Freitag, 7. März 2025

Mille Miglia 2024- Chinque Volta

Prolog:

Manchmal träume ich von einem Super- Brevet. Ich befinde mich des Nachts an einer Kontrollstelle und komme nicht weiter. Fast, wie in einem surrealistischen Film- ich will fahren, aber irgendwas hält mich davon ab.

Es ist meistens nichts Konkretes- doch heute Nacht war es die Gruppe, mit der ich zusammen weiter fahren wollte.

Passend zu meinem Bericht, den ich heute früh anfangen will??


 

Bevor wir starteten am 16. August '24 lief nicht alles so entspannt, wie es sonst oft war. Zunächst sollte ich keinen Urlaub bekommen, weil Prüfungen verschoben wurden. Zum zweiten Mal in meiner beruflichen Laufbahn musste mit Kündigung drohen. Gut, die erste Hürde war damit überwunden. Der Kompromiss- ich musste bis zum 15. 08 noch arbeiten und musste somit nach Milano fliegen. Klaus und Tom würden mein Rad mitnehmen.

Ungerne gebe ich mein Rad aus der Hand vor einem Brevet und ich versicherte mich mehrfach, ob denn der Schnellspanner beim Transport heil geblieben war.

Der Flug an sich war in Ordnung- hatte allerdings ca. 1h Verspätung. Mein Plan war es, mit dem Zug noch bis Legnano zu fahren- dort hatte ich ein Hotel gebucht.

Jochen und Carsten waren auch mit im Flieger- Jochen hatte ein Leihauto gebucht.

Mein Zug fuhr stündlich- den sollte ich locker erreichen. Leider machte ich nun den Fehler mich überreden zu lassen, ins Leihauto zu steigen. Als sich herausstellte, dass dieses am Flughafen Linate stand, hatte ich noch knapp 10 Minuten bevor der Zug abfuhr. Vor dem Ticket- Automaten lange Schlangen mit Touristen, die nicht wussten, wie und wo und was.....

Als ich endlich ein Ticket in der Hand hatte, rannte ich zum Bahnsteig hinunter und suchte nach dem Entwerter. Was ich nicht wusste, es gab hier inzwischen neue Automaten, die das Ticket digital entwerten. Ein freundlicher Mensch klärte mich auf. Da fuhr auch schon der Zug ein. Zweite Hürde geschafft- mein Puls war allerdings recht hoch- ich setzte mich erst einmal. Da fiel mir ein, ich müsste bald umsteigen- wusste aber nicht wo, denn ich hatte mich bei dem Stress nicht schlau gemacht. Nebenbei versuchte mich der Hotelier mehrfach anzurufen- bis ich auf die Idee kam, wer es sein könnte, hatte ich den Anruf mehrfach weggedrückt.

Drei Inder saßen bei mir und halfen. Auf einer Web-Seite fanden sie die Info, dass ich an der zweiten Haltestelle den Zug wechseln müsste....ok.

Ein Schaffner kam und kassierte die Touristen ab, die ohne Ticket fuhren.

Unfreundlich meinte er zu mir, ich sollte an der nächsten (ersten) Haltestelle wechseln und ich glaubte ihm nicht sondern den freundlichen Indern.

Nach dem ersten Halt kam er wieder zu mir, war noch unfreundlicher und kassierte auch bei mir ein erhöhtes Fahrgeld, weil ich ja nun über Milano Centrale fahren müsste. Ich zahlte, wollte keinen weiteren Stress und stieg an der zweiten Haltestelle aus, um mir dort ein Taxi zu suchen. Von Saronno waren es nur 11 km.

Leider fand ich dort kein Taxi- nur einige betrunkene Menschen, die nicht helfen konnten. Milano- Vorstadt- Bahnhof! Kein besonders gemütlicher Ort. Es gab einige Telefonnummern, doch ohne Erfolg. In der Nähe eine Bar (Irish Pub). Auch hier wurde viel getrunken- ich fragte an der Theke nach einem Taxi. Neben mir stand Ibrahim, der mir gleich anbot mich nach Legnano zum Hotel zu fahren. Sein frisch gezapftes Bier ließ er sich in einen Plastikbecher umfüllen und ging mit mir zu seinem Auto. Was blieb mir anderes übrig- ich musste dort weg und Ibrahim machte einen vertrauenerweckenden Eindruck.

Schicksalsergebend setzte ich mich in seinen kleinen Renault. Wir kommunizierte mittels der Sprachfunktion seines Handys. Das war lustig. Als wir mit 130 über die Autobahn bretterten, übersetzte sein Handy, ich hätte Glück- ein Taxifahrer würde sich an die Geschwindigkeitsbegrenzung halten- so wäre ich viel früher am Hotel.

Auf die Frage, ob ich etwas Spritgeld geben dürfte, antwortete Siri: "Das dürfen Sie gerne" 

Am Hotel wurde ich freundlich empfangen und erfuhr auch den Grund für die vielen Anrufe: das Hotel war überbucht und voll mit Radfahrern aber sie hätten ein anderes Hotel für mich angefragt. Gleich fuhren wir weiter zu einem Motel an der Autobahn. Es glich eher einer Parkpalette aber die Zimmer waren ok. In der Minibar fand ich zwei Mini- Whisky.

Dritte Hürde geschafft.

Nach dem Frühstück am Morgen setzte ich mich  zu zwei Radfahrern, einem Italiener, einem Indonesier. In der Bahn traf ich einen Radfahrer aus Malaysia und bei den Gesprächen, kam langsam Brevet- Stimmung auf. Nur noch wenige Stunden bis zum Start. Bis auf den Schaffner hatte ich nur freundliche Menschen getroffen- darunter kaum Italiener. Das Internationale gefiel mir.

Am Startort traf ich Klaus und Tom- beide wirkten sehr entspannt- hatten allerdings schon Stress mit der Müllabfuhr gehabt. Nachdem wir die Startunterlagen abgeholt hatten, mieden wir die Menschenmengen und entspannten im Schwimmbad nebenan auf Sonnenliegen.

 

Ich hatte alkfreies Bier organisiert und machte noch beim Öffnen den Biniam Girmay beim Giro 2022- nicht das Auge, die Oberlippe nahm Schaden.


 









 

 

 

 





Mille Miglia 2024- Parabiago- Pontedera

Der Start am Rugby- Stadion von Parabiago war bekannt aus 2021- es wurde in Kleingruppen gestartet, für die wir uns vorher registriert hatten. Die Zeit wurde dann irgendwie vorverlegt, weil alle Startgruppen, die eigentlich hinter uns sein sollten, schon längst auf der Strecke waren- es kam etwas Hektik auf- ich fuhr dann einfach langsam los und bald hatten wir Fahrer aus Norddeutschland uns gefunden und fuhren zügig die breiten Straßen, die uns aus dem Einzugsgebiet Milanos herausführten. Die Pontonbrücke über den Ticino sorgte mal wieder für etwas Durcheinander und , als mir später jemand sagte, einer aus unserer Gruppe hätte einen Platten, war ich schon einen Kilometer weiter.

Ich stoppte kurz, sah niemanden mehr und fuhr alleine weiter. War sowieso mein Plan- spätestens wenn die Berge begännen, wäre ich doch alleine.

Beim Mausoleum Fausto Coppi wartete ich dann doch- es war inzwischen dunkel geworden. Ich war etwas verwirrt darüber, dass ich normalerweise, alleine hinten bin- nun war ich alleine vorne.

Die Kollegen kamen dann vereinzelt- gemeinsam fuhren wir aber weiter  durch die erste Nacht. Ich merkte bald, dass ich gut die Berge hoch kam und dachte, es könnte nicht schaden, etwas ruhiger in diesen Brevet zu starten. Es gab einen schönen nächtlichen Stopp an einer Bar am Straßenrand, wo wir noch einmal die Speicher auffüllten. 

Wir waren 2-3 Stunden später als 2021 gestartet- es machte also keinen Sinn wieder in Deiva Marina zu schlafen, denn da wäre es längst hell. Ich hatte ein Nickerchen in Sestrie Levante an der Promenade in Erwägung gezogen aber ich kam erstaunlich gut, ohne schwere Augenlider, durch die Nacht.

Hier angekommen war es dann sowieso schon hell und am Ende des Ortes, bevor es in den langen Anstieg zum Passo Bracco geht, gönnten wir uns eine ausgiebige Frühstückspause.

In Deiva hielten wir uns nicht lange auf, denn es zogen dunkle Wolken auf- Regen war angesagt. Doch oben angekommen endete unsere Sammelaktion in einer weiteren Pause mit Kaffee und Cola. 

Ab Levanto gab es eine Streckenänderung- in diesem Jahr sollten wir bis La Spezia auf der Küstenstraße (SP51) der Cinque Terre bleiben. Ein ständiges Auf und Ab mit langen teilweise steilen Anstiegen und Ausblicken auf die 5 berühmten Küstenstädte, Monterosso, Vernazza, Corniglia, Manarola und Riomaggiore.

Ein schweres Gewitter war vom Meer her im Anzug und dies sorgte dafür, dass wir nicht in Levanto ein zweites Frühstück einnahmen und auch sonst eher zügig unterwegs waren. Und so entwischten wir dem Gewitter- nur ein paar dicke Tropfen bekam ich ab. Einmal mussten wir doch einen Fotostopp einlegen- über dem Meer war eine Windhose zu sehen.

In La Spezia war es Zeit für Mezzogiorno- der Wirt eines Restaurant lud uns ein zum Mittagstisch. Sehr lecker und erholsam nach diesem schweren Streckenabschnitt mit 2160 Höhenmetern auf 80 km.

In Aulla hätte ich ein Eis essen wollen, schade. Dafür stoppten wir später dort, wo Klaus und Tom schon einmal schliefen.  Die Füße im Brunnen kühlen tat gut- war jedoch nicht gern gesehen.

War ich bislang mal mehr, mal weniger mit Klaus und Tom zusammen gefahren, so kam irgendwann, ich denke es war bei der Kontrollstelle Gorfigliano, Jörn aus Bernau, den wir von Bernds 333 kannten, zu uns. 

Eine Pause haben wir, glaube ich, nicht mehr gemacht- gehalten aber öfter mal.

 Die 116 km gingen bis auf den Anstieg zum Passo del Trebbio nur bergab.

Jedoch benötigten wir für den Anstieg gefühlt eine Ewigkeit. Klar waren wir alle müde, jetzt wo wir in die zweite Nacht hineinfuhren. Ein einsamer Randonneur mit Platten wusste nicht mehr weiter und ließ sich von Klaus den Reifen reparieren.

In der Abfahrt dann hatte Klaus selber einen Platten- kam zum Glück nicht zu Fall.

Die Decke war aufgeschlitzt. Aber auch das ließ sich reparieren- dennoch Pontedera, wo ich schlafen wollte, rückte einfach nicht näher.

Dort legte ich mich gleich schlafen unter dem Dach des großen Zeltes- es hatte geregnet- einen Schlafplatz im Innern gab es auch dieses Jahr nicht. Als ich aufwachte regnete es.

Langsam machte ich mich bereit weiter zu fahren.

Es wurde gesammelt- wir waren jetzt eine größere Gruppe Fahrer.

Jetzt kamen Jochen und Carsten an in Pontedera. Das wunderte mich etwas, hatte ich doch damit gerechnet, sie würden uns irgendwann ein- und überholen oder hätten es getan ohne, dass ich es gemerkt hatte.


 

 

Donnerstag, 6. März 2025

MM 2024- Pontedera- Radicofani

Geplant war eigentlich in Bolsena zu schlafen- eine gute Tagesetappe- doch dazu später mehr.....

Ich war ausgeschlafen, bereit für eine lange, bergige und schöne Fahrt durch die Toscana. Schon gestern hatte ich gemerkt, dass ich gut drauf war und das Warten manchmal etwas an den Nerven zerrte. Heute wollte ich mein Tempo fahren- doch erst einmal zusammen losfahren. Ich drängelte etwas- ohne Erfolg. Es war ja auch schon "lange" hell, wie man auf dem Bild sehen kann. Die Gruppe war jetzt etwas größer geworden und als wir endlich losrollten und ich mich nach der Ponte über den Arno umdrehte war ich alleine. Ich wartete, Jörn vermisste seinen Helm und fuhr zurück. Ich fuhr langsam weiter und wollte an der nächsten Bar warten- so das Warten sinnvoll nutzen.

Zu Zweit, war es Tom?, bestellten wir dort Kaffee und Cornetto. Die Räder standen auf der gegenüberliegenden Seite, damit die Gruppe uns sehen könnte....

Doch was geschah- nichts. Irgendwann fuhr ich dann alleine weiter. Puh, eine Last fiel von mir ab. So befreit fuhr ich nun lustvoll in die ersten Anstiege des Tages. Es lief gut. Viele andere Randonneure waren auf der Strecke, die ich überholte oder mit denen ich ein kleines Stück gemeinsam fuhr.

An einer längeren Steigung schloss Tom zu mir auf- ließ sich aber bald wieder zurückfallen- die Gruppe musste kurz hinter mir sein.

Es gab ein längeres Gravelstück- keine weiße Straße- eher rötlich-braun-ocker farbend mit teilweise dicken Steinen. Ich genoss dieses Stück- auch dafür hatte ich die Vittoria Corsa Conrol in 30 mm Breite aufgezogen.

Bis Castelnuova Beradegna (124km) fuhr ich wohl ohne Pause. Hinter Siena schloss Klaus zu mir auf und machte ordentlich Tempo- ich hatte Mühe, vor allem in den Abfahrten dran zu bleiben- wollte aber gerne mit ihm zusammen im Kontrollpunkt ankommen.

Hier hatte es 2012 diesen leckeren Brotsalat gegeben. Weiß gar nicht, wo Klaus dann blieb- ich muss ihn gleich mal fragen, wenn wir uns zu "Bund um Berlin" treffen.

Auf jeden Fall fuhr ich alleine weiter bis San Quirico d'Orcia.

Immer wieder mal ein Blick auf den Monte Amiata
 

An der Kontrollstelle setzte ich mich zu zwei weiteren deutschen Fahrern- lange mussten wir auf das Essen warten- schon wieder warten. Es war jetzt sicher schon 19 Uhr und das Thema Schlafen kam ins Gespräch. Ich erklärte Bolsena zu meinem Tagesziel, hatte aber schon den Eindruck, es könnte knapp werden, dort noch zu einer vernünftigen Zeit anzukommen. Die 2-3 Stunden, die wir am 16. später, als 2021 gestartet waren, zogen sich bislang durch den ganzen Brevet. das Tempo war offensichtlich nicht viel anders. Ich wollte dennoch an meinem Plan festhalten. Ich telefonierte noch mit meiner sportlichen Leitung und wollte schon aufbrechen, als die Gruppe mit Tom, Klaus und Jörn auftauchten. Sie machten einen sehr müden Eindruck auf mich und für sie stand fest, sie würden nicht bis Bolsena durchfahren und sich irgendwo ein "gemütliches" Plätzchen suchen, so wie Tom das 2001 mit Evelyn erlebt hatten.

Irgendwie fand ich das dann verlockend und ich beschloss mit der Gruppe weiter zu fahren- nur ein Eis wollten wir in San Quirico noch essen und dazu fuhren wir ein Stück auf dem Track zurück. Die Bar hatte Eis am Stil und viel Zeit.

Schon in der langen Abfahrt ins Tal der Orcia merkte man deutlich, wie müde manche waren. Schon bald sollte ein Schlafplatz gefunden werden. So bald!?

Gut, ich hatte mich jetzt entschlossen und irgendwie ist es auch ein gutes Gefühl, nicht alleine in die Nacht zu fahren. Tom hatte die gute Idee, auf einem Berg oben zu nächtigen, denn da würde es trockener sein. Es war viel Feuchtigkeit in der Luft- ein Gewitter war angezeigt. Da bot sich Radicofani an- nur den Pass müssten wir noch hoch und im mittelalterlichen Ort würde wir nach einer Pizza einen Schlafplatz suchen.

Klaus und ich kannten diesen schönen Ort vom Tuscany Trail 2016 und auch damals zog vom Monte Amiata her ein schweres Gewitter auf.

Der Anstieg dauerte gefühlt ewig und als wir endlich in Radicofani ankamen, waren fast alle Restaurants und Bars schon dabei abzuschließen.

Wir konnten allerdings noch Flaschenbier besorgen und in einer Bar gab es große Panini mit Käse und Schinken.

Wir verzehrten alles auf einem Platz aber es wurde Zeit einen trockenen Schlafplatz zu suchen, denn das Gewitter rückte immer näher. Beim Einfahren in den Ort hatten wir eine Baustelle gesehen, ein Haus mit einem großen Unterstand.

Dort angekommen machten wir es uns gleich bequem auf unseren Luftmatrazen.

Die Räder legten wir so hin, dass wir von der Straße aus nicht gesehen werden könnten. Der erste Stock der Baustelle war offensichtlich bewohnt- wir verhielten uns leise und es störte offenbar niemanden.


 

 

Mittwoch, 5. März 2025

MM 2024 Radicofani-Matassino Reggello

In der Nacht hatte es ordentlich geregnet. Als wir losfuhren, war es aber schon trocken. Es war noch nicht ganz hell. In der langen Abfahrt konnten wir Nebel in den Niederungen sehen- Tom hatte uns gut beraten, oben auf dem Berg zu nächtigen- auch, wenn es etwas frisch war bergab.

So eine gemeinsam verbrachte Nacht schweißt ja irgendwie zusammen und ich kam gar nicht auf die Idee alleine fahren zu wollen.

An der Tankstelle, die dann irgendwann auftaucht, frühstücken wir erstmal ausgiebig. Ah, das tat gut. Der nächste Stop ist dann die gar nicht so geheime Kontrollstelle in der Pizzeria.


Bald kommen wir in die Nähe der Tuffsteinstädte Sorano und Pitigliano. So schön, dass mir immer der Atem weg bleibt!

Sorano, bekannt durch unsere Pausen beim Tuscany Trail und der MM2021 zusammen mit Klaus. Dieses Mal pausieren wir nicht, wollen wir doch bald zum Lago di Bolsena- zur nächsten Kontrollstelle.


 


Hinter Pitigliano geht es lange bergauf und ich merke bald, dass das Tempo nicht zusammen passt. Ich fahre vor- würde in Bolsena warten. Da es aber auch noch bergab geht und dann lange geradeaus, kommen wir doch gemeinsam an.

In der Sporthalle will ich nicht bleiben- hier ist es ungemütlich und ich fahre gleich weiter bis zu einer Bar in der Stadt. Ein schöner belebter Platz. Ich bestelle Spremuta d' arancia - das Rad stelle ich gegenüber an den Straßenrand, damit die anderen mich finden könnten. Ein langer Stau bildet sich und ich kann mein Rad nicht immer sehen.....Dann kommt die Gruppe und möchte auch Spremuta und so wird es eine längere Pause. Das ist ok, denn nun folgt ein langer Anstieg und eine schöne lange Abfahrt nach Orvieto. Kleine Pause an einer Tankstelle und weiter in den nächsten Anstieg auf den Monte Peglia. Der lange Anstieg hat die Gruppe geprengt- Nur mit Klaus zusammen fahre ich über den Pass, der ungewöhnlich belebt ist- hier hatte ein Festival stattgefunden. Wo war die Hitze von 2021- doch in der Ebene, die lange Gerade bis zum Lago Trasimeno, da war sie wieder. Hier gab es nun nur noch wenige Einkehr- oder Erfrischungsmöglichkeiten.

Eine Bar, etwas abseits des Tracks- dort hatten sich viele Randonneure in den Schatten geflüchtet. In einer Bar in Pasignano sul Trasimeno sollte die zweite Geheimkontrolle sein, so viel war bekannt. Hier war die Gruppe wieder zusammen, doch beim Weiterfahren gab es Unstimmigkeiten und da wurde es mir zu viel und ich versuchte einen Angriff nach vorne raus. Das gelang auch ganz gut, so lange wir bergan fuhren. Später dann im Flachen überholte mich die Gruppe zügig- ich hatte sie offensichtlich wach gerüttelt. Doch ich war fest entschlossen, jetzt nicht mehr Gruppe fahren zu wollen und überholte an der nächsten Kontrollstelle, wo ich nur stempelte und gleich weiter fuhr. Den Vorsprung halten, bis Castiglion Fiorentino war nicht schwer und dann ging es in den nächsten Anstieg, den mir gut bekannten Hausberg von Arezzo. Dort wollte ich dann pausieren. Hinter Arezzo, die Tankstelle von 2021 hatte zu. Ich sah einen anderen Randonneur suchend nach einer Verpflegungsstation (I 'm verry (h)ungrry!!) Es war Agis aus Malaysia und wir fanden wenig später in Quarata ein Restaurant- es war noch früh am Abend und wir die einzigen Gäste. Ich versuchte den Wirt und die Speisekarte für Agis zu übersetzen- am Ende wusste ich nicht recht was wir bestellt hatten. Es sollte etwas vegetarisches sein. Die Nudeln mit Butter und Salbei waren sehr schmackhaft und es hatte sich gelohnt hier etwas mehr Zeit zu investieren. Ich freute mich endlich der Gruppe entflohen zu sein- denn nur so lernt man neue Leute, Randonneure, anderer Länder kennen. Und Menschen aus Malaysia war ich noch nie begegnet. Bald sollten es noch mehr werden, denn Agis sah, zwei Freunde entlang fahren und winkte sie heran. Nun musste ich wieder übersetzen- der Wirt schaute immer fragend zu mir. Da nun die Beiden erst bestellten, nachdem wir schon gegessen hatten, wurde es eine längere Pause. Die Drei lachten sehr viel und das war sehr ansteckend.

Ich dachte nun müssten meine Bekannten auch bald kommen und da waren sie auch schon. Wieder musste ich übersetzen-doch das wurde dann Tom und Jörn zu lang und sie fuhren weiter. Klaus, Agis und ich folgten bald.

Kurz hinter Quarata überquerten wir wieder einmal den Arno über die mittelalterliche Bogenbrücke , Ponte Buriano. 

Klaus war in seinem Element- ein welliges Terrain, wie er es von der Ostseeküste her kennt und in seinem bekannten Stil, bergan stehend zu fahren, machte er ordentlich Tempo. Ich war gestärkt durch die Pasta spürte aber langsam wieder die Müdigkeit. Agis war so müde, dass er automatisch, fast wie an einem Gummiband hinter uns herfuhr. Wäre er alleine gewesen, hätte er wahrscheinlich  angehalten und wäre am Straßenrand eingeschlafen. Klaus fuhr irgendwann vorne raus und irgendwie schafften wir am Ende diese gut 40 km bis Regello.

Die Kontrollstelle war bekannt aus 2021- nur hieß sie hier anders!?  Figline Valdarno. Der Blick auf die Karte verrät- es ist die Stadt auf der anderen Arnoseite.

2021 bin ich von hier aus  gleich weiter in den langen Anstieg und weiter bis Scaperia gefahren. Heute machte es hier keinen Sinn weiter zu fahren- zum einen , weil es schon deutlich später war und die Strecke insofern dieses Mal anders war, dass der nächste Kontrollpunkt in Dicomano keine Schlafmöglichkeiten bot.

Möglichst schnell in die Waagerechte kommen- so machen ich es immer. Also, nicht lange aufhalten, duschen, Platz für die Matratze suchen und hinlegen.

Die Duschen, die wir hier bezahlen sollten, waren schon sehr gebraucht und der Schlafsaal wohl auch- so entschloss ich mich, nach einem Becher Wein, mir draußen  ein ruhiges Plätzchen, etwas abseits des Trubels zu suchen.

Wie immer, schlief ich sofort ein und wachte ausgeschlafen am nächsten Morgen auf. Endspurt!? Nun, anders als 2021 und mit dieser Erfahrung, hatte ich geplant, in Pieve di Coriano am PO zu übernachten. Ich wusste, dass diese Kontrollstelle alles bot, was ein Randonneur nach 4 Tagen auf dem Rad braucht.

Geduld war also weiterhin gefragt, denn von den 5 Tagen waren ja erst 3 verstrichen.

Als ich beim Frühstück saß, jetzt mit Kaffee, kamen Carsten und Jochen zur Kontrollstelle. Während Jochen den Brevet wegen Sitzproblemen abbrechen musste, wollte Carsten gleich weiter. das passte zu meinen Plänen und so beschlossen wir, nachdem sich Carsten etwas gestärkt hatte, erst einmal zusammen zu bleiben.

 Auf 18 Kilometern sind nun etwa 900 Höhenmeter zu überwinden.

 

Dienstag, 4. März 2025

MM 2024 Matassino Reggello - Pieve di Coriano Borgo Mantovano

Dieser Tag würde zunächst die zwei höchsten Anstiege der diesjährigen Mille Miglia zu bieten haben, ca. 2250 Höhenmeter auf gut 100 Kilometern. Beide Anstiege führten auf knapp über 1000m- anschließend lägen die Berge hinter uns und weitere flache 500 km trennten uns dann noch vom Ziel. Fast 1/3 der Gesamtstrecke und ich wusste, dass man dieses flache Drittel in der Poebene nicht unterschätzen durfte. 

Zunächst 18 Kilometern mit etwa 900 Höhenmeter bis hinauf zum Kloster und Naturpark Valombrosa waren nach dem Frühstück zu überwinden.

Ich fühlte mich gut und lustvoll fahre ich in den langen Anstieg- dieses mal im Hellen. Da Carsten nicht geschlafen hat, auch Probleme mit den Füßen hat und so keinen Druck machen kann, passt das Tempo nicht zusammen. Dennoch fahren wir zusammen bis wir oben in Saltino sind, wo ich an der ersten Bar anhalte. Carsten will langsam weiter.

Da ich keine Ahnung habe, wo die anderen, mit denen ich den letzten Tag mal mehr- mal weniger zusammen verbracht hatte, waren, genoss ich jetzt das Alleinsein. 

"Manch Mensch mag denken, so einen Brevet wird mit den Beinen gefahren!? Mitnichten- die Konzentration auf das Selbst darf nicht verachtet werden!!"

(Klaus meint, ich soll blumiger schreiben ;-))

Endlich nach drei Tagen konnte ich mich auf mich selbst konzentrieren- was für mich zunächst eine ausgedehnte Frühstückspause bedeutete. Dies würde mein Tag werden, wo ich nur mein Tempo fahren würde mit dem Wissen, dass ich gute Beine hatte und dass ich sicher heute Nacht in Pieve di Coriano schlafen würde und dann auch sicher am folgenden Tag ins Ziel fahren würde.

Eine lange Abfahrt und schon erreiche ich Dicomano, ein Kontrollort, den wir schon bei früheren Austragungen angefahren sind. Carsten sehe ich kurz- er will hier schlafen. Sicher eine gute Idee. Nach kurzem Stopp, fahre ich weiter. Will ruhig und gleichmäßig fahren mit nur kurzen Stopps- so mein Plan.

Nach einem kurzen Flachstück entlang eines Flüsschens bis Borgo San Lorenzo geht es in den finalen Anstieg. Zunächst über den Passo Calla- eine kleine Abfahrt und dann der berühmte Passo Sambuca. Im Anstieg fahre ich auf Nina auf, die in London lebt. Lange unterhalten wir uns und merken nicht wie die Höhenmeter unter unseren Rädern dahin schmelzen. An einer Weggabelung ist eine mit Randonneuren gut gefüllte Bar- Nina stoppt- ich aber will weiter den letzten Pass bezwingen.

Leider wird es immer nebliger und dadurch auch feuchter. Später in der Abfahrt kann ich das Rad deshalb nicht so laufen lassen, wie ich möchte- schade.

Der Nebel lichtet sich weiter unten und gibt die Sicht auf dicke Regenwolken frei.

Es beginnt zu schütten, wie ich es in Italien selten erlebt habe. In Sekunden ist alles überschwemmt und da die Straßen ja hier nicht eben sind fahre ich durch tiefe Pfützen- das Wasser spritzt zur Seite und bremst die rasante Abfahrt.

Ebenso schnell ist der Regen wieder vorbei. Für mich war es eine willkommene Abkühlung und im Gegenanstieg bin ich schnell wieder warm.

Schon folgt die nächste Kontrollstelle- ein Radladen am Straßenrand. Gegenüber eine Eisdiele - dort treffe ich Tom und Klaus. Das Eis ist sehr lecker und ich überlege, ob ich noch ein weiteres esse.


 Ich fahre alleine weiter- die Beiden wollen noch pausieren.

Noch bin ich nicht unten in der Poebene angekommen:

"Una dolce e lunga discesa percorre interamente la valle Senio costeggiando il fiume"

"Ein sanfter, langer Abstieg führt über die gesamte Länge des Seniotals entlang des Flusses", heißt es in der Beschreibung des Veranstalters.

Lugo ist schnell erreicht. Auch hier halte ich mich nicht lange auf- erst in Massa Finalese wollte ich länger pausieren und essen. 

Doch diese Etappe ist lang und es ist heiß, so dass ich doch einmal am Straßenrand an einem Obststand halte; hier gibt es frisch gepresste Säfte, Tomaten und Aprikosen. Ich stelle mich neben den Stand und esse alles und komme ein wenig mit der Verkäuferin ins Gespräch. Am Ende darf ich nicht bezahlen!

Der zweite Stopp ist an dem mir schon bekannten Lidl- Supermarkt. Ich hatte die Schuhe ausgezogen, um mir etwas Kühlung zu verschaffen, was die Verkäuferin an der Kasse gar nicht lustig fand. Ich verstehe nicht so ganz, warum Schuhsohlen hygienischer sein sollen, bin aber ganz kleinlaut, denn ich soll an der Schlange vorbei - gleich abkassiert werden , um so möglichst schnell den Laden zu verlassen.

So kann man das auch machen, wenn man im Rennen ist, denke ich.

Vor dem Kontrollort werde ich von einer größeren Gruppe eingeholt und hänge mich da rein- ich lerne zwei Engländer kennen, einer unterhält sich mit mir angeregt- der andere mit gesenktem Kopf weniger. Er hat einen Shermer's Neck und fragt sich, wie er das Ziel noch erreichen kann. Armer Kerl!

Auf dieser verkehrsreichen Straße sind die Autofahrer wenig fahrradfreundlich- schade- es wird viel gehupt und eng überholt.

In die gleiche Richtung zurück führt der Track nachher auf einem Radweg, der eher an einen Cross erinnert. Dies Streckenführung habe ich schon 2021 nicht verstanden.

Das Essen am Kontroll- und Verpflegungsort war sehr lecker. Piadina und so, konnte ich Tom, der jetzt kam, empfehlen. Ich wollte weiter- da kamen auch Klaus und Jörn. Kurzer Schnack und dann weiter.

Ich war müde geworden- wollte aber auf jeden Fall noch die Strecke entlang des Pos fahren und zum Kontrollort.  Pieve di Coriano. Knapp 70 Kilometer trennten mich noch von der Waagerechten- ich sehnte die Schlafpause herbei.

Leider schleppten sich deshalb die Kilometer so dahin- der Zug war raus. Es wurde nun auch bald dunkel. Nach 30 Kilometern überquerte ich den Po.In diesem Jahr fuhren auf der Nordseite entlang des großen Flusses. Hier war absolut nichts los. Die einzige Abwechslung boten kleine Käuze oder Eulen, die auf der Straße standen und erst kurzfristig aufflogen. Die waren lustig! Ansonsten empfand ich diese Strecke eher eintönig und ich hatte Mühe mich wach zu halten.

Als meine Augen zu fallen wollten, hielt ich an und wartete auf zwei Fahrer, die ich kurz zuvor überholt hatte. Lieber etwas langsamer aber mit mehr Sicherheit falls etwas passiert, wollte ich fahren. Doch ich merkte bald, dass das keine gute Idee war- ständig verfuhren sie sich, hielten an und diskutierten.....

Also weiter und irgendwann erreichte ich den Kontrollort, den ich auch noch von Alpi4000 in guter Erinnerung hatte. 

Kurz duschen und dann schnell hinlegen. Der Blick in den Schlafsaal verrät, es gibt Klappliegen- was für ein Luxus. Bevor ich mich hinlege,  treffe ich zum ersten Mal seit dem Start die drei Hannoveraner, Evelyn, Henning und ?. Wir begrüßen uns nur kurz.

Endlich der ersehnte Schlaf auf einer Liege......!!!

 

 

 

 

Montag, 3. März 2025

MM2024- Das Finale

Das Finale beginnt mit einem ausgiebigen Frühstück und gutem Kaffee und freundlichen Helfern in einem Wohnwagen. Freundlich und gut gelaunt, nachdem sie wahrscheinlich die ganze Nacht hindurch gearbeitet haben.

Diese gute Laune ist ansteckend. Außerdem habe ich auf diesen Klappliegen wunderbar geschlafen. Als ich aufstand, kam gerade Der Dirk aus Schleswig-Holstein- ich bot ihm meine Liege an.

Mit zwei Hamburger Randonneuren hatte ich beim Frühstück geschnackt- fuhr aber alleine weiter.

85 Kilometer immer entlang des großen Flusses. Dieses Jahr im Hellen und es gibt immer wieder tolle Blicke auf den Po. Die in der Nacht eher eintönige Strecke macht nun Sinn und ist jetzt so kurzweilig, dass ich bald schon an der ersten Kontrollstelle ankomme. 

Ein reichhaltiges Büfett mit viel Obst und Pasta wartet auf die hungrigen Fahrer und nebenan ein Raum zum schlafen- perfekt. natürlich nicht für mich.

Fürs Schlafen zu spät- für Pasta zu früh.

Ich nehme Obst und Kaffee- treffe Nina und Karl, den Schweden hier wieder- fahre aber alleine weiter, denn die Beiden wollen hier kurz schlafen und währenddessen die Akkus von Navi und Handy laden.

Bald fahre ich auf eine kleine Gruppe auf- Rätsel um die Strecke. Ja, die führt tatsächlich über den Hof und auf einem unbefestigten Feldweg entlang.

Ich fühle mich wohl auf diesem Abschnitt. Dicke Wasserrohre der Bewässerung müssen überquert werden- ich versuche zu springen und lande fast im Matsch. Zumindest hat die Bremse davon viel aufgenommen und bremst nun die weiterfahrt.

Ich muss anhalten und mit einem Stock den Dreck weg kratzen. Erinnerungen an eine B- Road in Iowa werden wach. Schön. Der Abschnitt ist nicht so lang- wieder auf dem Asphalt versuche ich während der Fahrt auch den Dreck vom Reifen abzustreifen.

Bald überholen mich Ben und Michael. Ben kenne ich noch von seinen Brevets in Münster. Sie geben Zeichen ich solle mitfahren und gemeinsam machen wir ein gutes Tempo. Alleine wäre ich jetzt nicht so schnell vorangekommen- kann aber gut mithalten und habe etwas Unterhaltung. Kurz vor Fombio, der nächsten Kontroll- und Verpflegungsstelle, wollen die Beiden aber Cola kaufen. Eine größere Gruppe überholt mich- da ist auch Der Dirk mit dabei. Das Tempo kann ich aber nicht fahren. Kurze Zeit später stehen sie an einer Ecke- es hat wohl einen Unfall gegeben, wie ich von Der Dirk erfahre, der nun mit mir die letzten Kilometer bis zur Kontrollstelle fährt.

Diese ist wieder im Innenhof des Castellos. Auch hier wird alles geboten, was Randonneure jetzt nach fast 1500 Kilometern brauchen- ich will aber bald weiter- treffe Jörn zusammen mit Johann (Yuan), die bald aufbrechen wollen.

Ich fülle nur meine Flaschen und lasse mir eine Banane geben.

Im rasanten Tempo geht es nun weiter. 

Und nun beginnt wirklich das Finale- fast mit einem Endspurt. 

Diese letzte Tappa (124km) kann man in drei Abschnitte aufteilen:

Zunächst schnurgerade auf breiten Hauptstraßen bis Pavia- dann auf ruhigen schönen, gut asphaltierten Straßen entlang des Ticino bis Zerbolo. Hier wäre eine weitere Geheimkontrolle. Der letzte Abschnitt führt dann über die Pontonbrücke und weiter Richtung Norden, entlang der Bewässerungskanäle hoch bis Parabiago ins Ziel.

Yuan kommt aus Malaysia, spricht kaum englisch- so versuchen wir ihm ein paar Wörter deutsch beizubringen. "Geradeaus" und was er daraus macht, wird zum Motto, denn es geht wirklich ca. 40 km schnurgerade gegen den nun deutlich spürbaren Westwind. Huan nennt mich "Papa"- ich könnte wahrscheinlich auch sein Opa sein. Das findet er lustig- überhaupt, auch Yuan lacht viel, so wie ich es schon bei Ajis und Azly kennen gelernt habe.

Im Nu, das wäre etwas übertrieben, bewältigen wir diese etwas öde, breite Autostraße, indem wir regelmäßig durchwechseln. Gegenwind und geradeaus, das mag ich ja. Macht sogar Spaß, wenn alle mitziehen. In Pavia wollen wir mal wieder etwas essen und am Ortseingang bietet sich ein Supermarkt dazu an. Wir setzten uns davor in den Schatten und verzehren viel Obst und Getränke.

 Wir überqueren den Ticino über die Ponte Coperto. Ich beneide die Badenden am Ufer etwas. Wenig später beginnt die schöne Straße auf dem Deich entlang des Flusses. Einmal bei einer scharfen Linkskurve, wäre ich beinahe geradeaus und den Deich hinunter gefahren- ein Schreck, der mich aufwachen lässt.

In Zerbolo in der einzigen Bar des kleinen Ortes gibt es eine "Geheim"-kontrolle.

Endlich Eis. 


 Yuan telefoniert und plötzlich hat er es eilig ins Ziel zu kommen. Er drängt etwas zum Aufbruch und nun dürfen wir nicht mehr vorne fahren.

Es folgt die Pontonbrücke, die Veranstalter hatten empfohlen an der Seite auf dem hölzernen Gehweg zu fahren- nicht für mich- ich bin doch ein Crosser.

Ich hole Schwung und komme gerade einmal 2 m weit und der Hinterreifen hat keine Luft mehr.




 Der Mantel hat einen ca. 1 cm langen Schnitt abbekommen. Der Schaden ist gemeinsam schnell behoben. Jörn hat ein Tape aus dem Baumarkt- das sollte den Schnitt im Mantel abdichten und Yuan hat einen Minikompressor dabei.

Mit 4,5 Bar fahre ich weiter.

Der letzte Streckenabschnitt bietet ein schönes Finale- entlang der Bewässerungskanäle. Yuan filmt und chattet live mit seiner Familie und lässt sie an unserem Finale teilhaben- alles bei gleichbleibendem hohen Tempo !

Nach dem Chatt hat er es noch eiliger ins Ziel zu kommen und fragt uns, ob es ok wäre, wenn er nun vor fährt. 

Ein Ibis am Straßenrand

Zu zweit fahren Jörn und ich nun in Parabiago ein. Die Sonne ist gerade unter gegangen. Auf den letzten Metern ist bei mir der Stecker raus- da hilft auch kein "anfeuerndes" Hupen aus den Autos.

Im Ziel treffen wir Klaus und Tom und Yuan und später weitere Fahrer.



 

 

 

 

 

 

Sonntag, 2. März 2025

MM2024

Eine lange Geschichte- "Viel erlebt haben wir wieder einmal mehr!", schrieb ich am 20.August 24, kurz nachdem ich wieder zu Hause war.

 Und dass ich  noch weit entfernt davon war, einen Bericht zu schreiben.


 7 Monate hat es dieses Mal gedauert, bis ich soweit war. Und das ist gut so- es ist (fast) alles wieder da beim Schreiben und wieder befinde ich mich auf der Strecke, Bilder kommen, Namen muss ich teilweise recherchieren- zum Beispiel anhand der Finisher- Liste.

Dort fällt auf, dass Yuan nicht kurz vorher ins Ziel kam- es gibt einen Yuan, der 1h 20` später zusammen mit Ajis und Azly und auch mit Der Dirk ins Ziel kam. 

 Und kommt er womöglich aus Indonesien? 

 
Würde mich schon interessieren, was er in der Zeit noch gemacht hat. Hatte  er zum Beispiel seine Kollegen aus Indonesien und Malaysia noch vor dem Ziel erreicht- sind sie dann noch irgendwo angehalten oder hatten sie sich verfahren....
 
Vielleicht kann Stephan, wenn er LEL fährt, mit ihnen reden- denn dort wollen Sie fahren dieses Jahr.
Uns zieht es wieder nach Italien:
Nur noch gut 2 Monate bis wir dort bei der 999tuscany starten- dann wird es neue Geschichten geben......
 

 

 Und noch ein paar Fotos vom Finale:








 

Donnerstag, 27. Februar 2025

Rund um Berlin 2025

In diesem Jahr geht es zweimal rum, einmal rechts, einmal links.

Also zwei Brevets in diesem Jahr, zum Einrollen vor den ersten offiziellen Brevets in SH und HH.

Das Wetter hätte besser nicht sein können, denn pünktlich kündigte sich der Frühling an mit zweistelligen Gradzahlen nach einer längeren Frostperiode.

Widriges Wetter hatten wir oft genug aber ein Halt an einer Eisdiele vor Zypressen noch nicht. Fast Toscanische Verhältnisse- passend  zur 999, die ich in diesem Jahr fahren möchte.

   
Mein G. Motta ist noch rechtzeitig fertig geworden- Vor norddeutschen Zypressen  

Zu Zehnt sind wir langsam vorgefahren- Jochen und Carsten waren noch in Malente, haben uns aber bald eingeholt. Ludger kam schon aus NMS und Morten hat auf dem Markt den Kuchen vom Weber- Cafe probiert und für gut befunden.

In Hartenholm gab es die runden Berliner- doch den Bäcker fanden wir an anderer Stelle mit neuen Öfnungszeiten

 

Carsten und Jochen hatten dann also innerhalb von 30 Kilometern ca. 20 Minuten auf uns herausgefahren- und waren offensichtlich ganz froh, dass sie sich bei unserem ruhigen Tempo etwas ausruhen konnten. So blieben wir tatsächlich bis Hartenholm alle zusammen, was mir sehr entgegen kam. Sollte es gelingen die Runde wirklich einmal ruhig zu Ende zu fahren?? 

Sogar die Windrichtung war heute günstig- denn nachdem wir die ersten 30 km Gegendwind hinter uns hatten, kam er gefühlt nur noch von hinten. So flogen wir nach der Pause, Kellinghusen auf breiten verkehrsarmen Landstraßen entgegen- so lieb icks! Eine Baustelle mit längerer Sandpassage und das Kopfsteinpflaster bei Wulfsmoor und langsam wurde das Peloton kleiner. Hinter Kellinghusen teilten wir uns in zwei Gruppen- Carsten und Jochen hatten zu alter Form zurück gefunden.

Nächster Halt Bordesholm- da entdeckten wir eine Eisdiele, die schon offen ist!!

Am Ende wurden die Beine etwas müder- das dürfen sie auch beim ersten 200er der gerade eröffneten Saison.

Britta und Stephan waren zum ersten Mal dabei und Stephan hat einen kleinen Bericht geschrieben:

 

Dem Randonneur ist nichts zu schwör – ein Ausflug in die wunderbare Welt des Langstrecken-Radsports


Nach vielen Jahren im Banne des main stream - Radsports, unterwegs auf Carbonrahmen mit Hochprofil-Laufrädern und elektronischen Schaltungen, starteten meine Frau und ich Anfang dieses Jahres zu einer Reise in ein uns unbekanntes Territorium des Radsports: Wir folgten der geheimnisvollen Aufforderung zu einem morgendlichen Treffen vor dem Tor des Eutiner Schlosses, um dann in geselliger Runde von erprobten Randonneuren auf einem 200km Rundkurs durch Schleswig-Holstein, die Schönheiten des Radfahrens zu zelebrieren. Angesichts der umfangreichen Ausstattung vieler Mitfahrer (Kleidung, Nahrung, Ersatzteile) versicherten wir uns, dass keine Etappenfahrt geplant war. Wir erfuhren, dass die Regeln für Brevet-Fahrer weitgehende Autonomie bei der Bewältigung der Strecke fordern. Voller Erwartung, ob wir den Regeln gerecht werden könnten, starteten wir in den Vormittag, um schnell feststellen zu können, das aufmunternde Gespräch zwischen den Mitfahrern wurde hier intensiv genutzt, als eine moralische Unterstützung in langen Stunden auf dem Rennsattel; man könnte es auch als eine Form des Psychodopings bezeichnen, das glücklicherweise nicht auf der Verbotsliste steht und weitgehend nebenwirkungsfrei ist. Berichte über seltene Fälle von spontaner Taubheit lassen sich nicht verifizieren.

Kurzum, der minderschwere Verstoß gegen das Autarkie-Gebot durch kommunikatives Coaching klappte auch bei mir vorzüglich. Ebenso die praktische Unterstützung konnte ich ohne schlechtes Gewissen akzeptieren, als meinem Hinterrad noch vor mir, die Luft ausging. Chapeau den Radsportlern, die wissen, dass auch und gerade, der Radsportler ein soziales Wesen ist, das sich nicht von starren Regeln bestimmen lässt.

Am Ziel angekommen beschlossen meine Frau und ich, bei Weißbier und Würstchen in der Tankstelle, die Welt des Randonneurs in unser natürliches Radler-Habitat aufzunehmen. Dank an die Randonneure des 22.2.25.

Stephan H.

 

Den obligatorischen Tankstellen- Stopp hatte ich auch schon vermisst- ganz so unerfahren ward ihr wohl doch nicht ;-))




 

 

Mittwoch, 28. August 2024

5D 01h 43 M

 Meine Finisherzeit bei dieser 5. Teilnahme:


Viel erlebt haben wir wieder einmal mehr!

Noch schwieren Bilder, Geschichten durch den Kopf und ich bin noch weit entfernt davon, einen Bericht zu schreiben.....

Es wird wohl meine letzte Mille Miglia gewesen sein; das sagte ich auch zu Fermo, der mich daraufhin gleich einlud, 2028 als Crew- Mitglied dabei zu sein.

Da hab ich mich gefreut.....

Die 999 im nächsten Jahr- die wollte ich ja nicht noch einmal fahren.

Da kommt A.R.I. mit dieser Nachricht:



Die 999 als neue Veranstaltung in der Toscana, inclusive Monte Amiata!!!!