf verschlammten Trails bis zum
Leuchtturm in Bülk. Kurz vorher hielten wir noch an einem Kiosk für einen zweiten Kaffee am Strand.

Nach dem Foto und anschließendem Hochladen bei Insta musste ich aufholen, denn Klaus war "langsam" vor gefahren. Es machte Spaß  mit Vollgas durch die überfluteten, schlammigen Trails zu brettern. Es dauerte, bis ich Klaus einholte- kurz bevor der Track an der Steilküste entlang auf den verwurzelten Trail führt. Dieser Abschnitt ist im Trockenen schon anspruchsvoll.

Manchmal mussten wir absteigen. Klaus hatte dabei wohl arge Schmerzen und konnte nicht im Stehen fahren. Ich musste immer wieder mal warten. 

Am Campingplatz bei Suhrendorf öffneten sich die Wolken nun vollständig. Alle Straßen, Wege waren überflutet. Später landeten wir im Sand- denn der Track führte über steile Treppen hinauf. Wir sahen ein, dass wir am Strand nicht weiter kamen und schleppten die Räder die Treppen hoch- das hat Klaus dann wohl den Rest gegeben, denn in Jellenbek verkündete er seine Rückfahrt zum Bahnhof Kiel.

(17:46)

Und ich überlegte, bis zu welchem Bahnhof ich wohl fahren könnte.

An ein Übernachten draußen, war gar nicht zu denken. Bis Felde wollten wir eigentlich fahren- dort in den Zug steigen und am Sonntag dort wieder einsteigen. Das wären ca 230 km geworden heute und am Sonntag wäre dann "nur" noch ein Rest von 170 km. Doch es gab da noch den Bahnhof in Rendsburg der nicht weit entfernt vom Track lag und Eckernförde, wo ich bald hinkommen sollte. Ich rechnete und insbesondere, als mir auffiel, dass ich gar kein Rücklicht dabei hatte, überlegte ich ernsthaft, wie weit ich es heute im Hellen würde schaffen können. Die Hüttener Berge wollte ich schon noch hinter mich bringen- sonst würde die Strecke am Sonntag echt lang. 

Den Track von hier aus bis Eckernförde mit seinen Sand- und Tragepassagen kannte ich sehr wohl und hatte ihn nicht ohne Grund bei FLXHH rausgenommen.

Ab Eckernförde (18:45) lief es dann aber auch wieder besser und ich konnte hochrechnen, dass ich es wahrscheinlich im Hellen bis über den Aschberg, also dann bis zum Bahnhof Rendsburg schaffen würde.

Sonnenuntergang gegen 21:30- also in 3 h würde es dunkel sein.

Hinter Fleckeby begannen die Rampen, die ich oft nur im kleinsten Gang hochwürgen konnte. Meine Beine fühlten sich nun doch recht müde an- das Brettern war vorbei. Auch bergab musste ich nun vorsichtiger sein, weil meine Bremsklötze, die ich morgens erst gewechselt hatte, schon wieder starken Verschleiß zeigten. Ein Nachstellen zumindest hinten war wegen des Gepäckträgers nicht so schnell gemacht. 

Ich hatte ja den Sonnenuntergang im Nacken.

K7- Heidberg 20:09

K8 Aschberg 20:45

Heidberg und Aschberg waren dann wieder bekannt durch den X- Weg.

Ich fürchtete schon den letzten Aufstieg, den ich sehr steil in Erinnerung hatte- doch heute ging es hier hinunter. Der Aufstieg auf Asphalt. Schon manches Mal habe ich nach langen Offroad- Strecken den Erfinder des Asphalts gepriesen.

Kurz vor 21 Uhr bin ich unten an der Straße und schaue auf die Uhr und auf den Zugfahrplan. In einer halben Stunde ist Sonnenuntergang und 21:51 fährt ein Zug Richtung Kiel. 14 km sagt Google- das ist machbar aber ich durfte nicht lange überlegen oder bummeln.

Ich entschied mich für die Hauptstraße mit Radweg. Die Beine waren leer.

So würde es noch knapp werden. Zum Glück kenne ich mich in Rendsburg gut aus und erreichte den Zug kurz vor Abfahrt.

Im Zug zog ich mir gleich die trockenen Klamotten an und mir wurde warm.

Nicht auszudenken, wenn ich noch eine Stunde hätte warten müssen.

daylight- finish #2

Zu Hause dann Badewanne, essen und den Giro den Zoncolan hochfahren lassen....

 

Ähnliche Fahr- und Standzeiten,
wie am ersten Tag- nur 30 km weniger


 weiter gehts im nächsten blog

 


Mittwoch, 26. Mai 2021

Holy Gravel Spring Edition- Day 3 and Finish

Ich guckte nicht schlecht, als Klaus um 06:35 in Malente am Bahnhof stand.

Damit hatte ich nicht gerechnet. So fuhren wir beide mit der Bahn über Kiel, wo wir uns mit Kaffee und Gebäck versorgten,  nach Rendsburg um "frisch" wieder auf den Track zu gehen. Die ersten Kilometer würden einfach sein- entlang des Kanals mit kräftigem Rückenwind. 

Neutralisierter Start am Bahnhof RD um 08:11

Klaus hatte das Rad gewechselt und fuhr nun sein Kocmo mit dicken, komfortableren Reifen. Würden diese Reifen die Schmerzen im Rücken mildern?

K9- Am NOK- Sonntag 08:30

Auf Spurplattenwegen flogen wir nur so dahin- der Wind war wirklich kräftig.

Schade nur, dass der Track zunächst einmal für ca. 30 km in Richtung Osten führte- Hamburg aber im Süden liegt.

Die Absätze in den Betonplattenwegen störten hierbei kaum.

K10 Fähre Landwehr 09:35

Südlich der Fähre begannen für mich unbekannte Wege. Sehr schön. In Westensee zerreißt Klaus seine Kette ohne ersichtlichen Grund. Er hat keinen Kettennieter dabei und meint das wäre ein Zeichen- wofür auch immer!? Wir standen vor einer alten Steinkirche mit einem schönen Blumen-Vorgarten.


Ein Zeichen von Freundschaft, vielleicht; denn ich mache mir die Finger dann schmutzig, als ich merke, dass Klaus sich kaum zur Kette hinunterbücken kann vor Schmerzen. Mit meinem Kettennieter, den ich zum Glück, meistens nur für andere nutze. Ich rede so etwas von Kindheit im katholischen Westfalen aufgewachsen, wo man immer das macht, was gemacht werden muss, getreu dem Motto: Nützt-ja-nix....naja, schon bemerkenswert dieser Stopp- vielleicht doch ein Zeichen? Lieber wäre mir wohl eine Pause vor dem Cafe "Zeit" gewesen, wo es guten Kuchen geben soll.

Wir fahren dann weiter über den Kieler Berg, 94m, bis Groß Vollstedt, wo Klaus erklärt, er wolle nun die "Zeichen" ernst nehmen und zum Bahnhof fahren.

Die Schmerzen im Rücken, Nebenwirkungen der Impfung.....ich fand es auch vernünftig. Nortorf wäre wohl der nächste Bahnhof, dort wo Klaus schon Zeit beim ersten Holy Gravel verbracht hat.

Später erfahre ich, dass er mit dem Wind auf der Straße noch bis nach Hause gefahren ist und noch später, dass 2 Rippen gebrochen waren. 

Der Track war nun weniger anspruchsvoll und das war gut. Zügig kam ich nun voran. Das Ziel war es möglichst schnell jetzt die Eisdiele in Aukrug zu erreichen, wo ich meine erste Pause machen wollte.

K11- Aukrug km 81- 13:03 Uhr

In der Sonne sitzen, ein Eis und einen Kaffee- Ah, das tat gut. Auch ein Telefonat mit meiner sportlichen Leitung über eine 1/2 h....diese Pause behalte ich in bester Erinnerung. Holy Gravel würde nun bald zu Ende gehen- ich hatte es jetzt gar nicht mehr eilig- war einfach nur unterwegs.....die beste Pause meines Lebens.

Südlich von Aukrug traf ich wieder auf den Track- ich hatte diesen wegen der Eisdiele etwas abgeschnitten und fand es gar nicht schlimm :-)

Ich kam nun ins Tal der Stör- auf Schotterwegen und einem schönen Trail direkt am Fluß, ging es immer weiter Richtung Hamburg. Vor Barmstedt, wo ich eine weitere Pause machen wollte, tauchten dann immer öfter Betonplattenwege auf, die ich ja nicht so gerne mag.

In Barmstedt bei km 137 fand ich dann aber nichts- Eis wollte ich nicht, auch keinen Döner, so fand ich dann nur ein Kiosk, wo ich eine Cola trank. Zu essen hatte ich auch noch in meinen Trikottaschen.

Im Ziel Sonntag 19:10 Uhr
Südlich Barmstedt dann vermehrt Spurplattenwege, die mir langsam auf den Nerv gingen. Dann gab es auch noch den Schauer des Tages. Ich stellte mich zwar in einem  Carport unter aber die Straßen waren so nass, dass ich nach diesem Schauer wieder mal komplett durchnässt war. 

Jetzt wollte ich nur noch ankommen und auch keine Betonplatten mehr.

Das Ziel erreichte ich dann um 19:10 Uhr. Jedoch den Bismarckstein konnte ich nicht finden. Den ganzen Park habe ich abgesucht- und ich war mal ein guter Geocacher!

Dort wo der Track endet (siehe Garmin) war nur dieser Baum, in den ich jetzt nicht reinklettern wollte !? Passanten konnten auch nicht weiterhelfen. 

Weiter fuhr ich zum HBF, wo wir vor 2 Tagen 11 Stunden und 42 Minuten gestartet waren.

Daylight-Finish #3

20:06 saß ich im Zug und freute mich über 3 schöne , anspruchsvolle Gravel-Tage.

Von der Anstrengung her, hatte ich die Tour gründlich unterschätzt und ich brauchte eine gute Woche um zu regenerieren.  











Mittwoch, 5. Mai 2021

Landkreis-Brevet der ARA Breisgau 24.04.21

Veranstaltungen im eigentlichem Sinne gibt es ja zur Zeit nicht.

Organisierte Radtouren können nur unter besonderen Bedingungen und Regel konform durchgeführt werden. Und so hatte ich das Glück an einem der seltenen Brevets teilzunehmen, dem 300er der ARA Breisgau. 

Böllchen II, so die ursprüngliche Bezeichnung, war als einziger Brevet noch nicht ausgebucht, als ich mich informierte und daraufhin auch gleich anmeldete.

Und ich sah auch gleich, woran das lag- dieser 300er hatte viele Höhenmeter und sollte vom Schwarzwald in die Schweiz und zurück über Frankreich führen.

Das Datum passte perfekt zu unserem Verwandschaftsbesuch (I- Grades) .

Es war dann schnell klar, dass wir nicht ins "Ausland" fahren dürften.

Aus "Böllchen II" wurde der "Nordschwarzwald- Brevet". Dieser bekam dann verschärfte Kontrollzeiten, wegen der neuen Ausgangssperren, sodass wir diesen Brevet mit einem Schnitt von 19,5 km/h fahren müssten, um rechtzeitig (21 Uhr) wieder aus dem entsprechenden Landkreis hinaus zu sein. Bei den Höhenmetern wäre es für mich wahrscheinlich eng geworden.

Der Landkreis Freiburg und Breisgau/Hochschwarzwald hatte keine Ausgangssperre und so machten sich die Organisatoren daran, sehr kurzfristig noch einen "Landkreis"- Brevet auf die Beine zu stellen.

Danke, an dieser Stelle für die vielen Mühen!

Individualsport im Freien mit maximal einer Person aus einem anderen Haushalt.

Also keine Veranstaltung sondern viele Individual- Sportler, die die gleiche Strecke absolvieren. Anmeldung und Kontrollen- alles kontaktlos mittels digitaler Brevet- Karte. Startzeiten waren wählbar von 4 Uhr morgens an im 10 Minuten Takt.

Ich wählte meinen Start um 07:05 , also kurz nach Sonnenaufgang.

Im Hellen im Ziel zu sein, hielt ich für sehr ehrgeizig, bzw. kaum machbar (für mich)

Deshalb entschied ich mich für das Laufrad mit Nabendynamo- ich musste mich entscheiden, da wir mit der Bahn anreisten. Auch dies eine gute Entscheidung im Übrigen- sehr bequem, schnell und kostengünstig.

 

Auf den "Startstempel" musste ich zunächst etwas warten, denn meine digitale Brevet-Karte wurde Punkt 07:05 erst freigeschaltet. Das Hochladen meines Standortes (GPS- Daten) und das Startfoto funktionierte gleich ohne Probleme und so machte ich mich alleine auf den Weg. Ich dachte so würde es bis zum Ende bleiben und ich freute mich darauf. Entlang der Dreisam führt ein Radschnellweg in Richtung Westen aus der Stadt. Schon bald hatte ich zwei Fahrer ein- und überholt. Es rollte gut bis wir am Kaiserstuhl eine lange Rampe hinauffahren mussten. Die erste von vielen steilen Rampen, wie ich wusste.
 
 
Das Profil hatte ich am Morgen bei Tee und Toast noch einmal studiert.
 


K1 war am Stadttor eines kleinen malerischen Ortes am Ende der ersten Abfahrt.



 

Anschließend folgten ca. 40 flache Kilometer bis zu einer weiteren kleinen Rampe kurz vor K2. 

Über das Profil des Brevets machte ich mir keine Sorgen: es gab zwei lange Auffahrten, die beide nach der ersten  Hälfte des Brevets hinter mir liegen würden.

Der erste davon, beginnend bei km 100, war der schwierigste, steilste Anstieg. Openrunner zeigte einige Abschnitte >15% an. Durchgängig sehr steil. Aber zu dem Zeitpunkt wäre ich noch frisch und dazu wollte ich bei km 70 meinen ersten Kaffee trinken, so mein Plan. In Auggen an der B3 sollte es eine Tankstelle geben.

Doch es kam  etwas anders- bei km 40 etwa traf ich Jannik. Jannik will einen Bericht über seinen ersten 300er schreiben und war neugierig- auch auf meine Erfahrungen. So erzählte ich viel und die flachen Kilometer rauschten nur so dahin.

In Auggen wollte ich dann gar nicht stoppen- ich verschob die Kaffeepause auf Kirchzarten als Belohnung für den ersten langen Anstieg.


 

Hinter K2 änderte sich das Profil, wurde abwechslungsreicher.

Wir fuhren überwiegend auf kleineren Straße durch die Weinberge des Markgräflerlands. Es gab einige Ortsdurchfahrten. Hübsche Gegend hier.

Kurz vor Staufen bogen wir ab ins Münstertal - von nun an ging es stetig bergan.

In Münstertal links weg den Stohren hoch- nie gehört. Ich hab das jetzt mal gegoogelt:

Der  Stohren  ist nicht ohne Grund ein gefürchteter Anstieg. Sogar Radprofis meiden ihn wenn die Form noch nicht ausgereift ist. Vom Münstertal aus kommend geht es links in die Steigung die sich auf 5 km mit ca. 18 % in Richtung dem Ort  Stohren  windet. Der  Stohren  ist die Verbindung vom Münstertal hoch in Richtung Schauinsland. Nach der Ortsdurchfahrt  Stohren  nimmt die Steigung von den Prozenten her ab und wird etwas humaner Dieser Berg ist ein Muss für alle die, die eine Herausforderung suchen.Quelle

Wenn ich das gewusst hätte....

Gut gewählt vom Streckenplaner, diesen Berg an den Anfang zu legen.

Und so hatte ich ohne den nötigen Respekt und mit noch frischen Beinen, wenig Probleme. Die Übersetzung 34/30 hat gerade so gereicht und manchmal habe ich mir eine kürzere gewünscht. Irgendwie erinnerte mich der Anstieg an den Mortirolo und nun weiß ich auch warum.

Außerdem wartete ja noch der Kaffee in Kirchzarten, doch als wir dort ankamen, lief es gerade so gut, dass wir schon bald den Ort  verlassen hatten und schon waren wir drin im nächsten Anstieg zum Thurnerpass. 

Immer noch waren wir zu zweit unterwegs. Jannik war im Anstieg etwas schneller als ich- doch meistens folgte darauf eine Kontrollstelle, an der wir uns wieder trafen und dann gemeinsam in die Abfahrt stürzten. Hier oben war es landschaftlich wunderschön- Schwarzwald aus dem Bilderbuch.

Mit dem Wetter hatten wir im Übrigen auch richtig Glück. Hatte ich am Morgen noch gefroren- es hatte gefroren in der Nacht, so schien tagsüber durchgehen die Sonne und es wurde richtig warm. So konnte ich die Fahrt nun richtig genießen. Auch lag das Schwierigste, die zwei langen Anstiegen  hinter uns.



 

Vom 4. Kontrollpunkt waren wir zu fünft mit Abstand los gefahren und es ergaben sich nun abwechselnd auch einige kurze Gespräche mit anderen Randonneuren.

In der Abfahrt, ich fuhr vorne, meinte ich einen Pfiff gehört zu haben. Ich drehte mich um und keiner folgte- da fiel es mir ein, dass hier bei km 160 eine Kontrollstelle sein sollte. Zum Glück war ich nur wenige 100 m vorbei gefahren, denn die Abfahrt war steil. 

An einem Gasthof standen, saßen Randonneure und tranken mit Abstand Bier. Die  Organisatoren hatten eine Kühlbox platziert und eine Spendenbox- alles kontaktlos. 


 

Etwas anders war dieser Brevet und doch war es Brevet fahren, wie ich es liebe.

Im Grunde alleine fahren und hin und wieder Gleichgesinnte treffen, die das gleiche Ziel haben.

Ich hielt mich nicht lange auf, denn nach der Abfahrt wartete der (erste!) Kaffee in Titisee, den ich jetzt auch nötig hatte. Wir hielten gleich am ersten Cafe', bestellten ein großes Stück Kuchen dazu. Wieder kamen andere Randonneure.

Wir tauschten uns aus über die 999 (ich trug das Trikot) und die anderen langen Brevets der italienischen Grand Tours Serie.

Kaffee und Kuchen waren nicht nur sehr lecker- sie machten auch schnell auf den kommenden Kilometern. Die Hälfte der Strecke hatten wir geschafft und es lief immer noch richtig gut. So hielt ich die Strecke vom Titisee über Feldberg Bärental zum Schluchsee im Nachhinein für flach. Rollte sich so weg. Als wir 3 Tage später noch einmal hier sind, merke ich, dass dies nicht so ist. Der Schluchsee ist ein Stausee, der zu dieser Jahreszeit erschreckend wenig Wasser hat. Wir fahren über die Staumauer und dann eine kleine Schleife hinauf zum Blasiwald und Muchenland. Ein Fahrer kam uns entgegen und schimpfte über den Belag!? Ich fand es hier märchenhaft schön und freute mich über die Schotterpiste in der Abfahrt. Zurück am Schluchsee rollte es weiterhin sehr gut.

 

Rampen gab es jetzt weniger, das Profil wurde etwas milder, jedoch das Auf und Ab blieb. In Lenzkirch K7 gönnten wir uns einen weiteres Stück Kuchen und unterhielten uns vor dem Supermarkt mit zwei Wanderern, die bei den Temperaturen draußen schliefen. Das mussten wir zum Glück nicht. Die Ankunftszeit zwischen 23 und 24 Uhr ließ sich jetzt schon einigermaßen treffsicher vorhersagen. 


 

In Unadingen am Bahnhof trafen wir wieder einmal Walter, den Organisator. Hier nun bei km 249 war die letzte Kontrollstelle vor dem Ziel. Als wir los fuhren war es schon fast dunkel. Von den verbleibenden 60 km waren eigentlich nur noch die Hälfte zu fahren, denn danach ging es nur noch bergab. Sobald das Tageslicht gänzlich verschwunden war, wurde es gleich kalt.

Ich war froh, dass ich so viele warme Klamotten mitgeschleppt hatte, um für die großen Temperaturunterschiede gewappnet zu sein. Auf diesen letzten Kilometern erinnere ich nur die Stille. Kaum Verkehr- nur Jannik und die Fotografen mit dem französischen Kennzeichen, die immer wieder mal auftauchten und für ein gutes Foto auf der Lauer lagen. Ich war froh, dass ich so gutes Licht hatte, fuhr mittig auf der Straße, damit ich ggf. das Wild rechtzeitig sehen konnte. Die Abfahrt über St. Märgen und St. Peter war rasant.

Kurz vor Mitternacht, also knapp unter 17 h war ich dann im Ziel.


Die Frage, ob das nun Quälerei sei, gab ich nun am Ende der Tour an Jannik zurück und warte nun gespannt auf seinen Artikel in der Zeitschrift "Fahrstil"

Glücklich, endlich mal wieder einen Brevet gefahren zu sein, fiel ich wenig später ins Bett.

Einer der schönsten- aber auch anspruchsvollsten 300er, die ich gefahren bin.